SOZIALES SCHAUFENSTER

Kommentar

Unangemessen und geschmacklos

Wolbergs-Verteidiger Peter Witting vergleicht am dritten Prozesstag anonyme Kommentare über und Schreiben an seinen Mandanten mit der Hetze und den Hassbotschaften, die Opfer rechtsextrem motivierter Mordanschläge im Vorfeld über sich ergehen lassen mussten. Ist jedes Mittel recht, weil es in die Verteidigungsstrategie passt?

Wie in Kassel und Köln? Peter Wittings Vergleich, um nicht zu sagen Gleichsetzung, der Kritik an einem Oberbürgermeister, der wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht steht, und den Morddrohungen und Hassbotschaften, die es im Vorfeld der Anschläge auf Henriette Reker und Walter Lübcke wegen deren positiver Haltung zu Flüchtlingen gegeben hatte, ist unangemessen und geschmacklos. Reker und Lübcke galten Rechtsextremen in einschlägigen sozialen Netzwerken schon länger als Feindbilder. Monatelang wurden sie mit Hetze und Drohungen überzogen.

Witting liefert keinerlei Belege für Kommentare über oder Nachrichten an Wolbergs, die auch nur annähernd dem gleichkommen, was über die beiden herein geprasselt war, ehe rechtsextreme Terroristen versucht haben, sie zu ermorden – in Lübckes Fall erfolgreich. Bei aller berechtigten Kritik an manchen Äußerungen über Wolbergs in den sozialen Medien: Es sind – anders als bei Lübke und Reker – keine Drohungen, Gewaltphantasien oder dergleichen gegen ihn bekannt. Schlagworte wie „Hass und Häme“ in Verbindung mit „Kassel und Köln“ scheinen Witting aber für seine Gleichsetzung zu reichen.

Bei allem Verständnis für die Verärgerung über unangemessene, beleidigende und hämische anonyme Kommentare gegen Wolbergs und bei allem Verständnis dafür, dass ein Strafverteidiger seinen Mandanten bestmöglich zu verteidigen sucht: Man muss einen in dieser Form – zum Glück – nicht vorhandenen Hass nicht auch noch mit völlig unpassenden Brachialvergleichen herbeireden, nur weil er vielleicht gut zu der angestrebten Opferrolle passt, die man als Verteidigungsstrategie und bei der flankierenden Öffentlichkeitsarbeit verfolgt. Das ist auch eine Verharmlosung dessen, was Reker und Lübcke angetan wurde.

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Kommentare (36)

  • Taxifahrer

    |

    So ist der Wolbergs. Kleiner geht es nicht. Er sieht sich als Jude im dritten Reich, der verfolgt wird.

  • Bernhard Leikam

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    Meine Forderung ist und bleibt: Dieses Verfahren ist eine Provinzposse und gehört eigentlich nach Nürnberg ans OLG.

    Am OLG würde diese beschämende Strategie im Sande verlaufen.

    Ein nicht anonyme, nichtradikaler Kritiker, der ihnen nicht ans Leder will Herr Wolberg. Wohlgemerkt!

  • Lutherer

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    Was sind das nur für platte Sprüche von Wolbergs Verteidiger. Ich habe eher das Gefühl, dass Wolbergs seine Anhänger mit solchen Auswürfen radikalisieren will. Nüchtern betrachtet haben wir einen gewählten, kommunalen Spitzenbeamten dem man Vorwürfe macht, die für eine Suspendierung reichen. Keinen Mahatma Gandhi, keinen Nelson Mandela und auch keinen sonst irgendwie spurenhinterlassenden Freiheitskämpfer. Am Ende, eine Privatperson, die wegen eines oder mehrerer Ermittlungsverfahren an der Ausübung seines Jobs gehindert ist und sich nun als Opfer fühlt. Wo soll da Hass herkommen? Es ist eher tiefe Enttäuschung über das was man nun weiß und eventuell die fehlende (Selbst)Einsicht, dass nicht alles Gold war, was geschehen ist. Hass wieso? Er ist ohnehin suspendiert, was soll denn noch passieren.

