SOZIALES SCHAUFENSTER

"Malkampf statt Wahlkampf"

Auf einen Kaffee mit dem Ribisl-König

Die Ribisl-Partei eröffnet ihr „Malkampfbüro“ beim Neuen Kunstverein und hofft auf Diskussionen und Anregungen. 

Jakob Friedl, der selbsternannte Ribisl-König und OB-Kandidat seiner Ribisl-Partie für Diverses und Sonstiges, bastelt gerade noch an einer mobilen Toilette. Für die kommenden zwei Wochen bezieht die Partei in den Räumen des Neuen Kunstvereins ihr „Malkampfbüro“. Es soll eine Anlaufstelle für Interessierte und Neugierige sein. Dann verschwindet er kurz und kehrt mit frisch gebrühtem Kaffee zurück. An einem Tisch neben dem Eingang erzählt Friedl von Bisherigem und Künftigem.

„Die ersten Plakate wurden bereits in Burgweinting aufgestellt.“ Recycelte Bretter, die Friedl von einer Baustelle bekommen hat, dienen als Grundlage für die Wahlplakate. Insgesamt sollen 100 solcher selbstgestalteten Plakate im Rahmen des Malkampfes in der Stadt platziert werden. Anfang August hatte die Gruppe im Rahmen einer Veranstaltung angekündigt, den bevorstehenden Kommunalwahlkampf auch als Kunstaktion im öffentlichen Raum zu verstehen. Friedl damals: „Der öffentliche Raum steht uns allen zu und wir sollten diesen auch viel aktiver nutzen.“ Deshalb seien alle dazu aufgerufen, selbst ein Plakat beizusteuern.

Der Malkampf beginnt

„Freiräume fördern“, steht groß auf einem der Holzplakate. „Freiraum Kultur“ auf einem anderen. Ein drittes zeigt einen goldgelben Balken oben, einen roten in der Mitte und einen schwarzen unten. Darauf wurden drei schwarze Punkte gesetzt, ähnlich einer Blindenbinde. Darunter, rot auf Schwarz, „Ribisl“. Das Projekt Ribisl bietet durchaus satirische Züge. Dies zeigte sich bereits bei den vergangenen Veranstaltungen. Doch der selbsternannte Ribisl-König möchte auch auf ernste Inhalte setzen.

Er sei froh, nun zumindest für zwei Wochen die Räume des Kunstverein haben zu können. „Aktuell suchen wir noch nach Orten, die wir im Anschluss nutzen können.“ Das sei aber gar nicht so leicht. Und so ist Friedl bereits in seinem wichtigsten Wahlkampfthema: Die Nutzung des städtischen Raums.

Mehr Freiräume schaffen

„Wir brauchen mehr kulturelle Freiräume in der Stadt. Da gibt es einen großen Mangel.“ Das gelte für die Altstadt genau so wie für die anderen Stadtteile. Ein besonderes Ärgernis stellt für Friedl das ehemalige Boschgelände in der Guerickestraße dar. „Dort fand viele Jahre ein Stadtteilflohmarkt statt.“ Früher ein wichtiger gesellschaftlicher Ort für das Ostenviertel. „Doch seit mehr als zwei Jahren ist das Gelände ungenutzt“, moniert Friedl.

Warum das Gelände nicht für eine Zwischennutzung freigegeben wird, könne er nicht nachvollziehen. „Die Stadt hat dann irgendwann überlegt, wo sie ein Stadtteilbüro unterbekommt. Doch auf die Idee, hier den bereits städtischen Besitz zu nutzen, sind sie nicht gekommen.“

Friedl nimmt sich des Radverkehrs an

Das derzeit in Bau befindliche „Wohnquartier am Kunstpark“ erntet ebenfalls viel Kritik. „Die haben da Leute gecastet, die vor allem einen großen Namen haben.“ Die würden da dann irgendwas Künstlerisches umsetzen „und schon wohnt man am Kunstpark“. Mit Friedls Vorstellung von kulturellem Raum hat das wenig zu tun.

