Die tauben Ohren der Kirche

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„Keine Rückmeldung von der Kirche.“ Bei der Buchvorstellung fordert Johannes Heibel Dialogbereitschaft. Fotos: Herbert Baumgärtner

Ehe am Ende des Abends ein kurzes Musikstück gespielt wird, verlassen die beiden Vertreter des Bischöflichen Ordinariats in aller Stille den Dollingersaal. Zu Wort gemeldet haben sich die Pressesprecher Clemens Neck und Jakob Schötz nicht und ihrem Chef, Bischof Gerhard Ludwig Müller, dürfen sie die geharnischte Kritik eines Großteils der Anwesenden überbringen und die Botschaft: „Anlässlich des Papstbesuchs erwarten wir ernsthafte Konsequenzen aus den Verbrechen, die im Bistum Regensburg passiert sind.“ „Ohne Fehl und Tadel – Kirche, klerikale Täter und deren Opfer“ heißt das Buch, das am Freitag in Regensburg vorgestellt wurde (eine Besprechung).

Abgesehen von einem kurzen Vor- und Nachwort kommen darin ausschließlich Missbrauchsopfer, deren Angehörige und Vertraute zu Wort. Auch drei Fälle aus dem Bistum Regensburg werden dabei intensiv beleuchtet. Doch vorgelesen aus dem Buch wird am Freitag nur wenig. Es wird erzählt. Die von der zuständigen Kirchenleitung veranlasste „Versetzungsodyssee“ eines pädophilen Pfarrers habe ihn fast 20 Jahre beschäftigt, schildert Johannes Heibel seine ursprüngliche Motivation für dieses Buch. Der Sozialpädagoge hat es mit der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ herausgebracht. Und erst in einem weiteren Band wird er den erwähnten Fall aufgreifen. Zunächst sollten Opfer zu Wort kommen. Und deren Schilderungen belegen, so Heibel, „dass sich in der Kirche allen Beteuerungen zum Trotz nichts geändert hat. Man hält sich nicht einmal an die eigenen Leitlinien“.

„Eine der bittersten Erfahrungen meines Lebens.“ Der ehemalige Pfarrer Guido Sauer zum Umgang der Kirchenleitung mit sexuellem Missbrauch.

Der ehemalige katholische Pfarrer Guido Sauer hat ein Vorwort für das Buch geschrieben. Als Jugendseelsorger war er immer wieder mit den Erlebnissen Jugendlicher mit sexueller Gewalt konfrontiert, innerhalb der Familie, aber auch der Kirche. Der Umgang der Kirchenleitung damit sei „eine der bittersten Erfahrungen meines Lebens“ gewesen. Er sei wiederholt auf taube Ohren gestoßen und wenn in dem Buch davon die Rede sei, dass hier emotionale Analphabeten am Werk seien, die sich „nicht einfühlen können oder wollen“, dann spreche ihm das aus der Seele. Eine, die sich über Jahre damit auseinandersetzen musste, ist Johanna Treimer.

Sie sitzt am Freitag mit auf dem Podium. Ihr Sohn Benedikt und sein Bruder wurden 1999 in Viechtach von dem Kaplan Peter K. sexuell missbraucht. Mit dem bischöflichen Ordinariat wurden seinerzeit Stillschweigen, die Übernahme von Therapiekosten und ein Schmerzensgeld von 5.000 D-Mark vereinbart. Die Zusicherung, den Pfarrer nicht mehr in der Jugendarbeit einzusetzen, lehnte das Ordinariat ab.

