Gelber Horst bei brauner Runde

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Ärgert sich über seinen Vortrag bei strammrechter Gesprächsrunde: MdB Horst Meierhofer (FDP). Einige seiner Parteifreunde haben weniger Berührungsängste. Foto: Archiv/ Staudinger

„Wir hatten sogar schon Türken da. Und Schwarzafrikaner auch. Da dürften auch Linke mit diskutieren, wenn sie kommen.“ Nein. Mit Rechtsextremen will Joachim Hahn nun wirklich nichts am Hut haben.

Der „Runde Tisch Niederbayern“, den Diplomingenieur Hahn zusammen mit Max Aßbeck, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden der Republikaner in Dingolfing, federführend verantwortet, sei ein „politischer Stammtisch mit Tiefgang“. Allmonatlich trifft man sich im Landgasthof Apfelbeck in Mamming. Zehnjähriges Jubiläum feiert der „Runde Tisch Niederbayern“ in diesem Jahr.

Da ist es etwas unerfreulich, dass der Bayerische Rundfunk die „lose Gesprächsrunde“ (Hahn) in einer aktuellen Reportage als „knallhart rechtes Sammelbecken“ bezeichnet und dabei erwähnt, dass auch der Regensburger Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer (FDP) dem „Runden Tisch“ vergangenen November einen Besuch abgestattet hat. Mit dem Landshuter CSU-Stadtrat Rudolf Schnur diskutierte Meierhofer über Atompolitik.

Die Behauptung des BR sei eine „Unverschämtheit“, meint Hahn.

„Stammtisch mit Tiefgang“: NPD, REP, FDP, CSU

Meierhofer hat sich gegenüber unserer Redaktion von den Veranstaltern um Joachim Hahn distanziert. „Es ärgert mich, dass ich auf so etwas hereingefallen bin.“ Erst bei genauerem Hinschauen falle die Ausrichtung des „Runden Tisches“ auf. „Bei dem Abend war das nicht zu erkennen.“

Ohnehin befindet Meierhofer sich in guter Gesellschaft, wenn es darum geht, sich zu ärgern. MdB Max Stadler (FDP) und zwei weitere seiner Bundestagskollegen, der ehemalige sächsische Landtagsabgeordnete Peter Porsch (Linke) oder Vertreter der örtlichen CSU haben schon dafür hergehalten, den „Runden Tisch Niederbayern“, bei dem sich regelmäßig auch Vertreter von NPD und Republikanern versammeln, salonfähig zu machen.

„Migrationsindustrie und Meinungsdiktatur“

„Migrationsindustrie“
„Völkermord an den Sudetendeutschen“
„Tschechien – ein rücksichtsloser Nachbar?“
„Petition an Bundestag: Ausweisung straffälliger Ausländer“
„Bäcker aus Bulgarien backen zukünftig unsere Semmeln“
„Meinungsdiktatur rotgrüner ‚Gutmenschen’“
„Lehrer in Migrantenschulen (brauchen) Leibwächter“
„Schule ohne Rassismus (…) missbraucht unsere Kinder“

Solche und ähnliche Themen dominieren den Internetauftritt des „Stammtisches mit Tiefgang“. Dazwischen eingestreut finden sich andere „nonkonforme“ (Hahn) Themen, wie E10, Guttenberg oder Gentechnik. Alibi-Einträge zwischen den oben angeführten Parolen.

Alles, was sich in irgendeiner Form gegen Rechtsextreme wendet ist – so der dröhnende Tenor – Geldverschwendung, Schwachsinn oder „Meinungsdiktatur“.

In Deutschland gebe es gar „Sondergesetze“, um die Meinungsfreiheit einzuschränken erfährt man. Es geht um den §130 StGB (Volksverhetzung), wie Hahn am Telefon erklärt. Dieser werde „zunehmend verschärft“ und die freie Meinungsäußerung eingeschränkt.

