SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 5. April 2010

Die Whistleblower-Plattform Wikileaks hat heute ein bedrückendes Video online gestellt. Am 12. Juli 2007 schoss ein US-Kampfhubschraubern über Bagdad auf eine Menschenmenge. Zwölf Zivilisten wurden dabei getötet. Unter den Opfern des Angriffs: zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen. Das US-Militär wollte das Massaker vertuschen, behauptete, die zwölf Menschen seien bei einem Gefecht zwischen US-Streitkräften und Freischärlern getötet worden. Das Video, dessen Herausgabe die Militärs verweigerten, zeigt etwas anderes: Nach dem ersten Beschuss wurden in einem weiteren Angriff sogar Helfer, die einen der verwundeten Journalisten bergen wollten, grundlos ermordet. Die Leichen werden von einem Panzer überrollt. Der Funkverkehr der Soldaten ist von Gelächter gekennzeichnet. Eine Übersetzung des Funkverkehr findet sich bei der Online-Zeitung Schall und Rauch, bei der heute der erste deutschsprachige Bericht zu dem Video erschienen ist.
„Alle sind aufgereiht.“ „Los, schiess endlich!“ „Schiess weiter!“ „Ha, Ha, ich hab sie erwischt!“ „Einige Leichen liegen rum.“ „Wir haben acht Typen erwischt.“ „Ja, da krabbelt einer noch da unter rum.“ „Wir werden noch ein Paar erschiessen.“ „Hey, du schiesst und ich rede.“ „Oh, ja schaut euch diese toten Bastarde an.“ „Schön, schön. Gut geschossen.“ „Danke.“
Die vollständige Übersetzung unter collateral-murder.com. Seit 2006 gibt es das Projekt Wikileaks. Interna aus Wirtschaft, Behörden und Politik können dort unter bestimmten Kriterien ins Netz gestellt werden, ohne dass die Quellen zurückverfolgt werden können. Die Macher arbeiten unentgeltlich und sind auf juristische und finanzielle Unterstützung angewiesen. Heute wurde auf wikileaks.org dieses lange angekündigte Video online gestellt, das den Mord von Zvilisten durch das Militär belegt. Reuters versuchte 2007 über den Freedom of Information-Act an das Video zu kommen und scheiterte. Das US-Militär behauptete, das Verhalten der Soldaten stünde in Einklang mit den Gesetzen eines bewaffnete Konflikts und ihren Einsatzregeln. Es habe kein Fehlverhalten vorgelegen. „Wenn das wahr ist, ist etwas falsch mit den Regeln. Wenn nicht, haben sie etwas vertuscht“, so Wikileaks-Sprecher Julian Assange gegenüber der Frakfurter Rundschau.

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