  • Queen of Suburbia

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    Vor einigen Tagen habe ich zu dem „Olle Kamellen“-Artikel einen Post zum Thema „Framing“ abgesondert in dem ich ganz kurz beschrieben habe, was Framing ist, wie man es erkennt und möglicherweise entgegenwirken kann. Der Vergleich mit Köln und Kassel ist genau solch ein Frame und Sie haben das einzig Richtige getan und ihn aufgedeckt. Vielen Dank dafür.

    Wolbergs Äußerungen sind gespickt mit Frames, Gleiches gilt für seine Verteidigung. Framing ist eine sehr gängige und höchst erfolgreiche Methode der Täuschung. Ich war ursprünglich davon ausgegangen, dass Richter*innen in derartigen Dingen geschult sind. Seit dem Escher-Urteil aus dem ersten Prozess hege ich diesbezüglich, zumindest beim Regensburger Landgericht, begründete Zweifel.

    Aus einer Rezension des Buches „Urteil: Ungerecht“ von Amtsrichter Thorsten Schleif: „Im Strafrecht sei das größte Manko, dass die Richter in Aussagepsychologie kaum geschult seien: ‚Ein Richter ist bei der Beurteilung einer Zeugenaussage kaum kompetenter als ein Laie.‘ […] Die Gefahr sei groß, dass er ‚während seines gesamten Berufslebens die Glaubhaftigkeit einer Aussage nicht richtig beurteilen kann. Hierdurch sind Fehlurteile vorbestimmt.‘ Dennoch seien die Richter von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugter als Angehörige anderer Berufe – eine gefährliche Kombination aus ‚Ignoranz und Arroganz‘, schreibt Schleif. Je erfahrener der Richter, desto größer seine Selbstüberschätzung.“

    Ich fürchte, obige Einschätzung trifft auf den ersten Prozess zu und ich wünschte, beim zweiten Prozess würden Staatsanwalt- und Richterschaft sich mit dem Thema Framing etwas eingehender beschäftigen. Könnte hilfreich sein.

  • Piedro

    |

    Diese Herren schämen sich wohl für gar nichts mehr. Wenn es Beleidigungen, Drohungen und dergleichen geben hat (hier nicht!) ist Anzeige zu erstatten, damit die Verantwortlichen sich rechtfertigen. Aber dieses alberne Geschwafel ist der Gipfel der Peinlichkeit. Damit stilisiert sich Herr W. nicht zum Opfer, er macht sich zum Kasperl. Obwohl – der hat durchaus eine gewisse Würde.

    Natürlich stehe ich dem Herrn Anwalt für meine Meinungsäußerung zur Verfügung. Trauts eich, Buam!

  • Der sterbende Gallier

    |

    @
    Queen of Suburbia
    24. Oktober 2019 um 15:19 | #

    Ich werde langsam ein richtiger Fan der Queen ^^

  • xy

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    Bernhard Leikam schrieb: „Dieses Verfahren ist eine Provinzposse und gehört eigentlich nach Nürnberg ans OLG.“
    Das wäre grundgesetzwidrig, weil es gegen das Gebot des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG) verstieße: „Niemand darf seinem gesetzlichen Richter entzogen werden“. Welcher Richter zuständig ist, ergibt sich von vorneherein aus Geschäftsverteilung etc. und kann nicht nach Belieben und Gütdünken wer weiß wohin verschoben werden!

