SOZIALES SCHAUFENSTER

Glosse

Graus der bayerischen Geschichte

Einst, in längst vergangenen Zeiten, kündeten die stolzen Türme der Patrizierburgen vom kaufmännischen Geschick des Regensburger Bürgertums. Thundorfer, Gravenreuther und Konsorten lenkten die Geschicke der Stadt und die Pracht ihrer Anwesen zeugte von ihrem Erfolg. Doch das Feuer dieser Ära ist in Regensburg längst erloschen, ebenso wie das des Further Drachen. Seinen enthaupteten Nachbau verfrachtete man voller Stolz in das Museum der Bayerische Geschichte. Armer Fanny.

In den verspiegelten Glasfassaden des Museums spiegelt sich traurig der Dom. Eine fahle Reflexion des sakralen Wahrzeichens unserer Stadt. Diese Bildsprache ist ein Gleichnis, das all diejenigen mit blankem Hohn straft, die sonst soviel Wert auf die mittelalterliche Skyline des UNESCO-Weltkulturerbes geben. Chapeau, Herr Architekt, große Anerkennung meinerseits. Kempten und Würzburg hatten zwar schon konkrete Vorschläge mit bereits leerstehenden Häusern für das Museum gemacht, doch Regensburg musste es ja haben. Also bekommt Regensburg das, was ihm gebührt, und das ist jeden Cent der 60 Millionen wert.

Regensburg ist schließlich die heimliche Hauptstadt Bayerns, wie es Horst Seehofer 2014 – damals noch Ministerpräsident – auf einer Wahlkampfveranstaltung so schön ausdrückte. Diese Phrase spuckte er wahrscheinlich schon in jedem Kaff in den Äther, doch die Regensburger sind halt der festen Überzeugung, das es bei ihnen einfach stimmen muss.

Tja, so geschah es, dass Horsti 2015 den Grundstein legte, denn wenn die bekloppten Einwohner per Bürgerentscheid bestimmen wollen, dass am Donaumarkt kein Kultur- und Kongresszentrum entstehen soll, dann bekommen sie dort ganz einfach eine Hölle für Austellungssstücke, sozusagen als Entschädigung; Schaidingers letzte Rache. „Hier erzählen die Menschen ihre Erlebnisse, ihre Gefühle und die Lebenswege ihrer Vorfahren“, pries es Seehofer damals an. Heute ist es so gut wie fertig. Immerhin, noch vor der Eröffnung (!) hat der Klotz eine Google-Bewertung von 2,7 Sterne abgegriffen, gar nicht schlecht (Zum Vergleich: Stefan Aigner kommt auch nur auf läppische 3,1 Sterne.).

Juni 2018: Festakt zur Fast-Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte. Fotos: Staudinger

Dr. Richard Loibl, quasi der Museumsbabo, offenbarte nun fast vier Jahre später sogar einer lokalen Gratiszeitung: „Wir haben eine Bühne für die Gegenwart, dort wird Herr Seehofer zu sehen sein, wie er als erster Ministerpräsident Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg Prag besucht.“ Hallo, Herr Loibl, alles noch ganz frisch? Abgetrennter Drachenkopf, Horst Seehofer – planen Sie ein Geschichtsmuseum oder eine Geisterbahn? Tja, mehr gibt die moderne bayerische Geschichte allem Anschein nach wohl nicht her. Die coolen Römersachen sind schon im historischen Museum untergebracht. Da bleibt nur Trödel nach Achzehnhundert, den man austellt. Dann muss man auf den Flohmarkt gehen und alte Biergläser und Bauernschränke zusammenkaufen.

Wie wäre es denn noch mit dem alten Drehstuhl aus Joseph Ratzingers Büro, das er damals als Professor für Theologie an der Uni hatte? Die Sitzkuhle des Heiligen Vaters würde zum Rest so gut passen wie Arsch auf Eimer. Wer ’nen Fünfer zahlt, darf einmal dran riechen. Eine tiefe Nase vom Moschus des emeritierten Papstes – das ist interaktive, gelebte bayerische Geschichte. Es geht schließlich ums Erleben!

Schaidinger und Horst Seehofer: Späte Rache für das gescheiterte Kultur- und Kongresszentrum.

