Demontage auf Raten?

„Eine Wahl gewinnt man nicht mit Inhalten, sondern mit Persönlichkeiten.“ Das sagen einige Strategen in der Regen sburger SPD. Die exponiertesten Persönlichkeiten dieser SPD – Bürgermeister Joachim Wolbergs und Landtagsabgeordnete Margit Wild – sind in der Vergangenheit mehrfach aneinandergeraten. Mehrfach kochten die gegenseitigen Animositäten öffentlich hoch. Mehrfach wurde anschließend verkündet, dass man sich mal die Meinung gegeigt habe, jetzt aber „alles vergeben und vergessen“ sei, das Kriegsbeil begraben werde und man nun „nach vorne“ blicke. Diese periodisch auftretende Verhaltensweise lässt sich aktuell wieder beobachten.
"Habe keine Ambitionen auf den OB-Posten." Margit Wild.
„Habe keine Ambitionen auf den OB-Posten.“ Margit Wild.
Nach dem mäßigen Ergebnis für Margit Wild bei der Neuwahl als SPD-Vorsitzende, nebst Kampfabstimmung um ein Grußwort von Joachim Wolbergs und anschließenden öffentlichen Sticheleien und Anwürfen, wurde bei einer Vorstandssitzung am vergangenen Montag wieder einmal der Friede ausgerufen und erklärt, dass man künftig wieder „gemeinsam an einem Strang ziehen werde“. Um wessen Hals sich die Schlinge zusammenziehen wird, bleibt abzuwarten. Allerdings spricht einiges dafür, dass Margit Wild bis zur nächsten Wahl demontiert werden soll. Einige Beobachter der Vorstandssitzung bezeichnen den verkündeten Frieden denn auch als „Waffenstillstand“. Ein „Strategieteam“, das nun auf Vorschlag von Joachim Wolbergs installiert werden soll, weckt bei vielen die Befürchtung, dass dem frisch gewählten Regensburger SPD-Vorstand das Heft aus der Hand genommen werden soll. „Das riecht nach einem Küchenkabinett von Wolbergs‘ Gnaden“, so ein Teilnehmer der Sitzung.
„Die Medien warten nur darauf, uns zu zerpflücken.“ Fraktionschef Norbert Hartl.
Was die Aufgabe dieses „Strategieteams“ sein wird, liegt bislang noch im Argen. Immerhin eines steht bereits jetzt fest: Joachim Wolbergs wird die Besetzung maßgeblich bestimmen. Das Team soll – etwa nach dem Vorbild der zahlreichen Kommissionen, die Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder neben den gewählten Gremien installiert hatte – aus SPD-Mitgliedern und externen Beratern bestehen. Details will Wolbergs bei der nächsten Vorstandssitzung im September präsentieren. Bei der Sitzung am Montag gab es durchaus unterschiedliche Sichtweisen zu den Aufgaben dieses „Teams“. Während Margit Wild erklärte, dass ein Strategieteam für die „inhaltliche Entwicklung“ gut wäre, bekundete Fraktionschef Norbert Hartl, dass dieses Team ausschließlich für die Arbeit mit Blick auf die Kommunalwahl 2014 zuständig sei. Hier ist er sich mit Joachim Wolbergs einig, der ankündigt, dass das neue Strategieteam nach dem Vorbild des Teams beim letzten Kommunalwahlkampf agieren wird.
„Persönliche Animositäten gehören nicht in die Öffentlichkeit.“ Altbürgermeisterin Christa Meier.
Was hat dieses Team damals erreicht? Die Regensburger SPD erhielt – trotz CSU-Streit in der Hochphase – das schlechteste Ergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte. Von 13 SPD-Stadträten blieben elf. Selbst bei der Stichwahl konnte Joachim Wolbergs gegen den seinerzeit arg gebeutelten Hans Schaidinger nicht gewinnen. Aber: Die SPD regiert trotz dieses Ergebnisses im Rathaus mit. Joachim Wolbergs ist nicht nur Bürgermeister. Er erhielt bei der Wahl auch mehr Stimmen als die Partei und sitzt – da dies von vielen Genossen bereits als Erfolg gewertet wird – entsprechend fest im Sattel.
„Vergangenes vergessen.“ Joachim Wolbergs.
Öffentliche Kritik von SPD-Mitgliedern an ihrem Bürgermeister gibt es nicht. Der einst als Konkurrent um die OB-Kandidatur gehandelte Tonio Walter sitzt zwar im Stadtrat, spielt aber keinerlei kommunalpolitische Rolle. Und der Stern von Margit Wild ist – das zeigt die zurückliegende Vorstandswahl – derzeit am Sinken. Setzt das neue Strategieteam diesen Kurs konsequent fort, könnte Joachim Wolbergs tatsächlich der neue Oberbürgermeister werden – mit sieben SPD-Abgeordneten im Schlepptau und keiner Landtagsabgeordnete mehr im Genick, die ob ihrer exponierten Stellung zur Konkurrenz geraten könnte. Mit Persönlichkeiten gewinnt man eben Wahlen. Und manchmal gewinnen bei Wahlen auch nur Personen.