„Unsere Familie wusste nicht wirklich mit dem Missbrauch umzugehen. Woher auch? Uns stellten sich tausend Fragen. Wen sollte man benachrichtigen? Wie geht man rechtlich mit dem Vorfall um? Als ’normale‘ Familie hat man es schließlich nicht täglich mit sexuellen Übergriffen durch Geistliche zu tun. Außerdem gestaltete sich alles sehr kompliziert, weil ich höchst empfindlich war. Einerseits wollte ich Aufklärung und Gerechtigkeit, andererseits hatte ich riesige Angst vor Öffentlichkeit.“ Benedikt Treimer

In einem beeindruckenden und bewegenden, aber auch ermutigendem Beitrag schildert Benedikt, wie es dazu kam. Er erzählt, wie er und seine Familie darunter litten und von der Kirche allein gelassen wurden und wie er sich schließlich durch Gespräche und Therapien, aber auch mit dem Gang an die Öffentlichkeit, damit, „der Kirche Paroli zu bieten“,von dieser Last befreite.

„Meiner Meinung nach war die Schmerzensgeldzahlung jedoch ein von der Kirche auferlegtes Schweigegeld, und der Bischof wie auch das Ordinariat waren sehr froh, dass ich den Missbrauch vor lauter Scham nicht zur Anzeige brachte. Auch wann das Ordinariat immer mein Recht auf Anzeige betonte, wurden kirchenintern keine Schritte unternommen P. K. anzuzeigen und den Fall somit an die Öffentlichkeit zu tragen.“ Benedikt Treimer

„Plötzlich sind wir die Bösen.“ Johanna Treimer, Mutter eines Missbrauchsopfers.

Johanna Treimer kann am Freitag nur zum Teil daraus vorlesen – einige Erinnerungen sind immer noch zu schmerzhaft. Was Johanna Treimer bis heute ärgert: Seit ihre Familie 2007 an die Öffentlichkeit ging, derselbe Pfarrer mit weiteren Missbrauchsfällen in der Gemeinde Riekofen aufflog und schließlich zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, verweigert die Diözese konsequent die eigentlich vereinbarte Bezahlung weiterer Therapien.

„Wir haben immer wieder zu spüren bekommen, dass wir die Bösen sind, weil wir nicht mehr den Mund halten“, erzählt Johanna Treimer. Mit Bischofssprecher Clemens Neck, der am Freitag im Publikum sitzt, hat sie deshalb vor einigen Monaten telefoniert. „Er hat mich nicht einmal zurückgerufen.“

„2007 wurde es im Zuge der ganzen Turbulenzen für mich immer schwieriger, meinen Aktivitäten und Aufgaben im Studium nachzukommen. (….) Ich musste feststellen, dass mir die Therapie im Jahr 1999 nur über einen Teil des Erlebten hinweggeholfen hatte. In der Vereinbarung, die damals nach dem Missbrauch mit dem Ordinariat getroffen wurde, sprach mir die Kirche mein ständiges Recht auf die Finanzierung einer erneuten Therapie zu. (…) Der Zeitpunkt war gekommen, um mich wieder in psychologische Betreuung zu begeben. Ich fühlte mich total ausgebrannt und leer. Da ich zu dieser Zeit in Bezug auf Missbrauch jedoch in den Medien sehr aktiv war, verweigerte mir die Kirche die Finanzierung einer erneuten Therapie. Ich war und bin der Kirche ein Dorn im Auge.“ Benedikt Treimer

Immer wieder stellt Johannes Heibel am Freitag heraus, dass sexueller Missbrauch kein ausschließliches Problem der Kirche ist. „Andere Gesellschaftsteile sind ebenso gefordert. Was Kirche tut, das tun auch andere.“ Eines aber mache ihn nachdenklich: Als Vorsitzender der Initiative gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen habe er sehr viele Rückmeldungen bekommen. „Von der Kirche war nichts dabei.“ Gerade mit Blick auf Regensburg fordert Heibel nachdrücklich zum Dialog und zu „ernsthaften Konsequenzen“ auf, „alles andere ist Käse“. In der darauffolgenden kurzen Pause verlassen die beiden Zuhörer aus dem Ordinariat wortlos den Saal.

„Mut“: Feuerinstallation am Freitag unterhalb der Steinernen Brücke.

