SOZIALES SCHAUFENSTER

Zu Besuch in der Ribisl-Malkampfzentrale

Dem König ein Haus

Ab sofort geht es für einige Parteien in Regensburg um einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Kommunalwahl 2020. „Brücke“, CSB, Die Partei und die „Ribisl-Partie“ müssen vom 17. Dezember bis zum 3. Februar 385 Unterschriften in den Bürgerbüros der Stadt sammeln, um antreten zu dürfen. Die Ribisl-Partie bezieht unterdessen ein Haus im Minoritenweg.

Bis August darf Friedl mit der Ribisl-Partie den Minoritenweg 23 kostenfrei nutzen. Foto: bm

Herabbröckelnder Putz, abgeschlagene Ziegelsteine und morsche Holzfenster. Die Hausnummer 23 im Minoritenweg hat schon bessere Tage gesehen. Seit 2015 steht das Gebäude leer. Im Obergeschoss des länglich gezogenen Altbaus findet man noch einige Sitzgelegenheiten eines früheren Shisha-Cafés und in ein paar Räumen stapelt sich noch allerlei Krimskrams. „Wir haben uns mittlerweile selbst einige Steckdosen neu gelegt. Bis vor einer Woche hatten wir noch gar keinen Strom“, sagt  Jakob Friedl. Der OB-Kandidat darf mit seiner Ribisl-Partie das Haus bis August kostenfrei nutzen.

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„Während in den hinteren Räumen und im Obergeschoss noch ein wenig zu machen ist, lässt es sich im Eingangsbereich bereits gut aushalten.“ Auf einem Gaskocher in der hinteren Ecke des Raumes wärmt sich der Ribisl-König eine Kürbissuppe und setzt einen Topf alkoholfreien Punsch auf. „Am Wochenende haben wir hier ein kleines Konzert veranstaltet.“ Ein paar Leute seien da gewesen und trotz der Temperaturen – in dem Haus gibt es keine Heizung – sei es eine nette Veranstaltung gewesen. Alle hätten eine gute Zeit gehabt.

Ein Haus für die Bürger

„Aber die Regensburger sind leider überhaupt nicht mehr an alternative Kultur gewöhnt. Die gehen meist in die immer gleichen Kneipen und tun sich schwer andere Angebote wahrzunehmen.“ Genau hier wolle er mit seinen Parteikollegen ansetzen. „Bis August haben wir die feste Zusage, die Räume nutzen zu können.“ Mit verschiedenen Kulturangeboten wie kleineren Konzerten, Lesungen und anderen Ideen wolle man hier einen offenen Raum schaffen. Im kommenden Jahr soll es auch Kunstausstellungen geben.

Das Haus soll vor allem von der Teilnahme und Nutzung der Regensburger selbst leben. „Wer Lust hat, etwas zu machen, der kann jederzeit vorbeikommen.“ Das Haus stehe jedem offen, auch wenn die Möglichkeiten natürlich etwas beschränkt seien. „Im Keller könnte ja mal ein Crust-Punk-Konzert stattfinden“, träumt Friedl. Solche Sub-Subkultur ziehe ja nur einige wenige an und dafür sei im  Keller schon Platz vorhanden.

„Wir haben bereits die Hälfte unserer Malkampfplakate fertig“ Foto: bm

Dann klingelt sein Handy. Ein interessierter Käufer möchte gerne vorbeikommen. Im Obergeschoss lagert Friedl derzeit auch einige Weihnachtsbäume. Mitten im Gang steht eine Maschine, mit der die Bäume in das Netz gepackt werden können. „Ich mache das schon einige Jahre und kann mir so immer ein ganz gutes Geld dazu verdienen.“ Das stopfe am Ende des Jahres auch Finanzlöcher. Eigentlich habe er das immer am Haidplatz gemacht. „Aber dieses Jahr hat mir die Stadt das untersagt.“ Den genauen Grund dafür wisse er aber nicht.

