Gefälschte „Zeit“ in Regensburg verteilt

zeitplagiat_regensburg1„Licht am Ende des Tunnels“, titelt am heutigen Samstag die Wochenzeitung Die Zeit. „Opel in Belegschaftshand, Banken verstaatlicht: Eine neue Ära beginnt“, heißt es in der Unterzeile. Weitere Neuigkeiten: Die Nato wird aufgelöst, Schuldenerlass für arme Länder und, und, und. Zu schön, um wahr zu sein? Genau. Doch nicht zu schön, um Realität zu werden. Das glauben zumindest die Aktivistinnen und Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac. Sie haben in rund 100 Städten diese gefälschte Zeit-Ausgabe verteilt. Statt der Meldungen von gestern verkündet das täuschend echt gestaltete Plagiat in einer Auflage von 150.000 Exemplaren die Nachrichten der Zukunft (Hier geht’s zur Online-Ausgabe). Auch mehrere Redakteure von Die Zeit haben neben Attac-Aktivisten an der Ausgabe mitgewirkt, die auf den 1. Mai 2010 datiert ist. Zeit-Redakteur Fabian Scheidler: „In unserer Ausgabe der Zeit zeichnen wir das Bild einer Welt, wie sie denkbar wäre, wenn die Vorschläge der globalisierungskritischen Bewegung umgesetzt werden würden.“ In der Regensburger Innenstadt waren sämtliche Exemplare der Zukunfts-Zeit innerhalb von zwei Stunden vergriffen. Ein paar „Worte der Woche“ aus der Zukunfts-Zeit: „Ich fass‘ es nicht: Die wollen all das Öl im Boden lassen!“ Gazprom-Mitarbeiter Gerhard Schröder nach Konsultationen in Ecuador und Bolivien. „Künftig werden Unternehmen, die weniger als 30 Prozent Frauen im Vorstand haben, aus dem Dax gestrichen!“ Sprecherin der Deutschen Börse auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. „Ich werde nicht so schnell das Handtuch ins Korn werfen!“ Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf die Frage eines Journalisten, ob er Berufung gegen seine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung einlegen wolle. „Gut, dass meine Altersversorgung nicht von den Finanzmärkten abhängig ist.“ Walter Riester, MdB Vorbild für die Aktion waren die „Yes-Men“, die bereits im Noveber 2008 eine gefälschte Ausgabe der New York Times in Umlauf gebracht hatten und dort unter anderem das Ende der Kriege im Irak und in Afghanistan verkündet haben. Am kommenden Montag wird das Zeit-Plagiat der Tageszeitung taz beiliegen. Hintergrund der Aktion sind die bundesweiten Demos in Frankfurt und Berlin am 28. März unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise. Für eine solidarische Gesellschaft“ , zu denen ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen aufruft. Hier ein Video dazu (Nachtrag am 22. März):

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Kommentare (8)

  • Bernhard Segerer

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    Gute Aktion – die Behauptung „Eine andere Welt ist möglich“ lässt sich am besten damit unterstreichen indem man mal zeigt wie diese bessere Welt aussehen könnte.
    Utopien statt „Sachzwänge“!

  • clemens kuhlmann

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    Krativität statt Lethargie! Auch das große Interesse an dieser tollen Aktion läßt hoffen,das noch mehr Menschen bereit sind sich zu wehren. Wir sollten es auch für die nächsten Generationen tun.

  • Joachim Datko

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    Bei Attac geht es meiner Meinung nach um Bürokratismus. Man möchte den Menschen möglichst viel vorschreiben.

    Das Ziel von Attac ist meiner Ansicht nach ein riesiges Monopol. Es ist das Monopol der Bürokraten. Aus den verstaatlichten Banken („Banken verstaatlicht: Eine neue Ära beginnt“) wird eine staatliche Bank.

    In einer weiteren Stufe werden die „Errungenschaften“ dann verteidigt. Es entsteht eine umfassende Kontrolle durch die Behörden, ein Staatsschutz, der Staat schützt sich vor Individualität.

    Es wird alles geregelt, die Städte werden grau, der Alltag wird unerträglich. Die Menschen werden eines Tages auf die Strassen des Attac-Staates gehen und den Bürokraten zurufen:
    „Wir sind das Volk!“.

    Joachim Datko
    http://www.monopole.de

  • Joachim Datko

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    Zu Attac-Vorstellungen:

    „Künftig werden Unternehmen, die weniger als 30 Prozent Frauen im Vorstand haben, aus dem Dax gestrichen!“ Sprecherin der Deutschen Börse auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt.“
    ====
    Wenn nach den Wünschen von Attac Automobilkonzerne der Belegschaft gehören sollen und Banken verstaatlicht werden („„Opel in Belegschaftshand, Banken verstaatlicht“) braucht man keinen „Dax“ und auch keine Sprecherin der Deutschen Börse.

    Ich fürchte, dass Attac vom Sozialismus träumt.