  • Empörer007

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    Der Hr. ANgeklagte plaudert wieder aus den „Nähkästchen“ seines 1. Prozesses: Wiederum legt er die alten Platten auf…, „Stammtischgeflüster“…, „Sohn hört im Wirtshaus böse Verschwörungen“ (lt. Aussage der Mutter)…, und Entlastungs-Zeugen dafür wurden bewußt nicht mit einbezogen…, alles „Wirtshausgeschwätz“…,
    Er hat mehr ermittelt, als die zuständige StA (es darf gelacht werden!)…
    Es reicht mittlerweile mit den ewigen Kapriolen, Ausfällen usw. des Hrn. Angeklagten…; bitte endlich klare Kante zeigen…, einfach zugeben, „jawohl ich habe gefehlt“…, die Schuld liegt nicht bei der Presse, bei den bösen Bloggern, bei der unfähigen StA, sondern nur beim Angeklagten….
    Nicht zugehört, z. B. Mails nicht gelesen, keine Vorteile erhalten usw…
    Empfehlung: Mehr Demut, weniger raffinierte jur. Mätzchen versuchen…, einfach mehr zuhören und keine Unbeteiligten beschuldigen, Abkehr von der Verschwörungstheorie!

  • Rengsburger

    |

    Gut aufgedeckt RD. Genau so wie die Sache mit dem Schöffen. Mir gefällt die unaufgeregte, sachliche Art der Berichterstattung. Wie man so sachlich bleiben kann bei den Dingen welche man da mit bekommt ist schon ein wenig bewundernswert. Wolbergs genießt immer noch unerwartet breite Unterstützung in einflußreichen Regensburger Kreisen. Man kann nur hoffen das diese Leute noch zur Vernunft kommen. Die Überheblichkeit welche Wolbergs an den Tag legt wenn er zu einem Staatsanwalt sagt sie haben keine Ahnung wie man eine Verwaltung führt ist schon peinlich. Würde er das auch zu dem Richter oder zu seinem Anwalt sagen? Meint er nur er kann eine Verwaltung führen?

  • Mr. B.

    |

    Wenn Herr W. auf so eine Art und Weise verteidigt wird, dann hat er vermutlich bestimmt große Angst, dass noch mehr an Straftaten aufkommen könnte, die vielleicht noch gar nicht bekannt sind!!!
    Herr Witting und Herr Ex-OB sollten sich schämen. Es wird höchste Zeit, dass diese selbsternannten Herren endlich eine Einschränkung erfahren. Ich bin nicht dafür, dass ein Anwalt seinen Mandanten nicht ordentlich verteidigen darf, aber hier geht es den beiden doch um eine ganz andere Sache!!!!
    Beschämend und verfremdet!!!!

  • Hobbyrichter

    |

    @Bernhard Leikam:
    Eine Verhandlung am OLG ist nicht möglich. Eine Zustandigkeit ergibt sich weder aus 120 noch 120b GVG.

    Denkbar wäre eine Zuständigkeit in Nürnberg am LG, wenn dort der Erlanger Bauunternehmer seine Spende überwiesen hätte nach 7 StPO mit 3 StPO oder dort wo der falsche Rechenschaftsbericht bewirkt wurde, wohl auch in Nürnberg. Das würde aber voraussetzen, dass StA in Nürnberg das Verfahren übernimmt. Das aber wäre sachwidrig und würde wohl zu dazu führen, dass man der Staatsanwaltschaft Willkür unterstellt. Denn fast alle Zeugen sind hier, fast alle Beschuldigten und auch fast alle Tatorte sind hier in Regensburg. Das Verfahren ist völlig zu recht in Regensburg am LG.

  • Giovanni Bavarese

    |

    Ich will mich entschuldigen. In einem Kommentar habe ich for kurzem die Worte „hämisch“ und „Hater“ in einem Satz benutzt. Das hätte ich besser nicht gemacht, es war nämlich sarkastisch gemeint und Sarkasmus und Ironie sind oft schwer zu erkennen, besonders im Internet.
    Wie immer gelten hier im rechtsfreien Raum die Internetgesetze und Godwin’s Law kommt zum tragen. Sofort kommt der unpassende Vergleich, und zwar diesmal sogar im Real Life im Regensburger Gerichtssaal.

    Ich mag Wohlbergs, der sich selbst schon als „regierender“ Bürgermeister betrachtet hat. Ich liebe seinen Humor und den seines Anwalts. Ich bin der Meinung, sie sind ihre eigenen Hofnarren.

  • Giesinger

    |

    Frage an die Gscheiden:

    Die nächsten Verhandlungstage sind am 7. November und dann am 18. Dezember.

