Chronik eines Behördenversagens

Wie der schwerbehinderte Rentner Gustav L. obdachlos wurde

Seit August 2017 wusste das Regensburger Sozialamt, dass der schwerbehinderte Gustav L. in erheblichen Schwierigkeiten steckte. Gehandelt wurde erst, als der Rentner aus seiner Wohnung geflogen war. Wegen der Folgen musste L. zwei Mal operiert werden.

Nach einem Rauswurf „per Faustrecht“ landete der Rentner Gustav L. auf der Straße. Symbolfoto: Wikimedia Commons

Nicht besonders ruhmreich erscheint die Rolle städtischer Ämter in der Angelegenheit des schwerbehinderten Rentners Gustav L.. Dieser war, wie berichtet, erst von dem Großvermieter Karlheinz Dorfner per Faustrecht auf die Straße geworfen worden, und nach einer längeren Phase von Obdachlosigkeit im Krankenhaus gelandet. Die Einsichtnahme in die behördlichen Akten über Gustav L. fördert erstaunliches zutage: Spätestens seit August 2017 wusste die Stadt Regensburg, dass Gustav L. mit seinem Leben nicht mehr zurecht kam, und dass es entsprechend in seinem „Apartment“ aussah. Hilfe bekam er – keine. Während sich in der Wirklichkeit alles auf die dann stattfindende Katastrophe für Gustav L. zubewegte, redete man über ihn – um ihn dann wieder zu vergessen. Und selbst nachdem Gustav L. auf der Straße gelandet war, war er wiederum nur Stoff für Aktenvermerke.

Situation: bekannt, Reaktion: keine

Letzte Augustwoche 2017: Der Allgemeine Sozialdienst der Stadt mailt an das Sozialamt, ein Herr X. teile mit, dass er Gustav L. besuchen wollte. Dieser sei „völlig verwahrlost“ und seine Wohnung „in höchstem Maße verwahrlost“. Nun sollten bei der Stadt alle Alarmglocken läuten – und tatkräftige Hilfe folgen. Immer noch August: Die Betreuungsstelle der Stadt will sich der Angelegenheit widmen. Immer noch August: Laut einer Notiz wird von Seiten des Gesundheitsamts und des Ordnungsamts eine Betreuung angeregt. Und nun passiert: nichts.

Mitte Januar 2018 stellt das Sozialamt der Stadt Regensburg fest, dass seit Ende August nichts weiter passiert sei. In einer Mail an die Betreuungsstelle regt die Behörde an, eine Betreuung anzuordnen, da die Wohnung von Gustav L. total vermüllt sei. Und notiert: Die Betreuungsstelle wolle eine Betreuung beim Gericht anregen. Und wieder passiert anscheinend: nichts. Weder wird eine Betreuung beim Amtsgericht beantragt, noch unternimmt die Stadt irgendwelche sonstige Schritte, um Gustav L. zu helfen und ihn in seiner Wohnung zu halten.

Auf den Rauswurf folgt eine langsame Reaktion

Februar 2018: Das Sozialamt erhält eine E-Mail der Hausverwaltung von Vermieter Dorfner über den Zustand des „Apartments“. Das Sozialamt möge die Mietzahlungen für Gustav L. einstellen, heißt es. Man habe seine Wohnung wegen Vermüllung „sofort“ geräumt. Gustav L. sei daher dort nicht mehr wohnhaft. In einem Brief wiederholt die Hausverwaltung Dorfner ihre Mitteilung. Es findet sich dazu nur ein Behörden-Vermerk: Mietzahlung gesperrt.

Das Dorfner-Anwesen in Burgweinting: Wegen Vermüllung der Wohnung wurde Gustav L. im Februar „per Faustrecht“ auf die Straße gesetzt.

