Missbrauch in Kallmünzer Kinderheim: Erzieherin bestätigt Vorwürfe

Das Kinderheim Laßleben in Kallmünz: Was dort passiert ist, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie lange sexueller Missbrauch totgeschwiegen wird – weil die Opfer sich schämen oder selbst schuldig fühlen. Es ist auch ein Beispiel dafür, wie lange ein Täter unbehelligt bleiben konnte, weil sein Umfeld nichts mitbekam oder nichts mitbekommen wollte. Franziska Bühler (Name geändert), die bis Ende der 70er in dort untergebracht war, hatte unserer Redaktion Ende März die jahrelange sexuelle Gewalt durch den damals etwa 50jährigen Hans K. geschildert und uns entsprechende Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Demnach hatte K. die heute 48jährige über Jahre hinweg sexuell missbraucht. Zum ersten Mal, als sie „zwölf oder 13” Jahre alt war.

Mit Streicheleien begann der jahrelange Missbrauch

Seine Frau, Elisabeth K., arbeitete als Sekretärin in dem Heim, hatte Zugang zu den Akten der Mädchen und nutzte dieses Wissen aus, um die Kinder zu tyrannisieren. Ihre Ehemann Hans K. machte sich als vermeintlich netter und großzügiger Gegenpart an die Mädchen heran, um sie für seine Sex-Spielchen zu missbrauchen. „Nicht ernst genommen, links liegen gelassen, weg gesperrt”, mit diesen drei Worten beschreibt Franziska Bühler die Gefühle, die sie mit ihrer frühen Kindheit in Heimen verbindet. So war sie ein leichtes Opfer für die anfänglichen Streicheleien von K., mit denen der jahrelange Missbrauch begann. Dass sie nicht das einzige Opfer war, hat Franziska Bühler unserer Redaktion bereits Ende März geschildert. Dies bestätigen nun auch die Aussagen einer ehemaligen Erzieherin in dem Heim, die mit unserer Redaktion gesprochen hat, vorerst aber anonym bleiben will.

„Ich bin wütend, weil ich damals nicht mehr gemacht habe.”

„Hans K. hat die Mädchen manchmal zum Rudern mitgenommen oder in die Stadt gefahren, wenn sie einen Arzttermin hatten. Irgendwann haben sich immer mehr Mädchen geweigert, mit ihm zu fahren.” Einige der Kinder sprachen davon, dass Hans K. sie „komisch angefasst” habe. Die Erzieherin und die neue Heimleiterin stellten Hans K. daraufhin zur Rede. „Er hat tierisch getobt und alles abgestritten. Auch seine Frau hat ihn verteidigt.” Elisabeth K. habe die Andeutungen der Mädchen als „Hirngespinste” abgetan. Weil die Mädchen selbst schwiegen, sei letztlich nichts bei der Sache herausgekommen. Hans K. wurde zwar verboten, die Räume der Mädchen zu betreten und sie weiter in seinem Auto mitzunehmen. Allerdings hielt er sich nur daran, wenn die Erzieherinnen anwesend waren. „Ich bin wütend, weil ich damals nicht mehr gemacht habe. Aber wir hätten uns damals mit dem ganzen Familienelan anlegen müssen.” Das Kinderheim Lagerleben gehörte einer – nicht nur in Kallmünz – hochgeachteten und finanzkräftigen Erbengemeinschaft. Und so verlief die Sache im Sande. Die Erzieherin kündigte wenig später ihre Stelle. Anfang der 80er verließ auch die neue Heimleiterin, die den Versachtsmomenten nachgegangen war, Kallmünz.

„Stich und Hieb und ein Lieb”

Fraglich bleibt ohnehin, wer den Mädchen damals geglaubt hätte. Hans K. steckte ihnen regelmäßig Geld und kleine Geschenke zu. „Das war wie eine Art Gegenleistung für seine Sexspielchen”, erzählt Franziska Bühler heute. „Seine Frau hat immer wieder gesagt, wir würden sowieso alle auf dem Strich landen. Wie hätte ich unter solchen Umständen etwas sagen sollen?” Schnell wären aus den Opfern Beschuldigte geworden. „Alles andere wäre ein Riesenskandal gewesen.”
„Stich und Hieb und ein Lieb“. Ein Bierkrug als „Gegenleistung“ für eine 14jährige nach einem erneute Übergriff durch K.
Aus einem Karton kramt Franziska Bühler einen Bierkrug hervor. „Den hat er mir einmal gegeben, nachdem er mir zwischen die Beine gegriffen hatte.” Damals war Franziska 14. Als sie mit 18 das Kinderheim verlassen und sich eine eigene Wohnung genommen hatte, habe Hans K. sie verfolgt. „Er stand manchmal mit seinem Auto vor dem Haus, in dem sich gewohnt habe.” Erst nach Jahren und einer längeren Therapie haben die Albträume von Franziska Bühler aufgehört und „das Gefühl: du bist schuld”. Ob Hans K. jemals ein Unrechtsbewusstsein entwickelt hat – Franziska Bühler glaubt es nicht. Sie will sich nun gemeinsam mit einer Rechtsanwältin die Möglichkeit eine Strafanzeige prüfen. Hans K. lebt bis heute in Kallmünz.

