Wikileaks-Video: Journalisten von Militär ermordet

Die Whistleblower-Plattform Wikileaks hat heute ein bedrückendes Video online gestellt. Am 12. Juli 2007 schoss ein US-Kampfhubschraubern über Bagdad auf eine Menschenmenge. Zwölf Zivilisten wurden dabei getötet. Unter den Opfern des Angriffs: zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen. Das US-Militär wollte das Massaker vertuschen, behauptete, die zwölf Menschen seien bei einem Gefecht zwischen US-Streitkräften und Freischärlern getötet worden. Das Video, dessen Herausgabe die Militärs verweigerten, zeigt etwas anderes: Nach dem ersten Beschuss wurden in einem weiteren Angriff sogar Helfer, die einen der verwundeten Journalisten bergen wollten, grundlos ermordet. Die Leichen werden von einem Panzer überrollt. Der Funkverkehr der Soldaten ist von Gelächter gekennzeichnet. Eine Übersetzung des Funkverkehr findet sich bei der Online-Zeitung Schall und Rauch, bei der heute der erste deutschsprachige Bericht zu dem Video erschienen ist.
„Alle sind aufgereiht.“ „Los, schiess endlich!“ „Schiess weiter!“ „Ha, Ha, ich hab sie erwischt!“ „Einige Leichen liegen rum.“ „Wir haben acht Typen erwischt.“ „Ja, da krabbelt einer noch da unter rum.“ „Wir werden noch ein Paar erschiessen.“ „Hey, du schiesst und ich rede.“ „Oh, ja schaut euch diese toten Bastarde an.“ „Schön, schön. Gut geschossen.“ „Danke.“
Die vollständige Übersetzung unter collateral-murder.com. Seit 2006 gibt es das Projekt Wikileaks. Interna aus Wirtschaft, Behörden und Politik können dort unter bestimmten Kriterien ins Netz gestellt werden, ohne dass die Quellen zurückverfolgt werden können. Die Macher arbeiten unentgeltlich und sind auf juristische und finanzielle Unterstützung angewiesen. Heute wurde auf wikileaks.org dieses lange angekündigte Video online gestellt, das den Mord von Zvilisten durch das Militär belegt. Reuters versuchte 2007 über den Freedom of Information-Act an das Video zu kommen und scheiterte. Das US-Militär behauptete, das Verhalten der Soldaten stünde in Einklang mit den Gesetzen eines bewaffnete Konflikts und ihren Einsatzregeln. Es habe kein Fehlverhalten vorgelegen. „Wenn das wahr ist, ist etwas falsch mit den Regeln. Wenn nicht, haben sie etwas vertuscht“, so Wikileaks-Sprecher Julian Assange gegenüber der Frakfurter Rundschau.

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Kommentare (8)

  • spielehippi

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    Endlich ist das Video veröffentlicht – oder: Nein, ich hab‘ mit allem gerechnet, aber DAMIT?
    Mir fehlen die Worte.

  • Der Besserwisser

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    Krieg und zivile Opfer gehen leider immer einher. Das Lachen der Soldaten ist einfach die persönliche Rechtfertigung vor ihnen selbst, dass es „those basterds“ verdient hätten zu sterben. Im Übrigen lässt diese gebückte Haltung hinter dem Mauereck im „Eifer des Gefechts“ durchaus auf eine eventuelle Boden-Luft-Rakete schließen. Ich möchte nicht wissen, wie man sich als Pilot / Schütze an Bord dieses Hubschrauber fühlt, wenn man wenige Sekunden später eventuell Opfer einer solchen Rakete werden könnte. Ich glaube, dass sich da ganz schnell bei vielen der Gedanke „Lieber einmal zu oft geschossen“ durchsetzen würde.

    Nichtsdestotrotz eine furchtbares Ereignis, wie es aber wahrscheinlich tausende Male passiert, wo die Welt nichts davon mitbekommt.

  • Corelli

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    Das ist ja wie in einem dieser dämlichen Schießgewehr-Computerspiele – nur mit lebenden Personen.

  • lachmar

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    Gelangweilte Mörder vor Ihren Konsolen !
    Irgendwie ist mir da ein „richtiger“ böser Mörder der aus Habgier, zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs oder ganz einfach aus unbändiger Mordlust metzelt fast sympathisch.

  • Vor kurzem noch Student

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    Zitat: „‚Soldaten sind Mörder“ überall auf der Welt.

  • grace

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    Einen ähnlichen Vorfall, der sich gegen Reporter richtete, gabs schon mal im Irakfeldzug in einem Hotel in Bagdad.
    Auch dort hielt die US-Armee Teleobjektive „irrtümlich“ für Waffen, das Ergebnis wars gleiche.
    Welch ein perverser Zynismus unserer „Freunde“.

  • StuhloderSessel

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    Das kann die Bundeswehr auch sehr gut:

    http://video.google.com/videoplay?docid=-5884882720546967347#
    Es begann mit einer Lüge – WDR Reportage von Jo Angerer und Mathias Werth aus 1999.

    Sehr, sehr sehenswert.
    Der Journalist Jo Angerer besuchte dann im Jahr 2000 auch Regensburg zu einer sehr informativen Veranstaltung des DGB…

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