Gustav L. steht jetzt also auf der Straße. Wird er nun von der Straße geholt, wie es die Pflicht der Stadt bei unfreiwilliger Obdachlosigkeit hilfloser Menschen ist? Gustav L. ruft kurz nach seinem Rauswurf beim Sozialamt an und teilt mit, dass er keine Wohnung mehr habe. Er bitte um Hilfe. Er versuche, erst einmal bei Feunden bzw. seinem früheren Arbeitgeber unterzukommen. Er erzählt weiter, der städtische Sachbearbeiter habe darauf mit den Worten geantwortet, ja, der Stadt lägen Fotos vom Zustand seines ehemaligen Zimmers vor, und er müsse das selber mit Dorfner klären.

Über diesen Anruf fertigt der zuständige Sachbearbeiter eine Aktennotiz, allerdings nur des Inhalts, Gustav L. habe mitgeteilt, dass er wohnungslos sei. Er sei bei Freunden bzw. dem ehemaligen Arbeitgeber untergekommen. So allmählich wacht man nun bei der Stadt aber doch auf: Die Betreuungsstelle bringt ein Betreuungsverfahren ins Rollen.

Gustav L. kollabiert

Währenddessen schlägt sich Gustav L. irgendwie auf der Straße durch. Aufgrund eines Beinleidens geht es ihm immer schlechter. Er kollabiert zunehmend . Er wird ins Krankenhaus gebracht. Diagnose: Er hat zwei offene Geschwüre am Bein sowie Nekrose. Zwei Operationen sind notwendig.

Die Betreuungsstelle ruft nun bei Berufsbetreuer Otmar Spirk an und fragt, ob er hier eine Betreuung übernehmen würde. Spirk sagt zu und besucht Gustav L. noch am selben Tag im Krankenhaus, einen Tag vor dessen erster Bein-Operation. Der Antrag der Betreuungsstelle beim Amtsgericht auf Anordnung einer Betreuung im Schnellverfahren ist erfolgreich.

Kampf mit dem Vermieter ging gut aus

Rechtsanwalt und Betreuer Otmar Spirk: „Messitum ist für Mieter existenzgefährdend.“

In der Zwischenzeit hat der Kampf mit dem Vermieter darum begonnen, dass Gustav L. nach dem Krankenhaus nicht wieder auf die Straße muss. Das Hauen und Stechen geht – wie berichtet – schließlich gut für Gustav L. aus: Der Vermieter hätte, Vermüllung hin oder her, den Gerichtsweg beschreiten müssen, statt ihn per „Faustrecht“ auf die Straße zu setzen, stellt das Gericht die Rechtslage fest. Gustav L erhält im Dorfner-Haus ein anderes, sogar größeres Zimmer als die bisherigen 14,4 Quadratmeter. Ein Neuanfang für Gustav L. ist möglich.

Der Betreuer Otmar Spirk dazu : „Sobald Menschen mit ihrem Leben überfordert sind, z.B. bei Burnout, Krankheit, oder wenn sie überhaupt keinen Sinn im Leben mehr sehen, drückt sich das auch in einer zunehmenden Verwahrlosung ihres Wohnumfelds aus. Was da als ‚Messitum‘ bezeichnet wird, ist für Menschen, die zur Miete wohnen, schnell existenzgefährdend, weil es ein berechtigter Kündigungsgrund für den Vermieter ist.“

Direkte Hilfe ist billiger als ein Platz im Heim

Eine gute Lösung sei es dann aber nicht, diese Menschen in ein Heim stecken zu wollen – entsprechendes hatte zum Beispiel Vermieter Dorfner geäußert. Spirk: „Die gute Lösung für alle, die noch bereit sind, Hilfe anzunehmen, ist schlichtweg eine Entmüllung, und dann eine Haushaltshilfe im notwendigen Ausmaß.“ Die Kosten dafür sind nach dem Gesetz als „Hilfe in besonderen Lebenslagen“ vom Sozialamt zu übernehmen. „Das ist nebenbei bemerkt, auch für die Gesellschaft um ein vielfaches billiger als ein Platz in einem Heim.“ Spirk bringt ein Beispiel: „Ich erinnere an die Geschichte des schwerbehinderten Paares, das die Stadt aus der Aussiger Straße vertreiben wollte, weil es so schlimm in ihrer Notunterkunft ausgesehen hatte. Ich habe ich keine Beschwerden von der Stadt mehr bekommen, seitdem dort regelmäßig eine Haushaltshilfe tätig ist.“