Der Malkampf schreitet voran

Der ausgerufene Malkampf laufe unterdessen ganz gut. 100 Plakate dürfen alle Parteien im Wahlkampf in der Stadt aufstellen. Die Ribisl-Partie interpretiert dies als Kunstaktion und rief bereits im Sommer zum Malkampf auf. „25 Holztafeln haben wir bereits aufgestellt und weitere 20 stehen hier fertig herum.“ Die sollen in den kommenden Wochen ebenfalls in der Stadt verteilt werden. Aktuell stehen sie aber noch direkt vor der Eingangstüre. Benutzte Pinsel und Farbtuben deuten darauf hin, dass erst kürzlich ein weiteres Werk vollendet wurde.

Es steht noch viel Krimskrams im Ribisl-Palais. Foto: bm

Nun gehe es vor allem auch darum, erst einmal die 385 Unterschriften zu sammeln. „Wenn wir diese Hürde genommen haben, dann dürfen wir nämlich auch fünf Wesselmänner aufstellen. Das sind diese großen Wahlwerbetafeln.“ Dadurch könne dann noch mehr Präsenz hergestellt werden. „Auch hier haben wir uns schon etwas überlegt, das wir künstlerisch aufgreifen können“, teilt Friedl mit.

Keine Fraktion?  Kein Platz auf dem Podium.

Schade findet der Künstler, dass er und seine Partie bisher nicht auf die Podien geladen werde. „Die Begründung lautet dann oft, dass nur Fraktionen, die im Stadtrat sitzen eingeladen werden.“ Dabei habe man durchaus wichtige Themen, die in den Wahlkampf getragen werden sollen.

Der Ribisl-König wacht über seine neue Bleibe. Foto: bm

„Einige unserer Mitglieder, wie zum Beispiel Marlene Stecher, die am vergangenen Wochenende bei unserer Listenaufstellung auf Platz 2 gewählt wurde, leben im Auweg und sind direkt von dem Sondergebiet Hafen betroffen.“ Für Stecher spiele auch die Donau als Freiraum eine große Rolle, wie sie über Friedl ausrichten lässt. Sie setze sich daher für freie Zugänge zur Donau und den Erhalt der noch vorhandenen Nischen ein.

„Wir wollen Freiräume schaffen“

„Durch die geplante Erweiterung des Osthafens seitens der Bayernhafen AG wird dort enorm viel Fläche einfach durch leere Container zugestellt werden“, gibt Friedl zu verstehen. Fläche, die wiederum für kulturelle Räume vor Ort fehle. „Die Stadt tut dort nichts, was den Menschen vor  Ort etwas bringen würde.“ Auch die geplante Stadtlagerhalle sieht Friedl nicht als Ort für eine lebendige Kulturszene, die von den Menschen selbst getragen wird.

„Doch darum geht es uns eben. Wir wollen Freiräume schaffen. Wenn wir in den Stadtrat kommen sollten, dann wollen wir in den kommenden Jahren mehrere solcher Räume möglich machen.“ Sollte es mit dem ausgerufenen Ziel nichts werden, sei das Projekt danach nicht gescheitert. „Wir verstehen das ganze als langfristiges Projekt, um in Regensburg zumindest ein wenig verändern zu können, egal ob wir nun im Stadtrat vertreten sind oder nicht.“ Das sei auch für Dominik Feßmann ein wesentlicher Grund dafür, dass er sich auf Platz 3 der Liste-Ribisl hat wählen lassen. Der Schreiner sehe in dem Projekt etwas langfristiges, das durchaus etwas bewegen könne.

18 Mitstreiter für Diverses, Übriges und Sonstiges

Insgesamt  19 Personen umfasst die am Samstag aufgestellte Liste-Ribisl für Diverses, Übriges und Sonstiges, für die Kommunalwahl. Neben Friedl auf Platz 1, der Sozialpädagogin, Stecher auf Platz 2 seien unter den zwölf Männern und sieben Frauen verschiedene Berufsbilder und Charaktere vertreten, meint Friedl. „Ich freue mich, dass auf unserer Liste Studierende, Handwerker, Angestellte, Selbstsständige, etc. vertreten sind.“ Man bilde eine gute Mischung der Gesellschaft ab. „Als politisch besonders erfahrenen Mitstreiter konnten wir auf Platz 5 Ernst-Peter Böhm gewinnen.“ Der Softwareentwickler war zu Anfangszeiten im Bundesvorstand der Piratenpartei.

