SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 7. April 2010

Das Kinderheim Laßleben in Kallmünz: Was dort passiert ist, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie lange sexueller Missbrauch totgeschwiegen wird – weil die Opfer sich schämen oder selbst schuldig fühlen. Es ist auch ein Beispiel dafür, wie lange ein Täter unbehelligt bleiben konnte, weil sein Umfeld nichts mitbekam oder nichts mitbekommen wollte. Franziska Bühler (Name geändert), die bis Ende der 70er in dort untergebracht war, hatte unserer Redaktion Ende März die jahrelange sexuelle Gewalt durch den damals etwa 50jährigen Hans K. geschildert und uns entsprechende Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Demnach hatte K. die heute 48jährige über Jahre hinweg sexuell missbraucht. Zum ersten Mal, als sie „zwölf oder 13” Jahre alt war.

Mit Streicheleien begann der jahrelange Missbrauch

Seine Frau, Elisabeth K., arbeitete als Sekretärin in dem Heim, hatte Zugang zu den Akten der Mädchen und nutzte dieses Wissen aus, um die Kinder zu tyrannisieren. Ihre Ehemann Hans K. machte sich als vermeintlich netter und großzügiger Gegenpart an die Mädchen heran, um sie für seine Sex-Spielchen zu missbrauchen. „Nicht ernst genommen, links liegen gelassen, weg gesperrt”, mit diesen drei Worten beschreibt Franziska Bühler die Gefühle, die sie mit ihrer frühen Kindheit in Heimen verbindet. So war sie ein leichtes Opfer für die anfänglichen Streicheleien von K., mit denen der jahrelange Missbrauch begann. Dass sie nicht das einzige Opfer war, hat Franziska Bühler unserer Redaktion bereits Ende März geschildert. Dies bestätigen nun auch die Aussagen einer ehemaligen Erzieherin in dem Heim, die mit unserer Redaktion gesprochen hat, vorerst aber anonym bleiben will.

„Ich bin wütend, weil ich damals nicht mehr gemacht habe.”

„Hans K. hat die Mädchen manchmal zum Rudern mitgenommen oder in die Stadt gefahren, wenn sie einen Arzttermin hatten. Irgendwann haben sich immer mehr Mädchen geweigert, mit ihm zu fahren.” Einige der Kinder sprachen davon, dass Hans K. sie „komisch angefasst” habe. Die Erzieherin und die neue Heimleiterin stellten Hans K. daraufhin zur Rede. „Er hat tierisch getobt und alles abgestritten. Auch seine Frau hat ihn verteidigt.” Elisabeth K. habe die Andeutungen der Mädchen als „Hirngespinste” abgetan. Weil die Mädchen selbst schwiegen, sei letztlich nichts bei der Sache herausgekommen. Hans K. wurde zwar verboten, die Räume der Mädchen zu betreten und sie weiter in seinem Auto mitzunehmen. Allerdings hielt er sich nur daran, wenn die Erzieherinnen anwesend waren. „Ich bin wütend, weil ich damals nicht mehr gemacht habe. Aber wir hätten uns damals mit dem ganzen Familienelan anlegen müssen.” Das Kinderheim Lagerleben gehörte einer – nicht nur in Kallmünz – hochgeachteten und finanzkräftigen Erbengemeinschaft. Und so verlief die Sache im Sande. Die Erzieherin kündigte wenig später ihre Stelle. Anfang der 80er verließ auch die neue Heimleiterin, die den Versachtsmomenten nachgegangen war, Kallmünz.

„Stich und Hieb und ein Lieb”

Fraglich bleibt ohnehin, wer den Mädchen damals geglaubt hätte. Hans K. steckte ihnen regelmäßig Geld und kleine Geschenke zu. „Das war wie eine Art Gegenleistung für seine Sexspielchen”, erzählt Franziska Bühler heute. „Seine Frau hat immer wieder gesagt, wir würden sowieso alle auf dem Strich landen. Wie hätte ich unter solchen Umständen etwas sagen sollen?” Schnell wären aus den Opfern Beschuldigte geworden. „Alles andere wäre ein Riesenskandal gewesen.”
„Stich und Hieb und ein Lieb“. Ein Bierkrug als „Gegenleistung“ für eine 14jährige nach einem erneute Übergriff durch K.
Aus einem Karton kramt Franziska Bühler einen Bierkrug hervor. „Den hat er mir einmal gegeben, nachdem er mir zwischen die Beine gegriffen hatte.” Damals war Franziska 14. Als sie mit 18 das Kinderheim verlassen und sich eine eigene Wohnung genommen hatte, habe Hans K. sie verfolgt. „Er stand manchmal mit seinem Auto vor dem Haus, in dem sich gewohnt habe.” Erst nach Jahren und einer längeren Therapie haben die Albträume von Franziska Bühler aufgehört und „das Gefühl: du bist schuld”. Ob Hans K. jemals ein Unrechtsbewusstsein entwickelt hat – Franziska Bühler glaubt es nicht. Sie will sich nun gemeinsam mit einer Rechtsanwältin die Möglichkeit eine Strafanzeige prüfen. Hans K. lebt bis heute in Kallmünz.

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