Längere Obdachlosigkeit traumatisiert den betroffenen Menschen, so Spirk. „Schließlich hat er nun keinen eigenen Platz, keinen Zufluchtsort mehr. Wie ich damals bei Adriano M. (unser Bericht zu dessen Fall) erlebt habe, ist es nahezu unmöglich, und ein Riesenstress für den Betroffenen, wie auch die Helfer ,dass jemand, der längere Zeit obdachlos war, wieder in ein geregeltes Leben findet. Von daher gilt: Obdachlosigkeit darf schlichtweg nicht passieren.“

regensburg-digital wird weiter darüber berichten.

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Kommentare (17)

  • Piedro

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    Erbärmlich. Ohne Konsequenz für die Versager, die einen so wichtigen Auftrag erfüllen sollen. Keiner zieht solch herzlose Sesselwärmer zur Verantwortung. Wenn sowas nicht öffentlich wird ist sowieso alles in Ordnung. Da muss ein Mensch erst sein Leben verlieren oder in einem Krankenhaus darum kämpfen (lassen) müssen, ehe irgendwas passiert. Jeder der damit zu tun hatte gehört dienstrechtlich diszipliniert. Im Sozialamt haben solche Gestalten nichts zu suchen.

    Ohne Regensburg-digital wäre dieser Vorall vermutlich untergegangen, das menschenverachtende Konzept des Nicht-helfens wäre aufgegangen. Ich fand nur einen Verweis auf diesen Fall in der Presse, in der Huffington Post (https://www.huffingtonpost.de/entry/vermieter-wirft-schwerbehinderten-rentner-aus-wohnung_de_5ac7549ae4b0337ad1e6db98), die sich auf rd bezieht.

    Zu erwähnen wäre noch, dass der Blutsau… *räusper* Vermieter noch versucht hat die gerichtliche Anordnung durch einen miesen Trick zu verhindern und nur klein beigegeben hat, weil ihm der Entzug der Nutzungserlaubnis für das Gebäude angedroht war.

  • R.G.

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    @Piedro
    Aus meiner Lebenserfahrung sehe ich die Rolle des Vermieters zwiespältiger.
    Ich verbrachte prägende Jahre in einem schwäbischen Stadtteil, geographisch zwischen gutem Viertel und schwieriger Gegend mit kleinkriminellem Milieu gelegen.
    Alkoholiker, aus dem Leben Geworfene, Strafentlassene suchten mangels anderer Angebote in der Problemgegend am Stadtrand Zuflucht. Sie zahlten überhöhte Mieten für ein dunkles Loch, wurde also ausgebeutet.

    Rückblickend erkenne ich an, die Situation in der miesesten Baracke war jedenfalls besser als das Schicksal derer, die bei der Stadt Hilfe suchten. Sie hatten die Wahl zwischen Schlafen im Freien oder auf Toilettenböden, oder in einem überfüllten Heim, wo täglich gerauft und gestohlen wurde.

    Eine damals noch schlecht beleumundete Sekte wagte sich als erste Organisation in die armseligen Behausungen, sie forderte von ihren Anhängern ein streng gehorsames Leben und erklärte bis ins Detail genau, wie der Alltag gestaltet werden müsse. Bei meinen Schulkollegen konnte man die dadurch ausgelösten Verbesserungen für die Kinder sehen; plötzlich hatten sie saubere Kleidung an und ein Pausenbrot mit. Die Männer wurden von dem Angebot kaum erreicht.