    Wie sollen die da zur Wiederwahl von Wolbergs am 15. März 2020 fertig werden?

  • Stefan Aigner

    |

    @Giesinger

    Weil sämtliche Vethandlungstage bereits terminiert sind und letzter Tag war bislang der 6. März.

  • XYZ

    |

    Diese tragische Figur desulloniert sich allmählich selber: Schweigen wäre Goldes wert.

  • Fred

    |

    ‚desulloniert‘ sau guat ;-o

  • XYZ

    |

    Der erste und nunmehr zweite Prozess erinnert fatal an die Novelle von Heinrich von Kleist von 1810 ‚Michael Kohlhaas‘:
    Der Pferdehändler wird öffentlich eines angeblichen Betrugs bezichtigt und bricht zu einem Rachefeldzug auf nachdem ihm der Rechtsweg verweigert wurde, dann wird er hingerichtet.
    Kapitel 2: „Denn ein richtiges, mit der gebrechlichen Einrichtung der Welt schon bekanntes Gefühl machte ihm den Verlust der Pferde zu verschmerzen. Dagegen sagte ihm ein ebenso vortreffliches Gefühl, wie es allen Anschein habe, dass es bloss angekartet sein sollte. Er sei mit allen Kräften in der Pflicht verfallen sich Genugtuung für die erlittene Kränkung und Sicherheit seinen Mitbürgern zu verschaffen“.

  • XYZ

    |

    Letzter Verhandlungstag Anfang März ist ja ganz schön: und wann ergeht das Urteil, noch vor der Wahl?

  • Giesinger

    |

    Danke für die Antwort, Stefan Aigner.

    Zu Fred: Jeder kann sich mal verschreiben.

    Den Satz des XYZ würde ich halt jetzt fast komplett übernehmen und ihn aber mit einem Ausdruck aus der Küchensprache versehen.

    „Diese tragische Figur demouliert sich selber.“

    Ganz gescheit und geschliffen geht es gerade im Nachbar-Thread zu, was mir aber auch gefällt.

    Nur auf eine Antwort von R.G., da warte ich wohl vergeblich…?

  • Empörer007

    |

    An Giesinger:
    Wenn man das Orakel v. Delphi befragt:
    AW: Der OB-Kandidat wird am 15.03.20120 nicht (wieder-)gewählt, er erreicht nicht einmal die von ihm anvisierte Stichwahl gg. Fr. Maltz-Schwarzfischer…, er wird zu dieser Zeit vor dem Scherbenhaufen seiner „Wahn-Projektionen u. Ankündigungen“ (sein Wahlverein „Brücke“ stärkste Fraktion im Stadtrat) stehen, und sich aller Wahrscheinlichheit vom Regensburger Acker machen, aber ohne satte Beamtenpension! Und das ist gut so, BASTA…

  • Dieter

    |

    Dazu fällt einem eigentlich nur ein Wort ein: Widerlich.
    Witting und Wolbergs sollten sich in Grund und Boden schämen.

  • Giesinger

    |

    @Empörer007

    …ich kann nur hoffen, „ohne die satte Beamtenpension“, wie Sie geschrieben haben.

    Mal sehen, was die Richter diesmal sprechen.

  • Giesinger

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    An Dieter:

    Gab es das jemals zuvor, daß sich ein Politiker für etwas schämt?

    Ich glaube Herr Lehmann, der kürzlich verurteilte Alt-OB von Ingolstadt ist der erste Politiker, der sich für etwas schämt.

    Meinen mords großen, riesigen Respekt dafür an Herrn Lehmann!

  • R.G.

    |

    Was war vor der seit Anklage gezeigten Fähigkeit des Oberbürgermeisters, sich mit sehr verschiedenen Menschen zu vergleichen (es den Verteidiger tun zu lassen), wenn es denn der Sache dient?
    Legte er sich die Pflicht auf, in öffentlichen Situationen umkehrbares Verhalten zu zeigen?
    Was heute bedeutete, da er sich selbst mit „Anderen“ vergleiche, befürworte er, dass man ihn beliebig mit „Irgendjemand“ vergleiche? Oder, da er vor Gericht in Worten gegen die Ankläger laut und scharf wurde, dürfe die Staatsanwalt gegen ihn poltern, bzw. jeder Bürger der ihn hörte?

