Nazi-Bürgermeister Herrmann

„Ein echtes Vorbild ist er nicht.“

Die gute Nachricht: Die Hans-Herrmann-Schulen in Regensburg werden umbenannt. Die ärgerliche: Für ihre tendenziöse Stellungnahme zu dem NS-Bürgermeister erhalten die beiden Verfasser auch noch Geld.

Herrmann 1959 Fototstelle

Die Schulbenennung nach dem BVP-NSDAP-CSU-Politiker Hans Herrmann ist Geschichte. Nach der Grundschule hat sich nun auch die Mittelschule dazu entschieden, den Namen des früheren Regensburger CSU-Oberbürgermeisters abzulegen. Als Konsequenz daraus wird die Stadt auch den Hans-Herrmann-Park umbenennen. Das teilte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs am Dienstagabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Grundschulleiterin Amalia Hartung-Käser und Mittelschulleiter Rainer Lacler mit. Es gehe nicht um ein abschließendes Urteil über Hans Herrmann, sondern darum, was der Name einer Schule für eine Bedeutung haben solle, so Wolbergs. Und bei Herrmann sei klar: „Ein echtes Vorbild ist er nicht.“

Der OB verordnete sich Meinungsaskese

Wolbergs selbst hatte sich während des aktuellen Entscheidungsprozesses an den Schulen jedweder öffentlichen Meinungsäußerung enthalten. Während er 2013, damals dritter Bürgermeister, noch eine scharfe Pressemitteilung herausgab, in der er die CSU kritisierte, die sofortige Umbenennung des Hans Herrmann-Parks und Gespräche mit den Schulen in dieselbe Richtung forderte, gab er als Oberbürgermeister den Moderator. Er habe die Schulen nicht unter Druck setzen woollen, so die Begründung. Am Dienstag zeigte er sich über die Entscheidung der Schulen erleichtert und teilte mit: „Die Menschen haben ja auch einen Anspruch darauf, zu erfahren, welche Haltung ihr Oberbürgermeister hat und heute sage ich: Diese Entscheidung entspricht meiner Überzeugung.“

Schulen sind für Namensvorschläge offen

Im Frühjahr wird die Stadt einen Antrag bei der Regierung der Oberpfalz für eine Umbenennung einreichen. So solle den Schulen Zeit gegeben werden, um sich über einen neuen Namen Gedanken zu machen. Sowohl Lacler wie auch Hartung-Käser betonten in diesem Zusammenhang, dass die Schulfamilien dabei auch für Vorschläge von außen offen seien. Für den Park will Wolbergs selbst mit einem Namensvorschlag vorpreschen. Dem Stadtrat wird der Oberbürgermeister zudem empfehlen, sich von der Ehrenbürgerwürde für Hans Herrmann zu distanzieren.

Diskussion kam erst spät in Gang

Der jetzt gefällten Entscheidung war ein langer Diskussionsprozess vorausgegangen. Jahrzehntelang hatte die Regensburger CSU sich Kritik an der Rolle Hans Herrmanns während der Nazi-Zeit verbeten. Zuletzt hatte der vormalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger 2011 behauptet, Herrmann habe sich „große Verdienste um die Stadt erworben und sich außerdem ausdrücklich vom Nazi-Regime distanziert“. Während man selbst über die Nachkriegsverdienste trefflich streiten kann, ist eine Distanzierung Herrmanns vom NS-Regime schlicht nicht zu belegen.

Just eine Stellungnahme von Schaidingers Parteifreund, Kultusminister Ludwig Spaenle, war es, die die Diskussion im August 2013 erneut ins Rollen brachte. In einer Liste des Ministeriums waren fünf Schulen mit zweifelhaften Namenspatronen aufgeführt – darunter die Regensburger Hans Herrmann-Schulen. Spaenle riet den betroffenen Schulen, in einen intensiven Diskussionsprozess einzutreten.

3.000 Euro für eine tendenziöse Stellungnahme 

Die Stadt gab bei Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak und Professor Bernhard Löffler ein Gutachten zu dem wandelbaren Politiker in Auftrag. Herauskam am Ende ein von Löffler und Chrobak so bezeichneter „engagierter Diskussionsbeitrag“, der – das zeigt eine genaue Analyse – krassen Fehlstellen und eklatanten Beschönigungen enthält. Der Holocaustüberlebende Ernst Grube bezeichnete die Stellungnahme als „Larifari“. Auch von anderen Seiten kam Kritik.

