Austritt nach Parteitag

AfD: Ex-Bundesvorständin Brüdigam fehlt klare Abgrenzung zur NPD

Sie war das bekannte Gesicht der AfD in der Oberpfalz und Mitglied im Bundesvorstand: Die Regensburgerin Verena Brüdigam. Nach dem Parteitag in Essen hat sie gestern ihren Austritt aus der Partei erklärt.

Vermisst eine klare Abgrenzung zur NPD: Verena Brüdigam. Foto: Archiv/ Liese

Vermisst eine klare Abgrenzung zur NPD: Verena Brüdigam. Foto: Archiv/ Liese

Einige Gesichter sind schnell verschwunden von den Internetseiten der Kreisverbände der AfD Oberpfalz: In Amberg/ Neumarkt trat nach dem Parteitag der AfD in Essen der komplette Kreisvorstand zurück, in Schwandorf lächelt einem gerade mal ein Stellvertreter entgegen. Lediglich beim Kreisverband Weiden ist die AfD-Welt noch in Ordnung. Dort scheint man sich über den neuen Bundesvorstand unter Führung von Frauke Petry richtig zu freuen, schreibt von einem Parteitag, der „zügig, diszipliniert und erfolgreich (…) abgewickelt“ worden sei und feiert die „siegreiche Fraktion“ mit einem schönen Biergartenfoto. Anders sieht das die Regensburgerin Verena Brüdigam.

Brüdigam war das bekannteste Gesicht der Oberpfälzer AfD und auch Mitglied im Bundesvorstand. In Regensburg organisierte sie Veranstaltungen mit Bernd Lucke und Hans Olaf Henkel, die für jede Menge Aufmerksamkeit und ebensolche Proteste gesorgt hatten. Doch nun ist ihr Gesicht von den Internetseiten der AfD verschwunden.

Ohne Namen, aber deutlich

Schon im Vorfeld der Neuwahlen zum Bundesvorstand hatte Brüdigam erklärt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Am gestrigen Mittwoch ist sie aus der AfD ausgetreten. In ihrer Begründung nennt sie zwar keine Namen, wird inhaltlich aber doch deutlich.

Islamfeindlichkeit, Ressentiments und Deutschtümelei: Kritisiert wurde die AfD dafür schon länger (Infostand der Jusos Regensburg zum Auftritt von Hans Olaf Henkel in Regensburg). Foto: Archiv/ Liese

Islamfeindlichkeit, Ressentiments und Deutschtümelei: Kritisiert wurde die AfD dafür schon länger (Infostand der Jusos Regensburg zum Auftritt von Hans Olaf Henkel in Regensburg). Foto: Archiv/ Liese

Im Gegensatz zu ihren früheren Parteifreunden aus Weiden hat sie den Parteitag in Essen alles andere als „diszipliniert“ empfunden: „Was in Essen ablief war in jeder Beziehung ein ehrverletzender und tief demütigender Vorgang, ohne Stil und weit weg von achtungsvollem Umgang mit innerparteilichen Gegnern“, schreibt Brüdigam mit Blick auf den Umgang mit dem mittlerweile gleichfalls ausgetretenem Parteigründer Bernd Lucke.

Bis Mittwoch schon 600 Austritte

Und während Brüdigam die AfD früher stets gegen Vorwürfe wie Rechtspopulismus verteidigt hatte, scheint sie die Partei unter der neuen Führung auf einem strammen Rechtskurs zu sehen. Für sie verlaufe die rote Linie bei einer „wie auch immer gearteten Verbindung der AfD mit der NPD, oder auch nur die Diskussion darüber“. Sie habe allerdings den Eindruck, „dass nicht jedes Mitglied des neuen Bundesvorstands für die AfD eine rote Linie an dieser Stelle“ ziehe. „Manche Positionen, über die in Essen unter großem Jubel referiert wurde, irritieren mich und lassen mich daran zweifeln, dass die AfD von Essen inhaltlich noch die AfD von Berlin 2013 ist.“

Brüdigam steht mit ihrem Austritt nicht allein. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hat die Bundesgeschäftsstelle der AfD bereits 600 Austritte eingeräumt.