So wie die angekündigte „Erlebnisgastronomie“, die auch sehr vielversprechend klingt. Schließlich – Herr Loibl hat wohl einen Fetisch für mechatronische Figuren – hat man noch den Löwenbräu-Löwen den Münchnern direkt vom Oktobefest weggekauft. Dieser soll einem dann bereits im Foyer ein herzhaftes „Lööööööööwenbräääu“ entgegen rülpsen. Na dann, Prostata.

Passend hierzu stelle ich mir Folgendes vor: Kulinarisch kann man den Saupreißn pädagogisch an die überlegene bayerische Kultur heranführen. Zwischen Weißwurst-Zutzel-Kursen und Weißbier-Einschenk-Seminaren ertönt dann die Hymne des Freistaates: „Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau, und erhalte dir die Farben seines Himmels, weiß und blau!“ Vielleicht gesungen von einem elektronischen Aloisius-Roboter? Den gibt es nämlich auch schon – in der Kuchlbauer-Brauerei. Wäre doch was, oder?

Spätestens jetzt würde auch der letzte links-grünversiffte Zuagroaste endlich verstehen, wieso mancher Bayer vehement sein rassistisches Privileg verteidigt, dunkelhäutige Menschen „Neger“ nennen zu dürfen, zugleich aber auf das Tiefste verletzt sein muss, wenn irgendein Hamperer beim Metzger ein „Fleischkäsebrötchen“ mit Ketchup bestellt. Die bayerische Kultur kann man eben nur als Ganzes fühlen. Genau das schafft diese Konzeption und das brachte eine Empfehlung des Reisemagazins „Geo Saison“ als „Must-See-Museum 2019“.

Genauso wie man an der Akropolis in Athen die Präsenz der hellenistischen Anfänge der europäischen Demokratie spüren kann, durchdringt einem am Donaumarkt in Zukunft auch der nach Leberkas müffelnde Geist des Märchenkönigs. Der Kini verkörperte ja die Vorliebe für verschwenderische Prunkbauten.

Vor dem Eingang wird vermutlich dann der geplante Goldene Waller die Besucher begrüßen. Der sieht übrigens eher danach aus, was sonst immer beim Bleigießen an Silvester rauskommt. Kaulquappe, Regentropfen, Seehofers Lungaharing? „What’s that ugly golden thing over there?“, werden sich die Touris auf den vorbeifahrenden Kreufahrtschiffen denken. Die dreidimensionale Manifestation der Regensburger Megalomanie wäre wohl die richtige Antwort.

Laut Geo Saison das Must-See-Museum 2019.

Das Bayern-Museum ist im Prinzip das Schloss Neuschwanstein unserer Zeit, denn das steht in der altehrwürdigen Tradition des beliebten bayerischen Sprichworts über Maßlosigkeit: Wenn d’Wurscht so dick wias Brout is, is a wurscht wia dick des Brout is. Damit wird das Museum selbst wohl zum ehrlichsten Ausstellungsstück, das es überhaupt zu bieten haben wird, und steht hiermit beispielsweise Arsch an Arsch mit verglasten Ungeheuern wie dem Trump Tower in New York City, quasi die Geschlechtertürme des postmodernem Patriziertums repräsentiert von den Schaidingers und Seehofers.

P.S.: Über ein Sektchen am 4. Juni würde ich mich trotzdem sehr freuen. Bin ich eingeladen, Herr Loibl?

Marius Cramer 

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Kommentare (38)

  • MK Allstar

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    Gefällt mir viiiiel besser als die erste Post von Cramer. Derb und hintersinnig, so mag ichs

  • joey

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    Graue Riffelplatten machen Appetit auf Fragen, die keiner stellt. Ein Museum, in das man die Schulklassen treibt. Touristen haben für sowas keine Zeit, die Bildungsbürger schauen einmal im Leben rein (und dann wohl nie wieder, Neuschwanstein hat wenigstens eine jahreszeitlich natürliche Umgebung). In 5 Jahren kann man sich das dann in Ruhe ansehen, dann ist keiner mehr drin.

    Das wird ein ordentliches Defizit, ein Fall für die Schwarzbücher.