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Kommentare (16)

  • Giesinger

    |

    Nur eine kurze neugierige Frage:
    Wieso gibt es in Regensburg am Minoritenweg ein leerstehendes Haus?
    Wird es ab August 2020 wohl eh weggerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, oder?

  • Günther Herzig

    |

    @Giesinger:
    Ich schlage vor den Eigentümer ausfindig zu machen und zu fragen, mit dem Ergebnis, dass er sagt: „Was geht das Sie an?“

  • Eingeborener

    |

    Einfach mal ein SUPER für die Kreativität von Friedl and Friends !
    In dieser politisch erstarrten Stadt gibt’s wenigstens ein paar künstlerisch-politisch kreative Köpfe.
    Aktive , die ehrlich engagiert sind , statt korrupte Klugschleisser , ich hoffe, ihr werdet noch viel mehr.

  • Erwin Schmid

    |

    tapfer ! sehr gut gemacht Jakob !
    Es rettet uns kein höhres Wesen
    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
    uns aus dem Elend zu erlösen
    müssen wir schon selber tun

  • Mr. T.

    |

    Auf ein Neues mit einem Künstler-Bürgermeister. Es kann nur besser werden!

  • dünnster Künstler

    |

    Wir haben sehr nette Nachbarn und benachbarte Hausbesitzer, die uns ermutigt haben in dem Haus etwas Buntes, Schönes und Stadtpolitisches anzufangen. Anstatt das Haus bis zur weiteren Verwendung (Die im Übrigen einzig und allein Sache der Eigentümer ist!) leerstehen zu lassen, wird es auf einzigartige Weise belebt und kann als Vorbild für lebendige Stadtteilkultur dienen.

    Anderen interessanten Gebäuden in Regensburg bleibt diese Chance verwehrt. Sie stehen zum Teil seit Jahren leer und warten ungenutzt auf ihren bevorstehenden Abriss, z.B. das Kepler-Areal, Boschmarkt am Stadtteile verbindenden Safferlingsteg, Kantine und Casino auf dem Nibelungenareal.

    Hierzu noch ein Beispiel:
    Ein Zitat aus dem Auslobungs-Entwurf des Städtebaulichen und landschaftsplanerischen Planungswettbewerbs „Nachfolgenutzung Prinz-Leopold-/Pionier-Kaserne und angrenzende Areale“ in Regensburg zur Entwicklung der Prinz-Leopold-Kaserne, dem der Planungsausschuss am Dienstag den 17.12.19 zugestimmt hat:
    „Entlang der Zeißstraße sind bestehende Mannschaftsunterkünfte aus den dreißiger Jahren vorhanden. Diese sowie alle Wirtschaftsgebäude aus der militärischen Nutzung werden im Rahmen der Baufeldfreimachung abgebrochen und stehen für eine weitere Nutzung nicht zur Verfügung.“ (S. 15)

    Das Thema Leerstände ist der Ribisl-Partie ein wichtiges Anliegen im Malkampf.

    Bunte Einladung zur Mal-Partie am Samstag ab 12 Uhr, bei der wir uns diesem Thema malend widmen werden, siehe: https://ribisl.org/

  • Giesinger

    |

    Nur blöd, wenn der Künstler-Bürgermeister nur zu einem Zehntel regieren will. Wer wählt den dann?
    Vermutlich nur die Protestwähler, was dann Regensburg aber auch nicht weiterbringen wird.

  • Mr. T.

    |

    Ein Zehent vom Friedl ist wohl noch mehr, als der „volle Einsatz“ vieler aktueller „Politiker“. Außerdem würde er die restlichen 90% wohl gut deligieren.

    Der macht jetzt schon mehr aus der alten Hütte, wie die Stadt mit sehr viel Geld im Degginger. Das lässt hoffen!

  • Markus Frowein

    |

    Das, was der Herr Friedl da mit dem Haus macht, nennt man landläufig „Upcycling“,
    übringens ist das in etwa das Selbe, was er mit dem „Brunnen“ am Anfang der Max-
    Straße getan hat, völlig unkommerzielle sowie uneigennützige künstlerische Nutzung
    vorhandener und von Anderen brach liegengelassene „Objekte“, die sonst Keinen
    interessieren, außer, wenn sich damit vielleicht ein Haufen Kohle verdienen lässt.