    Viel später erst wagten sich die Katholische Kirche in die Gegend – zur Spendenbettelei.
    Als sich vieles schon gebessert hatte, traten die Sozialarbeiter der Stadt auf. Sie machten wichtigtuerische Worte in Zeitungen, aber wirklich lebenspraktische Hilfe sah ich nicht.

    Konkret auf den oben geschilderten Regensburger Fall bezogen, aus meiner etwas rau(h)eren Sicht:
    Bereits als man das Haus inspizierte, hätten die Gutatchter angewiesen sein müssen, bei notwendig werdender Sperre von Zimmern die drohende Wohnungslosigkeit der bisher darin Eingemieteten durch amtliche, städtische Hilfe aktiv verhindern zu helfen, indem sie an eine entsprechende Abteilung zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit eine Meldung machten, oder/und aus einer Liste von Betreuern mit juristischer Ausbildung einem ein Formular schickten, dass hier sein Können benötigt werde. Unter anderem zur Anforderung einer Haushaltshilfe.

    Sich so zu stellen, als wäre von einem eben gerügten Vermieter zu erwarten, er wolle die Probleme des z.B. aus feuerpolizeilichen Gründen Auszumietenden allein zu dessen Vorteil lösen, halte ich für Desinteresse oder Zymismus.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „R.G.“ – Sie schreiben von den „Segenstaten“
    dieser (mr unbekannten) Sekte. Stellen Sie sich
    mal vor, die katholische Kirche wäre mit solch‘
    strengen Gehorsamsforderungen aufgekreuzt!
    Es hätte einen Aufschrei gegeben, der ganze
    Kommentarseiten gefüllt hätte, wie „diktatorisch
    doch diese Pfaffen sind.“

  • Piedro

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    @R.G.

    Natürlich hätten sie müssen. Das ist der Auftrag, dafür werden sie bezahlt. Aber es hat wohl erst mal gereicht irreführende Aktenvermerke zu machen. Gleich, welche unrealsitischen Erwartungen an einen Profiteur wie diesen Herrn D. gestellt wurden, hier wurde Hilfe vorsätzlich unterlassen. Das bleibt nur für Sesselwärmer straffrei.

    Schlimm ist: solche Mängel werden immer erst erkennbar, wenn ein Einzelschicksal bekannt wird, wenn das Versagen so eklatant ist, dass ein Mensch schwer geschädigt wird und die Öffentlichkeit aufmerksam wird. Noch schlimmer: auch dann ändert sich nichts an den Strukturen und am Personal.

    Würde mir nachgewiesen ich hätte einen wichtigen Auftrag über Monate nicht erfüllt, ich dürfte froh sein mit einer Abmahnung davon zu kommen. Wäre durch mein Versagen ein Schaden für einen Kunden entstanden könnte ich meinen Hut nehmen. Aber ich arbeite ja nicht beim Sozialamt… da kommt’s halt nicht sooo drauf an…

  • urlauber

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    Ich habe mir den Artikel genau durchgelesen. Über Behörden ist ja im allgemeinen schnell gelästert. Die Frage für mich ist, was hat Gustav L. dem Sachbearbeiter mitgeteilt, dass er unterkommen wird oder es versucht (Freunden oder früherer Arbeitgeber) und hat der Sachbearbeiter mit Gustav L. etwas vereinbart für den Fall, dass es nicht klappt? Warum hat Gustav L. sich nicht mehr gemeldet nachdem es nicht geklappt hat? Und generell warum hat das mit der Betreuung nicht geklappt seit August 2017, wurde kein Antrag gestellt? Gibt es zuwenig Sachbearbeiter im Sozialamt oder sind die Betreuungsgerichte überlastet. Ich weiss es nicht, zur Bewertung des Sachverhalts wäre es für mich von Bedeutung. Ich bin auch der Meinung dass die Gesellschaft Verantwortung für die Schwachen und Schwächsten übernehmen muss, das bedeutet aber auch Geld in die Hand zu nehmen, das bedeutet eine Rückbesinnung auf Werte wie Solidarität und Gemeinsinn. Und politisch eine Abkehr von neoliberalen Idealen.