  • Markus Frowein

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    Als damals diese Künstlerin – ich habe leider den Namen vergessen – den Rollrasen
    neben der Wurstfabrikruine installiert hatte, ahnte ich schon, dass es grausig wird.
    Mein Bauchgefühl hat mich, wie in anderen Fällen auch schon oft, nicht getäuscht.

  • dünnster Künstler

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    Hier die Siegerentwürfe für Kunst am Haus der Bayern incl. goldenes Spermium:
    https://stattkunst.de/downloads/G248_Dokumentation_Kunst_WBW_Reduziert_140728.pdf

    Und hier mein schon in der ersten Runde vom Expertengremium ausjurierter Beitrag:
    Das könnte auch daneben gehen….“Interaktion von Statteilen und Landkreisen durch gegenseitiges Maibaum klauen und aufstellen“ Jedes Jahr wird ein, die aktuelle Entwicklungen und jungere Geschichte orstspezifisch widerspiegelnder, Regensburger „Schandbaum“ aus den durch Stadtteile wandernden öffentl. Projektwerkstätten (z.B. Villapark oder der Konradsiedlung, Museumsvorplatz… etc) in einem Dorf hinter der Landkreisgrenze aufgestellt , wo es für gewöhnlich keine dem traditionellen Maibaumschmuck entsprechenden Gewerke (Schneider, Bäcker, Schuster, etc….) mehr gibt (Viele Bewohner arbeiten in der Stadt, kaufen jedoch nur im Landkreis ein…). Im Ausstausch werden die traditionskitsch Bäume vom Landkreis ins Loch vor dem Museum, in dem die entsprechenden Artefakte (Stahlhelm, Sichel, Nähnadel, Gewehr, Dreschflegel) aufgebart sind, gestellt.
    http://europabrunnendeckel.de/download/maibaumstandorteins/maibaumbewerbungkl.pdf

    „Arbeiten am Maibaum“ Blogeintrag: http://europabrunnendeckel.de/?p=3844
    Zum Foto der höchsten Skulptur Regensburgs, hier die Erklärung des enzyklopäischen Fvfu-uüiUF.e.V.-Freibaum-Schmucks: http://europabrunnendeckel.de/download/maibaumstandorteins/maibaum_almanachentwurf.pdf

    Übrigens in Burgweinting kann kein Mai-Juni- oder Freibaum mehr aufgestellt werden, weil das Gartenamt die Unterlagen für den städtischen Maibaumständer in der Käthe Kollwitz Siedlung seit 2015 nicht mehr finden kann… (irgendwann mal geschreddert? Befehl von Oben?). Die Stadtteilbewohner müssen nun wieder täglich an dem funktionslosen und unbenutzbaren städtischen Maibaumständer, einem zentral gelegenen Frustsymbol für getötetes Engagement, vorbei … Man gewöhnt sich darann: Städtische Pranger für eingemachten Kultur-Aktivismus sind nichts ungewöhnliches in Regensburg, „Angsträume“ und „Schandflecken“ können nicht heller strahlen als dröge Parteipolitik und städtische Bau-Vorhaben… Unbenutzbarer Maibaumständer vergl.: http://europabrunnendeckel.de/?p=5283

  • R.G.

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    Groß genug, dass man Triumphbilder vom zweiten, dritten und vierten Wahlsieg des Oberbürgermeisters Wolbergs unterbringen kann, ist es. Das tröstet.

    Aber nicht nur die Größten sollten vertreten sein.
    In Form einer Sonderaustellung ließe sich die Entwicklung der kleinen Bürger als naturgeschichtliches Thema kuratieren, Thema, „Vom aufrechten Gang zum Kriecher“, gesponsert von der Hochprozentigen-Industrie.

  • highwayfloh

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    @Herr Cramer,

    es freut mich, dass Sie gleich beim zweiten mal eine Punktlandung hingelegt haben. Weiter so und ein schönes Wochenende.

