Friedenspropaganda aus Regensburg

Vergangenen Dienstag hat das Regensburger Rockkabarett „Ruam“ zusammen mit dem ueTheater seine neue CD im L.E.D.E.R.E.R. e.V. vorgestellt. Jetzt – eine knappe Woche später – kommt endlich die Besprechung. Als erstes Stück auf der CD findet sich das Stück „Doud fall ma um“ (Für Nicht-Bayern: „Tot fallen wir um“). Im englischen Original heißt das Lied „Fixin´ to die rag“, stammt von Country Joe McDonald, eine Hymne gegen den Vietnamkrieg und für den Frieden. Die „Ruam“ haben daraus „Doud fall ma um“ gemacht und protestieren damit – zeitgemäß – gegen den Krieg der Bundeswehr in Afghanistan. Offiziell firmiert der Krieg immer noch als „Auslandseinsatz“. Eine mangelhafter Euphemismus für die Leichensäcke mit toten Soldaten, die in Deutschland eintreffen. Die Zahl der traumatisierten Teilnehmer dieses Feldzuges zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen ist nicht abschätzbar. Ganz zu schweigen von den getöteten Zivilisten. Trotz allen politischen Inhalts hat „Doud fall ma um“ das Zeug dazu, auch auf Partys zu laufen, da der schmissige Rhythmus ins Blut geht. Als nächstes folgt ein Monolog mit dem Titel „Deutschland führt wieder Krieg“. Dankenswerter Weise ist das aber kein Wiederkäuen von Zweitem-Weltkriegs-Gejammer. Nein, auch hier ist die CD zeitgemäß. Inhalt ist der unsinnige Kriegseinsatz Deutschlands im Kosovo und die daraus resultierenden, bis heute andauernden Folgen. Daran schließt sich die Lesung aus dem Tagebuch eines jugoslawischen Mädchens an. Vorgetragen von der jungen Mimi Bäumler wird das abstrakte Kriegstreiben eindrucksvoll personalisiert. Ein neunjähriges Mädchen schildert in ihrem Tagebuch die direkten Auswirkungen, die der Krieg auf sie und ihre Familie hat. Den Abschluss der CD bildet der „Weltuntergangsblues“. Über den sollte man nicht schreiben, den muss man sich anhören! Auf jeden Fall aber bildet er den gelungenen Abschluss einer dramaturgisch gut durchdachten CD. Insgesamt: Von einer Anti-Kriegs-CD erwartet man sich mehr Pathos und NS-Gejammer. Darauf haben die „Ruam“ und das „ueTheater“ aber zu Gunsten von Inhalt verzichtet. Dass diese CD, sogar mit reichhaltigem Innentext und Poster, kostenlos abgegeben wird verdient Respekt. Hier spiegelt sich der Idealismus der Macher wider, die es geschafft haben, eine CD zu produzieren, die vielleicht nicht die Weltrevolution auslösen wird, aber beiträgt dazu, dass nicht vergessen wird: Hier gibt es immer noch Menschen, sich gegen die Propaganda der Politik stellen. Für die Krieg KEIN Mittel ist. Die vielleicht eine Minderheit darstellen, aber trotzdem nicht schweigen und resignieren. Bestellen (gegen Versandkosten; Spenden erlaubt) kann man diese CD natürlich auch: ruam-hofmann@alice.de

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Kommentare (9)

  • Erich Tolli

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    „kein Wiederkäuen von Zweitem-Weltkriegs-Gejammer“ , „Kein NS-Gejammer“ ??
    Hier wird ja richtig geWalsert! Die „Ausschwitzkeule“ der Kriegsgegner von heute.

    Zur Erinnerung, der sog. Jugoslawien-Krieg war ein rot-grüner gegen ein neues „Auschwitz“! Jammer!

  • Roland Hornung

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    Ich kann hier Erich Tolli nur zustimmen !

    Hier “ walsert “ es sehr ! Solche ( angeblichen ) Kriegsgegner sind mir mehr als suspekt.