  • Piedro

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    @Mathilde Vietze

    Man würde wohl zurecht aufschreien, wenn eine christliche Kirche die Hilfe von Gehorsam abhängig machte. Bestimmt auch und gerade unter Gläubigen. Der springende Punkt dieser Darstellung ist für mich jedoch: die Kirchen haben gar nichts getan, Gemeinde und Staat auch nicht, und haben so dieser Sekte Vorschub geleistet.

    Ähnliches fand einigen Gegenden in Ostdeutschland im Bereich der Erwerbslosenberatung statt: die einzige Hilfe vor Ort gegen Jobcenterwillkür wurde von der NPD und entsprechenden Gruppen geleistet. Die organisierten Beistandbegleitung, Beratung und zT auch jursitische Hilfestellung. Hat sich ausgezahlt.

    Je mehr der Sozialstaat versagt, je weniger die moralischen Grundsätze unserer Gesellschhaft von Behörden umgesetzt werden, um so besser wird der Boden für Agitatoren aufbereitet, ob sie nun aus einem religiösen oder einem politischen Umfeld kommen. Wie schön die Saat dann aufgeht, wenn sie nur mit Sündenböcken und Parolen gedüngt wird, können wir beobachten. Kaum ein Thema kann angesprochen werden, ohne dass auf Flüchtlinge, Moslems, asoziale Hartzer etc verwiesen wird, ohne die alles vermeintlich besser wäre.

    Da die Gehorsamsagitation dieser Sekte für diese Menschen eine tatächliche Verbesserung der Lebensumstände gebracht hat würde mich interessieren wer die waren. Dereinst mit schlechtem Leumund – heute nicht mehr? Da fällt mir nix ein.

  • Piedro

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    @urlauber

    Die erste Mitteilung erfolgte über einen Mitbürger an den Sozialdienst, der hat die zuständige Stelle informiert, die hat nicht reagiert. Wenig später haben zwei städtische Stellen eine Betreuung angeregt, wieder erfolgte keine Reaktion. Monate später wird das eigene Versagen festgestellt und Handeln angeregt, es wird aber nicht gehandelt. Das mag an den Strukturen liegen, oder am Desinteresse der „Verantwortlichen“, tut kaum was zur Sache für den Betroffenen. Als die Situation dann eskallierte wird man tätig, mit minimalem Einsatz. Wäre der arme Mensch nicht nach wochenlangem Leiden zusammengebrochen hätte er noch immer keine Hilfe erhalten. Aber jetzt stellt man ihm einen engagierten Betreuer zur Seite, der da ansetzt, wo man vorher schon abhelfen konnte: die rechtswidrige Delogierung wurde von einem Gericht rückgängig gemacht. Der erste Schritt.

    Von einem psychisch kranken Menschen kann man nicht verlangen, dass er die ihm zustehende Hilfe einfordert, wenn sie ihm schlicht versagt wird. Warum die Betreuungstelle nicht aktiv wurde lässt sich nicht sagen, aber sie war recht früh mit der Notwendigkeit einer Betreuung informiert. Herr Spirk (oder ein anderer) hätte rechtzeitig schlimmes verhindern können, wäre die Stadt ihrer Aufgabe nachgekommen.

    Sie vermuten das liegt an der Personalsituation. Möglicherweise sind die Sachbearbeiter überfordert. Aber mal ernsthaft: wie überfordert muss jemand sein, dass er einem Hilfsbedürftigen in seiner Zuständigkeit gar nicht hilft, sondern sich damit begnügt ein paar Aktenvermerke zu machen? So jemand wäre zB in der Parkraumbewirtschaftung besser aufgehoben. Wenn er da mit den Knöllchen nicht nach kommt hat das weniger gravierende Folgen. Und bitte: wenn die Personalsituation es nicht zulässt, dass eine Behörde grundlegenden Aufgaben nicht nachkommen kann, haben sich die Mitarbeiter an den Personalrat zu wenden, nicht die Menschen zwischen Aktendeckel zu verklappen bis sie entweder verreckt sind oder in der Notaufnahme landen, wo sie dann endlich zur Kenntnis genommen werden.