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Kommentare (5)

  • Helmut Matias

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    Heute am 09. 04.2010 hat es B. Mixa voll erwischt. Weshalb gibt er seine Un-Taten nicht zu. Ihm wird doch vom Papst verziehen. Unser Papst? Er ist doch nur eine Marionette, gefangen im Sytem. MfG

  • Martin

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    Als ehemaliger „Heiminsasse“ (1973 – 1980) kann ich mich sowohl an Hans und Elisabeth erinnern. Es war nicht alles Gold was glänzt, aber das Kinderheim Laßleben wird hier als Brutstätte des Bösen dargestellt. Ich für meine Person kann nicht ausschließen, dass dort Dinge geschehen sind, die nicht hätten passieren sollen – aber bestätigen kann ich die Vorgänge auch nicht. Mir ist ein einziger Fall bekannt, in dem ein Mitbewohner „eine Tracht Prügel“ bekommen hat – und das im Nachhinein betrachtet zu Recht: Er hatte einer hochschwangeren Erzieherin mit dem Fuß in den Bauch getreten. Weder ich noch andere Ehemalige, mit denen ich immer noch in Kontakt bin, haben ähnliche E

  • Norbert Reiners

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    Hallo,
    Martin schreibt weiter oben, dass aus seiner Sicht alles in Ordnug war in diesem Heim.
    Nun ja, er war zu einer Zeit dort, als sicher bereits Erzieheriunnen das Heim leiteten.
    Aber was ca. 25 Jahre früher dort geschah beschreibe ich unter:
    http://www.katzenbande.de/buch/entwurf.htm
    Ende 2009 im Alter von 61 Jahren habe ich begonnen meine Erinnerungen aufzuschreiben.
    Ich war etwa in den Jahren 1953 – 1961 im Kinderheim Maria Laßleben.
    Habe leider nur schlechte Erinnerungen an diese Zeit im Kinderheim Maria Laßleben.
    Diese Erinnerungen, welche sich tief in mein Gehirn eingbrannt haben, hatten auch mein Leben immer wieder negativ beeinflusst..
    Gute Erinnerungen habe ich an den malerischen Ort „Kallmünz“ selbst, sowie auch an eine liebe Schulfreundin aus der damaligen Zeit, welche ich immer wieder gerne besuche.

  • Carlos Brunner

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    Das Vertuschungsproblem ist zum SchutzEinzelner und Schaden Vieler UND der Einrichtungen und Firmen der Wirtschaft, dasselbe in Negativ-Vorfaellen selbst kriminell leider ueblich und hoch schaedlich (!) für die Einrichtungen und Firmen letztlich selbst!
    Irgendwann geht der Kriminelle – meist der Betroffene zuerst weg.
    Kein Grund mehr zu schweigen! Auch inzwischen abgestellte Misstaende verfolgen Einrichtungen und Firmen negativ – jetzt trifft es unbeteiligte seriöse Leitungen und Mitarbeiter/innen nachhaltig negativ – leider.
    Dass aller Mist irgendwann rauskommt, durfte aus Erfahrung bestätigt sein!
    Schnelle interne konsequente Verfolgung bei Verdacht – Verursacher/in und nicht „Verräter Hinweisgeber“ zur Beendigung sofort entfernen, auch und gerade“Freunde“, die allen der Gemeinschaft damit schaden.
    Liebe Vorgesetzte: Sauber bleiben konsequent hält euch echt „ehrenvoll“ und bis zur Rente als Chef, und dannach.
    Die Einrichtung/Firma besteht dann noch sehr lange erfolgreich bei sofortigen Abstellungen statt Luschen und Mobber halten schweigend-tolerierend schsedlich nachhaltig. Du willst Chef bleiben ehrvoll? Denk nach, schau Dich um mit wachen Augen – Hinweise prüfen: Du bleibst bis zur Rente – in Ehren, nicht geschasst.

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