SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 28. April 2010

Pro Testkäufer: Wolbergs und Adler. Foto: Aigner

Jugendliche Testkäufer – das Thema bleibt umstritten. Die Stadt Regensburg hat sich vor einigen Monaten entschieden, einer entsprechenden Empfehlung des bayerischen Sozialministeriums zu folgen. Im März und April waren drei Mädchen, Auszubildende der Stadt Regensburg, an insgesamt drei Tagen im Einsatz, um den Stellenwert des Jugendschutzes in ausgewählten Tankstellen, Geschäften und Kiosken zu testen – das Ergebnis bezeichnet Stefan Adler vom Jugendamt als „ernüchternd”. In über 70 Prozent der Fälle bekamen die 15, 16 und 17 Jahre alten Mädchen harten Alkohol oder Zigaretten. Insgesamt wurden 28 Betriebe überprüft. Allein in elf von 14 Tankstellen gab es insgesamt 18 Verstöße – sie werden mit Bußgeldern geahndet. „Es gibt Erwachsenen, denen der Jugendschutz schlicht wurscht ist”, sagt Adler. Lernfähig seien manche nur, „wenn es an den eigenen Geldbeutel geht”. Sozialbürgermeister Joachim Wolbergs bezeichnet die Ergebnisse als „erschreckend”. Bezeichnend: Die Leiter der getesteten Betriebe hätten alle betont, dass ihnen der Jugendschutz sehr wichtig sei, so Wolbergs. „Die Betreiber sind froh, dass wir sie darauf aufmerksam gemacht haben.” Das Problem liege in der „fehlenden Vermittlung an das Personal”. Eine Schutzbehauptung der Geschäftsinhaber? Stefan Adler erwähnt mehrfach, dass einige der Verstöße dem Stress der Kassenmitarbeiter geschuldet seien. Entschuldigen will Adler die Fehler der Mitarbeiter freilich nicht. „Das ist kein Kavaliersdelikt. Wenn die Mädchen den Alkohol, der ihnen zum Teil verkauft wurde, getrunken hätte, wären sie im Krankenhaus gelandet.” Bußgelder gibt es dementsprechend sowohl für die Mitarbeiter wie auch die Geschäftsinhaber. Im Bußgeldkatalog der Stadt Regensburg sind Strafen von bis zu 4.000 Euro für den Verkauf von hartem Alkohol an Kinder und Jugendliche vorgesehen. Bei Tabak und Zigaretten können es bis zu 5.000 Euro werden. Über die konkrete Höhe bei den festgestellten Fällen schwieg sich Adler „angesichts der noch laufenden Verfahrens” aus. Zwischen Betreibern und Angestellten werde unterschieden. Er erklärte lediglich: „In der Gastronomie liegen die Geldbußen selten unter 250 Euro.” Dort, bei den Gastronomen, macht die Jugendschutzstelle übrigens ein „hohes Verantwortungsbewusstsein” aus. Adler führt das auf die regelmäßigen Kontrollen in der Vergangenheit zurück. Entsprechend sollen nun auch die Testkäufe fortgesetzt werden – nicht flächendeckend, sondern bei Betrieben, „die uns gemeldet werden”, sagt Wolbergs. „Das Ziel ist Abschreckung.” Gegen den Einwand, dass es sich bei den Testkäufern um „Kinderspitzel” handle – unter anderem der Kinderschutzbund steht dem Einsatz von Kindern und Jugendlichen skeptisch gegenüber – verwahren sich die Regensburger Jugendschützer. „Es handelt sich um charakterlich geeignete Auszubildende der Stadt die intensiv geschult und von uns begleitet werden”, sagt Adler. Die Einsätze finden während der normalen Arbeitszeiten statt. Eine Extra-Vergütung gebe es nicht.

Fall Eisenberg: „Kein Grund, das System zu verbessern”?

Das Theater an der Universität ist voll. Zwischen 200 und 250 Zuhörer sind gekommen, um die Podiumsdiskussion zum „Fall Eisenberg” zu verfolgen. Tragischer Fall oder veritabler Justizskandal ist die Frage, mit der sich Alexander Bosch (Amnesty International), Professor Henning Müller, der CSU-Landtagsabgeordnete Manfred Ländner und Polizeipräsident Rudolf Kraus befassen. Um es vorweg zu nehmen: Wesentliche […]

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