  • Mündiger Bürger

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    der markt regelt alles ?
    was unser mitteilungsbedürftiger vielschreiber, hr. datko schreibt sollte nicht unkommentiert bleiben.
    attac geht es um bürokratismus und den menschen soll viel vorgeschrieben werden.
    attac ist ein zusammenschluss von menschen die aus unterschiedlichen politischen zusammenhängen kommen. was sie eint ist ein kritischer blick auf die auswirkungen der globalisierung und das globalisierung nicht eine naturgewalt ist, sondern resultat einer politik, gemacht von menschen mit bestimmten interessen. also kann darüber nachgedacht werden, welche interessen stecken dahinter und welche forderungen lassen sich aus solcher interessenslage ableiten? welche strukturen schaffte die politik, in deutschland, in europa, weltweit?
    um es kurz zu sagen, maximale kapitalverwertungsbedingungen, der profit muss steigen, koste es was es wolle. es geht also nicht um die wohlstandsmehrung der allgemeinheit. wohlstand für viele ist historisch betrachtet ein abfallprodukt, das nicht wirklich lange währt.
    nun gut, wenn es schon auf der politischen ebene nicht um den ottonormalverbraucher geht, kann doch eine bewegung, wie attac sich gedanken machen, wie können die auswirkungen einer neoliberalen politik, die soziale standards, umwelt, energieressourcen die menschen an sich nur unter der verwertungslogik betrachtet, eingeschränkt werden.
    aus dem versuch, regeln die dieser form des kapitalismus einhalt gebieten sollen und mehr den menschen und seine bedürfnisse in den mittelpunkt stellen wollen, das schreckgespenst eines grauen bürokratischen attacstaates abzuleiten, ist ja schon fast als krankhaft zu bezeichnen. Sozialismusphobie hin oder her, ich kannte diese Schauermärchen aus den 70er Jahren als uns „der Russe“ überrennen wollte, Hr. Datko ihre Gedankengänge sind für mich nicht nachzuvollziehen.
    Lassen sie uns doch das was heute negativ und kritikwürdig ist kritisieren und Neues überlegen, was möglich wäre und nicht von vorneherein alles gleich madig machen. Das wär mal konstruktiv. Es behauptet ja schließlich fast niemand die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, dazu ist die Welt mittlerweile zu komplex.

  • Mündiger Bürger

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    Ich stelle fest, dass sich erneut – soll ja schon früher vorgekommen sein – ein Unbekannter mit fremden Nicknames schmückt. So stammt der Beitrag vom 3. Mrz 2009, 11:11 Uhr, nicht von mir.

    Wieso ich dies festhalten möchte? Weil mir Attac(k) höchst suspekt vorkommt. Man denke alleine an die von Attac(k) (mit-)organisierten Demonastationen, bei denen es regelmäßig zu Gewaltausbrüchen kommt. Ich nenne dies Terror.

    Doch auch inhaltlich kann ich mich über Attac(k) nur wundern. Nach meiner Meinung handelt es sich bei den Attac(k) Anhängern in der Regel um fundamtnalistische Fantasten, die den Bezug zur realen Welt verloren haben. Stattdessen gerät Attac(k) mit seinemm Modell des „guten“ und „bösen“ Kapitals stark in die Nähe von rechtsextremen, antisemitischen Positionen, die von „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital sprechen.

    In der Folge halten selbst seriöse Systemkritier nichts von Attac(k), beispielsweise James Tobin (Erfinder der s.g. Tobin-Steuer, einer Steuer auf internationale Devisengeschäfte), welcher sich zu Attac(k) wie folgt äußerte: „Die jüngsten Proteste sind ziemlich widersprüchlich und uneinheitlich… Im großen Ganzen sind deren Positionen gut gemeint und schlecht durchdacht. Ich will meinen Namen nicht damit assoziiert wissen.“

  • Ruhig Blut

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    Also wenn die Äußerungen tatsächlich von Herrn Datko stammen (er schreibt ja sonst i.d.R. mit Bild), hat er was gut bei mir. Er bringst ausnahmsweise mal auf den Punkt.

    Das ist keine Globalisierungskritik, sondern blanker Sozialismus.

  • Bernhard Segerer

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    Ruhig Blut, was ist denn am Sozialismus auszusetzen? Und ich meine jetzt nicht den Staatssozialismus der alles für uns regelt und uns dafür Freiheiten wegnimmt. Wahrer Sozialismus muss am Ende immer die freie und freiwillig solidarische Gesellschaft zum Ziel haben. Ja, da steckt auch gute alte Nächstenliebe drin – und auf dem Weg dahin braucht man ein paar unterstützende (bzw. schützende) Gesetze – weil der Umbau der Gesellschaft zwar vor allem aber eben nicht nur eine Frage der (Herzens-)bildung ist.
    Es gibt schon noch was dazwischen, nicht nur Sozialismus-Bürokraten und reine Träumer die an das eigentlich Grundgute im Menschen glauben. Leider wird man bei Verwendung des „schmutzigen“ Wortes Sozialimus von wohlmeinenden Menschen entweder in die eine oder andere Ecke gestellt – weniger wohlmeinende Menschen haben noch ganz andere Gegenargumente, die es sich genauso lohnt zu diskutieren aber jetzt weniger zu diesem Meinungsaustausch hier passen.

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