  • Lothgaßler

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    Ein Nichtort zum Vorbeigehen, zumindest mich zieht es da nicht hin. Von Außen pfui und die Zeugnisse der jüngsten bayerischen Geschichte von wahrlich mäßiger Anziehungskraft, um nicht zu sagen Trash den niemand sonst haben wollte. Wenn wir Glück haben, dann muss der Betonbau in 20 Jahren abgerissen werden. Ein bisserl Pfusch am Bau wirds ja hoffentlich gegeben haben.
    Bei aller Kritik gibts auch einen Pluspunkt: Nicht nur die bläuliche Lichtkulisse (aus Umweltgesichtspunkten strikt abzulehnen) wird bei Nacht sicher Partyvolk anziehen, wenigstens die haben eine neue Lokation. Für diese Besucher sollten noch ein paar Getränkeautomaten, freies WLAN, einige Stromanschlüsse für die Ghettoblaster, Grillplätze am Donauufer und einige schlecht einsehbare genderneutrale* Pissecken mit Wasseranschluss eingerichtet werden. Und sollte ein Gegenwartskünstler seine Tags auf dem Beton sprühen, dann bitte nicht auf Steuerzahlerkosten entfernen, denn das ist schließlich bayrische Gegenwartskunscht. Ich hock mich in den Spitalgarten und werde froh sein, dass ich dieses Ding von dort aus nicht sehen kann.

  • Altstadtwanderer

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    Am Donaumarkt oder im Mittelalter auf dem Graben stand einst einst ein altes Stadtviertel extra murum romanorum. Das wurde in den 60’iger Jahren abgebrochen bis auf den österreichischen Stadel wo ein Möbelgeschäft war. Die Stadt sollte dem Autoverkehr erschlossen werden. Diese Lücke wird durch das Museum geschlossen: aber wie ??? Der Münchner Löwe von der dortigen Brauerei lässt grüssen.

  • Altstadtwanderer

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    Möchte noch eine Parallele zu der mir seit Studententagen vertrauten Venezia ziehen: diese auch hochwasserbedrohte Stadt hat es geschafft die alten Stadtviertel zu erhalten.

  • Mathilde Vietze

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    zu „R.G.“ Parteipolitisches, egal ob für Wolbergs oder andere, wird es in diesem
    Haus – Gott sei Dank – nicht geben.

  • Markus Frowein

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    @ Mathilde Vietze 31. März 2019 um 07:50

    Zitat: „Parteipolitisches … wird es in diesem Haus … nicht geben“

    Herr Seehofer von der CSU hat Herrn Schaidinger von der CSU im Rahmen der oben im
    Text kurz erwähnten „letzten Rache“ dabei geholfen, den Bürgern Regensburgs vor Ende
    seiner Amtszeit noch mal einen richtigen Sch…klotz vor die Nase zu setzen, natürlich mit dem Geld der o.g. Bürger, wie das nicht nur bei der CSU, aber dort besonders, Usus ist.

    Allein der gesamte Beton des Gebäudes besteht zu 100 % aus CSU-Parteipolitik …

  • Stefan Traxler

    |

    Lieber Marius Cramer, wenn ich dann schon mit einem Kompliment angesprochen werde, möchte ich mich als Architekt des Museums sehr gerne bei Ihnen bedanken. Dafür, dass man nicht Alles so ernst nehmen muss. Dafür, dass Sie endlich mal klargestellt haben, dass eigentlich sowieso jede Art von moderner Architektur (nach der Errichtung Neuschwansteins) inakzeptabel finden, dafür, dass Sie Ihre mediale Aburteilung erkennbar ohne echte Auseinandersetzung mit dem Haus gefällt haben und dafür – was schön entlarvend an den Kommentaren Ihrer Follower erkennbar wird – wie Sie Architektur und Politik vermengen, aber nicht dafür, dass Sie unser Haus mit dem Trump-Tower vergleichen. Das ist wirklich beleidigend. Wegen dem Namen und dem Tower. Ach, es wäre so schön, wenn ein Gespräch, eine offene Diskussion zu diesem Haus möglich wäre, ohne den Schutz der Foren und Chatrooms. Ich spreche gerne mit Menschen und ich interessiere mich für deren Ansichten. Sie auch?.. Also..dann laden Sie mich doch einfach mal ein. Ich bin bereit mich konstruktiver Kritik zu stellen, aber ich bin nicht bereits, als aufgespiesster Kopf Ihrer politisch geprägten Rundumkritik zu fungieren.. Wäre das was? Würde mich -ehrlich- freuen..(den Text finde ich natürlich unabhängig von der Zielrichtung schon gut.) Ihr Stefan Traxler