  • R.G.

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    @Mathilde Vietze
    Ich schreibe von einer inzwischen anerkannten christlichen Kirche.

    Es erübrigt sich darüber nachzudenken, was man der katholischen Kirche vorgeworfen hätte, wäre sie dort aktiv geworden, da sie damals (und heute) an den Armen kein Interesse zeigte. Außer beim Spendenheischen, da fand sie die Menschen in der löchrigsten Slumbaracke.

    Auf den Schülerbildern meiner ersten Klasse erkennt man an den verlumpten Kleidern und ausgemergelten Gestalten, wer aus der schlechten Gegend kam, später sind die gleichen Kinder modisch adrett rausgeputzt und ausreichend ernährt. Das war ausschließlich jener kleinen Glaubensgemeinschaft zu verdanken.

    Werte Frau Mathilde Vietze, Ihren Drang, nach jeder Fallgeschichte die armen, säumigen Mächtigen beschützen und verteidigen zu wollen, empfinde ich als reflexhaft.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „R.G. Sie scheinen eine besonders negative Meinung von
    mir zu haben; das ist Ihr gutes Recht. Aber, nennen Sie mir
    mal bitte ein Bespiel, w o ich die „Mächtigen“ beschützt und
    verteidigt habe, dann können wir weiterreden. Außerdem mache
    ich mich durch Nennung meines vollen Namens angreifbar; Sie
    als „Anonymus“ haben das Problem nicht.

  • Piedro

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    @R.G.

    Jau, in den eigenen Reihen sind die Zeugen Jehovas sehr solidarisch. Benau wie die Neuapostolen.

    Dass sich die katholische Kirche nicht für die Armen interessiert möchte ich so nicht stehen lassen. Ich kann aus eigener Erfahrung bezeugen, wie armen Menschen von der Caritas geholfen wurde. Ich kann auch bezeugen, dass indestens eine Caritasstelle (in FF/M) sich gegen rechtswidrigen Mißbrauch ihrer Einrichtung durch das Jobenter gewehrt und einen jahrewährenden Mißstand zum Thema Erstausstattung abgestellt hat. Aus meiner christlichen Vergangenheit kann ich auch bezeugen, wie sich evangelische Pfarrer engagiert haben.

    Letztlich ist das wohl von den Personen abhängig, nicht von der Institution.

  • mkv

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    „Und politisch eine Abkehr von neoliberalen Idealen.“
    Wohl treffender: neoliberaler Irrweg.

  • Piedro

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    @Mathilde Vietze

    Wenn Sie ein Problem mit Angreifbarkeit haben, warum machen Sie sich dann angreifbar?

    Auf dieser Plattform dürften folgende Angriffe eher nicht zu befürchten sein. Kommt natürlich auch auf die Lebenssituation an. Ich stelle meine Argumente und Überlegungen lieber anonym zur Diskussion. Ich hatte schon rechtsradikale Stalker und bin sehr froh, dass sie meine Person nicht identifizieren konnten und sich mit Drohungen etc aufs Netz beschränken mussten. Außerdem muss nicht jeder Kunde, für den ich tätig bin über meine Ansichten und Aktivitäten, die andernorts deutlicher werden, bescheid wissen. Und nicht zuletzt erleichtert es das Auftreten in Behörden, an der Seite von Mitbürgern, die um Begleitung bitten, wenn man nicht gleich als der da erkannt wird.