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Kommentare (12)

  • Thomas

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    Die AFD ist jetzt offiziell die Partei der Neo-Nationalisten bzw. Stammtischparolen-Wähler. Und ja ich weiß schon: Warum darf man denn nicht dies oder das sagen, wenn es denn so oder so ist? Nur weil man so oder so denkt ist man ja noch lange kein so oder so. Man muss sich ja nicht alles gefallen lassen. Wer denkt denn an „uns“? Warum sollen denn „wir“ für „die“ geradestehen? Sollen „die“ das doch selbst regeln. „Wir“ können doch nichts dafür, dass „die“ in der Scheisse stecken. Warum kommen „die“ zu „uns“? blablabla

  • Jürgen K.

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    Anscheinend haben diejenigen die auf einem sinkenden Schiff sind nicht die Perspektive um zu erkennen dass sie gleich untergehen werden. Wie sonst ist es zu erklären dass die AfD und ihre Gallionsfiguren es trotz aller Berichterstattungen und Interviews nicht bemerkt haben, dass sie von rechts massiv unterlaufen wurden? Mittlerer Weile glaube ich dass diese Figuren, die jetzt alle ganz aufgeschreckt austreten treu-doof und völlig naiv waren. Ganz im Stil eines Hindenburg und Franz von Papen die damals unseren Österreicher erstmals zum Reichskanzler ernannt hatten und das Dritte Reich erst ermöglicht haben. Übrigens war die Wirtschaft damals auch im Boot. Ohne die wäre es auch nicht gegangen, gell Hans-Olaf Henkel!

  • Tobias

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    Ich werde zwar weiterhin AfD wählen, weil sonst angesichts der Parteienlandschaft nur noch ein großes X über den gesamten Zettel übrig bleibt, aber es ist wirklich schade, dass sämtliche Berichterstattung dazu immer noch extrem ekelhaft und schmutzig betrieben wurde. Kleber fragte Lucke die unverschämtesten Fragen, die nichts mit objektivem Journalismus zu tun hatten und auch beim kürzlich ausgestrahltem Interview mit Petry ging es lediglich um „Austritte“, um „das Rechte“, um PEGIDA und Asylprobleme. Das wäre so, als würde man Linke wegen Mai-Unruhen und EZB-Straßenschlachten oder Grüne wegen Umweltpolitik befragt.

    Zur Zeit haben wir eine Bundeskanzlerin, die die Banken rettet und von Deutschland „Solidarität“ fordert (für Milliarden versenktes Steuergeld, dass wir selber brauchen) und unser sogenannter Bundespräsident, welcher seinen Amtseid vergessen hat und eher der Bundespräsident der Flüchtlinge ist als ein Vetreter deutscher Interessen. Das Boot Deutschland soll offiziell kentern, dummerweise kenne ich keinen einzigen Linken oder Pro-Asyl-Vorsprecher, welcher sein gesamtes Einkommen spendet. In der Zeißstraße gibt es genug Möglichkeiten, die Willkommenskultur zu zeigen. Oder im Schloss Bellevue. Die linken Stammtischparolen werden auf Dauer nämlich ebenso lächerlich, unerträglich und die Heuchelei ist schon als widerlich zu bezeichnen.

  • Markus

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    „Die AFD ist jetzt offiziell die Partei der Neo-Nationalisten bzw. Stammtischparolen-Wähler“

    Achja? Selbst wenn ihr Vorwurf stimmte, so wäre die AfD deshalb immer noch bei weitem besser und wählbarer als die etablierten Parteien. Denn diese Parteien der Neo-Marxisten, Multikulturalisten, Gender-Ideologen, Unterschichtenverachter und Antifaparolen-Unterstützer sind es, die Deutschland immer weiter zu Grunde richten, Deutschland und seine Interessen wieder und wieder verraten, die Demokratie abschaffen und uns und unseren Kindern keine andere Zukunft gewähren, als als Minderheit im einst eigenen Land leben zu müssen.

