Diskussionsreihe im EBW

Wo gibt es Platz für ein „Haus der Bürger“?

Bilder rund um das Hochhaus am Keplerareal. Ein geeignetr Ort für ein „Haus des Engagements“? Fotos: privat

Mit deutlicher Mehrheit haben die Regensburgerinnen und Regensburger im vergangenen Herbst ein Kultur- und Kongresszentrum auf dem Kepler-Areal abgelehnt. Bei einer Veranstaltungsreihe im Evangelischen Bildungswerk stand nun die Frage im Raum, ob das eigentlich zum Abriss freigegebene Hochhaus ein geeigneter Ort für ein „Haus des Engagements“ wäre.

Von Lexa Wessel

Seit dem 5. Februar läuft die Veranstaltungsreihe zum Thema „Soziokultur im Evangelischen Bildungswerk (EBW)“. Schwerpunkt: eine Stadtentwicklung mit mehr Raum für selbstorganisierte Kultur. Unter anderem mit von der Partie sind die Soziale Initiativen e.V., der Integrationsbeirat, der Bürgerverein Süd-Ost und die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen KISS. Einig ist man sich vor allem in einem Punkt: Regensburg braucht viel mehr Räumlichkeiten für Engagement und Kultur – vor allem auch zu erschwinglichen Preisen. Mieten von 500 Euro und mehr pro Veranstaltung – zum Beispiel im Thon-Dittmer-Palais – seien keine Seltenheit, so Carsten Lenk vom EBW. Die Frage nach dem späteren Standort einmal außen vorgelassen, fehle in Regensburg ein „Haus des Engagements“, ein „Haus der Bürger“, ein „Haus der Kulturen“.

Mehr Platz für Kunst und Kultur nötig

Unter seinem persönlichen Motivationsspruch „Weil sich Regensburg an dieser zentralen Stelle nicht als Groß-Kongress-Stadt, sondern als soziale Kulturstadt präsentieren soll“, unterstützt Mitveranstalter Jakob Friedl die Idee vom „Haus des Engagements“. Für ihn wäre das Hochhaus auf dem Kepler-Areal ideal als Heimstatt eines solchen Hauses. „Ich sehe die Veranstaltungsreihe als wichtigen Beitrag, um 2019, nach dem Bürgerentscheid gegen ein RKK, über eine Stadtentwicklung zu reden, die mehr Platz für das Zusammenwirken von sozialen Projekten und selbstorganisierter Kunst und Kultur bietet“, sagt Friedl.

5.000 Quadratmeter Grundstück, 14.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche – das ehemalige Evangelische Krankenhaus harrt einer Nutzung. Foto: Archiv

Doch das Kepler-Hochhaus ist längst nicht das einzige Gebäude, das in diesem Zusammenhang zur Diskussion steht. Auch bei der künftigen Nutzung des früheren Evangelischen Krankenhauses kommt die Idee eines „Bürgerhauses“ immer wieder zur Sprache.

Na dann mach doch

Inspiration für das „Haus der Kulturen“ sucht sich die Veranstaltungsreihe bei Gastrednern aus anderen Städte: Das Konglomerat e.V. aus Dresden, das eine offene Werkstatt mit Schwerpunkt auf kulturelle und handwerkliche Bildung betreibt, sowie das Quellkollektiv aus Nürnberg stellen deshalb ihre Projekte vor.

Bettina Weber von Konglomerat e.V. erzählt von ihrer Stadtmarketing-Kampagne „#nadannmachdoch“: Weber und ihre Mitstreiter bewahren konkrete Orte vor dem Abriss und sorgen für Zwischennutzung, wie beim leeren überwucherten Leipziger Bahnhof. Eigentlich sollte ein Globuskomplex dort gebaut werden, doch eifrige Protestaktionen im Namen der „Zukunftsschutzgebiete“ legten den Plan auf Eis. Initiativen und Bürger setzten sich für die Entwicklung des Geländes ein und belebten das Areal wieder: Künstler und Gewerbe befinden sich in Zwischennutzungen, bis es ein Konzept für künftige Nutzung gibt. Die Zukunft des Geländes ist offen.

Unterschiede inspirieren

Im Rahmen einer „Raumkonferenz“ diskutieren in Dresden verschiedenste Akteure über die Räume und deren Nutzung, von der Verwaltung, über zivilgesellschaftliche Organisationen und Privatinvestoren, bis hin zu einem Forum aus Jugendlichen, die stark mit den sozialen Trägern zusammenarbeiten.

Bettina Weber von Konglomerat e.V. lieferte Eindrücke aus Dresden. Foto:wa

Die Dresdener Kampagne zeigt deutliche Unterschiede zu Regensburg, wie Jakob Friedl meint: Mit ihrer Kampagne könne Konglomerat e.V. selbstermächtigt eine Bürgerbeteiligung organisieren und dazu alle Akteure an den Tisch holen, während die Regensburger Stadtverwaltung Agenturen von außerhalb hole, die sich in Regensburg nicht auskennen und weisungsgebunden seien. Es bleibe somit bei einer Scheinbürgerbeteiligung.