„Im Nachhinein bin ich sehr froh, den Weg in die Öffentlichkeit geschafft zu haben, weil ich dadurch gelernt habe, dieses Thema ganz anders zu betrachten. Anstatt in der passiven Opferrolle stecken zu bleiben, habe ich mich dafür entschieden, der Kirche aktiv Paroli zu bieten. (…) Ich wünsche jedem, der etwas Ähnliches erlebt hat, den Mut, aufzustehen und ‘Nein!’ zusagen. Nein zu dieser Ungerechtigkeit – in der Hoffnung, dass sich in unserer Gesellschaft in Zukunft einiges ändern wird.“ Benedikt Treimer

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Kommentare (22)

  • Herbert

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    Sorry, aber diese Frau Treimer ist mir mehr als suspekt. Man kann von der Kirche halten was man will (oder auch nicht). Natürlich sind die Taten aufs Schärfste zu verurteilen.
    Aber eine „liebenden Mutter“, die WUSSTE, was für eine Type dieser Pfarrer ist, die aber selber nichts gesagt hat kann ich auch nicht als glaubwürdig erachten.
    DIe gute Frau hat doch selber das Schmerzens-oder sonst-wie-Geld- angenommen und dafür dann ihre Klappe gehalten. Somit also bewusst in Kauf genommen, dass es anderen Kindern wie ihren Buben ergehen könnte. Aber hauptsache die Kohle stimmt.

    Das soll jetzt das Verhalten der Kirche nicht schmälern. Aber ich finde es nicht gerecht, lediglich der Kirche „Vertuschung“ vorzuwerfen, während eine Mutter, jahrelang schweigt, und dann, wenn anscheinend das Geld ausgeht, nachdem schon andere Kinder missbraucht wurden, jetzt durch die Talkshows tingelt. Ich finde sie ist da kein Stück besser.

  • Bert

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    Ich würde Ihnen zustimmen, wenn die Reihenfolge in Ihrer Logik stimmen würde, abert es war ja nicht so, dass kein Geld mehr gezahlt und dann das Schweigen gebrochen wurde, sondern umgekehrt: Die Familie hat geredet und das Ordinariat hat daraufhin nicht mehr gezahlt. Irgendwie hätte sie aber wohl nichts richtig machen können: Sagt man nichts, wird man kritisiert. sagt man etwas, auch. In meinen Augen hat die Diözese Regensburg die schwierige Situation der Familie einfach ausgenutzt.

    Die Verantwortlichen im Ordinariat anzeigen und/oder wenigstens dafür sorgen können, dass dieser Mann nie wieder mit Kindern in Berührung kommt; zumindest nicht als Pfarrer. Stattdessen hat man sich den Wunsch der Familie, ihre Kinder vor öffentlicher Aufmerksamkeit zu schützen mit der Zahlung von Geld bzw. mit diesem später gebrochenem Versprechen noch verstärkt.