    Upcycling bedeutet genau das Gegenteil der heutigen Wegwerfmentalität, die sich
    mittlerweile auch auf den politischen Sektor ausdehnt, weil beliebig austauschbare
    – parteiübergreifend – neoliberale Wirtschaftsmarionetten, Politiker genannt, nach
    Belieben weggeworfen werden und durch eine(n) andere(n) ersetzt werden können.
    Auf Friedl trifft das nicht zu, was man bei der Wahl durchaus berücksichtigen kann.

  • Günther Herzig

    |

    Ich würde, wenn ich dürfte, unterschreiben. Es wäre schön wenn einige, die an diesem Forum beteiligt sind, ihre Unterschrift leisteten.

  • Joachim Datko

    |

    Ein wenig wird da wohl auch geschummelt!

    Zu Eingeborener 18:48 „Einfach mal ein SUPER für die Kreativität von Friedl and Friends !
    […] Aktive , die ehrlich engagiert sind , statt korrupte Klugschleisser , ich hoffe, ihr werdet noch viel mehr.“

    Kreativ ist der „dünnste Künstler“, keine Frage, seine Wahlplakate gefallen mir.

    Aber ein bisschen Schummeln tut er wohl auch. Er hat sogar die Räume des „Neuen Kunstvereins“ für seine parteipolitischen Aktivitäten genutzt, obgleich der Kunstverein durch städtische Gelder unterstützt wird. So ist jeder auf seine eigene Art ein Schlitzohr, unabhängig davon, ob er Oberbürgermeister ist oder Künstler.

    Siehe: „3 Malkabinen“
    http://europabrunnendeckel.de/download/ribisl/ribisl_kunst_druck2_550kl.jpg

  • Markus Frowein

    |

    @ Joachim Datko (22. Dezember 2019 um 17:18)

    Wieder ein neuer Fall von Korruption in Regensburg! J. Datko hat’s rausgefunden!
    Friedl hat sogar den städtischen „Europa-Brunnen“ jahrelang unentgeltlich genutzt!
    So viel Dreistigkeit im Umgang mit Steuergeldern muss total hart sanktioniert werden!
    *Ironie off*

    Wenn Ihnen nicht mehr zu Friedl einfällt, kann ich ihn ja beruhigt weiterempfehlen …

  • Empörer007

    |

    Angesichts eines derzeitigen OB W. (suspendiert), der seine überwiegende Dienstzeit beim Antchambrieren mit den Regensburger Bauträgern verbrachte, um „gierigste Spenden“ in den SPD-Heuschober einzufahren, diesen allerdings ohne Dankbarkeit im Regen stehen ließ und sein politisches „Asyl“ unter der „Brücke“ suchte…, ist die Verlockung groß, dem Kandidaten Ripisl, die Stimme zu geben groß:
    Deshalb meine Stimme hat, er der Künstler R.
    Regensburg braucht ab 2020 keinen jammernden, schauspielernden, auf Spenden gierenden OB mehr…, die Stadt bedarf eines klugen, wenn auch etwas „verrückten“ OB.
    Keine Experimente?, doch Experimente wagen!… und keine „egozentrischen Jammerlappen“ als OB, die meinen, sie seien die „geboren OB-Darsteller“ und müssten Rbg. gestalten…

  • Mathidle Vietze

    |

    Zu „Empörer007“ – Wenn Sie e r n s t h a f t bemüht sind, die Kandidaten der einzelnen
    Parteien zu betrachten, werden Sie nicht nur Personen finden, die dem von Ihnen dar-
    gestellten Zerrbildes entsprechen. Oder wwr Ihr Kommentar als Satire gedacht?

  • da_moartl

    |

    Regensburg hat schon die letzten sechs Jahre einen Künstler als Bürgermeister gehabt, der auf ganzer Linie versagt hat. Das brauchen wir echt nicht nochmal.

  • Mr. T.

    |

    da_moartl, der hat aber vielleicht nicht versagt weil er Künstler war, sondern trotzdem er es war. Mit dem Argument könnte man viele Berufsgruppen streichen, vor allem Beamte. Darunter waren auch schon viele Versager. Friedl zeigt ja schon im Malkampf bessere Ansätze. Außerdem schätze ich ihn als nicht ganz so konform ein wie Huber. Und das war ja zuletzt sein größtes Problem.

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