    Ja, ja, die “ armen “ Nazis. Schön, dass man heute auf die USA schimpfen kann – und wirkliche Verbrechen relativiert, verharmlost und verniedlicht.

    Darf man Max Lieberman zitieren ?

  • StuhloderSessel

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    @Maals

    erklären Sie bitte mal was Sie mit Ihrem „Gejammer“ meinen.
    Wohl etwa die Erinnerung an die Opfer der Shoa und den Hinweis auf die Täter?
    Oder die Auseinandersetzung mit den Anstiftern und Profiteuren des sog Zweiten Weltkrieges?

    Wenn Sie die „Neo“Nazis und die deutsche Mainstream-Erinnerungskultur meinen, die seit 1945 jammern, die Deutschen wären die wahren Kriegsopfer gewesen – dann ist es in der Tat toll, dass es ein Pojekt gegen den Krieg gibt, welches sich diesem Geschichtsrevisionismus nicht unterwirft.

  • Sinte Maals

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    Erklärung für alle die es offensichtlich falsch verstehen wollen:
    Deutschland hat mehr kriegstechnischen Mist gebaut als den Zweiten Weltkrieg.
    Menschen die sich nur darauf beziehen, das ist NS-Gejammer.
    Die Ruam und das uetheater haben hier hervorragende Arbeit geleistet und sich nicht ausgelutschter und scheeler Parolen bedient.

  • Erich Tolli

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    @ Sinte Maals
    Als unvereingenommener und interessierter Leser habe ich Ihren Artikel gelesen und verwundert zur Kenntnis genommen, dass Sie von „NS-Gejammer“ bzw. „Zweitem-Weltkriegs-Gejammer“ reden.
    Jetzt führen Sie aus, dieses sei bei Menschen gegeben, „die sich nur darauf beziehen“, ganz anders aber seien die Ruam, die sich „nicht ausgelutschter und scheeler Parolen bedient“.

    Dass Sie u.a. mir unterstellen, ich wolle „offensichtlich falsch verstehen“, ist schon dreist. Lesen Sie doch nochmals was Sie geschrieben haben wollen und versuchen Sie, die formulierte Kritik daran zu verstehen, anstatt eine solche plumb abzuwehren.

    Den untauglichen Begriff „NS-Gejammer“ kann ich bestenfalls als unreflektierte Resonanz auf die deutsche Staatsräson von „Nie-Wieder“ bzw. auf die Vorstellung einer gelungenen „Vergangenheitsbewältigung“ verstehen und so gesehen verwerfen.

  • Anna

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    Kann nur zustimmen: NS-Gejammer ist mehr als nur missverständlich, WALSERT sehr, wenn’s nicht sogar WIENERt – oder?
    Ebenfalls bin ich über den „schmissigen Rhythmus“ gestolpert. Ich kenn das Lied leider nicht, mag ja sein, dass die Ruam parodierend einen Marsch blasen, dann sollte der sog. Rezensent das aber auch gebührend kommentieren.
    Dass gute, tanzbare Musik auch politische Text haben kann, ist nicht erst seit Johnny Cash, The Clash, Chumbawamba etcetera bekannt.
    Aber hier war’s ja andersrum gemeint, irgendwie …

    Den Ruam/ue viel Erfolg für ihren unermüdlichen Einsatz gegen Gott, die kapitalistische Welt und das kriegerische Vaterland! Venceremos!

  • Roland Hornung

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    @ Anna

    Ja, Anna, mir kommt es auch so vor : Es walsert ( und wienert vielleicht sogar ? ).

    Zumindest war es sehr seltsam formuliert – und mehr als missverständlich. !

    Viele Grüße von Roland

  • Hofmann Claus

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    Hallo
    Man kann ja viel über den Artikel diskutieren. Aber man könnte auch über das Original reden.
    WIe wärs´s mit kostenlos bestellen und dann anhören?
    Claus Hofmann

  • Roland Hornung

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    Was hat das Original mit den – mehr als seltsamen – Formulierungen des dubiosen Textes
    zu tun ???

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