Willkommen im Teletubbie-Land

Regina Hellwig-Schmid: \Es hat schon etwas Unwirkliches. Am Gelände, das seit Jahrzehnten Zankapfel zwischen Stadtoberen und Bürgern ist, konnte Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Freitag, den wohl verkehrlich am besten erschlossenen Park von ganz Regensburg eröffnen. Pardon, nicht Park. Es handelt sich um eine „temporäre Skulptur“, die vor der Wurstfabrikruine Ostermeier die Regensburger ab sofort zum Picknick locken soll. Temporär – so lange, bis das Gelände einer anderen Nutzung zugeführt wird. Denn: „Einen Parkplatz wollen wir hier nicht. Wir wollen was anderes“, sagt Schaidinger, nachdem er wenige Minuten zuvor Beckenbauer-gleich den hügeligen Rasen abgeschritten hat, von dem sinnigerweise auch der FC Bayern ein Viertel gesponsert hat. Eröffnet am 4. Juli: Die \Was anderes… Nach wie vor gibt es „Ekelpakete“, die vermuten, der Donaumarkt könnte über kurz oder lang doch wieder als Stadthallen-Standort Wiederauferstehung feiern. Dabei gäbe es doch schon so ein schönes alternatives Bebauungskonzept – mit Wohnen, Gewerbe und Kultur. Sozialbürgermeister Joachim Wolbergs wünscht sich am Donaumarkt ein Kinderkulturzentrum, die Leiterin der Ostdeutschen Galerie, Dr. Ulrike Lorenz, würde gern mit Sack und Pack aufs Filetstück umziehen und der altehrwürdige Arbeitskreis Kultur spekuliert auf den Österreicher-Stadel, um dort den lange gehegten Traum vom Technikmuseum umzusetzen. Wünsche über Wünsche. Allein: ein Bebauungsplan wurde bislang noch nicht aufgestellt für den Donaumarkt. Man habe „das Ziel, mit einem europaweiten Investorenwettbewerb im Herbst 2008 zu beginnen. Der weitere zeitliche Verlauf hängt dann vom Ausgang des Wettbewerbs ab“, lautet das knappe Statement aus der Stadtverwaltung. „Schau mer mal“, würde Beckenbauer sagen. \Und der Oberbürgermeister beruhigt. Nein, man habe die Künstlerin Regina Hellwig-Schmid „nicht missbraucht, um einen Schandfleck zuzudecken“, meint er am Fuße der Ruine. Und die Frage, die ein anderer Künstler, Jürgen Huber, wenig später mit einem gleichwohl schönen, wenn auch viel kleinerem Rasenstück am Gassenfest stellt – „Ist Rasen Kunst?“ – weiß Schaidinger schon hier zu beantworten. „Es ist eine Kunst Menschen zueinander zu führen“, lächelt er über Gras und Hügel, wo Kinder und Erwachsene unter Sonnenschirmen seinen Worten lauschen. Recht hat er. Gerade am Donaumarkt hat Schaidinger sich mit freundlicher Unterstützung von CSU und SPD jahrelang als Spaltpilz betätigt – penetrant verfolgten Stadthallenplänen sei Temporäre Rasenskulptur.Dank. So gesehen, ist es sogar eine hohe Kunst, den Regensburgern die Rasenfläche am Filetstück schmackhaft zu machen. Am Freitag ist das geglückt. Das grüne Idyll ist reich bevölkert mit Kindern und Familien, dazwischen grün gewandete Mitarbeiter des Stadtgartenamtes, die die Umsetzung der Idee von Regina Hellwig-Schmid übernommen haben. Für den Blumenwettbewerb „Entente Florale“, an dem sich Regensburg beteiligt. Schaidinger: „Da braucht es keine geschleckten Parkanlagen, sondern etwas, das Menschen zusammenbringt.“ Sagt’s und verlässt wenig später den Donaumarkt mit seinem BMW, Kennzeichen: „OB 2000“. „Love is on our side“ spielt die Band „Just Like That“ dazu vor der Ruine.

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Kommentare (3)

  • Hannes

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    Ich verstehe die ganze Aufregung um dieses Stückchen Erde, um ehrlich zu sein, nicht wirklich!
    Wie man diesen „Rasen“ auch immer bezeichnen mag, er bringt definitiv Menschen aus der Innenstadt zusammen.
    Gehen Sie doch mal an einem schönen Nachmittag an den Donaumarkt, sie werden Ihren Augen nicht trauen.
    Spielende Kinder, entspannende Studenten und Eltern, Familienpicknicks und nicht zuletzt ein bis 2 ältere Herrschaften (auch Damenschaften), die sich herzlichst über diese Vielfalt von Leben freuen.

    Ein Rasen der verbindet, und zwar kostenlos!!!

    An alle Mäckersäcke und Miesepeter: Es bleibt eigentlich zu hoffen, dass diese Wiese dauerhaft bleibt, denn Regensburg fehlt es definitiv nicht an Wohnhäusern oder Museen. Nein, es fehlt an Naherholungsorten!

    Anbei: Die Herren und Damen der CSU/SPD sind eh gerade dabei ein potenzielles Naherholungsgebiet zu zerstören – den Grieser Spitz!

  • Peter Lang

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    Auch ich habe nichts gegen diese Rasenskulptur – im Gegenteil. Aber dass diese kostenlos!!! sein soll, das stimmt nun nicht. Wenn man abzieht, was die Stadtbau für das Grundstück gelöhnt hat und was der Herr Oberbürgermeister (ohne Stadtratsbeschluss!) für den Rasen und dessen Verlegung ausgeben ließ, nämlich reichlich von unseren Steuern, kommt noch hinzu was das Stadtgartenamt geleistet hat, das auch von unseren Steuern finanziert wird – dann kommt da ein erkleckliches Sümmchen zusammen.
    Gries kaputt machen und Ostermeierruine so ein bisschen anhübschen, kein vernünftiger Mensch wird diesen Handel wollen. Kein vernünftiger! Andere vielleicht schon.

  • Barbara Junghans

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    Samstag, 19.07.08, nachmittags ca. 14 Uhr

    Das Gras ist grün (Danke, Frau Schmidt-Hellwig), mittendrin sind Mauerreste und eine einzige (!!!) Person. Soviel zu der begeisterten Reaktion der Regensburger auf diesen Ort der Begegnung. Die Brandruine des alten Ostermaierhauses sieht immer noch genauso abstoßend aus, wie vorher – wie wie Bombenschäden in der Nachkriegszeit. Ich möchte nicht wissen, was die fremden „Kreuzfahrtschifferlfahrer“ dazu für Kommentare parat haben! Wenn man schon etwas für die Optik tun will, warum läßt man das Gebäude dann nicht mit schnell wachsenden wilden Wein beranken oder Efeu, der winterfest ist, oder hängt Planen auf, mit architektonischen oder was auch immer für Motiven. So ist es jedenfalls nur Flickwerk – und das ist sehr schade – um die gute Idee der Künstlerin und um das gute Geld für den Rasen.

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