Grieser Brücke: Aufgeschoben, doch nicht aufgehoben

„Ohne Protzenweiherbrücke macht eine Behelfsbrücke über den Grieser Spitz keinen Sinn.“ Diese klare Aussage von Planungsreferentin Christine Schimpfermann dürfte – wenigstens vorläufig – für Aufatmen bei vielen Regensburgern sorgen. Äußerst kurzfristig war für die Planungsausschussitzung am Dienstag ein Zwischenbericht der Verwaltung zum Planungsstand in Sachen Ersatzbrücke anberaumt worden. In den vergangenen Wochen und Monaten hatten Gegner eines Brückenprovisoriums am Grieser Spitz zunehmend öffentlichen Druck aufgebaut und klare Aussagen von der Stadtspitze zum Planungsstand gefordert. Das hat nun offenbar gefruchtet. Nach dem Brand der Protzenweiherbrücke seien alle Planungen bezüglich eines Provisoriums durch das Naherholungsgebiet Grieser Spitz vorläufig zurückgestellt worden, so Schimpfermann. Das dürfte für die kommenden beiden Jahre so bleiben; einen kurzfristigen Ersatz für das zerstörte Brückenbauwerk wird der Bund aller Voraussicht nach nicht finanzieren. Der Neubau könnte sogar bis zu drei Jahren dauern.

Doch wie geht es weiter mit den generellen Planungen für eine Bus-Ersatztrasse anstelle der Steinernen Brücke? Bereits für Herbst 2007 hatte Oberbürgermeister Hans Schaidinger öffentlich die Ergebnisse einer Nahverkehrsuntersuchung angekündigt, die Stadt und Landkreis bei einem unabhängigen Gutachter in Auftrag gegeben haben. Diese Ergebnisse sollen nun – mit einem Jahr Verspätung – nach der Sommerpause dem Stadtrat vorgelegt werden. Christine Schimpfermann ließ allerdings schon am Dienstag durchblicken, dass am Ende nach wie vor die Forderung nach einer Ersatztrasse – einer „altstadtnahen Donauquerung“ – bleiben wird. Eine Umleitung über bestehende Trassen wie die Nibelungenbrücke habe eine „nicht unerhebliche Verlängerung“ der Fahrzeiten zur Folge. Ebenfalls sei für den öffentlichen Nahverkehr ein erheblicher finanzieller Mehraufwand notwendig, um die Erreichbarkeit der Altstadt im bisherigen Maß sicherstellen zu können. Genaueres folgt voraussichtlich im September oder Oktober. Oberbürgermeister Hans Schaidingers Hausaufgabe für die anwesenden Stadträtinnen und Stadträte: „Sie müssen sich mit der Frage beschäftigen, ob Sie einen ÖPNV wollen, der schlechter und teurer ist, als bisher.“ Ein klares Bekenntnis gegen eine Zerstörung des Grieser Spitz scheint man demnach bei der CSU vergeblich zu suchen.

Karl Raba vom RVV macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, als wir bei ihm nachfragen. „Was wir gerne gehabt hätten, war die Westtrasse (über den Schopperplatz in der Nähe des Eisernen Stegs. Anm. d. Red.).“ Dieses sei allerdings bei verschiedenen Seiten „nicht auf große Gegenliebe“ gestoßen. Vor allem Einwände von Denkmalschützern scheinen diese Alternative aus dem Rennen gedrängt zu haben. „Wenn Geld keine Rolle spielen würde, könnte man das Ganze unterirdisch machen. Dann würde sich keiner aufregen.“ Immerhin: Den Vorschlag für einen Tunnel – Stichwort „Riepl-Röhre“ – gibt es. Dieser wäre in den Augen der Stadtverwaltung auch realisierbar. Allerdings seien die Kosten dafür doppelt so hoch wie für eine Brücke. Mit der Frage, ob das ein effizienter ÖPNV in Kombination mit dem Erhalt eines einmaligen Naherholungsgebietes wert ist, könnten sich die Stadträtinnen und Stadträte während der Sommerpause auch beschäftigen.

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Kommentare (3)

  • Riepl Stadtrat FW

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    Seit 1996 (siehe Wahlprogramm der Freien Wähler 1996) habe ich für unsere Stadt den Vorschlag kostenlos durchgeplant (mein Fachbereich ist Ingenieurplanung), anstelle der Steinenen Brücke, den Bussen eine Busröhre ab der Gräßlschleife unter dem Donaunordarm bis zum Jacobigelände einzurichten. Es wird damit keine Donaulandschaft zerstört, das hundertjährige Hochwasser spielt bei der Röhre keine Rolle, der Wohnbereich Gries und Unterer Wöhrd (speziell 7 Häuser) haben keinen Verkehrslärm und der Bus hat die schnellste und direkte geradlinige Verbindung zum Bahnhof.

    Stadtamhof ist an alle Busliniein, die von Norden kommen bei St. Mang angebunden. Auch der Obere Wöhrd hat am Jacobigelände mehr Linien zum Zusteigen. Alles bestens oder?
    Ach ja die Kosten. Auch die sind durchkalkuliert und schon immer aufliegend.
    Exakt für die Röhre fix und fertig 12.0 Mio € genauso einspurig wie die geplante „Grieser Brücke“, die 16.0 Mio € kosten soll. Also eine kostengünstigere Lösung ohne Probleme und eine gewollte Busoptimierung (beschleunigte, kürzere Strecke). Was will man denn sonst besseres tun für den ÖPNV?
    Und wer immer den „Schmarrn“ schreibt und behauptet die Tunnellösung koste das Doppelte, der will damit die Riepl-Lösung totreden.