  • Luna Schneck

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    Ist schon interessant, dass jetzt die Mutter angegriffen wird. Schämt euch. Diese Frau hat Mut. Es gehört schon einiges dazu in der Öffentlichkeit zu reden. Denn dann gibts immer solche wie Herbert, die alles verdrehen. In den Talkshows hocken doch immer irgendwelche Bischöfe oder sonstige Kirchenvertreter und reden obwohl wir´s nicht hören wollen. Regt dich das denn nicht auf?
    Hätte niemand geredet, würden jetzt noch viel mehr Kinder missbraucht. Die Täter hätten leichtes Spiel. Doch so verändert sich die Sichtweise der Menschen.
    Der Pfarrer war der Täter. Der Pfarrer war mit seiner abgründigen, elenden Seele seinen Chefs im Ordinariat bekannt. Es wurde, wie immer, lange vertuscht. Jetzt greift ihr die Mutter an, diese Frau hat die Hölle hinter sich. Darin gings ja an dem Abend, eben nicht mehr zu schweigen. Es gehen eh nur wenige an die Öffentlichkeit
    Ich glaub auch, ich war auf der falschen Veranstaltung, denn was die MZ da für einen Müll veröffentlich hat ist „himmelschreiend“. Wurden wohl wieder große Bierwerbungen versprochen, oder warum lügt die MZ. Neck ist wie von der Tarantel gestochen geflüchtet. Oder habt ihr mitgekriegt, dass jemand von der Kirche auf Opfer und deren Familien zugegangen ist? Na ja, vielleicht bin ich mal kurz eingeschlafen!!!
    Die Diözesanleitung ist schlau und nur drauf bedacht nichts öffentlich werden zu lassen. Die Pfarrer und Kirchenmitarbeiter dürfen alles, es darf nur nicht bekannt werden.
    Noch eins, wenn du deine Geschichte öffentlich machst, wirst du von allen Seiten angegriffen. Hab ich selbst erlebt, das zerstört dich dann nochmal. Und noch was, der Papst tingelt durch die Welt und lässt sich dies noch von uns bezahlen, warum regst du dich darüber nicht auf. Er deckt auf der ganzen Welt seine unzähligen Verbrecherpfarrer und ist immer noch Chef. Jeder andere Vorsitzende hätte schon lange gehen müssen und auch noch Anzeigen wegen Vertuschung am Hals. Der Papst und die Buben die er um sich schart sind doch krankhaft selbstgerecht. Er gehört sich weg.
    Der Bischof hat den Mann versetzt, warum ist er noch im Amt?? Warum unternimmt der Staat hier nichts, das sind Mittäter.
    Also regt euch über den Boss und diese kranken Typen auf. Und lasst die Opfer in Ruhe, die haben ihr ganzes Leben dran zu knabbern. Ich wünsche euch, betroffenen Familien endlich Frieden in eurem Leben und euren Seelen.

  • Herbert

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    Äääh, sorry, aber SIe verdrehen hier einiges.

    1. ) In den Talshows hocken nicht die Bischöfe. Ich dachte die vertuschen alles und meiden die öffentlichkeit???Ja was denn jetzt?? Und wären Sie mal aufmerksam gewesen, hätten Sie gemerkt, dass gerade Frau Treimer seit 2007 durch sämtliche Talkshows, Sendungen, sonstwas tingelt, interviews gibt noch und nöcher, warum hat sie das davor nicht getan? Dann wäre Riekofen vielleicht nie passiert

    2.) Jaja, die Frau ist mutig. Mutig wäre es gewesen zu sagen. “ Ich will eure Kohle nicht ihr könnt mich nicht kaufen“ und SOFORT an die Öffentlichkeit zu gehen. Und nicht erst hinterher draufhauen nachdem man vorher schön abkassiert hat. Aber hauptsache den eigenen Kindern gehts gut. Was mit anderen Kindern passieren könnte, das war der Frau anscheinend egal.

  • Ein gebranntes Kind

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    Wie will man von einer Firma, dessen Personal zu über 50% aus Homosexuellen besteht einen vernünftigen Umgang mit dieser Problematik erwarten können. Steht endlich zu euren Neigungen, die Gesellschaft ist schon lange so weit. Liebe, auch körperliche ist ein Menschliches Grundbedürfnis und dient nur im homeophatischen Dosen der Fortpflanzung. Vieleicht spürt der Papst in Berlin ja was positives wenn er Wowi die Hand gibt.
    Als weitere Buch-Empfehlung:
    http://www.br-online.de/bayern2/eins-zu-eins-der-talk/david-berger-theologe-stefan-parrisius-ID1293015080193.xml

