„Bilaterales Übermittlungsproblem“

Datenpanne setzt Regensburger Corona-Inzidenz auf Null

Zunächst war von bayernweiten Problemen die Rede, doch nachdem am heutigen Mittwoch die Corona-Inzidenzen für Stadt und Landkreis bei 1,3 bzw. 0 lagen räumt das Gesundheitsamt eigene Pannen ein. Offenbar gab es ein fehlerhaftes Software-Update.

Die Corona-Karte des bayerischen Landesamts für Gesundheit von heute: Regensburg ist eine Insel der Glückseligen.

Landkreis Neumarkt: 1.093,7. Landkreis Kelheim: 1.133,8. Landkreis Straubing-Bogen: 1.540,4. Die Rede ist von den Corona-Inzidenzen, die oberpfalzweit, bayernweit und deutschlandweit an der Tausender-Marke kratzen oder diese deutlich überschritten haben.

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Stadt: 1,3, Landkreis: 0

Nur Regensburg scheint eine Insel der Glückseligen zu sein.In der Stadt liegt die Inzidenz bei 1,3, im Landkreis sogar bei 0. In der Karte des bayerischen Landesamts für Gesundheit (LGL) ist die Region Regensburg ein einsamer grüner Fleck inmitten von dunklem Violett, beim RKI strahlt man in hellem Gelb und Grau. Dass das nicht der Realität entsprechen kann, dürfte zunächst einmal jedem klar sein.

Und auch eine erste Erklärung des Regensburger Gesundheitsamts gegenüber unserer Redaktion am Dienstag vermag nicht zu überzeugen. Von dort werden zwar Datenprobleme eingeräumt, allerdings spricht die Behörde von „bayernweiten Problemen bei der Verarbeitung der gemeldeten Fallzahlen“. Ausgelöst worden seien diese Probleme durch eine „schadhafte Datei“ bei einem anderen Gesundheitsamt. „Davon betroffen sind auch die Fallzahlen-Meldungen unseres Gesundheitsamtes.“

Bayernweites Problem? Eher nicht…

Doch offenbar scheinen andere Gesundheitsämter – siehe oben – weit weniger von diesem Problem betroffen zu sein als Regensburg. Nirgendwo sonst gehen die Corona-Zahlen nahe null oder auch nur nahe 100. Die Datenpanne scheint also ein originäres Regensburger Problem zu sein.

Die tatsächlichen, aber bislang nicht ans LGL bzw RKI übermittelten Fallzahlen, die uns mitgeteilt werden, liegen denn auch deutlich über den veröffentlichten Daten. Demnach wurden zwischen dem 13. und 18. Juli für den Landkreis insgesamt 1.631 Fälle, für die Stadt Regensburg 1.251 gemeldet. Doch warum tauchen diese Zahlen nirgendwo auf?

Stadt und Landkreis jenseits der Tausend

Auf nochmalige Nachfrage räumt das Gesundheitsamt in einer Pressemitteilung am Mittwoch schließlich ein nicht näher erklärtes „bilaterales Datenübermittlungsproblem“ mit dem LGL ein, sprich: die Regensburger Daten wurden nicht weitergeleitet. Nähere Gründe werden in der Pressemitteilung nicht genannt. Aber nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich um ein Problem mit der Melde-Software des Gesundheitsamts. 

Durch ein Softwareupdate konnten die Meldedaten vom RKI demnach zunächst nicht gelesen werden. Der vermutete Grund, warum nur Regensburg betroffen ist: die anderen Gesundheitsämter hatten das Update wohl noch nicht eingespielt. Am morgigen Donnerstag sollen nun die korrekten Daten nachgemeldet werden.

Auf Grundlage der tatsächlichen 7-Tage-Fallzahlen errechnen sich sowohl für den Landkreis als auch für die Stadt Regensburg Inzidenzwerte, wie sie auch in Nachbarlandkreisen /-städten derzeit gegeben sind. Stand 20 Juli ergebe sich demnach für den Landkreis Regensburg eine Sieben-Tage-Fallzahl von 2.091, damit eine Inzidenz von 1076,3, die Stadt Regensburg liegt mit einer Sieben-Tage-Fallzahl von 1.538 bei einer Inzidenz von 1.010.

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Kommentare (3)

  • RegensburgerIn

    |

    Das Thema ist nicht neu, deswegen überhaupt nicht interessant. Seit Anfang wird es kritisiert,dass Inzidenz nicht viel aussagt.
    Es ist immer so: am Wochenende ganz niedrig oder nichts und am Montag werden die Zahlen eingegeben. Am Dienstag heißt dann: die Inzidenz wieder massiv gestiegen/hat sich verdoppelt.
    Momentan machen viele Menschen keine PCR-Tests. Es lohnt sich nicht mehr und viele haben einfach keine Lust.

    Andere wiederum haben weiterhin Angst,tragen Masken und plädieren für mehr Maßnahmen. Die Inzidenz ist doch so hoch! Willkommen im Herbst!

  • Jürgen

    |

    @Regensburgerin:
    Ich habe gelesen, dass sich die PCR-Test-Rate nach wie vor auf einem stabilen Level befindet und sogar leicht zugenommen hat.

    Rückblickend:
    Einmal in 100 Jahren müssen die Gesundheitsämter tatsächlich einmal entscheidendes leisten und dann versagen sie auf breiter Front und behalten diesen Status bei.
    Es werden heute noch, nach zweieinhalb Jahren Pandemie (wir erinnern uns, eine der schlimmsten Bedrohungen der Menschheit!), Meldungen im Gesundheitsamt, als Faxe von einem Stockwerk ins andere getragen um sie weiter zu verarbeiten!!!
    Im Nachbarlandkreis wurde über die Datenschutzgrundverordnung solange diskutiert, bis der vermutlich infizierte weitere Menschen angesteckt hat und selber wieder genesen war.
    Also vermeintlicher Datenschutz vor Gesundheit!

    Dann die denkwürdigen Beschränkungen.
    Manches war in der Stadt erlaubt, aber im Landkreis nicht und umgekehrt.
    Ein Trauerspiel.

Kommentare sind deaktiviert

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