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Kommentare (14)

  • SPD-Mitglied

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    Langsam finde ich es zum Kotzen! Wochenlange habe ich nichts anderes gelesen, als ein Mies-
    machen von Joachim Wolbergs. Jetzt ist das Thema offenbar ausgelutscht, jetzt ist die Margit
    Wild dran. Fakt ist, daß der Unfriede in der SPD von einigen Profilneurotikerinnen herbeigeredet
    und entsprechend der Presse gesteckt wurde. Und Fakt ist des weiteren, daß in jeden Huster
    und Schnaufer, den der eine oder andere tut, etwas hineingeheimnist wird.
    Wer eigentlich hat ein Interesse an einer Demontage der SPD?

  • Andreas

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    Die These, dass man mit Persönlichkeiten Wahlen gewinnt, ist nur der Persilschein für vollkommene politische Belanglosigkeit und Beliebigkeit. Man sollte sich beispielsweise nur mal die Episode Schröder der SPD-Geschichte anschauen, um zu erkennen, dass es die SPD über diese Konstruktion immer wieder fertigbringt, ihre eigenen Ideale zu verraten.

    Eine von Wolbergs geführte Stadtratsfraktion wird sich in nichts Inhaltlichem von der CSU unterscheiden.

  • SPD-Mitglied

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    Wolbergs führt doch gar nicht die SPD-Stadtratsfraktion! Und – wer ist denn da als Hellseher tätig, daß er
    genau weiß, was künftig sein wird?

  • grace

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    oja, die sozis, die werdens der Wirklichkeit schon zeigen…

  • Andreas

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    Jaja SPD-Mitglied, sehen Sie nur die Welt weiter durch ihre rosarote Brille. Die Wähler tun das immer weniger.

    Schlagzeile von heute morgen: „GRÜNE in Berlin gleichauf mit SPD“. Und was dort die Grünen sind, sind anderswo eben die Linken.

    Und daran sind in allererster Linie die Karrieristen schuld, die auf dem SPD-Ticket nach oben kommen wollen.

  • Gabriel

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    Genau!
    Herr Aigner hat schon recht!
    Schließlich wissen wir ALLE seit 1975, dass die SPD schuld am schlechten Wetter ist!
    Und wenn Herr Aigner es uns nicht ständig ins Gedächtnis rufen würde, würden doch tatsächlich Leute noch vergessen, dass insbesondere die Regensburger SPD wirklich an ALLEM schuld ist, was in dieser Stadt schlecht läuft. Und wie Herr Aigner uns auch immer – natürlich zu Recht! – ins Gedächtnis ruft, ist das jede Menge!
    Und erst dieser unsägliche Wolbergs! Dieser elendige Karrierist! Wenn er nicht gerade an seine Karriere denkt, macht er den ganzen Tag NUR über Schmarrn! Erst heute morgen ist er zum Beispiel in meine Wohnung eingebrochen und hat meine Kaffeetasse umgehauen als ich nicht hingeschaut hab! Und das nun schon ein Dutzend Male! Ich bin mir sicher, Herrn Aigner ist das genauso gegangen! Nur steht Herr Aigner hier als einziger endlich auf und versucht gegen dieses Schandtaten anzukämpfen!
    Ich meine, wenn Herr Aigner und seine tapferen Kommentatoren nicht wären, dann kämen doch tatsächlich noch Leute auf die hanebücherne Idee die Regensburger SPD 2014 zu wählen! Und was dann passiert wird, dass wissen wir schließlich alle hier! Das wird dann… dann… ja es wird auf jeden Fall nochmal tausendmilliardenfach schlimmer als jetzt!