  • Marius Cramer

    |

    Lieber Herr Traxler,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Ich bin kein Kunsthistoriker oder Architekt und mit Ästhetik habe ich mich nur marginal während meines Studiums auseinandergesetzt, aber ich möchte klarstellen, dass ich nicht gegen jede Art von moderner Architektur bin. Natürlich ist ein ewiger Historismus auch unsäglich langweilig. Das war er schon bei Neuschwanstein, dessen Fan ich sicher nicht bin. Der Kitsch des Märchenkönigs wurde heute halt (un)glücklicherweise ein Magnet des bayerischen Tourismus. Damals war er eine finanzielle Katastrophe für das Königreich Bayern.

    Allerdings ist es sehr wohl wichtig, welchen Standort man wählt, denke ich. Das Dresdner Elbtal hat den Status des UNESCO-Welterbes beispielsweise verloren wegen der 2009 erbauten Waldschlößchenbrücke.

    Ferner ist natürlich die Politik sehr relevant für das Museum – vielleicht nicht direkt für Ihre künstlerische Gestaltung – aber für den eben erwähnten Standort und auch insbesondere für die Exponate, die mehr als bemüht zusammengesammelt werden. (Der „Vater“ des Museums, Seehofer, wird ausgestellt, also bitte.)

    Wenn Sie wollen, treffe ich Sie gerne auf einen Kaffee oder auf ein Bierchen und wir quatschen – vielleicht in Form eines Interviews? Oder Sie laden mich ein und führen mich mal herum in Ihrem Bauwerk und zeigen mir dessen Vorzüge. Vielleicht kann ich ja was lernen. Aber finden Sie es nicht auch selbst – das Geschmacksurteil über Ihre Architektur mal beiseite gelassen – schade, dass ihrem Bauwerk nicht die angebrachten Ausstellungstücke zu teil werden?

    Beste Grüße,
    Marius Cramer

    P.S. Beim Neubau des Kreiskrankenhauses Schotten ist das Gebäude doch auch sehr gelungen in die Umgebung eingefügt worden, wie ich auf der Website Ihres Architekturbüros sehe.

    P.S.S. Ich schreibe Ihnen mal eine private Mail an Ihre Planungsgesellschaft.

  • R.G.

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    Sehr geehrter Herr Architekt Stefan Traxler!

    Ihre Antwort auf die schwarzhumorige“Cramer“-Kritik gehört für mich zum kurios
    Witzigsten, was in der Ausseinandersetzung zwischen Architekten und „ungebildetem“ Volk von Fachleuten aus der Planung geschrieben wurde.
    Ich bin nun wirklich mit dem genetischen Defekt geboren, Beton schon immer schön zu finden, wenn er sinnvoll verbaut wird; Architekturzeitungen fesseln mich mehr, als alle TV-Angebote zusammen. Dem Wirsing-Bau gewinne ich gar gute Worte ab, stünde er denn bloß in anderem Kontext . Ich konnte aufgrund meiner grauen Neigung schon als Kind in einem Gebäude von Le Corbusier Schönheit empfinden – dennoch und gerade deswegen habe ich Verständnis und Respekt vor dem Grausen der Mehrheit vor dem „Betonismus“ und der eifrigen Bodenversiegelei, wie sie unter anderem in Regensburg passieren.

    Ihre Arbeiten sah ich mir laufend auf Bildern an, ich würde mich sohin als entfernt informiert bezeichnen, was ihr Stil ist. Bisher hatte ich nie den Eindruck, dass Sie Ihre sehr berechenbare Linie durch das gewachsene Rundum und Nebenan oder den Wunsch der Bürger nach einer möglichst grünen Stadt/ natürlich begrünten Gebäuden wesentlich beeinflussen ließen, im Gegenteil. Zudem, so mäkelig, nur politisch korrekte Aufträge Ihrer eigenen Gesinnnung annehmen zu wollen, kamen Sie bisher nie rüber.
    Was verleitet Sie also, die beleidigte Rolle rauszukramen, wenn der Autor über den mageren Inhalt des Museums schreibt:
    „: Wenn d’Wurscht so dick wias Brout is, is a wurscht wia dick des Brout is. Damit wird das Museum selbst wohl zum ehrlichsten Ausstellungsstück, das es überhaupt zu bieten haben wird“