Die nächste Runde folgt

Von Dresden könnte Regensburg also durchaus lernen. Ob das auch für das Nürnberger Quellkollektiv gilt, wird sich am Donnerstag, 28. Februar, um 19 Uhr herausstellen, wenn es in die nächste Runde der Veranstaltungsreihe im EBW geht. Am finalen Abend der Veranstaltung, am Mittwoch den 13. März um 19 Uhr, wird dann mit allen gesammelten Vorschlägen und Argumenten mit den Stadträten diskutiert. Dann wird sich zeigen, wie sie zu der Idee vom „Haus der Bürger“ stehen.

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Kommentare (8)

  • Fanny Huesch

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    „Haus des Engagements“
    Echt geil, Bauträger wird dann wohl eine Arge Schimozel?

  • Oliver

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    Mal ein schöner Artikel, der sich um die wichtigen und vor allem aktuellen Themen in Regensburg dreht. Weiter so!

  • Mr. T.

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    Bitte, bitte so eine Einrichtung mit viel Freiheitsgraden für eine organische, ungelenkte Entwicklung einer eigenen Kultur. Niedrigstschwellig und offen für alle, die sich in einer freiheitlichen Kultur mit entwickeln wollen.
    Nicht wieder wie im Degginger das Pferd von hinten aufzäumen mit dem auskommerzialisierten Endprodukt einer Kreativszene im Auge. Die hat sich in Berlin auch nur entwickelt, weil man jahrelang nicht hingeschaut hat.

  • triefnase

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    schade, daß mich gerade eine Erkältung erwischt hat. der Termin war vorgemerkt..

  • Regensburger

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    Es ist sicherlich nicht diskutabel, ob dieser Bau und Sammelplatz für asoziale Gesellschaft wegmüssen oder nicht. „Haus der Bürger“, „Haus der Kulturen“ „Haus des Engagements“ „Haus der Soziokultur“ sind nicht nur Ausdrücke oder sogar Projekte damaliger DDR aber sicherlich nicht zeitgemäß.
    Ja, wir brauchen nicht nur ein Platz, sondern viele Räume für Kunst und Kultur. Nicht nur einmal haben wir ein Konzept für die Nutzung des damaligen Evangelischen Krankenhaus vorgeschlagen. Warum nicht dort? Es wäre interessant und nützlich einen öffentlichen Wettbewerb zu der Nutzung des damaligen Evangelischen Krankenhaus und dem Platz endlich ausschreiben und den hässlichen und mit Asbest verseuchtes Haus zu Liebe unsere Stadt abreisen. Soziale Stadt muss nicht unbedingt in einer asozialen Stadt umgewandelt sein.
    Bitte, macht die Augen auf und schaut ihr auf diesen Schandfleck auf dem Kepler-Areal. Nicht jede Bürgerinitiative Dient den Bürger oder sogar der Stadt, wenn sich um eine Rache an die Stadtpolitik handelt.

  • WerAuchImmer

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    @Regensburger

    Meine Güte, da haben Sie sich aber wieder ins Zeug gelegt. Wenn ich mir das mal übersetze:

    Sie finden, dass das Hochhaus am sog. Kepler-Areal ein städtebaulicher Schandfleck ist. Sie haben Bedenken, wegen der gesundheitsschädigenden Baustoffe, die dort möglicherweise Verwendung fanden. Ihnen missfallen die Bezeichnungen, die derzeit kursieren, wenn es um mehr Räume für Kunst und Kultur in Regensburg geht. Und Sie wollen nicht ausschließen, dass bei der ganzen Diskussion auch sachfremde Erwägungen eine Rolle spielen (Stichwort ‚Rache an der Stadtpolitik‘).

    Sehen Sie, das kann man auch formulieren, ohne beleidigend oder ausfällig zu werden. Und dann wären hier vielleicht auch ein paar Leute bereit, sich ernsthaft mit diesen an sich ja diskutierbaren Aussagen zu befassen. Aber vielleicht geht es Ihnen ja auch gar nicht um die Sache, sondern einfach nur darum, sich mal wieder gegenüber den ganzen ‚Assozialen‘ hier zu profilieren? Ein paar Reizwörter in die runde zuwerfen, auf die sich dann alle zu Ihrem Vergnügen stürzen und dabei die Sache aus dem Blick verlieren?

    Wissen Sie was? Da mach ich nicht mit. Ich bin so gesehen vielleicht noch assozialer als Sie sich das vorstellen können und diskutiere trotzdem mit Ihnen, wenn Sie bereit sind, sachlich zu werden. Ätsch.

  • Barnie Geröllheimer

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    Niedrigschwellig und selbstorganisiert, eigenständig, und gendergerecht so muß das Schaffen von Soziokultur aussehen. Was hätte man dort unter der Führung der ev. Kulturelite alles entwickeln können? Nur blöd für das EBW, dass die ev. Pfründeverwaltung eine abgeräumte Fläche an die Stadt übergeben muß.

