Archiv für 24. November 2008

Jürgen Mistol hat seine Kritik am Stadthallen-Standort Ernst-Reuter-Platz verschärft. Foto: Archiv/ Staudinger„Weder gibt es beim Keplerareal am Ernst-Reuter-Platz für die Verkehrsproblematik ein überzeugendes Gesamtkonzept noch sind die grundsätzlichen Probleme des Standorts auch nur ansatzweise gelöst.“ Stadtrat Jürgen Mistol gibt sich mit der aktuellen Stadthallen-Entscheidung nicht zufrieden. Bereits beim Beschluss des Stadtrats, den Ernst-Reuter-Platz als Standort zu favorisieren, hatte Mistol scharfe Kritik an der Verwaltung geübt. Bei der Kreisversammlung der Grünen am Wochenende hat er noch einmal nachgelegt. Heftig kritisierte der Grünen-Politiker die Bewertungsmatrix, die die Stadtverwaltung für die einzelnen Standorte erstellt hatte. Hier habe der Ernst-Reuter-Platz Bewertungen erhalten, die „durch nichts zu rechtfertigen“ seien. Insbesondere das Untere Wöhrd (Altes Eisstadion), Wunschstandort der Grünen sei „wider besseres Wissen“ in einzelnen Punkten schlecht bewertet worden. Als Beispiel nannte Mistol die Kosten: „Obwohl in der Verwaltungsvorlage ausgesagt wird, dass die beiden Standorte finanziell in etwa gleich zu beurteilen sind, erhielt der Standort Ernst-Reuter-Platz bei den Kosten schlussendlich eine bessere Bewertung.“ Spekulieren müsse man auch weiterhin, welche Kosten der Abriss und die Entsorgung der Gebäude am Kepler-Areal verursachen würde. Jürgen Mistol: „Dass hier ein Standort schöngeredet und bei der Wertung getrickst wurde, erkennt ein Blinder mit Krückstock“. Der Grünen-Politiker ist der festen Überzeugung, dass in Sachen Stadthallen-Standort das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Jürgen Mistol: „In der Beschlussvorlage war nicht verschwiegen worden, dass eine Stadthalle am Ernst-Reuter-Platz aus naturschutzfachlicher und denkmalpflegerischer Sicht einen immensen und unwiederbringlichen Eingriff bedeuten würde.“ Klar sei auch noch nicht, ob die derzeit stattfindende Grabung Hinweise auf einen dort vermuteten jüdischen Friedhof aus dem Mittelalter geben werde. „Sollte hier etwas gefunden werden, ist dies ein K-O-Kriterium für den Standort. Insofern gibt es am Ernst-Reuter-Platz noch eine ganze Reihe von Unwägbarkeiten, so der grüne Fraktionsvorsitzende. Für Mistol ist das aber weitem nicht der einzige Grund für seine ablehnende Haltung. Das Areal sei nicht einmal halb so groß wie alle anderen untersuchten Stadthallen-Standorte. Das lasse keine optimale innere Erschließung des Gebäudes zu. Zudem müssten wertvolle Parkflächen versiegelt, Dispositionsflächen überbaut und in ganz erheblichem Umfang Bäume gerodet werden. Jürgen Mistol ist überzeugt, dass das von der Verwaltung vorgeschlagene Verkehrskonzept so nicht realisierbar ist, ohne an anderer Stelle unerwünschte Nebenwirkungen auszulösen. Die Unterbrechung der Altstadtsüdumgehung in West-Ost-Richtung beispielsweise würde dazu führen, dass der Hauptbahnhof samt Bahnpost nur noch aus westlicher Richtung erreichbar sei. Auf Nachfrage sei vom Gutachter eingeräumt worden, dass man nicht untersucht habe, wie sich die Änderungen im Verkehrsablauf auf das innerstädtische Gesamtverkehrssystem auswirken würden. Allerdings habe er darauf hingewiesen, dass die geplante Kappung der Altstadtsüdumgehung zu mehr Verkehr auf der Donauparallele Kepler-/Thundorferstraße führen würde. Jürgen Mistol: „Dies widerspricht in eklatanter Weise unserem Ziel, die Altstadt komplett vom Durchgangsverkehr zu entlasten.“ Oberbürgermeister Hans Schaidinger hatte hingegen erklärt, dass eine Stadthalle am Ernst-Reuter-Platz die Erreichbarkeit der Altstadt verschlechtern werde. Sollte der Ernst-Reuter-Platz durchfallen, stünde als nächstes der Untere Wöhrd als Standort auf der Liste der „Top-Standorte“.

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