    Sah sein Weltbild vorher in (s)einem Rechsstaat die Notwendigkeit vor, die kritische Freie Presse als wichtige Kontrollinstanz unbedingt wollen zu sollen und sie zu fördern?
    Mied er eine Lobhudelpresse, als unter seinem Niveau sowie im Wissen, wer erst raufgeschrieben werde, werde zwingend später auch runtergeschrieben?
    Stand er für oder gegen Kollektivhaftung/Kollektiventlastung?

    Da ich selbst, und um mich zu treffen meine Familie mit, Opfer mieser Verleumdungen und Taten war und bin, habe ich Verständnis für Momente der Verzweiflung und daraus resultierende Veränderungen.
    Ich meine, es sind die Grundwerte, die einem dann helfen, nicht dauerhaft unter das eigene Niveau zu fallen. Da stellt sich für mich beim Oberbürgermeister von Regensburg eben die Frage, was war, was ist sein ureigenster, unverrückbarer Maßstab?

    Wo sind seine Grenzen?

  • R.G.

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    Ausgangspunkt: Ein Verteidiger setzt Vergleiche wie oben geschildert.
    Der Mann hat in seiner beruflichen Eigenschaft nicht nur nach seinen eigenen privaten Maßstäben zu handeln, er muss vom Typus her geeignet sein, sich zum Vorteil eines Mandanten – in Maßen! – darüber hinaus zu bewegen.

    Das Regulativ muss hier einerseits ein fuktionierendes GEGENspiel der Kräfte am Gerichtsstandort sein, andrerseits, was der Klient als Strategie billigt.

    Aktuell geht es um den Vergleich mit Opfern sich wie organisiert ausgewirkt habender, rechter Sprachgewalt, mündend in Mord.

    Nachahmungstaten sind, wie Fachleute berichteten, umso häufiger zu erwarten, als man die Berichterstattung sich auf die Täter focussier(en läss)t, oder unzer anderem Vergleiche mit deren Verbrechen pflegt.

    Ich erhoffe mir von Richterfortbildungen/Fachartikeln eine Art Leitlinien zum notwendigen strikten, beschränkenden Umgang mit vor Gericht benutzten Vergleichen zu politisch oder ideologisch bzw. fundamentalistisch geprägten Hassverbrechen.

    Möge dieser Richter das Gefühl vermitteln, ER führe die Verhandlungen und SETZE GRENZEN!

  • Julian86

    |

    Wo beginnt die Gewalt in der Sprache, in der Kommunikation?

    Selbstprojektion:
    Das, was man bei/an sich selbst nicht mag, gar verabscheut, sieht man regelmäßig im Tun des Anderen, des Gegenüber und „schlägt“ verbal auf ihn ein, meint aber im Grunde sich selbst.

    Sehr zu empfehlen ist dieses Buch
    https://www.buecher.de/shop/ratgeber–lebenshilfe/gewaltfreie-kommunikation/rosenberg-marshall-b-/products_products/detail/prod_id/09463046/

    Eine Anleihe kann man sich beim diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis holen, Stichwort: Schuluniform-Projekt in Kenia.

    Darauf aufbauend, Vorschlag:
    Regelmäßig lobt Regensburg-digital durch seinen Beirat die drei User des Jahres aus, die, Meilen davon entfernt, Hass und Häme zu versprühen, durch beispielhafte „gewaltfreie Kommunikation“ vorbildlich die aufklärerische Arbeit der Redaktion mehrten und anderen Beispiel gaben.

    https://www.zeit.de/2019/43/wirtschaftsnobelpreis-armut-esther-duflo-michael-kremer-abhijit-banerjee

  • Der sterbende Gallier

    |

    Das ist übrigens der Artikel, den Wolbergs in seinem neuesten Video anspricht:

    https://www.sueddeutsche.de/bayern/justiz-zwei-oberbuergermeister-zwei-faelle-von-korruption-1.4652492

    Es kann sich jeder selbst ein Bild machen, ob der SZ-Journalist Glas die beiden Fälle unfair vergleicht.

