„Aufklärung, die diesen Namen verdient”

Die alte Dame, die schon kurz nach sieben da ist, will gar nicht zum Konzert. Sie legt 50 Euro in die Kasse – „für die Aufklärung” – und geht wieder. Es sind einige Leute, die am Montag nur kurz in der Alten Mälzerei vorbei kommen und Geld spenden, um das Klageerzwingungsverfahren im Fall Tennessee Eisenberg zu unterstützen. Beim Benefizkonzert selbst zählen die Veranstalter über 350 zahlende Besucher – ungewöhnlich viele für ein Montagskonzert mit zehn Euro Eintritt. Es ist vor allem junges Publikum, aber auch das eine oder andere Gesicht der Regensburger Lokalprominenz mischt sich unters Volk. Das Bayerische Fernsehen ist vor Ort. Die Ironic Pirates aus Regensburg, The Excess aus Ingolstadt und Frittenbude aus München spielen heute kostenlos. Normalerweise fällt etwa bei Frittenbude eine Gage von 1.500 Euro an. Heute nicht. Auch bei der Alten Mälzerei waren Hans Krottenthaler und Ben Schmid sofort Feuer und Flamme für die Idee, die Anstrengungen von Tennessees Familie durch ein solches Konzert zu unterstützen. Allenfalls in Zwiegesprächen wird der Polizeieinsatz mit tödlichem Ausgang vor knapp einem Jahr am Montag diskutiert. „Messer hin, Messer her. Bei zwölf Kugeln kann die Staatsanwaltschaft nicht einfach das Verfahren einstellen”, sagt ein 25jähriger, der gerade beim Rauchen vor der Tür steht. Er kommt aus Bochum, ist zufällig in Regensburg und hat von dem Fall aus der taz erfahren. Warum es trotz einiger Widersprüche zwischen den Rechtsanwälten der Familie auf der einen und der Presseerklärung der Regensburger Staatsanwaltschaft auf der anderen Seite bislang zu keinem transparenten Gerichtsverfahren kommt, versteht er nicht. „Wahrscheinlich fehlt der öffentliche Druck.” Eine öffentliche Diskussion zum Fall Eisenberg, insbesondere zum bisherigen Verlauf der Ermittlungen, findet am kommenden Dienstag an der Universität Regensburg statt – mit prominenter Besetzung. Im Theatersaal diskutieren ab 19 Uhr der Regensburger Strafrechtler Professor Henning Müller, der CSU-Sprecher für Polizeifragen im Landtag Manfred Ländner und Alexander Bosch von Amnesty International Deutschland die Frage „Der Fall Eisenberg – Menschliche Tragödie oder schwerwiegender Justizskandal?“ Auch ein Vertreter des Polizeipräsidiums Oberpfalz wird erwartet, der allerdings bislang noch nicht namentlich bekannt ist. Drei Tage später, am 30. April, hat der „Arbeitskreis Zivilcourage” für 17 Uhr zu einer Demonstration aufgerufen, bei der eine unabhängige Ermittlungsinstanz als Konsequenz aus dem Fall Eisenberg gefordert werden soll. Die Route führt vom Domplatz zum Gerichtsgebäude in der Augustenstraße. Am Montag gibt es keine politischen Aussagen. Mitte des Abends kommt Adrian Immler auf die Bühne, Freund von Tennessee Eisenberg und einer der Organisatoren des Abends. Er bedankt sich bei den Bands, den Gästen und der Alten Mälzerei, weist kurz auf die anstehenden Veranstaltungen hin und bittet um weitere Spenden. „Damit eine Aufklärung stattfindet, die diesen Namen auch verdient.”

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Kommentare (6)

  • Bürger

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    Klar, die Anwälte müssen auch leben

  • Seppl

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    Und wer soll diese „unabhängige Instanz“ bezahlen ? Noch mehr Beamte ? Datko ich hör dich kommen…..
    Aber vielleicht könnte man ja einfach jeden Montag so ein Konzert veranstalten und aus dem Erlös zahlt man dann den „unabhängigen Oberpolizisten“ ?!?