    Abgesehen davon: privat kennen mich weit mehr Menschen als Piedro, mit meinem Echtnamen könnten sie nix anfangen. Ähnliches gilt wohl auch für andere Teilnehmer. Es ist also unsinnig, auf der Anonymität der Diskussionsteilnehmer rum zu reiten und auf die eigene Angreifbarkeit zu verweisen. Begnügen wir uns doch mit dem, was die Menschen mitteilen, das sollte unabhängig von der Person interessant genug sein sich damit auseinander zu setzen. Ausnahmen bestätigen die Regel, ich danke da an „Stadtrat“, der auf den Weinkonsum des Herrn Aigner verweisen musste, weil er sich selbst von einem Bestecher bewirten ließ, was ihm vielleicht ein wenig peinlich war.

    Lassen Sie mich noch ein Wort zu meiner Meinung sagen. Ich habe keine besonders negative Meinung von Ihnen. Menschen wie Sie sind das Salz in der Suppe. Unter Gleichgesinnten gibt es keine Kontroverse. Allerdings nehme auch ich wahr, dass Ihre Beiträge eine gewisse Tendenz zeigen, etwa, wenn es um Erwerbslose geht, die sie gern mal in die medial gründlich aufbereitete Ecke der stinkfaulen NIchtsnutze stellen, wenn es um Versäumnisse oder illegale Handlungen des Jobcenters geht. Oder eben um Kritik an der katholischen Kirche, mit der Sie sich lieber nicht sachlich auseinander setzen. Trotzdem würde ich Sie hier nicht missen wollen, gnä Frau, auch wenn Sie mich weiterhin in „“ setzen.

  • R.G.

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    @Mathilde Vietze

    Für mich sind alle User wie anonym, ich stelle mir grundsätzlich vor, sie träten unter Pseudonym auf. Ihr Privatleben interessiert mich nicht.
    Ansonsten schließe ich mich Piedros Lob auf die Meinungsfreiheit an.

  • Mathilde Vietze

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    Werter „Piedro“ – ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihr Kompliment, daß
    ich mich n i c h t sachlich mit der katholischen Kirche auseinandersetze.
    Das sehen die Ewiggestrigen, die ich gelegentlich genüßlich auseinander-
    nehme, anders. Die würden mich am liebsten auf den Mond schießen.
    Ich nehme meinen Glauben ernst, lasse mir aber nicht jede klerikale Willkür
    als göttliches Gebot andrehen. Ihnen, verehrter Piedro alles Gute!

  • Piedro

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    @Mathilde Vietze

    Moin gnä Frau, ich schrieb nicht, dass sie sich nicht mit Ihrer Kirche auseinander setzen, sondern die Argumente außen vor lassen, die hier gelegentlich bezüglich dieser Kirche eingebracht werden. Zumindest meinte ich das. Ich lese hier ja schon eine Weile mit und habe mitbekommen, dass Sie auch auf der Kirchenbank ein streitbarer Geist sind, aber es gibt da schon einen gewissen Schutzreflex. Ist ja nicht schlimmt, nur aufgefallen. Ich wünsche einen schönen Sonnentag.

  • Tobias

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    Vielleicht sollte man in allen öffentlichen-sozialen Einrichtungen Flyer mit Ottmar Spirks Telefonnummer und Hinweis auf Regensburg-Digital aushängen. Ersterer kümmert sich und Letzter macht die Sachen öffentlich, wenn es doch nicht klappt.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Piedro“ – Ich bin kein großer Fan von B 16 (= Benedikt, XVI.), aber seine
    Aufforderung „Auftreten statt austreten“ ist für mich ein Signal. Daß mich
    die Ewiggestrign hassen, kratzt mich nicht, aber zwei katholische Stadt-
    pfarrer, zwei erfahrene Seelsorger und keine „neumodischen linken Spinner“
    haben zu mir wörtlich gesagt „Frau Vietze, wir haben in der Kirche soviele
    Angepaßte; gut daß Sie den Mund aufmachen. Bitte bleiben Sie so.“
    Meine Antwort: „Ich gelobe k e i n e Besserung!“ „Brav, brav.“
    Sie sehen also, daß es auch unter den Klerikern viele vernünftige Leute gibt.

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