In Burgweinting fallen dem Kreativkopf und Enfant Terrible der hiesigen Kulturszene gleich mehrere Projekte ein, die er gerne angehen würde. „Ich verstehe zum Beispiel nicht, wieso von Burgweinting bis heute kein offizieller Radweg in die Stadt führt.“

Entlang der Bahngleise komme man zwar recht gut voran. Doch könne dieser Weg schon mit wenig Aufwand erheblich verbessert und sicherer gemacht werden. „Die Stadt müsste lediglich eine intelligente Fahrradschranke installieren und Wegweiser anbringen, fertig wäre der Radweg zwischen den Stadtteilen.“ Er selbst habe entlang der Bahngleise deshalb mittlerweile Schilder aufgestellt, die den Weg zeigen sollen.

Eine Agora für Burgweinting

Das BUZ (Burgweinting Zentrum) ist bereits seit vielen Jahren immer wieder Gegenstand von Friedls Aktionismus. Auch dort sieht er vor allem viel Leerstand. „Eigentlich könnte das wie eine Agora im alten Griechenland, also eine Art zentraler Marktplatz, fungieren. Die Agora war das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum.“

Wer Friedl die vergangenen Jahre verfolgt hat, der weiß auch: Hat er sich etwas in den Kopf gesetzt, dann will er das auch um jeden Preis umsetzen. Nicht nur bei der Stadtverwaltung, mit der der 39jährige auf Kriegsfuß steht, dürften beim Thema Eurpabrunnendeckel die Augen größer werden. Doch die von ihm aufgeworfene Frage nach der Zugänglichkeit und der Nutzung des öffentlichen Raums ist auch bei den anderen Parteien ein großes Thema und wird den Wahlkampf sicherlich begleiten.

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Kommentare (8)

  • Regensbsurger

    |

    Als Burgweintinger kann ich Jakob Friedl eigentlich nur bewundern. Er verfolgt mit Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit seine Ziele, fordert unablässig auf zur Behebung von Missständen und Versäumnissen – mit seiner Kreativität findet er auf seine Art Aufmerksamkeit mit seinen teils skurrilen und satirischen Aktionen.
    Die Kampf um die Rückgewinnung des „öffentlichen Raums“ sollte sich aber nicht auf Orte, Plätze und Gebäue beschränken. Zum „öffentlichen Raum“ gehört auch die totale Informationsfreiheit für alle Regensburger Bürger : Transparenz bis in die Zehenspitzen.
    Die „vollständige Informationsfreiheit“ ist Bestandteil des „öffentlichen Raums“.

  • draufundschluss

    |

    Die wegschrumpfende SPD fragt in voller Verzweiflung grad die Regensburger nach ihren Ideen für Regensburg. Abgesehen davon, dass es in der SPD niemanden gibt, den das wirklich interessiert, könnte Frau Malz-Schwartzfischer ja mal bei der Ribisl-Partei vorbei schauen und sich informieren was die Bürger interessiert.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „draufundschluss“ – glauben sie wirklich, daß die Frau Bürgermeisterin nichts
    Sinnvolleres zu tun hat?

  • dünnster Künstler

    |

    Noch bis Donnerstag 31.10 täglich von 10-21 Uhr:
    Ribisl-Malkampf in den Räumen des Neuen Kunstvereins Regensburg,
    Schwanenplatz 4 und am

    Freitag 25.10.18 Uhr geballte JAZZ-POWER MIT ROMAN S:
    Ankündigungsplakat Skizze:
    https://ribisl.org/wp-content/uploads/2019/10/DSC06256-225×300.jpg
    Ankündigungsplakat: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2019/10/DSC06260-225×300.jpg

    Einladungskarte Text:
    http://europabrunnendeckel.de/?p=7817#Malkampfb%C3%BCroI
    Video der Einladungskarte mit Musik von Roman S:
    https://youtu.be/k417wkYOd9Q

    Text von der Einladungskarte:
    „““
    MALT MIT Lack auf upgecycelte DIN-A0 Auto-Bahn-Brücken-Schalungen!
    DER MALKAMPF DER RIBISL-PARTIE BIETET EINEN SICHEREN RAHMEN FÜR KUNST, AKTIVISMUS, POLITIK UND INDIVIDUELLES ÄSTHETISCHES EMPFINDEN.
    Unsere Malplakate können bis zur Kommunalwahl am 15. März den öffentlichen Raum im gesamten Stadtgebiet (mit Ausnahme der Altstadt) 6 Monate lang ortsspezifisch kommentieren.