BR-Journalist – „ein Linksextremer“

Konfrontiert man Hahn mit den oben angeführten Zitaten des von ihm mit verantworteten Internetauftritts meint er nur: „Was soll daran falsch sein?“ Fängt man an, mit ihm zu diskutieren, schweift er ab, wechselt das Thema. Und wenn es im all zu viel wird, meint er noch: „Ich schreibe das ja nicht alles selber.“

Der BR-Journalist Robert Andreasch, der schon mehrfach Recherchen zum „Runden Tisch Niederbayern“ veröffentlicht hat (hier als PDF, ab Seite 113), sei ein „Linksextremer“, weiß Hahn. Zu diesen „Linksextremen“ würden noch eine ganze Reihe von Personen und Organisationen gehören, wie er uns bei zwei Telefonaten erläutert. Ein regelrechtes „Netzwerk“ gebe es da, bekräftigt Hahn und nennt unter anderem die „Amadeu Antonio Stiftung“.

„Gott ist mit den Standhaften!!“

Nach rechts ist man beim Runden Tisch zu Mamming dagegen weniger besorgt. Eine willkürliche Auswahl einiger Referenten und Diskutanten:

Da ist Hans Mirtes, gern gesehener Gast beim Runden Tisch in Mamming. Mirtes war bis 2009 Bundesvorsitzender des völkischen Witikobundes, dem der Verfassungsschutz eine „Verdichtung von Anhaltspunkten für rechtsextremistische Bestrebungen“ bescheinigt.

Mirtes spricht in seinen Schriften vom „tschechischen Raubsystem“ und ruft zum „Kampf“ um die Sudetendeutsche Heimat auf: „Welches Erdbeben werden wir erleben, wenn sich die Sudetendeutschen von ihren Kaffeekränzchen verabschieden und der Wiedergewinnung ihrer Heimat zuwenden? Man sollte sie nicht unterschätzen und ihre Geduld nicht überstrapazieren. Die Weichen sind richtig gestellt. Packen wir`s an. Gott ist mit den Standhaften!!“

Da ist Dr. Ulrich Neumann vom „Institut für angewandte wissenschaftliche Irenik“, der im März beim „Runden Tisch“ war, um diese „relative junge Wissenschaft“ vorzustellen.

Irenik ist ein veralteter Begriff, der – kurz gefasst – die Aufarbeitung theolgischer Konflikte beschreibt. Bei Neumann liest sich „angewandte wissenschaftliche Irenik“ zum Beispiel so: „Was die neuere Geschichte der Deutschen und unter ihnen die Vertriebenen betrifft, kennt eigentlich niemand die Wahrheit. Weder ist wirklich und allgemein bekannt, was die Nazis in Polen verbrochen haben noch die Verbrechen der Vertreiber.“

Gegen „die politisch korrekten Meinungen“

Da ist Franz W. Seidler, der 2009 vom Runden Tisch als ein „der korrekten Auswertung von geschichtlichen Tatsachen“ verpflichteter Historiker gefeiert wird. „Die politisch korrekten und gewünschten Meinungen vieler heutiger Historiker haben nichts mit Wissenschaft zu tun“, heißt es weiter.

Eine „korrekte Auswertungen historischer Tatsachen“ a la Seidler hört sich so an: „Selbst wenn die These stimmen sollte, wonach das Deutsche Reich die Sowjetunion überfallen hätte, gibt das Völkerrecht der Bevölkerung kein Recht, sich mit den verbrecherischen Mitteln des Partisanenkrieges zu wehren“.

Der 78jährige ist Autor für die rechtsextreme „Militärzeitschrift“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bescheinigt Seidler, sich „schon lange aus der seriösen Geschichtswissenschaft verabschiedet“ zu haben. Er schwanke „zwischen Verharmlosung und kritikloser Übernahme der nationalsozialistischen Perspektive“.

Als nächster Referent ist im April Bernd Kallina in den Landgasthof Apfelbeck eingeladen. Der Redakteur des Deutschlandfunks war Funktionär der verfassungsfeindlichen NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Er ist „Alter Herr“ und Aktivist der völkischen „Burschenschaft Danubia“ (München), die längere Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet wurde und gehört dem Witikobund an. Er wird über „Der Begriff des Politischen in der Informationsgesellschaft. Wie Massenmedien unser Bewusstsein prägen“ referieren.

