Besetzer an Regierung: „Wir lassen uns nicht einschüchtern”

demo-regierungJohann Peißl sieht ein wenig verloren aus, als er am Emmeramsplatz steht.. Die Besetzer an der Uni Regensburg haben einen Brief an die bayerische Staatsregierung vorbereitet. Peißl, als Vizepräsident der Regierung der Oberpfalz, soll der Bote sein. Vielleicht hundert Studierende von Uni und FH sind deshalb vors Regierungsgebäude gezogen – mit Töpfen und Tröten, Trillerpfeifen und Jagdhörnern. „Wir sind hier und nicht still, weil man unsere Räumung will”, wird lautstark intoniert. Mehrere Polizeifahrzeuge haben sich am Emmeramsplatz eingefunden, um die Situation abzusichern. Hintergrund der Aktion ist die Forderung der bayerischen Staatsregierung, die Hörsaalbesetzungen zu beenden. Begründung: Studierende würden dadurch vom Studieren abgehalten. Erfahrungen in Frankfurt oder Köln zeigen: Notfalls setzt der Staat seinen Wunsch nach einem Ende der Besetzung auch mit Gewalt durch, sprich: Räumung durch die Polizei. Das macht sauer. Und der Ton heute ist schon etwas rauer als bei den bisherigen Demos. „Wir lassen uns nicht einschüchtern”, wird durchs Megaphon gerufen. „Denen, die meinen, uns zu räumen, sei gesagt: Wir bleiben.” Für Weihnachten haben die Besetzer bereits einen Baum organisiert. Diskussionen gibt es offenbar nur noch mit Rektor Professor Thomas Strothotte, der die Studis über die Feiertage nicht unbeaufsichtigt an der Uni haben möchte. Zu Herrn Peißl sind die Demonstranten freundlich. Er darf kurz ans Mikro und versichert: „Ich werde den Brief selbstverständlich weiter leiten.” Ansonsten könne er sich zur Sache nicht äußern. Die Regierung der Oberpfalz sei weder für die Hochschulen, noch für Polizeieinsätze verantwortlich. „Das fällt in die Zuständigkeit der Staatsministerien.” In ihrem Brief an die Staatsregierung weisen die Besetzer nachdrücklich darauf hin, dass niemand daran gehindert werde, seine Veranstaltungen zu besuchen. Darüber hinaus habe die Besetzung „keineswegs passiven Charakter”. Es werden alternative Lehrveranstaltungen organisiert oder Podiumsdiskussionen mit Minister Heubisch und Rektor Strothotte durchgeführt. Täglich wird weiter an den Forderungen gearbeitet. Am kommenden Wochenende findet dazu übrigens ein alternativer Bildungsgipfel an der Universität Regensburg statt. Er läuft von Freitag, 18, bis Sonntag, 15 Uhr. Alle Interessierten sind dazu eingeladen.

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Kommentare (14)

  • Neuromancerr

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    Die Regierung der Oberpfalz (kurz und schön: ROPF)unterstützt die protestierenden Studenten.
    Zumindest mit einer Briefmarke.

    Das B.Brunner die Demonstranten nicht empfangen hat liegt daran dass sie wahrscheinlich noch in Brüssel weilt. Da war gestern „Oberpfälzer Abend“.

    Allerdings finde ich die Art&Weise wie die Studenten – ohne großes Aufsehen- geduldet und unterstützt werden hat so etwas von belächeln.
    Und der erste Stusi der nochmal kommt mit „Wir sind nicht 68“ dem hau ich eine Holzlatte von persischen Schah Garden über den Kopf. Wenn dem so wäre hätten sich die Studenten schon längst Schlagstöcken, Tränengas, Wasserwerfern und Hunden gegenüber gesehen.
    Mqacht weiter so, immerhin sorgt das Ganze wenigsten für Erheiterung in der „Staaden Zeit“.
    Eine Uni – zwei Forderungskataloge! HA! Ein Klassiker.

  • Der Besserwisser

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    100 Studierende … wow… sieht wohl so aus, als würde das rumgegammle im h2 nicht mehr allzu viele interessieren…

  • Joachim Datko

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    Zweistufiges System sinnvoll!

    Zum Plakat : MASTERPLÄTZE FÜR ALLE

    Es gibt viele Gründe, warum ein zweistufiges System besser als ein einstufiges System ist.

    – So hat man z. B. nach einer relativ kurzen Zeit einen Studien- und Berufsabschluss.

    Die bisherigen Studiengänge an den Fachhochschulen waren ähnlich wie die Bachelor-Studiengänge organisiert. Die Absolventen hatten einen Hochschulabschluss, ohne den „Theorieballast“ so mancher Universitätsausbildung.

  • schleiereule

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    @Neuromancerr Die gesellschaftliche Relevanz der momentanen Studibewegung steht noch nicht fest. In ihren Forderungen sind die Studis von heute sehr stark an den Universitäten verhaftet. Aber eventuell trägt das Ganze ja weiter.
    Iatz is amoi wieda was los!