    Weshalb stört Sie nicht das Ungeheuere, Überdimensionale, das von ihm beim Vorbeigehen an Ihrem „Werk“ empfunden wird, wenn er meint:
    „und steht hiermit beispielsweise Arsch an Arsch mit verglasten Ungeheuern wie dem Trump Tower in New York City“ .
    Warum ärgern Sie sich statt dessen über den Namen Trump?

    Ich glaube, Sie führen damit die Diskussion bewusst auf ein Nebengleis, nur weg vom Schmerz der unter der Zubetoniererei leidenden Bürger.

    PS.: Das möchte ich sehen, ob Sie einen Auftrag vom amerikanischen Geldscheich Trump oder einem reichen echten Scheich ablehnen würden!

  • WerAuchImmer

    |

    Sorry, aber Artikel und Museum passen aus meiner Sicht gleichermaßen gut nach Regensburg. Beides ist mutlos, unoriginell und setzt ganz auf billige, oberflächliche Effekte bei der jeweiligen Anhängerschaft. Da kann man sich eigentlich noch nicht mal richtig daran stören, so vorhersehbar, seicht und überflüssig wie das ist.

    Und @Markus Frowein: Der Rollrasen zwischen und über den Ostermeier-Ruinen hatte seinerzeit definitiv zu einer höheren Aufenthalts- und damit auch Lebensqualität geführt als es die jetzige öde Steinplattenwüste rund um das Museum tut. Und die aus Ihrer Sicht wahrscheinlich künstlerisch wertvolleren Gestaltungen am Peterstor haben ja auch nicht verhindern können, dass die Stadt dort grünes Licht für ebenfalls ziemlich uninspiriertes Zeug gegeben hat. Also hacken Sie nicht unnötig auf der Kollegin herum, sondern adressieren sie die primär Verantwortlichen.

  • Katharina Reilinger

    |

    Der Verfasser spricht wohl den meisten Bürgern von Regensburg aus der Seele.

  • semmeldieb

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    mir gefällt das gebäude einfach. es ist schön, es passt dort gut hin und es ist ein kontrastpunkt. ich nehme auch intuitiv und ohne grosse erklärungen wahr, wie das bauwerk einen dialog mit seiner umgebung führt. und dass darüber auch in der öffentlichkeit ein kritischer dialog geführt wird, gefällt mir ebenso. ist doch fein! das haus tut etwas mit uns.

  • Mr. T.

    |

    Gute Architektur polarisiert immer! Natürlich ist nicht alles, was polarisiert, deswegen gleich gute Architektur. Mein (vollkommen subjektives) Laienurteil muss ich mir noch bilden wenn das Museum mal zu Leben beginnt. Am schlimmsten ist langweilige Architektur. Man denke nur an diese Blaupausen für die Banlieus von 2035 am Hochweg oder dem Taxis-Ring. Viele Kritiker sollten sich mal fragen, was denn ihrer Meinung nach „hier hin passt“. Eine breite Abstimmung über ein konsensfähiges Museum würde wohl ein sehr interessantes (und sicher scheusliches) Ergebnis zeigen. Schlimm finde ich (neben dem wohl zu erwartenden mäßigen Inhalt des Museums) eher die Tatsache der Versiegelung dieser Innenstadtfläche. Mir hat der Rollrasen und die Ostermeier-Ruine zum Beispiel sehr gut gefallen. Ein ähnlicher dauerhafter öffentlicher Raum für die Bewohner und Besucher wäre reizvoll gewesen.

  • gustl

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    Bitte auch einen Extra-Raum für „gedankenverlorene“ Aussagen von bayerischen Politikern einrichten!
    Den Anfang macht der geile Spruch von Jürgen Huber zum Thema Digitalisierung: „Smart heißt intelligent, klug, clever.“ Das ist mindestens so cool wie Merkels „Neuland“.