Willfährige Lokalpresse

Lokale Vertreter von NPD und Republikanern finden sich immer wieder bei dem „losen Gesprächskreis“ ein. Schließlich wollen Hahn und seine Kameraden „niemanden ausgrenzen“.

„Ich versuche etwas Ehrliches, etwas Gutes zu machen“, raunt Hahn in jovialem Ton ins Telefon. Dafür müsse man „über den eigenen Tellerrand hinausschauen“.

Das tut er vor allem nach ganz rechtsaußen. „Der Faschismus kommt heute als Antifaschismus daher“, meint Hahn gegen Ende unseres Gesprächs.

Tatsächlich scheint der Faschismus eher in der Gestalt „nonkonformer runder Tische“ aufzutreten, die von lokalen Medien hofiert und von demokratischen Parteien legitimiert werden.

Das Anzeigenblatt Vilstal-Bote und der PNP-Ableger Landauer Neue Presse bieten der braunen Runde seit Jahren eine kritiklose und wohlwollende Plattform. Zum Teil werden Pressemitteilungen des Runden Tisches unbesehen und ohne Autorenangabe übernommen.

Meierhofer: Beschwerde beim BR

Der FDP-Abgeordnete Horst Meierhofer mag sich darüber ärgern, dass er auf den „Runden Tisch Niederbayern“ hereingefallen ist. Er will sich aber auch beim Bayerischen Rundfunk beschweren, weil der Zusammenhang zwischen seinem Vortrag und den rechtsextremen Zusammenhängen des Runden Tisches zu verkürzt dargestellt worden sei.

Seine Parteifreunde in der Region haben dagegen weniger ein Problem, sich mit Hahn und seinen Kameraden zu verbrüdern.

Alois Rohrsetzer, Mitglied im Vorstand der Niederbayern-FDP und bekennender Fan des ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden Jörg Haider, ist regelmäßiger Gast und Referent beim „Runden Tisch“. Ohnehin gehören die Liberalen rund um Mamming zu den treusten Besuchern des „nonkonformen“ Gesprächskreises.

Auch Organisator Joachim Hahn mag die Liberalen, vor allem die in Österreich. Deren Position gefalle ihm, sagt er. „Die FDP in Niederbayern würden sich wünschen, solche Wahlergebnisse einzufahren wie die FPÖ“, fügt Hahn noch an.

Da ist so eine braune Runde ein echter Gewinn für beide Seiten.

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Kommentare (12)

  • peter sturm

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    wer den §130 stgb als „sondergesetz gegen meinungsfreiheit“ bezeichnet, hat einen wichtigen grundkonsens nicht verstanden. niemand sollte sich mit demjenigen, an einen tisch(schon gar keinen runden) setzen.
    den BR brauchen sie nicht schelten herr meierhofer.

  • Lothgaßler

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    Wäre mir wirklich neu, dass der Horstl braunen Gedanken nachhängt.
    Eine klare Distanzierung muss her!

  • lauer

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    Da ist aber dem so gescheiten Horstl ein Patzer unterlaufen.
    Wenn er sich net immer so als wichtig und allwissend in Presse und Stadtrat aufplustern würde – wäre ich nicht so schadenfroh. Daher freut mich sein Fehler.
    Die Themen auf deren Internetseite sind ja vielsagend.
    Von der Bombadierung Dresdens, Demos gg Rechts in Landshut, Andreas Hofer, Tag der Muttersprache,Erdogan, usw. sagen deutlich in welche Richtung die marschieren. Vorher mal klicken!?!
    Schade für die Aufmerksamkeit die dieser „Stammtisch“ durch Horstls unfehlbarkeit bekommen hat.

    Aber, die Reflexe funktionieren – der BR ist böse. Er hat keine Fehler gemacht, nein nein – wie immer!!!