    Das Problem in Deutschland war in den letzten Jahrzehnten nicht der Nationalismus, sondern dessen Fehlen und Vertäufelung.

  • Musonius

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    Apropos Gender-Ideologen – es muss doch Ex-Bundesvorstehende und nicht Ex-Bundesvorständin heißen, Herr Aigner!

  • Stefan Aigner

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    @Musonius

    Wenn Sie meinen. Mir ist das ziemlich wumpe!

  • Franz Mahler

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    Markus, 11. Juli 2015 um 22:03 „Selbst wenn ihr Vorwurf stimmte, so wäre die AfD deshalb immer noch bei weitem besser und wählbarer als die etablierten Parteien. Denn diese Parteien der … Unterschichtenverachter … sind es, die Deutschland immer weiter zu Grunde richten.“

    Da hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen. Seit wann setzt sich die AfD für Hartz IV-Empfänger, Obdachlose, Sozialhilfeempfänger, Geringverdiener bzw. für eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung in diesem „christlichen“ Land ein? Die Schere zwischen Arm und Reich ist doch kein Thema für AfD-Fans, Pegida-Anhänger, Rechtskonservative und Nationalliberale.

  • Franz Mahler

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    @Tobias, 10. Juli 2015 um 19:31: „Das Boot Deutschland soll offiziell kentern, dummerweise kenne ich keinen einzigen Linken oder Pro-Asyl-Vorsprecher, welcher sein gesamtes Einkommen spendet.“

    Muss man sein gesamtes Einkommen spenden, damit man „links“ ist? Natürlich nicht. Dann wäre man auch nicht „links“, sondern ein wahrer Heiliger. Ich z. B. bin kein Heiliger, das gebe ich offen zu, aber eben auch kein Scheinheiliger. „Rechte“ wollen offenkundig überhaupt nichts „spenden“. Die wollen alles für sich allein haben und immer mehr und noch mehr. Meine Villa, mein Ferrari, mein Ferienhaus, mein Swimmingpool, mein Rembrandt, mein Rolls-Royce, mein privater Golfplatz, noch ein Ferienhaus, meine Goldbarren, noch ein Rembrandt – Halt, das ist kein Rembrandt, das ist ein van Gogh. – usw. Ich befürchte, das wird nicht funktionieren. Im Monopoly-Kapitalismus von „Mutti“ Merkel kann jeder superreich werden, aber nicht alle.

    Zwischen „nichts“ spenden und „alles“ spenden gibt es nämlich für logisch denkende Menschen eine Spannbreite. Das ist keine binäre Entscheidung. Echte Christenmenschen nennen das „teilen“ oder Solidarität. Das ist der Kern des Christentums. Aber in Deutschland gibt es viele unechte Christenmenschen, die nur beim Heiraten und am Heiligen Abend in die Kirche gehen, weil man das halt so macht und wegen der Orgel und der Verwandten und damit man von der Großtante nicht enterbt wird.

    Wenn das deutsche „Boot“ kentert, dann kentert es nicht wegen der Mitmenschlichkeit und wegen der Solidarität, sondern weil die Rechten in den Luxus-Kabinen auf dem oberen Deck einfach den Hals nicht voll genug kriegen und dafür den Flüchtlingen im Unterdeck bzw. denen, die nichts haben die Schuld in die Schuhe schieben. Nach unten treten und nach oben buckeln, das ist nämlich das Grundprinzip der rechten Dampfschiffe.

    Ihr freundlicher Titantic-Kapitän
    Franz Mahler

  • AfD: Mehr Spielraum für extreme Rechte » Regensburg Digital

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    […] in der Partei eingesetzt. Auch die Ex-Bundesvorständin Verena Brüdigam verließ die Partei. Sie begründete dies unter mit der fehlende Distanz des Bundesvorstandes zu extrem rechten Akteuren … Der fünfköpfige Vorstand des Kreisverbandes Amberg/ Neumarkt trat geschlossen zurück. Die […]

  • amad

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