  • xy

    |

    Für mich ist immer noch die neue Staatsgalerie in Stuttgart das gelungenste und immer noch unerreichte Beispiel moderner Architektur, vgl. http://tinyurl.com/y3bzo6ns. Dagegen ist unser neues Museum hier in Regensburg richtiggehend abschreckend und beschämend.

  • gustl

    |

    zu xy: Die neue Staatsgalerie in Stuttgart ist als Klagemauer für die Bahnhofsumbaugeplagten Stuttgarter errichtet worden. Wir Regensburger können uns beim Anblick des gestreiften Museums nur in die Donau werfen. Oder hoffen, dass der nächste heftige Wind den Rest der Kunststofffassade mitnimmt.

  • Sir Sonderling

    |

    Im Vergleich zum schwachen ersten Beitrag ein meinen Augen doch ein deutlicher Rückschritt.
    Es ist einfach billig, gemäß der wie gleichgeschaltet dastehenden RD-Einheitsmeinung zum „bösen Haus am Fluss“ den Kommentator*innen hier nach dem Mund zu schreiben.
    Immerhin hat der Autor einen Sturm der Zustimmung geweckt – Gratulation dazu!

  • R.G.

    |

    @Sir Sonderling
    Ernsthaft, schroffe trutzige Grauheit bauen und herzliche Zustimmung ernten wollen?
    Das „dumme“ Volk dafür verachten, weil es genau das empfindet, was das Gebäude ausstrahlt?

  • mkv

    |

    Was fehlt? Die von der Politik den Marktbeschickern versprochene Rückkehr des samstäglichen „Donaumarkts“ dorthinselbst. Es darf nachträglich gelacht werden.

    Was waren das für Zeiten als die SPD die (vergfitete) Annäherung an die CSU suchte; heute ernten „wir“ die „Früchte“…

    Für die Jungen und Fremden und zum besseren Verständnis der Bild-Unterschrift ein Link
    http://bi-donaumarkt.de/html/frage___antwort_3.html,

    wo sich die Frage findet:

    „Widerspricht der Welterbe-Status von Regensburg dem Bau der Stadthalle am Donaumarkt?“

    Streiche „Stadthalle“, setze „Bay. Museum“, das im Grunde nur der CSU und ihrer „Herrlichkeit“ dienen soll, was von der Bürgerschaft, als die Seehoferischen Pläne aufkamen, anfänglich total verkannt wurde.

    BLICK IN DIE ZUKUNFT
    Es werden jetzt bis zum Abriss des Museums etwa zwei Generationen vergehen. Dann, und nur dann, wenn Fridays-for-Future durchdringen, wird es die Möglichkeiten für die Ur-Enkel geben, einen Stadtwald am Donaumarkt zu pflanzen. Ggf. als Begräbniswald. Mit einem Denk-mal für die dann nicht mehr existenten CSU/SPD. Darüber wie sie es womöglich versäumten, weiland der Untergrabung der Demokratie und dem Aufkommen totalitärer Strukturen auch in der Domstadt wirkmächtig und frühzeitig, die EU-Wahlen 2019 vor Augen, entgegenzuwirken.

    Wo bleibt der GREEN NEW DEAL fürs Jahr 2019?
    https://diem25.org/main-de/

  • hangover

    |

    @SirSonderling: prima auf den Punkt gebracht.

  • Markus Frowein

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte beim Thema bleiben.

  • Reiner Wehpunkt

    |

    Den biederen Inhalt des Museums können nachfolgende Generationen verändern und Gutes tun, indem sie ihn entsorgen. Mit dem Äußeren des Museums jedoch werden die Regensburger noch lange Zeit leben müssen, wie mit einem Stachel im Bauch.

    xy hatte hier oben auf die neue Staatsgalerie in Stuttgart verlinkt, ich möchte auf einen weiteren schönen Neubau hinweisen, das Museum of Scotland in Edinburgh:
    http://tinyurl.com/yyl8onnd

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, über Gefühle nicht. Wem geht beim Anblick dieser beiden freundlich-verspielt-einladenden Museums-Neubauten nicht das Herz auf im Vergleich zu dieser ‚ernsthaft schroffig trutzigen Grauheit‘ (R.G.) , die bei uns fett und düster voll mit altem Plunder an der Donau hockt?!!

