Derselbe Täter

Transsexuelle erneut angegriffen

Der gleiche Mann hat eine transsexuelle Bosnierin nun zum zweiten Mal angegriffen. Nach wie vor muss sie in derselben Flüchtlingsunterkunft wie der Täter leben, obwohl es Alternativen gäbe.

Faust

Als „Schwuchtel“ hätten die beiden Männer sie beschimpft, sie hin und her geschubst und versucht, ihr auf den Kopf zu schlagen. Sie solle „endlich aus Deutschland abhauen“, habe einer der beiden zu ihr gesagt. Am Ende kam Dervisa R. „nur“ mit einer zerrissenen Jacke davon. All das geschah am Samstag. Es ist das zweite Mal, dass die transsexuelle Bosnierin innerhalb eines Monats angegriffen wurde. Und einer beiden Männer ist derselbe, der die 24jährige vor wenigen Wochen in der Asylunterkunft Grunewaldstraße krankenhausreif geschlagen hat (unser Bericht vom 30. September). Das mutmaßliche Tatmotiv: Dervisas Transsexualität.

Tür an Tür mit dem Täter leben

Nach wie vor muss sie in derselben Unterkunft leben wie ihr Peiniger. „Wir hätten die Möglichkeit, sie privat unterzubringen“, sagt Marion Puhle vom Regensburger Flüchtlingsforum. Aber die Ausländerbehörde der Stadt Regensburg stellt sich, wie berichtet, quer. Ein Auszug der 24jährigen sei „aus ausländerrechtlichen Gründen“ nicht möglich, so die Auskunft der städtischen Pressestelle.

Der Hintergrund: Der Asylantrag von Dervisa R. wurde vom Bundesamt für Migration als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt – Bosnien gilt als sogenannter „sicherer Drittstaat“. Entsprechend spielte es bei der Entscheidung keine Rolle, dass Dervisa R. nach ihren Schilderungen in Bosnien nicht nur verprügelt und vergewaltigt, sondern sogar von der Polizei misshandelt wurde.

Zwar läuft derzeit noch ein Asylfolgeverfahren, aber so lange gilt Dervisa R. lediglich als „geduldet“ und darf – so will es die Asylbürokratie – nicht aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen. Sie lebt dort unter einem Dach mit muslimischen Männern, „die nicht akzeptieren können, dass es auch anders sexuell orientierte Menschen gibt“, so Marion Puhle gegenüber der Süddeutschen Zeitung, die am Montag über den Fall berichtete.

Täter verprügelte schwulen Heimbewohner

Die Regierung der Oberpfalz, zuständig für die Unterkunft, stellte die Angelegenheit nach dem ersten Angriff dagegen etwas anders dar. „Das Opfer wurde nach Angaben des Betreuers der Gemeinschaftsunterkunft allerdings nicht wegen seiner sexuellen Neigung, sondern wegen einer anderen Streitigkeit geschlagen“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion. Bisher seien der Regierung auch „keine Fälle von Diskriminierung und Gewalt gegen Asylbewerber aufgrund deren sexuellen Ausrichtung in den Gemeinschaftsunterkünften in der Oberpfalz bekannt“.

Für Marion Puhle ist diese Aussage ein Unding: Der mutmaßliche Täter, ein Iraker, sei bereits wegen Körperverletzung vorbestraft. „Sein damaliges Opfer war schwul.“ Es sei ziemlich eindeutig, dass der Mann etwas gegen Menschen mit anderer sexueller Orientierung habe und dabei auch vor Gewalt nicht zurückschrecke.

Angebot der Regierung

Puhle will nach dem zweiten Angriff auf Dervisa R. nun erneut mit der Regierung Kontakt aufnehmen. Gegenüber unserer Redaktion hatte ein Sprecher der Behörde schon nach der ersten Attacke erklärt, die 24jährige „innerhalb der Stadt Regensburg in eine andere Gemeinschaftsunterkunft zu verlegen“, wenn dies gewünscht sei. Eine private Unterbringung aber sei nicht möglich. Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Täter sind bislang noch nicht abgeschlossen. Wegen des neuerlichen Angriffs hat Dervisa R. nun eine weitere Strafanzeige erstattet.

UPDATE: Die Regierung der Oberpfalz hat reagiert. Der mutmaßliche Täter muss ausziehen.

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Kommentare (7)

  • joey

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    nicht Dervisa, sondern der Iraker sollte aus der Unterkunft weg müssen. Für Schläger (warum auch immer) sollte eine geschlossene Einrichtung „zur Verfügung stehen“ oder seine Ausreise.

  • Marion Puhle

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    @joey,
    ich habe die Verlegung des Irakers in eine andere Unterkunft bereits bei der Regierung beantragt und warte auf eine Antwort. Es kann nicht sein, dass Dervisa die Unterkunft wechseln muss, nur weil es Menschen gibt, die andere Lebensweisen nicht akzeptieren.
    Marion Puhle

  • Joe Kermen

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    Vielleicht wurde dem Iraker seine Heimat zu schwul oder warum ist er geflohen? Vor Gewalt oder Intoleranz? In jedem Falle keine gute Wahl…

  • Charlotte

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    Menschen wie dieser Täter haben hier nichts verloren. Wer unsere freiheitliche Grundordnung und die Menschenrechte so missachtet, sollte umgehend abgeschoben werden. Wenn wir da nicht konsequent genug sind, werden wir alle es später bitter bereuen!

  • Harry

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    Mal eine ganz blöde Frage. Lassen wir mal der Einfachheit halber außer Acht, dass Dervisa nicht dem Menschenbild des Täters entspricht. Er hat sie krankenhausreif geschlagen. Das allein sollte doch genügen, um ihn strafrechtlich zu verfolgen, auch wenn beide Parteien keine deutschen Staatsbürger sind?

  • Xaver

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    Eine andere „blöde“ Frage: Warum wird der Prügler nicht abgeschoben? Das ist die einzig sinnvolle Lösung.

    („blöde“ in “ deswegen, wil gleich wieder linke Spinner kommen werden, die den Prügler noch verteidigen wollen….)

  • blauäugig

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    @xaver Ihre „einzig sinnvolle Lösung“ leuchtet nur sehr einfach Strukturierten ein. Ich bin dafür, dass nicht wegen des rechten Mobs das Strafrecht ausgehöhlt wird und hier begangene Straftaten auch hier geahndet werden. Das hat nichts mit Verteidigen des Prüglers oder linker Spinnerei zu tun, sondern mit Rechtsstaat ( ein Begriff, den Sie völlig anders interpretieren, ich leite ihn von Recht ab).

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