    @ Lothgaßler
    Horstl ist wirklich über jeden Zweifel erhaben etwas mit dem Gedankengut der Rechten zu haben. Warum brauchts dann eine Distanzierung? Da kann er sich gleich vom heutigen Wetter distanzieren!!

  • Rubezahl

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    Wenn ein Sudetendeutscher (wie Dr. Hans Mirtes) oder ein vertriebener und aller Habe beraubter Altösterreicher aus dem Sudetenland nach 65 Jahren vergeblichen Hoffens auf Gerechtigkeit das tschechische Raubsystem beim Namen nennt – was hat das mit „rechtsextremistischen Bestrebungen“ zu tun? Die Tschechen haben 1945/46 unter dem grotesken Vorwand einer „Kollektivschuld“ die gesamte, seit Jahrhunderten im Sudetenland ansässige deutschsprachige Bevölkerung von 3,2 Millionen Menschen bis aufs Hemd ausgeplündert und in Viehwaggons aus dem Land gejagt, um endlich den lang ersehnten rein slowischen Staat zu verwirklichen. Dabei sind fast eine Viertelmillion zumeist Alte, Frauen und Kinder den selbsternannten tschechischen „Rächern“ zum Opfer gefallen. Für das Völkerrecht stellt die Vertreibung und der Jahrhundertraub an den Sudetendeutschen/Altösterreichern den Musterfall einer ethnischen Säuberung, somit ein unverjährbares Verbrechen gegen die Menschheit dar. Die dabei begangenen Gewaltverbrechen sind bis heute durch tschechisches Gesetz im Verfassungsrang zur Staatsräson erklärt und vor jeder Strafverfolgung geschützt!

    Obwohl rund ein Drittel des tschechischen Volksvermögens infolge des Genozids aus fremdem Eigentum besteht, hat der Vertreiberstaat bis heute keinen Cent Entschädigung gezahlt. Das war freilich für die „Wertegemeinschaft“ 2004 kein Hindernis, den lukrativen Absatzmarkt Tschechien in die EU aufzunehmen und seither auch noch mit milliardenschweren „Strukturhilfen“ zu aufzupäppeln. Da stellt sich in der Tat die Frage: Leben wir eigentlich in einem Rechtsstaat abendländischer Prägung oder in einer Bananenrepublik?

  • Immanuel K. Anti

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    Vielleicht kann sich noch jemand an „Rendezvous unterm Nierentisch“ erinnern?
    Da gab es einen FDP Wahlwerbespot aus den 50ern zu sehen, der die gesamte Breitseite des althergebrachten zeigte: Fahnen, Trommlerbuben, Fackelträger, Fanfaren und eine Rednertribüne, die einem Altar glich.
    Klar, dass die gewählt wurden.

    Hinter dem Faschismus steht das Kapital, auch wenn sich die Werbeästhetik vordergründig geändert haben mag.

  • VonFernSeher

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    Was mich an diesem Bericht am meisten entsetzt ist, dass anscheinend Burschis aus der k*ckbraunen Ecke Redakteure beim Deutschlandfunk werden können. Vielleicht hatte die Danubia ja noch Kontakte zum Gründungsintendanten.

  • Querleser

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    Die FDP diskutiert recht eifrig über die braune Runde:

    http://forum.fdp-bundesverband.de/read.php?4,1402633

    Hier noch ein Nachtrag zu Alois Rohrsetzer und Haider-Fan:

    Ein Spiegel-Artikel von 1993:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682964.html

    „An den Politabend im ‚Gabelsberger Hof‘ erinnert sich FDP-Kreisvorsitzender Alois Rohrsetzer immer wieder gern. 300 begeisterte Zuhörer, ein begnadeter Gastredner, von Verdrossenheit keine Spur:'“Ich war beeindruckt.‘ So sollten Veranstaltungen der Liberalen im Kreis Landshut-Stadt häufiger sein, meint Rohrsetzer. Er muß sich gedulden. Der umjubelte Publikumsmagnet vom September vergangenen Jahres war Jörg Haider, Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).“