    Einen Vergleich etwa, der geeignet wäre, aus Joachim Wolbergs einen Heiligen zu machen, sucht man natürlich vergebens. Möglicherweise wäre so ein Kontrast zum bösen Ingolstädter OB ja der Wunsch der Verteidigung von Wolbergs gewesen. Man weiß es nicht.

    Wenn man sich den Vergleich betrachtet, zu dem Stefan Aigner hier kommentiert hat, stellen sich aber jedenfalls viele Fragen.

    Und vielleicht ist es ja auch so, dass man irgendwann gar nicht mehr merkt, wie sehr man bei bestimmten Themen relativiert. Vielleicht sogar besonders, wenn man das beruflich machen muss. Also so ähnlich wie Betriebsblindheit. Könnte ich mir auch gut vorstellen.

    Womit ich die von Herrn Aigner hier kommentierte Aussage sicherlich nicht relativieren will!

    Ich suche nur nach einer Erklärung, wie einem Organ der Rechtspflege sowas rausrutschen kann.

    Im Urteil zu Ingolstadt (Siehe genannter SZ-Artikel oben) gibt es übrigens auch noch einen Vergleich.

    Dieser spielt auch mit Relativierung.
    Und vor allem fehlender Selbstreflexion.

    Es ist ebenfalls ein Zitat von Franziskus, was der Ingolstädter Richter im Urteil nennt:

    „…
    Von fehlendem Problembewusstsein für Korruption erzählt auch das Zitat von Papst Franziskus, das Bösl zu Beginn seiner Urteilsbegründung bemühte. Der Richter sagte: „Der Korrupte nimmt seine Korruption nicht wahr. Es ist ein wenig wie mit Mundgeruch. Wer ihn hat, der bemerkt ihn kaum.“
    …“

  • Mr. B.

    |

    Ich glaube nicht, dass der Ingolstädter-EX OB nicht merkte, dass er korrupt ist. Wenn man die Berichterstattungen aus dem Prozess gelesen hat, dann hat er mit absolutem Vorsatz gehandelt, nach dem Motto: „Was andere machen, kann ich auch, weil mir ja nichts passieren kann1“ Wenn ich völlig unbedarft bin, würde ich es mit Sicherheit merken, was andere für Wohnungen zahlen und was ich gegenüber meinem „Spezl“ zahlen muss, damit dieser an besten und günstigen Baugrund kommt, wo sich dieser die Taschen so richtig voll machen kann! Wie sollen solche Leute Antikorruptionsrichtlinien aufstellen, wenn sie selber voll mit drinstecken? Wohl doch nur, dass der kleine Mann unter Gefährdung seiner Arbeitsstelle nichts „mitnimmt“ und sie alles bekommen!!!
    Ich glaube, man könnte hier auch von Heuchelei sprechen, oder? Nach meiner Prozessverfolgung war Herr EX OB in Ingolstadt erst nach mehrmaliger Aufforderung durch den Richter bereit, ein Geständnis abzulegen, da es sonst eine weitaus höhere Strafe -ohne Bewährung- gegeben hätte. Wie peinlich wäre das insgesamt für die selbsternannte „Law and Orderpartei“ in Bayern, gerade nach dem Kreidl-Verfahren. Mann könnte dann auch nicht mehr von Einzelfällen oder wenigen Einzelfällen sprechen!
    Und…….das was Herr Witting und Herr Wolbergs gerade vor Gericht abziehen, wird sicher nicht helfen, dass Städte und Gemeinden einen geeigneten Kandidaten für die nächsten Wahlen finden. Aus dem vorausgegangenen Geschehenen muss ja jeder ehrliche Kandidat befürchten, dass die Wähler glauben, dass man nur aufgestellt wird, um gleiches wie vorher wieder zu machen! Herr Wolbergs hat ja mit seinen weiteren Angaben eben dies bestätigt: „Ich habe es nur so gemacht wie die Vorgänger“ oder so ähnlich war doch seine Aussage.