Oberbürgermeister Wolbergs indes will davon nichts hören. Er regt sich stattdessen darüber auf, dass es Gerüchte gäbe, denen zufolge Löffler und Chrobak für ihre Stellungnahme einen hohen fünfstelligen Eurobetrag erhalten hätten. „Das ist völlig falsch. Uns hat das nix gekostet.“ 2.000 oder 3.000 Euro werde die Stadt aber nun doch bezahlen. Schließlich hätten die beiden sich ja „einige Arbeit gemacht“.

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Kommentare (7)

  • Weltscherbe

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    Ein schlechtes Vorbild!

  • wollwirker

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    Schaut auf die goldenen Stolpersteine in der Innenstadt !
    Jeder dieser Getöteten wäre es wert, dass man einer
    Schule seinen Namen gibt.

  • Veronika

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    @wollwirker:

    „Schaut auf die goldenen Stolpersteine in der Innenstadt !
    Jeder dieser Getöteten wäre es wert, dass man einer
    Schule seinen Namen gibt.“ VOLLE ZUSTIMMUNG!

  • Lothgaßler

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    Moment mal!
    Wenn der „engagierte Diskussionsbeitrag“ bisher nichts gekostet hat, dann kann er jetzt auch nix kosten. Preis und Leistung müssen vorher ausgehandelt werden. Nachdem schon nicht klar ist, wie die „Leistung“ gewertet werden soll (Stellungnahme, Diskussionsbeitrag, Gutachten, Expertenmeinung o.ä.), kann es sich nicht um ein Werk von Wert handeln.

  • Student

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    „Die Stadt gab bei Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak und Professor Bernhard Löffler ein Gutachten zu dem wandelbaren Politiker in Auftrag.“

    Wer ein Gutachten in Auftrag gibt, der zahlt auch dafür. Das ist üblich und mir erschließt sich nicht, was daran hier nun befremdlich sein soll. Dass das Gutachten nicht den gewünschten Inhalt hatte? Die gewünschte Qualität? Dann hätte man das Gutachten vielleicht bei jemand anderem in Auftrag geben sollen. Das hätte man sich aber vorher überlegen müssen.

  • Lothgaßler

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    @Student
    Wenn lt. OB Wolbergs das von der Stadt beauftragte Gutachten nichts gekostet hat, dann wohl weil vorher kein Preis vereinbart wurde. Aber dann kostet es auch im nachhinein nichts. Einfach so hinterher ein paar tausend Euro ohne Grundlage nachschieben, das geht nicht und ist auch keine übliche Vergehensweise. Wenn die Gutachter dann auch noch scheinbar selbst ihr Papier als „engagierten Diskussionbeitrag“ vorstellen, dann darf die Frage nach der Qualität der Arbeit (erfüllt diese die Kriterien eines Gutachtens, wurden die Verpflichtungen aus der Beauftragung erfüllt?) und die Angemessenheit einer „nachträglichen“ Vergütung gestellt werden.
    Wenn vorher ein Preis vereinbart wurde, dann ist bei Wahrung der vertraglichen Vereinbarungen der Preis zu zahlen.
    Alles andere aber ist schiere Willkür. Warum wird dann z.B. ehrenamtliche Arbeit nicht im nachhinein vergütet? Diese in Wort und Tat engagierten Personen machen sich auch eine Menge Arbeit.

  • Geheimniskrämerei um Engert-Gutachten » Regensburg Digital

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    […] Auch die Verfasser selbst scheinen sich ihrer Sache nicht ganz sicher gewesen zu sein. So bezeichneten sie ihr Papier, das eigentlich als Gutachten in Auftrag gegeben war, ausdrücklich nur als „engagierten Diskussionsbeitrag“. Stadtheimatpfleger Werner Chrobak verwahrte sich gegenüber unserer Redaktion auch gegen die Aussage von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, derzufolge es dafür Honorar gegeben habe. […]

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