    Stahl-Fan Rohrsetzer in der Welt:

    http://www.welt.de/print-welt/article507892/Liberale_streiten_ueber_Vortrag_von_Ex_Bundesanwalt_Alexander_von_Stahl.html

    Und:

    „In Bayern“, sagt der Landshuter Kreisvorsitzende Alois Rohrsetzer, der engen Kontakt zu Jörg Haider pflegt, „können sich 80 Prozent mit dem Stahl-Papier identifizieren.“ (zitiert nach Die Woche, 4. 1. 94)

    Dass sich Rohrsetzer ständig bei der braunen Runde rumtreibt, reicht als Beleg eigentlich aus…

  • Heribert

    |

    Komisch, dass es vor allem eine braune Funktionärsklicke wie der Witikobund ist, der sich vermeintlich zum Wohl der Vertriebenen „engagiert“ und das Gros der Vertriebenen mit diesen Hetzern und Revisionisten nichts zu tun haben will. Ganz abgesehen davon, dass ein Gutteil der Sudetendeutschen sich als Hitlers fünfte Kolonnen betätigt und auf Tschechen Hatz gemacht hat.

  • Student

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    Mein Urgroßvater war Abgeordneter der deutschen Minderheit im tschechischen Parlament. Mein Großvater zählt zu jenen Sudetendeutschen, die nicht nur ihren Hof, ihren Besitz und ihre Heimat verloren sondern auch noch viele Jahre in tschechischer Kriegsgefangenschaft verbrachten, weil er auf deutscher Seite gekämpft hatte. Dennoch hatte ER die Größe, als er zuletzt über seine einstige Heimat wandelte, auf der heute tschechische Kinder spielen, zu sagen „wir würden doch nur neues Unrecht begehen, wenn wir das zurückverlangen würden“. Leute wie SIE, die – nach über 65 Jahren und vermutlich ohne je selbst überhaupt Heimatvertriebener gewesen zu sein – noch immer solche ewiggestrigen Parolen ausgeben, sind zum schämen. Ich bin stolz, dass mein Großvater aus anderem Holz geschnitzt war und gelernt hat, dass Unrecht nicht mit neuem Unrecht, sondern allein mit Vergebung getilgt werden kann.

  • Andreas Müller

    |

    Sehr geehrte Damen u. Herren,

    der im Artikel genannte Alois Rohrsetzer ist im FDP Forum schon oft durch die Verbreitung von üblen Geschichtsrevisionismus aufgefallen!

    Hier Auszüge aus zwei inzwischen gelöschten Beiträgen von Rohrsetzer vom August 2010 aus dem Thread „Bund der Vertriebenen“:
    —————————————————————————————————————————————————-

    „“Haben Sie`s immer noch nicht begriffen !?
    Angriffs-Kriege waren zu der Zeit allgemein üblich !
    Als Kriegsgrund waren vorherige Kriegs-Drohungen des Gegners völlig ausreichend und die gab es von der polnischen Führung reichlich.“

    —————————————————————————————————————————————————
    „Jawoll, und jetzt machen Sie uns doch mal die Freude und untermauern die Behauptung „Nazi-Deutschland ist allein Schuld am Ausbruch des Weltkrieges“,
    nach den damals geltenden völker/kriegsrechtlichen Bestimmungen :-) !“
    —————————————————————————————————————————————————

    Wegen dieser Äußerungen stellte ich am 21.10.2010 folgenden Beitrag ins FDP Forum:
    ————————————————————————————————————————————————–
    Geschichtsrevisionismus von FDP Mandatsträgern im FDP-Forum
    geschrieben von: andreasmueller (IP gespeichert)
    erstellt am: 21. August 2010 13:01

    Es ist einfach unglaublich was ich hier seit einigen Tagen von einem gewissen Alois Rohrsetzer aus Landshut lesen muß!

    Noch uglaublicher ist die Tatsache, dass dieser Herr offenbar FDP-Mandatsträger ist!