  • R.G.

    |

    @Reiner Wehpunkt
    Beispiel, wie ein modernes und mächtiges, eckiges Kunstgalerie-Bauwerk am Fluss durchaus mit der baulichen und natürlichen Umgebung korrespondieren kann, ist das Lentos in Linz an der Donau.
    http://www.foto360.at/index.php?load=linz_postkarten

    Im dritten Panoramabild sieht man das in der Nacht rosa strahlende Lentos-Museum , daneben ein Finanzgebäude-Hochhaus, die zwei Brückenkopfgebäude mit einer Galerie, und rechts oben das gelb beleuchtete Schloss, ein eigentlich erst durch den modern-freundlichen Klotz harmonisch gewordenes Gesamtbild, obwohl die Häuser aus verschiedenen Stilepochen stammen.
    Weitere Bilder des Lentos (im Netz zu finden) zeigen, dass es aus jedem Blickwinkel zum Nebenan hin im Dialog wirkt. Der Durchlass gibt den Blick von der Stadt auf den Hausberg und den Fluss frei und bietet Schutz vor Sonne und Niederschlag.
    Von der Nähe wirkt die Hülle leicht transparent, in ihrer Fassade spiegelt sich das Gegenüber.
    Ein von der Bevölkerung der biederen Arbeiterstadt mit Recht schnell liebgewonnenes Gebäude.

  • Piedro

    |

    @R.G.
    Stimmt, das Lentos ist ein Schmuckstück. Auch die Ausstellungen sind klasse, wenn ich im Lande bin ist der Besuch fix. Aber ein Kunstmuseum ist halt was anderes als ein Bayernmuseum, und für die moderne bayerische Geschichte ist der Klotz doch eigentlich angemessen, da spielt Beton eine wesentliche Rolle.

  • Markus Frowein

    |

    Kommentar gelöscht. Keine Verschwörungstheorien bitte.

  • Markus Frowein

    |

    Mir kam eine Idee für eine Sonder-Ausstellung im Haus der bayerischen Geschichte:

    Ich stelle mir gerade ein Wachsfigurenkabinett vor mit Personen, die Lederhosen und
    karierte Hemden tragen (die Weibchen Dirndl) und dann im eigenen Erbrochenen oder
    wahlweise einfach so auf einem Haufen Glasscherben liegen neben anderen Personen,
    die die gleiche Kleidung tragen und dabei sind, mit gelben Säcken Fußball zu spielen,
    ein Fahrrad zusammentreten oder auf einem Auto herumspringen und es verbeulen.

    Das gehört ja, seit es auf Volksfesten Alkohol gibt, auch zur Geschichte Bayerns dazu.

  • Mr. T.

    |

    Nein, Markus Frowein, das ist höchstens was für eine Ausstellung mit Gegenwartskultur, aber nichts für ein Geschichtsmuseum. Früher sind die Menschen ganz normal, aber anständig gekleidet auf Volksfeste gegangen, ganz früher sogar in Tracht (was damals eine normale, anständige Kleidung war). Das mit den gelben Säcken ist auch eher ein Problem der Neuzeit und leider nicht an das zeitliche und örtliche Umfeld von Volksfesten gebunden.

  • Mathilde Vietze

    |

    Wenn das Museum für die Bevölkerung geöffnet ist und die Mehrheit es für gut
    hält – sind das dann lauter Deppen?

  • Lothgaßler

    |

    @Mathilde Vietze: Schade, dass Sie die Antwort nicht kennen, die Antwort lautet NEIN.

  • Dieter

    |

    @Mathilde Vierte:

    Die Mehrheit wählt aktuell konservative oder rechte Parteien, die Bild ist die meistverkaufte Tageszeitung, Reality Shows dominieren das Fernsehen – der Massengeschmack ist absolut keine Qualitätsgarantie.

    Und wenn die Mehrheit das Museum von außen und innen schlecht findet, wer wären denn dann die Deppen?

  • Burgweintinger

    |

    @ Dieter

    wer definiert denn überhaupt, wer ein Depp ist?

  • Piedro

    |

    @Burgweintinger
    „wer definiert denn überhaupt, wer ein Depp ist?“
    Natürlich der Haindling.

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