Falsch gedacht, Herr Unger!

unger-klemens1„Nun haben wir das Thema wieder auf der Tagesordnung und wieder wird nur so getan, als wolle man etwas tun.“ Wenn Jürgen Huber auf eine Gedenktafel für die Regensburger Neupfarrplatzgruppe angesprochen wird, hält der Stadtrat mit seinem Ärger nicht hinter dem Berg. Für den kulturpolitischen Sprecher der Grünen ist das Thema Gedenkkultur in Regensburg eine „immerwährende Baustelle”. Wie berichtet, haben SPD und CSU eine Gedenktafel für die 49 Männer und Frauen abgelehnt. Bei der Sitzung des Kulturausschusses wurde der entsprechende Antrag der Freien Wähler schließlich zurückgestellt – einvernehmlich. Kulturreferent Klemens Unger (Foto) wurde stattdessen beauftragt, ein nicht näher definiertes „Konzept” auszuarbeiten. Erst dann könne man „da etwas machen”. Ob das Regensburger Kulturreferat mit seinem Referenten die richtige Stelle ist, um ein solches Konzept zu erarbeiten, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Bereits im April 2008 gab es vom Stadtrat den Auftrag, einen Bericht über die in Regensburg vorhandenen Gedenktafeln und Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus zu erstellen. Im Zuge der Diskussion um eine Gedenktafel für die Opfer des KZ-Außenlagers Colosseum – zwei Monate später – mahnte Jürgen Huber eine solche Aufstellung erneut an und forderte eine verstärkte Diskussion über Erinnerungskultur. Und so kam es, dass Klemens Unger dem Kulturausschuss schließlich im November, keine sieben Monate später, eine eineinhalbseitige Aufstellung präsentierte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wie er erklärte. Und wohl auch ohne Sachkenntnis. Unter der Überschrift „Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus” fanden sich seinerzeit das Karavan-Kunstwerk am Neupfarrplatz – es erinnert an die Zerstörung des jüdischen Ghettos 1519 – und eine Gedenktafel, die an die jüdische Synagoge Hinter der Grieb im 18. Jahrhundert erinnert. Auf Kritik hieß es schließlich, dass es sich um eine Auflistung von Gedenkstätten allgemein handle. (Die vorgelegte Liste als PDF) In einem Artikel der städtischen Zeitschrift „bei uns” wurde diese (leicht erweiterte) Liste erst im November – just kurz vor der Diskussion um die Neupfarrplatzgruppe – erneut veröffentlicht. „An vielen Orten hat die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt in Regensburg einen Platz”, heißt in der Unterzeile des Artikels. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Beispiel Maxstraße: Dort erinnert nichts daran, dass hier 1938 die Regensburger Juden beim „Schandmarsch” von den Nazis zum Hauptbahnhof getrieben wurden. Jürgen Huber hatte dies zuletzt im Kulturausschuss angemahnt. Das Vertrauen in die Arbeit des Kulturreferenten scheint dennoch ungebrochen. „Die Verwaltung soll alle Gedenkstätten erfassen”, meinte etwa die CSU-Sprecherin im Kulturausschuss, Helgit Kadlez. Und dann solle sich wiederum die Verwaltung – Unger – überlegen, was weiter zu tun sei. Nun wartet man auf eine „pfiffige Idee” (Joachim Wolbergs) vom Kulturreferenten. Betrachtet man dessen Vorgehen in der Vergangenheit, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen. Aber man tut eben so, als wolle man etwas tun.

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Kommentare (3)

  • Klemenß

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    Wie lang hat er denn noch, der glücklose Herr Unger? Scharrt da nicht schon (die in Mannheim glücklose) Frau Dr. Lorenz in Mannheim mit den Hufen, den Glücklosen (jeder ist seines Glückes Schmied!) zu beerben? Kultur sei Chefsache, sagte der OB einst. „Der Fisch stinkt vom Kopfe her!“

  • schleiereule

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    Sehr interessant finde ich die Einteilung der Gedenkstättenliste, wo hinter den Vertriebenen und den Kriegsopfern an dritter Stelle die ominöse Kategorie „Opfer der Gewalt“ rangiert. Hiermit sind wohl die Opfer des nationalsozialistischen Genozids und des Staatsterrorismus zusammengefaßt. Ich denke, diese Kategorien sind tendenziös und euphemistisch gefaßt. Die Kategorie Widerstandskämpfer ist in der Liste die letzte…

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