  • Luna Schneck

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    Hi Herbert, du gehörst wohl auch zur Kirchenfraktion, bist bestimmt Christ, denn von diese argumentieren etliche so. Diese Mutter ist überaus mutig. In den Talkshows hocken jede Woche Kirchenvertreter und beschönigen oder bestreiten. Aber es sind auch wenige dabei die offen sprechen und an
    Wiedergutmachung und Präventionsmöglichkeiten arbeiten, bei ihnen spüre, zumindest ich, echte Betroffenheit.
    Gerade den Kindern dieser Mutter und der ganzen Familie ist es lange Zeit sehr schlecht gegangen, wird es auch in der Zukunft immer wieder mal schlecht gehen. Man kann nur hoffen, dass sie normal leben können. Herbert, sie tun mir leid.
    Wer sich in einer vermeindlich braven Gemeinschaft versteckt, z. B.Dorf- oder Kirchengemeinden und diese nicht beschmutzt gehört dazu, aber wehe du raubst diesen Gruppen etwas von ihrem glizernden „Schein“-Heiligenschein, dann bekommst du Tritte und wirst gejagst. Ich kenn das auch. Nach dem Täter wird oft nicht gefragt, der Beschmutzer des schönen Scheines ist dann der Täter, der deren heile Welt einreisst.
    Lieber Herbert geh beichten für deine bösen Gedanken. Der liebe Herr Pfarrer vergibt dir, im Namen eures „männlichen Gottes“ und alles ist wieder gut. So wird auch mit klerikalen Tätern verfahren. Sie beichten, es wird ihnen vergeben, denn Gott vergibt seinen Sündern, jeder sündigt doch mal, dann fröhlich weiter wie bisher. Nur den Opfern vergibt er nicht. Laut Bischof Müller sind ja auch nicht die Täter schuld, sondern die bösen Journalisten. Denn hätten die nichts veröffentlicht, gäbs ja weder Taten noch Opfer und Täter schon gar nicht. Und alle müssen sie verklagt werden.
    Herbert meld dich doch in einer Talkshow, dort kannst du dann alles richtig stellen. Ich bin auch eine der Bösen die alles kund tun. Ich war auch schon im Fernsehen, vor Jahren, hat mir danach viele Gemeinheiten hier im Ort eingebracht. Es kommen immer wieder Anfragen zu Interviews und Talkshows, gehen wir doch zusammen. Dann können sich die Zuschauer über 2 Streithammel freuen.

  • Luna Schneck

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    Noch mal an Herbert, hab grad gelesen unsere intelligente Gloria kommt zum 4. in Maischbergers Runde um ihre nobelpreisverdächtigen Ergüsse der ganzen Welt kund zu tun. Denn das hat die Welt noch gebraucht.
    Fahr doch mit, dann seit ihr schon 2.

  • Herbert

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    Ich hab hier schon ganz am Anfang geschrieben, dass ich die Täter aufs schärfste verurteile und alles, was da geschehen ist. Aber ich bleibe dabei: Wenn einer mein Kind anlangt, dann mach ich denjenigen sofort fertig wie es nur geht und lass alle wissen, was derjenige getan hat, damit dasselbe anderen Kindern nicht passiert! Wenn jemand meinem Kind was antut, würde ich nie Geld annehmen um dann die Klappe zu halten. Das Geld wäre mir egal. Und ich würde mir schäbig vorkommen zu schweigen.

    Erst recht würd ich mir schäbig vorkommen, dann nach ein paar Jahren anzukommen und sich dann aufzuspielen. Die Eltern der Riekofen-Kinder werdens ihr danken. Hätte sie mal früher ihren Mund aufgemacht.

  • NannyOgg07

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    Ehe hier weiter auf einander und auf nicht anwesende Personen eingedroschen wird, würde ich allen Beteiligten empfehlen sich intensiv mit der Psyche der Opfer und deren Angehörigen auseinanderzusetzen. Es gibt reichlich Literatur zur Thematik.
    Ich bin selbst mehrfache Mutter und sicher frei von dem Glauben alles richtig zu machen. Ich hab aber nicht im entferntesten genug hellseherisches Potential um zu entscheiden wie ich im Falle eines Falles handeln würde. Die 5000 DM könnte die Kirche sich gerne sonstwohin stecken, und ich kann mir nicht vorstellen dass es viele Menschen gibt die für diesen Betrag ihre Seele oder die ihres Kindes verkaufen würden. Aber der Schutz des eigenen Kindes geht häufig vor dem Schutz anderer Kinder. Die Gefahr mein Kind einer jahrzehtelangen Anfeindung ausszusetzen würde mich möglicherweise schon davon abhalten den Vorfall anzuzeigen. Und wer nicht glaubt dass es in einem kleinen Dorf zu solchen Anfeindungen kommen kann, kann sich das ja hier mal durchlesen:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/kindesmissbrauch-in-eschenau-das-zerruettete-dorf-1.1004667
    Nichts in diesem Bericht ist übertrieben, ich weiß das weil meine Familie dort wohnt, zum Teil aber bereits weggezogen ist und noch wegziehen wird :-(
    Vielleicht ist das in einer Stadt wie Regensbug nicht so gravierend, auf dem Land kennt einen jeder und alle zeigen mit dem Finger auf einen. Nichts bleibt verborgen, wenn es sich lohnt darüber zu Tratschen!