  • Rengsburger

    |

    Mr. B.

    Sie sagen es bei einem CSU Kandidaten rät der Richter zum Geständnis da der uneinsichtige Leugner mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen müßte.

    Bin mal gespannt wie es dem Ex SPD Mitglied Wolbergs ergeht. Ob er bis ans Ende seine Ende des Verfahrens so weiter machen kann und Staatsanwaltschaft, Polizei und Presse beschimpfen darf. Herr Aigner lassen Sie es sich nicht zu Kopf steigen, dass sie von Wolbergs ganz besonders beschimpft werden wie SZ, MZ, Focus… Kleiner Scherz am Rande. :)

  • Giesinger

    |

    In seiner aktuellen Videobotschaft bezeichnet Wolbergs regensburg-digital als Randerscheinung mit vielleicht 40 bis 50 meist anonymen Kommentatoren.

    Mich würde nun sehr die eigene Einschätzung von Stefan Aigner und seinen „Mitstreitern“ über den Verbreitungsgrad, also die Leseranzahl von regensburg-digital interessieren.

    Ist Euer „blog“ (so Wolbergs) wirklich nur eine Randerscheinung neben den „Qualitätsmedien“ SZ, Focus und Bild?

  • Stefan Aigner

    |

    @Giesonger

    Aktuell (Durchschnitt 2019) haben wir laut bereinigter WordPress-Statistik (ohne Bots und eingeloggte User) täglich etwa 7.000 Zugriffe (Page-Impressions). Kommentatoren sind auch nicht mit Lesern gleichzusetzen. Am Forum beteiligt sich – wie überall- nur eine Minderheit. Und jetzt bitte wieder zurück zum Thema. Wolbergs‘ Videobotschaften können Sie auf seiner Facebook-Seite kommentieren. Wir beschäftigen uns redaktionell nur in Ausnahmefällen damit.

  • Giesinger

    |

    O.K. Danke für die Info. Bin halt nicht bei facebook.

  • R.G.

    |

    Vordergründig dreht sich der Oberbürgermeister um das Thema Herr Aigner, ob dieser wirklich auf die Regierenden losgehe, und um angeblich böse Kommentatoren. Ich habe den Eindruck, dass nicht mal igm gegenüber neutrale, jedoch allgemein kritische Personen wie ich, von ihm bisher positiv wahrgenommen werden .
    In einem Youtube Filmchen sprach Wolbergs sinngemäß davon, dass sich manche warm anziehen müssten,, wenn er wieder im Amt sei, ich erinnere ich an seinen Seitenhieb gegen die Presse in dem Zusammenhang.
    Keine Frage, einige Artikel über ihn überschritten Grenzen!
    Als Leser kann man durch Nicht-Anklicken dagegen am heftigsten protestieren, denn heute wird im Print häufig in dem Stil geschrieben, der die größte Zahl an Lesern bringt.

    Mir passierte in einem östlicheren Land folgendes. Nachdem im Radio seitens eines höheren Priesters grobe Unwahrheiten über mich behauptet worden waren, unter einem fiesen Vorwand, musste ich mich mit sehr lästigen, an meine Postadresse adressierten Briefen abquälen. Der Inhalt damals: unterirdisch und ja, Angst machend!
    Nun konnte ich die Medien unmöglich finden oder den gegenteiligen Schluss ziehen, im Gegenteil sei eine Stärkung der Pressearbeit im ethischen und rechtlichen Sinne notwendig. Einen Prozess konnte ich zu der Zeit nicht wollen, aber wenigstens mit der Abteilungsführung der Medienanstalt ein Gespräch zu führen versuchen, wie es ab da besser zu handhaben sei, damit keinem Bürger oder Gast mehr Gleichwertiges geschehe.
    Bis heute sah ich von dem Sender nie mehr eine private Postadresse veröffentlicht.

