UNO-Testlauf

un1Fernab der Öffentlichkeit fand vergangenes Wochenende eine Simulationskonferenz der United Nation Society Regensburg e.V. (UNSR) statt. Die 40 Teilnehmer spielen das Komitee „General Assembly Plenary“ der UNO nach. Einige proben dabei für das National Model United Nations (NMUN) in New York. „Ich vertrete Australien.“ Stefan Daller lächelt. In seinem Anzug und mit der UN-Plakette an der Brust könnte man ihn leicht mit einem echten Abgeordneten verwechseln. Der Student möchte im Frühjahr 2010 nach New York fliegen, um an der größeren Version des Regensburger Modells teilzunehmen. Über 1.000 Teilnehmer werden dort in einem Großprojekt die Prozesse der Vereinten Nationen nachspielen und sich mit Problemen wie Armut und Menschenrechtsverletzungen auseinandersetzen. In Regensburg bereitet sich Stefan darauf vor. „Australien hat eine gute Internetseite“, meint er. „Außerdem habe ich mir die Resolutionen durchgesehen, die von Australien verabschiedet wurden.“ Die Themen sind in Regensburg auf „Bekämpfung des Internationalen Terrorismus“ und „Klimawandel“ begrenzt und an den Vorbereitungsvorgaben aus New York angelehnt. Die Projekte sind aber voneinander unabhängig und nicht jeder, der sich in Regensburg in Diplomatie übt, wird auch nach New York fliegen. Trotzdem ist die Teilnahme für die 20 Personen, die auch dort dabei sein wollen, Pflicht. UN2Zu 100 Prozent glaubwürdig ist eine solche Simulation allerdings nicht. Zwar gab es am Samstag eine heftige Auseinandersetzung zwischen Iran und Israel, die USA scheint sich aber während der Verhandlungen schon fast zu gut mit Russland zu verstehen. „Es läuft allerdings schon viel besser, als im letzten Jahr.” Ramona Steininger (Foto) war dieses Jahr für das Gelingen des Projekts verantwortlich. Die Juristin hatte im dritten Semester ihres Studiums von dem Modell gehört und sich sofort beworben. „Ich will die UNO aus den Nachrichten holen. Das soll nicht nur so ein abstraktes Ding sein, dass man mal im Fernsehen sieht.“ Sie freut sich über die hohe Teilnehmerzahl. Seit der Gründung 2006 hat sich die Mitgliederzahl der UNSR von 20 auf fast 70 erhöht. Initiiert wurde der Verein von zwölf ehemaligen Studenten, die schon an verschiedenen Simulationen teilgenommen hatten, um das Projekt nach Regensburg zu holen. Unter ihnen war auch Florian Justwan (Foto). Er beendete sein Politikstudium erfolgreich im September dieses Jahres und war einer der Hauptbegründer des UNSR e.V.. In New York war er auch schon und bewirbt sich für PhD-Programme in den USA. Leider werde die UNO medial gerne als ein Verein dargestellt, der zwar große Ziele hat, aber relativ erfolglos darin ist, sie durchzusetzen, so Justwan. In seinen Augen hat die UNO aber einiges geleistet. Gerade durch die gezielte Bekämpfung von Hungersnöten und die Verteilung von Lebensmittel sei viel Schlimmes verhindert worden. Kritik an der derzeitigen UNO hat er trotzdem. „Der Sicherheitsrat braucht mehr Mitglieder. Gerade Staaten aus Afrika und den arabischen Ländern müssen einen Sitz im Sicherheitsrat bekommen. Das wurde zwar schon 1969 gefordert, aber die UNO kommt nicht daran vorbei, wenn sie erfolgreich bleiben möchte.“ Die Simulation endete am Sonntagabend. Danach fahren die Diplomaten nach Hause. Vielleicht hat ja der ein oder andere an diesem Wochenende seinen Traumberuf entdeckt. Mehr Infos über den UNSR e.V. : http://www.unsr.de/ Mehr Infos über NMUN: http://www.nmun.org/

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Kommentare (1)

  • Rainer

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    Geile Spaßguerilla! Respekt.

    …oder sollte das wirklich der neueste Bericht von den besetzenden StudentInnen sein?

    hmm, bin zugegeben (nicht zum erstenmal) verwirrt.
    Ich bettele: Aufklärung, Plenum! Basisdemokratische Aufklärung!

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