    Ich erinnere an Dresden und die Waldschlößchenbrücke. Dresden ist auch Weltkuturerbe und wurde von der UNESCO zurückgepfiffen, obwohl schon eine Brücke gebaut wird.
    Die Befürworter der Grieser Brücke, allen voran unser OB, sollten nicht wieder Millionenplanungen machen, sondern erstmal die UNESCO konsultieren. Dort werden solche Planungen sicherlich verworfen. Leider ist das Geld für die vielfältigen Planungen und Gutachten für die Grieser Brücke, sowie diejenige am Schopperplatz schon wieder zum Fenster hinausgeworfen. Wäre man meinem Antrag im Planungsauschuss gefolgt,die Planungen nicht aufzulegen, hätten sich der OB und der 3.Bürgermeister Wolbergs viel Ärger mit den Bürgern und die Stadt viel Geld gespart.

    Aber man kennt den OB und seine unnützen Planspielereien ja aus der unendlichen RKK Geschichte. Jetzt wieder so ein Spiel auf der langen Planungsbank zum Schaden für die Stadt und zum Unmut aller Bürger. Wie oft soll das noch passieren? Also liebe Journalie, mit einer guten Recherche könnten die Bürger den unsäglichen Weg der OB-Planspiele besser erfahren als nur aus den Tagesinformationen der Wetterlage und den Geburtstagsehrungen der über 90jährigen. Die werden täglich mehr und die Tageszeitung immer voller mit solchen Nachrichten. Alle wollen mehr von den verdeckten Planspielen erfahren – aber das macht Arbeit für den Journalisten. Will er das? Wenn ja, dann ist es gut für alle und schlecht für die Spieler. Wenn nein, dann haben wir weiterhin das, was wir haben und das wird täglich schlechter. Werter Leser schreiben Sie doch alle Leserbriefe an die Zeitungen, dass Sie für Ihr Geld bessere Journalistenleistungen wollen sonst………oder kündigen Sie sofort.

  • Veits M.

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    Ich will des Stadtrats G. Riepl Vorlage für einen Querpass nutzen. Und seiner Mahnung, mit der boulevardesken Berichterstattung mit Maß und Verstand umzugehen, ein Beispiel folgen lassen:

    Vor Jahr und Tag gab es eine Bürgerversammlung in Stadtamhof. Voll der Saal, brechend.

    Aus der Mitte der Bürgerschaft wurde der ANTRAG gestellt, die Wöhrde nach dem Bay.Naturschutzgesetz unter Schutz zu stellen.
    Einstimmig wurde der Antrag als Akt der direkten(!) Demokratie angenommen und protokolliert.

    Mit dieser unmittelbaren Willensbekundung des Souveräns wurde gleichzeitig die aus der Gemeindeordnung fließende Verpflichtung der damaligen 50 amtierenden Stadträte aktiviert, sich binnen DREI MONATEN damit inhaltlich zu beschäftigen und eine Entscheidung in der Sache zu treffen. Eine Entscheidung darüber, die Wöhrde unter Schutz zu stellen, was ein generelles VERÄNDERUNGSVERBOT nach sich gezogen hätte (also z.B. Verbot des Baus einer Brücke oder von Wohnblöcken an der Donau).

    Was ist seither mit diesem Antrag der Bürgerschaft geschehen?

    Was haben die Medien darüber berichtet?

    Was ist im fraglichen Sitzungsprotokoll des tagendes Plenums zu lesen? (Jeder Bürger hat das Recht, dieses einzusehen! Jeder Stadtrat das REcht, davon sogar eine Kopie zu fertigen!)

    Welche Rolle spielten dabei die damaligen Fraktionsvorsitzenden der CSU,SPD und Bündnis90/DIE GRÜNEN?

    Warum wohl sprach der Stadtrat und MdB Horst Meierhofer im Stadtrat von der „Verwahrlosung der Demokratie“?

    Wer hat Antworten auf die Fragen?

    Und greift den Querpass auf? Für einen Doppelpass? Oder Rückpass, um zunächst Ruhe ins Spiels (der verwahrlosenden Regensburger Demokratie)zu bekommen, neu aufzubauen, das Mittelfeld in den Griff zu bekommen, um das Match z.B. zur Erhaltung der Wöhrde zu gewinnen? Aus eigener Kraft,sich der in Gemeindeordnung garantierten Spielregeln erinnernd? Die Presse einbindend, die ja der Demokratie zu „dienen“ verpflichtet ist, wie es wörtlich im Bay.PresseGesetz steht?

    Agieren also statt reagieren! Wenn der Stadtrat derart vorsätzlich versagt, ist es dann nicht hohe Zeit, das Gesetz des Handelns selbst in die Hand zu nehmen?

  • Simplicitas

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    Welch in genialer Schachzug des OB! Man könnte fast auf den Gedanken, die Gerüchte nach dem Schiffsunfall, er sei vom OB bestellt worden, hätten eine reale Grundlage. Der OB und seine Anhänger brauchen nun nur noch darauf zu warten, bis die Stadtamhofer um die Brücke bettelnd bei ihm vorsprechen. Das Schmoren im eigenen Saft wird den Widerstand gegen die Griesumfahrung zum Erliegen bringen und aus Gegnern glühende Verehrer dieser Absicht und des bürgerfreundlichen OB machen. Schade, dass er 2014 nicht mehr antreten kann. Ein überwältigender Erfolg wäre ihm sicher und das Zwischentief von 2008 als nicht beachtenswerte Episode vergessen.

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