    Mir erschließt es sich nicht, warum die von mir ansonsten sehr geschätzte FDP solche Leute auch noch mit Parteifunktionen ausstattet und ihnen hier im Forum eine Plattform zur Verbreitung ihres Geschichtsrevisionismus bietet!

    Untenstehend zwei Zitate aus den Beiträgen dieses Herrn aus dem Strang „Bund der Vertriebenen“
    —————————————————————————–
    „Haben Sie`s immer noch nicht begriffen !?

    Angriffs-Kriege waren zu der Zeit allgemein üblich !

    Als Kriegsgrund waren vorherige Kriegs-Drohungen des Gegners völlig ausreichend und die gab es von der polnischen Führung reichlich.“
    ——————————————————————————

    „Jawoll, und jetzt machen Sie uns doch mal die Freude und untermauern die Behauptung „Nazi-Deutschland ist allein Schuld am Ausbruch des Weltkrieges“,
    nach den damals geltenden völker/kriegsrechtlichen Bestimmungen :-) !“
    ——————————————————————————

    Als Deutschen mit jüdischen Wurzeln und als selbst vom Naziterror Betroffenen, machen mich die Ausführungen dieses Herren einfach sprachlos!

    Mit freundlichen Grüßen

    Andreas Müller
    —————————————————————————————————————————————

  • Rubezahl

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    @ „Student““

    Lieber junger Freund! Ich weiß nicht, wie alt Sie sind und ich kenne Ihre persönlichen Verhältnisse nicht. Aber wenn ich Ihr Großvater wäre – und das könnte altersmäßig hinkommen – würde ich Ihnen mit Nachdruck klarmachen, daß schuldloser Totalverzicht auf sein wohlerworbenes Eigentum absolut nichts mit „Größe“ zu tun hat. Sie werden eines Tages eine Familie und eigenes Eigentum, vielleicht eine Wohnung, ein Haus oder ein Auto – besitzen, das Sie sich schwer erarbeitet haben. Und dann kommt bei Nacht und Nebel ein Strolch, der Ihnen all das mit Gewalt abnimmt und Sie – wenn Sie Glück haben – mehr tot als lebendig zum Teufel jagt. Wenn sich der Kerl dann mit seiner ganzen Sippschaft in Ihrem Haus breitgemacht hat und Sie nach jahrzehntelangem Kampf erkennen müssen, daß das Recht gar nicht auf Ihrer Seite, sondern auf seiten des Gangsters steht, dann könnten Sie zeigen, was Sie unter „Größe“ verstehen und auf alles verzichten, nur „um kein neues Unrecht zu schaffen“.

    Zu Ihrer Information: Ich bin als Schulkind mit meiner Mutter (mein Vater war im Krieg vermißt), meiner kleinen Schwester und meinen betagten und kranken Großeltern völlig mittel- und staatenlos während der berüchtigten „wilden Vertreibung“ im Viehwaggon aus dem Land gejagt worden, nur weil wir halt zufällig Deutsch gesprochen haben. Meine Großeltern und meine Mutter sind letztlich an den unvorstellbaren Strapazen und Entbehrungen gestorben…

    Und dann kommt ein naseweiser Jungspund wie Sie und doziert über die „Größe“ seiner edlen Vorfahren. Bleiben wir bei den Fakten: Rund ein Drittel des heutigen Volksvermögens der Tschechischen Republik besteht aus fremdem (also gestohlenem) Eigentum, ohne daß der Vertreiber einen Cent Entschädigung gezahlt hätte. Im Gegenteil: die EU päppelt ihr jüngstes Mitgliedsland seit 2004 mit milliardenschweren Strukturhilfen auf, weil 40 Jahre Kommunismus sogar den gigantischen Jahrhundertraub an den Sudetendeutschen verwirtschaftet haben. Oberstes Ziel tschechischer Politik ist seit 65 Jahren die Raubsicherung. Dafür ist Präsident Vaclav Klaus sogar bereit, sein eigenes Volk von der EU-Grundrechtecharta auszuschließen.