  • dünnster Künstler

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    @Barnie Geröllheimer: Du erlaubst Dir ein zynisches Urteil. Ich habe jedoch nicht den Eindruck, dass Du an der Veranstaltungsreihe und der breitgefächerten Diskussion um den Bedarf von Raum für Bürgerengagement an zentralen Orten auch in den Stadtteilen interessiert bist – im Gegensatz zu den beteiligten Organisationen: http://europabrunnendeckel.de/download/ebw_plakat.jpg

    Das Kepler-Areal war schon aus versicherungstechnischen Gründen immer nur ein halböffentlicher Raum mit 2 Studentenwohnheimen und kulturellen und sozialen Einrichtungen, die klientenbezogen, jedoch nicht durch einen gemeinsamen Hausverein vernetzt betrieben wurden. Der bestehende, von allen Seiten zugängliche Gebäudekomplex bietet eine große Oberfläche für Nutzungen und könnte hervorragend mit dem umliegenden Stadtraum und weiteren Projekten in den Stadtteilen kommunizieren. Der Kepler-Campus bietet beste Voraussetzungen für ein soziales Kultur- und Begegnungszentrum und Raum für viele Initiativen und Vereine und die Grundbedürfnisse der Regensburgerinnen. Das Evangelische Siedlungswerk ist von der Stadt beauftragt, die Gebäude zu schleifen. Auch da sich nun nach dem Bürgerentscheid (ohne Raumbedarf für ein Kongresszentrum) jedoch eine grundlegend andere Situation ergibt, sollte dieser Abriss-Vertrag modifiziert werden. Es liegt an der Stadt, ein Sanierungsgutachten zu erstellen. Der Interims-ZOB ist ohne Abriss und RKK-Nachfolgegebäude vielleicht gar nicht nötig … auch das wurde nicht geprüft.

    Wie funktionieren Orte für Bürgerengagement? Welche Erfahrungen können (oder müssen) wir machen? Mit welchen Bedeutungen wird die Stadt üblicherweise überschrieben oder gar gegen Engagement imprägmiert? Siehe hierzu auch das Konzept für Erinnerungskultur von Dr. Jörg Skriebeleit, Prof. Dr. Mark Spoerer, Dr. Heike Wolter, in dem in der Einleitung: „Städtische Identitäten und symbolische Stadträume“ u.a. von einer „eindimensionale(n) städtische(n) Selbstbeschreibung“ die Rede ist.
    http://europabrunnendeckel.de/download/vollcornform/Konzeption_Ausschuss_Juli2018-1.pdf

    Ich habe in meinem Vortrag z.B. verschiedene Orte vorgestellt: das private Stadtteilzentrum BUZ, den zurzeit nutzlosen Maibaumständer in Burgweinting (als Mahnmal gegen Engagement), den Europabrunnendeckel mit darunter liegeneder Werkstatt und die Zubetonierung zur Radl-Römer-Touristen-Bodensprenkleranlage mit starrer Limes-Metalltafel.
    Hier mein Vortrag in Bildern: http://europabrunnendeckel.de/download/vollcornform/vortragebw.pdf, darüber gelegt in chronologischer Reihenfolge meinen Thesen (und allerlei Erklärungen): http://europabrunnendeckel.de/download/vollcornform/Jakob_EBW_Vortrag_Thesen_2019.pdf

    Kurz nochmals zu den Veranstaltungen: Johann Brandl hat über das nun in städtischem Besitz brachliegende Boschgelände und vertane Chancen bezügl. des Casinos in der Nibelungen-Kaserne gesprochen. Lisbeth Wagner von KISS hat einleitend die Bandbreite von Selbsthilfeorganisationen aufgezeigt, einige der Anwesenden haben den Bedarf ihrer Vereine veranschaulicht. Reinhard Kellner von den Sozialen Initiativen hat für ein Kulturhaus mit Studentenwohnen auf dem Kepler-Areal plädiert …

    Speziell zu der im Artikel besprochenen Veranstaltung, in der „Zukunftsschutzgebiete“ thematisiert wurden: Die Dresdener haben eine Stadtmarketingkampagne gekapert: #nadannmachdoch Die Kulturschaffenden waren zunächst dazu aufgerufen worden, interessante Orte im gesamten Stadtgebiet zu markieren. Die Stadt hatte daraus eine eigene Auswahl getroffen und die Künstler eingeladen, dort (werbewirksam) aktiv zu werden … während wichtige Kultur-Projekte in ihrer Existenz bedroht waren. Das hat sich die Dresdener Szene nicht gefallen lassen und der Stadt in die Kulturhauptstadtbewerbung gepfuscht: http://europabrunnendeckel.de/download/vollcornform/180614_nadannmachdoch_plakat-a1_v2_druck+1mm.pdf

    

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