  • Tommy

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    „Es gibt Poster, die sind weder dialogfähig, noch dialogwürdig. Sie werden ignoriert.“
    Zitat Bürger, 15.04.10 18.33Uhr

  • Bürger

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    *Aber vielleicht könnte man ja einfach jeden Montag so ein Konzert veranstalten und aus dem Erlös zahlt man dann den “unabhängigen Oberpolizisten”*

    Dagegen hätte ich keine Einwände.

    Unser Gemeinwesen ist, cum grano salis, gut organísiert. Vorab: Es handelt sich um allgemeine Regelungen und nicht nur solche für den Fall „Eisenberg“.Klar, man kann immer etwas verbessern und man kann natürlich auch alle Behörden und deren Entscheidungen nicht nur durch die übergeordnete Behörde (wie hier bereits geschehen) überprüfen lassen, sondern auch noch regelmäßig die Gerichte einschalten. Nur ist ebenso klar, daß hier Ressourcen verbraucht, Aufwand erzeugt wird. Da finde ich es vernünftig, das Verursacherprinzip anzuwenden. wer soviel „Extras“ möchte, der soll das auch bezahlen.
    Mir stinken diese „Gutmenschen“, die hier den Fall „Eisenberg“ für ihre destruktiven Absichten instrumentalisieren, die Realitäten leugnen (Eisenberg war nun mal zum Zeitpunkt der Geschehnisse nicht bei Sinnen), Forenbesucher die nicht ihrer Meinung sind beleidigen, Arbeitnehmer die für uns, die Allgemeinheit den Kopf hinhalten, nämlich unsere Polizeibeamten vorverurteilen und gegen diese Stimmung machen. Gut, man gibt denen hier ein Forum – ich weiß gar nicht, wieviele Male man jetzt einen Thread in dieser Angelegenheit aufgemacht hat. Aber wenn diese Leute trotz der ergangenen Entscheidungen zweier Behörden auch noch Gerichtsverfahren anstrengen, dann sollen sie das zahlen und nicht die Allgemeinheit.
    Im Übrigen, meines Erachtens wird auch das Klageerzwingungsverfahren nicht den von den Gutmenschen gewü´nschten Erfolg bringen und die Gutmenschen werden diese Entscheidung auch nicht akzeptieren, denn sien haben ja die Wahrheit gepachtet.

  • gifthaferl

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    “Es gibt Poster, die sind weder dialogfähig, noch dialogwürdig. Sie werden ignoriert.”
    Zitat Bürger, 15.04.10 18.33Uhr

    Tommy, 21. April 2010 um 3:28 Uhr

    Stimmt, die werden, samt ihrer fast nicht mehr zählbaren Pseudonyme, die ihrer Legion vortäuschen sollen – meinen die ja ernsthaft – ignoriert.

    Zumal der Schwachfug, den die schreiben offenbar immer noch steigerungsfähig ist,

    Jetzt steht unter einem Artikel, in dem es um Spenden geht um das Klageerzwingungsverfahren finanziell stemmen zu können, die Forderung, das möge von denen bezahlt werden, die das wollen.
    Wofür meint der „Bürger“ et al. spenden die BürgerInnen?

  • Huber

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    Rechtsstaat? (General-)Staatsanwaltschaft und Polizei bauen auf „Immunität“. Das belegt S.18 des aktuellen Regensburger Wochenblattes
    http://epaper.wochenblatt.de/run.php?untermandant=21&redaktionsDatum=Mittwoch%2021%20April%202010&titelname=Regensburger%20Wochenblatt&kw=16&year=2010
    Bei diesem berichtigten Link einfach S.18 wählen.
    Anscheinend kein Einzelfall, sondern schrecklich normal: Gewaltwillkür im Kleinen (Körperverletzung) wie im Großen (Erschiessung) und Beschuldigungswillkür, weil Polizisten regelmäßig „Opfer“ sind.

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