    Und natürlich denkt die Mutter von Benedikt an sich und ihren jungen, ihr das vorzuwerfen ist geradezu lächerlich. So wie der Junge es beschreibt ist der Schritt an die Öffentlichkeit zu gehen ein Akt der SElbsttherapie, ein Heraustreten aus dem Dunkel der Opferrolle ins Licht, auch wenn das manchmal unangenehm ist.

    Vermutlich haben alle Fehler gemacht, aber nichts desto trotz ist es vermessen, der Familie Sensationslüsternheit zu unterstellen. Dass die Frau nicht als erstes daran dachte die Welt oder andere Kinder zu schützen mag falsch gewesen sein, ist aber menschlich, wenn man sich versucht vorzustellen was sie und ihr Kind durchlebt haben. Daß die Kirche lieber den schönen Schein wahren will statt sich zu verpflichten wenigstens danach, nachdem etwas passiert ist, andere „Schäfchen“ vor einem Sexualstraftäter aus den eigenen Reihen zu schützen grenzt an Vorsatz!

    Auch dauert es manchmal Jahre oder wie im Fall Eschenau sogar Jahrzehnte ehe ein Opfer über das was ihm wiederfahren ist redet. Und jedes Mal könnte man fragen:“ Warum jetzt? Warum nicht schon früher?“

  • W. Müller

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    Verehrte Frau Luna Schneck
    Vielen Dank für ihren Mut, aus einem Dorf im Rückzugsgebiet der katholischen Kirche, dies zu veröffentlichen. Man muss sich keinewswegs dafür schämen, von der katholischen Kirche zu nehmen , was man kriegen kan. Im Hinblick au die angerichteten Schäden an den Kindern sind die Zahlungen ein Witz. In USA musste alleine der Jesuitenorden 450 Millionen zahlen bis er pleite war.
    Was in diesen Leserbriefen beschrieben wird ist authentisch und glaubhaft und von der katholischen Kirche nicht zu widerlegen.
    Die Antwort der Kirche auf solche Fakten ist ein massiver Angriff auf Menschen und Zeitungen , die es wagen, die Schweinereien von Kirchenrepräsanten zu veröffentlichen, die sie dafür verantwortlich machen. ( bis vor wenige Jahre war die Kirche durch den Plasphemieparagraphen geschützt, den ja Stoiber wieder einführen wollte)
    Inzwischen hat eine breite Öffentlichkeit erkannt, dass das Management der katholischen Kirche im Vatikan zu Rom keinerlei Interesse hat, derartige seit 2000 Jahren andauernde Schweinereien aufzuklären oder zu verhindern. Eine weitere Maßnahme der Kirche ist eine Radikalisierung gegen eine Anpassung der Kirche an die heutige Zeit. Dazu wurden äußerst konservative rückwärtsgewandte Bischöfe ( total von Rom abhängig) in den meisten Bistümern wie Fulda, Köln, Regensburg, Berlin, Essen, Eichstätt, Speyer insgesamt ca. 2 Drittel aller eingesetzt. Ein Großteil dieser Bischöfe steht unter dem Einfluss des größten Scharfmachers Kardinal Meissner aus Köln. Zusätzlich steigt der Einfluss radikaler Sekten wie Piusbrüder und Opus Dei in der katholischen Kirche. Die Folge, eine millionenfache Abwendung Gläubiger und eine riesige Austrittswelle, beeindruckt die Kirche nicht.
    ( Zitat Bischof Müller: Die Herde wird kleiner.) An den Ausgetretenen, eigenständig denkende Menschen, ist die Kirche überhaupt nicht interessiert. Was sie will, sind unkritische, gläubige Menschen, zu Recht als Schafe oder Schäflein bezeichnet, mit der Drohung von Hölle und Fegefeuer eingeschüchtert werden können und zur Belohnung immerzu jubilieren dürfebn. Das war schon dem Aloisius zu langweilig, der wollte wenigstens ein paar Mass Bier und zurück ins Hofbräuhaus. Die Islamisten dürfen ununterbrochen mit 72 Jungfrauen schnackseln und werden niemals müde. Deshalb gibt’s so viele Selbstmord-Kanditaten bei denen.
    Brechen sie alle Betroffenen ihr Schweigen, keine Gnade, sondern hohe Strafen für die Kinderficker
    W.Müller