    RIBISL FRAGT:
    Wem gehört die Stadt? Wer darf sie gestalten? Wer hat denn hierden Plan? Wo ist Deine Haustüre? Was ist politisch? Was kann selbstverständlich sein? Wo ist Engagement möglich? Wer setzt hier die Maßstäbe? Soziale Experimente statt Leerstand? Maximale Kontingenz durch dezentrale Kulturentwicklung? Warum wachsen hier verdammt nochmal keine Ribisl?

    SETZT UNBEGRENZTE ENERGIE FÜR POLITISCHE EXPERIMENTE FREI, GESTALTET EURE STADT UND KANDIDIERT FÜR DIE RIBISL-PARTIE FÜR DIVERSES, SONSTIGES UND ÜBRIGES!WIR BRAUCHEN VIELE PFLASTER UND KUNSTHEILSALBE FÜR FRUCHTLOSE STADTPLANUNG!

    „“““

    Ribisl-Partie e.V.
    Die Internetseite(n) befinden sich im Aufbau, alle Plakate werden mit Hintergrundinformationen auf einer Karte eingezeichnet….
    https://ribisl.org/
    https://malkampf.de
    Mail: ribisl@europabrunnendeckel.de Tel: 0176 97 87 97 27

  • Joachim Datko

    |

    Auf der Internetseite des Neuen Kunstvereins bedankt sich der Verein für die Unterstützung durch die Stadt Regensburg.
    Siehe: https://www.neuerkunstverein.de/

    Verträgt sich die Unterstützung der Stadt damit, dass Jakob Friedl, als OB-Kandidat der Ribisl-Partie, Räumlichkeiten beim Neuen Kunstverein für seinen Wahlkampf nutzt?

  • Neuer Kunstverein

    |

    Betrifft Kommentar von Joachim Datko:
    Der NEUE KUNSTVEREIN REGENS­BURG e.V., gegründet im Herbst 1987 – gemeinnützig anerkannt – versteht sich als ein öffentliches Forum zur Vermitt­lung von aktuellen Kunst- und Kulturent­wicklungen.
    Ausgehend von einem sehr offenen Kulturbegriff, bei dem Kunst nicht nur als das Schaffen Einiger für eine elitäre Minderheit verstanden wird, will der NEUE KUNSTVEREIN das Re­gensburger Kulturleben bereichern.

    Bei der Auseinandersetzung mit moder­ner Kunst und aktuellen kulturellen The­men werden nicht nur Entwicklungen in der Region, sondern auch Tendenzen der überregionalen Kultur berücksich­tigt.
    Diese Auseinandersetzung wird immer auch Konflikte zu Tage fördern. Solch kreative Konfliktsituation einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu ma­chen, gehört zu den vorrangigen Zielen des Vereins.

    In diesem Sinne sehen wir die Kunstaktion von Jakob Friedl als politischen Kunstbeitrag im öffentlichen Raum.

  • Joachim Datko

    |

    Zu „Neuer Kunstverein“ 18:57

    Zitat: „In diesem Sinne sehen wir die Kunstaktion von Jakob Friedl als politischen Kunstbeitrag im öffentlichen Raum.“

    Ich habe bei der Stadt Regensburg in der Dienststelle „Sondernutzung öffentlicher Verkehrsflächen“ telefonisch nachgefragt und die Antwort erhalten, dass es sich um Wahlplakate handelt.

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