    Herr Aigner wurde mehrfach geklagt, angeblich auch schon eingeschüchtert. Dennoch bildet es sich bei ihm nicht im allgemeinen Ton ab, da ist nichts von pauschaler Vergeltung an ihm. Es fällt ihm sicher nicht immer leicht, mit den Schwierigkeiten umzugehen, aber er reißt sich eben zusammen, weil es für ihn ganz offensichtlich mehr als nur ihn selbst gibt.

    Wer mir weismachen möchte, dass „man“ poltern, eskalieren und heimzahlen muss, wenn man sich zu Unrecht beschuldigt glaubt, dem widerspreche ich absolut.

    Wir Multiplikatoren sind selbst in der größten Not gerufen, (nicht nur) den uns verantrauten Jüngeren ein Vorbild der Gewaltfreiheit bleiben zu wollen. Sie müssen schließlich ihr Leben nach dem Wenigen gestalten, was wir ihnen vorleben!

  • Mr. T.

    |

    Ich weiß nicht, was sich Wolbergs jenseits dem unsäglichen Barschel-Bild noch so alles anhören und antun muss. Ich kann mir schon vorstellen, was ihn da heutzutage so alles erreicht. Und ich kann mir auch vorstellen, dass es irgendwann nicht mehr einfach ist, das zu ignorieren.
    Aber leider fehlt ihm die Fähigkeit zu differenzieren. Die leiseste Kritik an ihm landet im selben Topf wie das Barschel-Bild und der falsche Focus-Artikel. Da gibt’s den Topf für die Kommentare von Frau Vietze und Tom Tiger und den anderen, in dem ein „so toll hat er das nicht gemacht“ und ein „hängt ihn auf“ zusammen landen. Wer nicht uneingeschränkt hinter ihm steht, steht schon auf der Hater-Seite.
    Iromischerweise ist der Schuldige für das oben angesprochene Barschel-Bild, der Pegida-Peter, mittlerweile auf die Seite der Wolbergs-Verteidiger gewechselt (seit er selber mit im Spendensumpf steckt). Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass er dort willkommen ist ;-)

  • R.G.

    |

    @Mr.T.
    Rücken wir die Dinge ein wenig gerade.
    Zusendungen wie das Bild eines unter zweifelhaften Umständen ums Leben gekommenen Barschel können eine Person der Öffentlichkeit einfach so erreichen, als Konsequenz auf extremen Erfolg oder in Momenten, wo sie von den Medien als „im Fallen“ begriffen wird. Ein applaudierter Platz im Mittelpunkt hat leider zwei Seiten.

    Die Wählergunst kann man als Politiker schon durch weiter rasant steigende Mieten verloren haben, nicht erst durch einen Zeitungsartikel anlässlich einer Verhaftung.

    Ein unbestimmtes aber hartnäckiges Gefühl, jemand sei unabhängig vom Prozessausgang vielleicht doch schuldig, kann bei Wählern durch das bloße Verhalten eines Angeklagten gegenüber der Anklage entstehen. Stellen wir uns als erfundenes Beispiel vor, jemand wäre durch „Zsammanschaissn“ der Staatsanwaltschaft aufgefallen.

    Wenn ein Reicher, der für einen Freund gehalten wurde, einen Poltiker nicht weiter treffen möchte, muss das nicht an der bösen Presse, es kann schlicht am Fehlen gemeinsamer Projekte liegen.

    Dass jemandes Wohnung durchsucht wird, kann aufgrund eines echten Verdachts passieren oder weil jemand nicht mal mehr den Mindestbedarf wirklich deckenden Lebensunterhalt vom Staat bekommt. Wäre Letzteres möglich, hätte man den Leuten das Mitgefühl für Betroffene schon abgewöhnt, und sie reagierten selbst wenn es mal einen Berufspolitiker beträfe, gleichgültig. Dafür sähe ich wieder nicht die Presse oder Staatsanwaltschaft verantwortlich.

    Undsofort.

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