  • Der Besserwisser

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    herr datko, abgesehen davon, dass sie zu jedem scheiß ihren senf geben, haben sie das system von uni vs. fh nicht verstanden.
    während bei der fh die praxis im vordergrund steht, legt die universität mehr wert auf hintergrundwissen und fundierte ausbildung… ich persönlich verstehe lieber, warum z.b. dies und das so und so besteuert wird, anstatt dass ich einfach nur auswendig lernen „da isses so und da isses so“…

  • Stefan D. Christoph

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    @Der Besserwisser (No. #1 am 09. Dez 2009, 19:01 Uhr): Klar, zu Spontandemos oder Eilversammlungen mit ein paar Stunden Vorlaufzeit erscheinen ja regelmäßig Abermilliarden Leute *mit den Augen roll*

    @Datko: Bachelor als Berufsabschluss? Dass ich nicht lache. Wer stellt denn einen Chemie-Bachelor ein?
    Das ist als wenn man einem Kaufmann einfach den betrieblichen Ausbildungsteil streicht und ihn nach der Berufsschule in die Arbeitswelt lassen würde…

  • Eduard Buchinger

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    an @all Students ;-)

    Hallo!

    Lasst euch blos nicht einschüchtern, auch wenn
    manche schon das Gespenst der RÄUMUNG spinnen!
    Die Regensbuger Polizei wird sich nach dem Skandal im sogen. „Fall“ Tennessee Eisenberg, vor einer Räumung hüten. Diese hätte fatale Folgen auf die Glaubwürdigkeit der momentan angeschlagenen Executive, Glaubwürdigkeit und
    verhältnismäßiges Vorgehen, quasi der Ermessensspielraum der Polizei würden durch
    eine unbedachte weitere Handlung stark in Mitleidenschaft gezogen werden!

    Also auf gehts Leut, stellt die Bierflaschen weg und pack mas an!

    Beste Grüße von einem Altbesetzer! ;-)

  • Joachim Datko

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    Bachelor mit den früheren Fachhochschulabschlüssen vergleichbar

    Zu „Bachelor als Berufsabschluss? … Wer stellt denn einen Chemie-Bachelor ein? … Stefan D. Christoph am 10. Dez 2009, 00:46“
    ===
    Die Regel ist, dass nur ein relativ kleiner Teil der Arbeitsplätze ein extrem hohes Ausbildungsniveau als Einstellungsvoraussetzung hat.

    Ich habe im Berufsleben häufig Menschen angetroffen, die anspruchsvolle Tätigkeiten ohne ein entsprechendes Zeugnis ausgeführt haben. Diese Menschen sind bei den Gehaltsvorstellungen meist bescheidener, ein großer Vorteil für den Arbeitgeber.

    Bei uns gibt es nach meiner Erfahrung noch zu viel Bildungsdünkel und zu wenig Pragmatismus.
    Beispiel:
    http://www.regensburg-digital.de/?p=5489/
    „Wir brauchen k e i n Halbwissen, keine Halbwahrheiten, keine Viertels-Bildung á la internet … 19. Nov 2009, 07:39“

  • Roland Hornung

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    …. ach so, jetzt verstehe ich Herrn Datko:

    “ Pragmatismus “ = Halbwissen, Halbwahrheiten
    und Viertlsbildung “

    Armes Deutschland.

    Für uns sind solch “ gebildete “ Leute mit
    wenig Ahnung, grobem Halbwissen, Viertels-Bildung, aber großer Hybris und Arroganz, die Schlimmsten :-(

    Ich würde auch keinen Chemiker mit Bachelor -Abschluss einstellen.

    Gerade als Land ohne Rohstoffe ist unser einziger “ Rohstoff “ die Bildung, Die Kreativität, die Innovationsfähigkeit – und nicht das Herunterleiern auswendig gelerntem
    “ Wissens „.

    Euer Roland Hornung

  • Joachim Datko

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    Falsche Kriterien?

    Zu „Ich würde auch keinen Chemiker mit Bachelor -Abschluss einstellen.“

    – Dann könnte es Ihnen meiner Ansicht nach passieren, dass Sie daneben greifen, obwohl Sie beste Absichten haben.

    – Es kommt auch auf die jeweilige Aufgabe an.

    – Nur wenige Menschen arbeiten nach einigen Jahren in ihrem ursprünglichen Bereich, die Ausbildung ist dann sekundär.
    ===
    Ich bin selten nach meiner Ausbildung gefragt worden, obwohl ich sehr vielen Menschen in meinem Berufsleben begegnet bin.

    Bei vielen jungen Menschen führt der deutsche Bildungsfetischismus zu falschen Entscheidungen.

  • Stefan D. Christoph

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    Mehr auf dem Lager als inhaltsbefreite Plattitüden?

  • Tom

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    „Bei vielen jungen Menschen führt der deutsche Bildungsfetischismus zu falschen Entscheidungen.“

    Weltfremd.

    Leider können es sich die dummen jungen menschen nicht aussuchen, weil schlaue alte menschen, die alles mindestens genau so toll machen wie herr d. die regeln gemacht haben.

    Bitte Herr D., suchen sie sich wieder ein neues „Betätigungsfeld“. Vielleicht die Bahn? Oder Rentner – hoppla, das werden sie ja mal selber. schlecht. Kinder! Ja genau. Kinder. Kindergärten sind ohnehin ein großes Übel.

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