    Ich empfehle Ihnen dringend die Lektüre von „50 Thesen zur Vertreibung“ von Prof. DDr. de Zayas, dem weltweit führenden amerikanischen Völkerrechtler und Historiker. Vielleicht kann er dazu beitragen, Ihr etwas deformiertes Rechtsverständnis wieder geradezubiegen. Es geht nämlich längst nicht mehr um Restitution oder irgendeine Revision, sondern ausschließlich um staatliche Entschädigungen für die völker-und menschenrechtswidrigen Enteignungen. Alle Genozide dieser Welt zeigen: Ohne Wiedergutmachung gibt es keine echte und dauerhafte Versöhnung!

    Ich empfehle Ihnen

  • Student

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    Lieber Rubezahl,

    Da das Internet ein Medium ist, das nicht überdurchschnittlich häufig von über 70-jährigen genutzt wird, habe ich angenommen, dass auch sie jünger wären. Offenbar ein Fehler, sonst hätte ich sicherlich anders formuliert, das bitte ich zu entschuldigen. Mein Großvater könnten sie wahrscheinlich trotzdem nicht sein, der wäre – würde er noch leben – mittlerweile im 99. Lebensjahr.
    Ich bedaure aufrichtig, dass Ihnen in Ihrer Kindheit ohne Frage Unrecht widerfahren ist und sie schwer gelitten haben. Ich halte jedoch auch fest dass sie für sich selbst schwerlich den Verlust von „wohlerworbenem Eigentum“ in Anspruch nehmen können. Sie schreiben selbst, dass sie damals Schulkind waren, demzufolge wohl auch kein Grundbesitzer. Mein Großvater besaß tatsächlich eine große Landwirtschaft, wurde tatsächlich seines Grund und Bodens beraubt. Wenn man vom „wohlerworbenen Eigentum“ spricht, könnte man das also wohl höchstens auf den Besitz beziehen, den Ihre Eltern verloren, nicht Sie. Ferner schreiben sie von „schuldlosem“ Totalverzicht. Dass sie – als Kind – schuldlos waren, sei Ihnen fraglos zugestanden. Wie es mit ihren Eltern – die tatsächlich ihr Eigentum verloren – aussieht, scheint mir da aber nicht so ganz zweifelsfrei festzustehen. Sie schreiben selbst, dass ihr Vater im Krieg war – kämpfte er auf tschechischer Seite oder auf der deutschen? Da hinkt für mich auch ihr Vergleich mit dem „bösen Einbrecher“.
    Ich möchte hier aber die Schuldfrage nicht unnötig weiter aufdröseln, zumal es unangemessen wäre, da mir über ihre Eltern nicht mehr bekannt ist. Doch im Kern läuft es sowieso nur auf eines hinaus: dass ich dabei bleibe, dass Unrecht nicht mit Unrecht aufgehoben werden kann. Und wenn SIE glauben, dass es RECHT wäre, wenn die heutige tschechische Jugend, die für ihre Vertreibung ebenso wenig kann wie SIE dafür, dass Hitler Reichskanzler wurde, wenn diese tschechische Jugend für Ihre damalige Vertreibung (z.B. finanziell) büßen solle, dann teile ich ihre Ansicht nicht. Das Unrecht, das Ihnen wiederfahren ist würde nicht wiedergutgemacht durch das Unrecht, das sie den schuldlosen Tschechen abverlangen wollen (diejenigen, die tatsächlich Verantwortung für die damaligen Vertreibungen tragen, wären schließlich über 80 Jahre alt und sind sicher nicht mehr sehr zahlreich). In diesem Sinne bleibe ich bei den Worten meines Großvaters und bei der Ansicht, dass ihre Forderungen nur NEUES UNRECHT wären.
    Dass sowohl von deutscher als auch von tschechischer Seite in der Vergangenheit Unrecht ausgegangen ist und es bedauerlich ist, dass hier in der Vergangenheit kein zufriedenstellender Ausgleich stattgefunden hat, bleibt davon unberührt.

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