  • Roland P.

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    @Gabriel

    Dass Herr Wobergs in Ihre Wohnung eingebrochen ist und Ihre Kaffeetasse umgehauen hat, als Sie nicht hingeschaut haben, glaube ich Ihnen einfach nicht! Vielleicht wollte Sie Ihre Frau oder Ihre Freundin nur ein wenig foppen, die alte Ulknudel, oder Ihr Hund bzw. Ihre Katze hatte Durst, und schon war das Malheur passiert! Sie wissen ja, wie Haustiere manchmal sein können, kaum dass man ihnen mal den Rücken zuwendet! Da gibt es häufiger die lustigsten Sauereien, und dann kommt dieser liebe, treudoofe Blick, als wollten die kleinen Racker sagen: „Vergib mir! Ich wusste nicht was ich tat! Allein mein Instinkt trieb mich an!“ Mit Regensburger SPD-Politikern ist es übrigens oft nicht anders. Aber darum mögen wir unsere süssen Spielkameraden ja so gern, gell?

  • Zuschauer im Stadtrat

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    Hallo,

    dieser Beitrag kommt wohl etwas spät; jedoch nicht, wenn es sich um die Entscheidung bei der nächsten Wahl handelt.

    Bitte, schauen Sie sich einfach mal eine Stadtratssitzung oder eine Ausschusssitzung an. Hören und sehen Sie mit eigenen Ohren und Augen, was sich dort abspielt.
    Tatsächlich kann man die Regensburger SPD nicht von der Regensburger CSU unterscheiden. Das mag den CSU Wähler erfreuen, doch auch der wird nicht auf seine Kosten kommen.

    Für alle Eltern zum Beispiel, die sich nicht freuen über die (vielleicht als logische Konsequenz notwendige) Kindergartengebühr Erhöhung, weiß Herr Hartl (SPD) DAS Argument, das dafür spricht, dass dies immer noch sozial ist: Wenn die (also Sie, liebe Eltern) dauernd Pizza essen können, dann können sie auch mehr zahlen.

    Frau Betz (CSU) weiß, dass alle Harz IV Empfänger „Premiere haben“, was ziemlich merkwürdig ist, weil Premiere gibt es ja gar nicht mehr.

    Das sind nur zwei Beispiele, wie die Diskussionskultur im Regensburger Stadtrat aussieht. Der eigentliche Kern, der politischen Argumentation, wird dort nicht erkannt. Die gewählten Vertreter kommen zum Termin, sind nicht hinreichend informiert, denken an Pizza und stimmen ab. Politische Diskussion findet dort nicht statt.

    Das ist jedoch nur meine Ansicht. Vom Gegenteil kann sich jeder Regensburger überzeugen.

    Viele Grüße

  • domiJA

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    @Zuschauer im Stadtrat

    Im Wort „ZuSchauer“ ist das Substantiv „Schauer“ enthalten. Ich gebe Ihnen da völlig Recht! Es ist ein Schauer und dazu noch schaurig, den Personen zuzuhören (Schlegl, Hartl, Troidl etc.).
    Sagt die Frau Betz auch manchmal was? Das mit Premiere und Hartz IV verstehe ich nicht. Hat die auch Premiere und wenn ja, wo?

  • domiNO

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    @domiJA
    ja Frau Betz sagt auch was im Stadtrat, eben z.B. dass die HartzIV-Empfänger alle Premiere haben – was gibts daran nicht zu verstehen? Si tacuisses…

  • otto reicher

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    @domiNO
    Ich weiß es nicht, vermute aber, dass @domiJA an einige andere PREMIEREN dachte: Bürgermeisterin, Stadtbaudirektorin, Bundestagsabgeordnete, Bezirkstagspräsidentin, Vorstandsmitglied RVV. Demnächst sicherlich UNO-Generalsekretärin oder ähnliches! Verbrannt bleibt Asche.

  • domiJA

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    Sorry, sorry; der Otto Reicher vergass, dass Frau Petra B. auch bei BMW als Pressesprecherin und Nachfolgerin für Dr. Ebneth unterkommen gewollt hat. Da hat einer, der allgemein bekannt sein soll, in München an den Schrauben gedreht!
    Und: es war nix! Ich glaube, der dreht weiter!

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