  • Veronika

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    Lieber Herr Herbert,

    es ist schon richtig, dass man gleich was machen soll. Wenn man es aber nicht sofort weiss, oder eben einfach nicht glauben kann/ wahrhaben will, dann muss es halt irgendwann „raus“.
    Ausserdem scheinen Sie die Kath. Kirche (zumindest in Deutschland) nicht so gut zu kennen. Hier wird massiv gegengesteuert. Da können Sie als Eltern nicht immer sofort öffentlich dagegen vorgehen.

  • Veronika

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    So weit ich mittlerweile mitbekommen habe, soll in der vormaligen Pfarrstelle des Peter K., in N. längst in Priesterkreisen längst bekannt gewesen sein, was dann in Viechtach wiederholt wurde. Warum sagt die Diözese hierzu nichts, wie auch der Fall Franz K. in Georgenberg m. E. irgendwie einfach ad acta gelegt wurde, als das Gerichtsurteil ergangen war.
    Dies ist mir alles zu schnell, denn da zeigt sich, dass man scheinbar nicht besonders viel Interesse hat, hier den Menschen als Menschen zu sehen.
    Den anwesenden bischöfl. Vertretern kann ich nichts nachsagen. Die können ja wohl kaum in eine Diskussion einsteigen, zu der sich mit Verlaub der Bischof, der Generalvikar, der altoberste Weihbischof Guggenberger und so Leute wie ehem. Regenten F.-X. Hirsch, Anton Wilhelm, Gottfried Dachauer gehören.
    Dachauer ist jetzt scheinbar in Riekofen eingesetzt.
    Man sollte man nachfragen, mit welchem „Empfehlungsschreiben“ ein Peter K. zur damaligen Zeit ins Priesterseminar gekommen ist und dort aufgenommen wurde. Solche Schreiben gibt es, und ich kann nach meinen bisherigen Nachfragen nur feststellen, dass kaum davon auszugehen ist, dass dieses Schreiben nicht bereits entsprechende „Befürchtungen“ beeinhaltet haben könnte.

  • Veronika

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    Anm.: Bitte wenn möglich mal eine Kontaktadresse o. Ä. von Herrn Heibel posten. Ich hätte hier einige Personen, die für nächste Veröffentlichungen bzgl. der Diözese Regensburg Material liefern könnten, um hier möglichst umfassend die Tragik zu schildern.

  • Michael Dietz

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    Lieber Stefan Aigner, vielen Dank für diesen Beitrag und den Raum, den Sie diesem Thema geben. Denn Schweigen, unser Schweigen, bedeutet vor allem Täterschutz. Im letzten Absatz zitieren Sie Benedikt Treimer, der den Mut hatte, die passive Opferrolle hinter sich zu lassen und an die Öffentlichkeit zu gehen. Sein Beispiel hilft uns, die wir sprachlos geworden sind, wieder Worte zu finden. Denn wo uns die Worte fehlen, darüber können wir nicht einmal nachdenken. Viele Menschen glauben, wenn sie über solche Dinge reden, passiert etwas ganz Schreckliches, Ängste aus der Kindheit werden wach. Dabei kann man in einer Umgebung, wo Mitgefühl und Anteilnahme gegenwärtig sind, ganz normal davon sprechen. Dieser Abend hat es einmal mehr gezeigt.

    Der erbärmliche Umgang, in diesem Fall der Kirchenleitung mit Missbrauch aus den eigenen Reihen, den wir gegenwärtig erleben müssen, lässt uns erkennen, wie weit wir noch von diesem Ziel entfernt sind. Ich bin überzeugt, wir müssen als Gemeinschaft eine grundsätzliche und breite Diskussion über unser Verständnis führen, z.B. wer ein „Nestbeschmutzer“ ist – und wer nicht, und was wir unter Privatheit verstehen – und was nicht! Gewalt und Missbrauch können niemals Privatsache sein!

    Ich habe gelernt: der Hehler ist so schlimm wie der Stehler. Bedeutet das nicht auch in Fällen des Misssbrauchs: alle die Weggucker, Kleinredner, Verharmloser oder jene, die gar die Opfer noch sanktionieren, sind ebenso in der Verantwortung wie der oder die Täter? Jeder muss für sich entscheiden, welche Rolle er in Zukunft spielen will.

  • Maurus

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    Liebe Veronika, die Adresse von Herrn Heibel lautet:
    Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch
    an Kindern und Jugendlichen
    Poststr.18
    56427 Siershahn
    info@initiative-gegen-gewalt.de
    http://www.initiative-gegen-gewalt.de
    Herr Heibel arbeitet schon an einem Folgeband von „ohne Fehl und Tadel“ der nächstes Jahr herauskommen wird.
    Ich bin sicher, dass er sehr aufgeschlossen Ihren Erfahrungen mit Ordinariat und Missbrauch im Bistum Regensburg folgen wird.
    Das ist ein Sumpf, den man nicht trockenlegen kann.

  • Veronika

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    @Maurus:

    Vielen Dank! Ja, man muss endlich noch mehr tun, damit diese Dinge endgültig aufgeklärt werden. Schliesslich will ich mir meine Kirche nicht vollends unmöglich machen lassen, von Leuten die immer noch nicht begriffen haben, dass Schweigen und Vertuschen hier der ganz falsche Weg sind.

  • Maurus

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    Ach, Veronika- Sie haben wohl noch Hoffnung, dass sich diese Kirche erneuern könnte?
    Weil sich der Sumpf von alleine nicht trocken legen wird- arbeiten Sie weiter mit Ihrer kritischen Wahrnehmung
    und Ihren oft sehr kenntnisreichen Beobachtungen in dieser Diözese!
    Wenn sich GLM ärgert, macht er Fehler. Zwar nicht mehr so viele seit der Ära Neck, aber er ist und bleibt eine Von der Redaktion gelöschtPunkt .Basta.

  • mkveits

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    Die Vision des Propheten Hesekiel

    Erwähnte nicht der Papst in seiner BTag-Rede das „hörende Herz“?

    Im unten verlinkten Beitrag heißt es dazu:

    „Es steht für unser ganzes Tun und Wollen, meint unser verborgenes Ich, unser Erkennen und Streben, unser Gewissen und unsere Verantwortung.“

    Und weiter:

    „Und damit steht es leider nicht immer zum Besten: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“, lautet die Feststellung am Ende der Sintfluterzählung (1. Mose 8,21) – ein vernichtendes Urteil über unsere Spezies, das aber Gott sei Dank nicht weiter zu ihrer Vernichtung führen soll. Vielmehr hat auch Gott, der unsere Herzen ergründet (Jeremia 17,10) selbst ein Herz (Hosea 11,8). Sein hartherziges Volk, seine ganze Menschheit liegt Gott so sehr am Herzen, dass er in der großartigen Vision des Propheten Hesekiel verspricht: „Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben.“ (Hesekiel 11,19).“

    Quelle:

    Blick in die Kirche
    Herausgeber: Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

    http://www.ekkw.de/blick-in-die-kirche/magazin/aktuell_13188.htm

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