Ironman (II): Mit zweierlei Maß gemessen

Am Freitag haben wir über das kostspielige Regensburger Sportevent namens Ironman am kommenden Sonntag und die nicht nachzuvollziehenden Milchmädchenrechnungen der Stadtverwaltung berichtet.

Da stellt sich so manchem womöglich die schlichte Frage: Wieso eigentlich kauft man sich für teures Geld ein kommerzielles Sportereignis ein, statt längst bestehende, etablierte und überregional bekannte Veranstaltungen zu fördern? Derart überregionale Glanzlichter existieren ja längst – zum Beispiel der Regensburger Stadtmarathon des LLC Marathon im Frühjahr, die Radtourenfahrt des ESV1927-bikesport Anfang Juli sowie der Arber-Radmarathon des Veloclubs Ende Juli.

Der Veloclub bezahlt Miete für den Dultplatz (s.o.), während der kommerzielle Ironman-Veranstalter die Donau-Arena eine Woche lang umsonst bekommt. Foto: pm

Blöde Frage. Diese Veranstaltungen fördert die Stadt Regensburg, vertreten durch ihr Sportamt und dessen Leiter Gerhard Weber, doch schon seit Jahren!

Äh… schon, oder?

Nein, die Stadt Regensburg tut das eben nicht. Die genannten Veranstaltungen wurden bisher nicht gefördert. Kein Stück. Im Gegenteil: Hiesige Vereine dürfen kräftig blechen für die Ehre, etwa während des Arber-Radmarathons unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden zu verrichten oder zum Stadtmarathon tausende auswärtiger Sportler in die Stadt zu locken.

Der ESV1927-bikesport: seit über 20 Jahren ehrenamtliche Arbeit…

Werner Wirth beispielsweise, Radsport-Chef des Regensburger Traditionsvereins ESV1927, veranstaltet zusammen mit einem etwa 25-köpfigen Kreis engagierter Vereinshelfer seit mehr als 20 Jahren am ersten Juliwochenende eine kleine, aber feine Radtourenfahrt (kurz: RTF), die alljährlich über 500 Sportler nach Regensburg lockt. Als Startgeld verlangt Wirths ESV1927-bikesport lediglich fünf bzw. sieben Euro (zum Vergleich: der Ironman-Veranstalter kassiert pro Teilnehmer 360 (!) Euro). Da muss die kleine ESV27-Abteilung gut wirtschaften, um keinen Verlust einzufahren – immerhin entstehen dem Verein diverse Kosten für Verpflegung, Streckenausschilderung, einen Leih-PKW, Brotzeiten für die ehrenamtlichen Kontrollposten und so weiter.

Von der Stadt hat der Verein keine Hilfe zu erwarten. Wirth bedauert: „Wir kriegen keinen Cent Unterstützung für unsere RTF, weder vom Sportamt noch von einer anderen öffentlichen Stelle.“ Im Gegenteil: Die behördliche Genehmigung durchs Landratsamt Regensburg kostet die kleine Radsportabteilung jedes Jahr knapp 60 Euro. Wirth: „Auf die Idee, dass uns das Landratsamt zumindest diese Gebühr erlassen oder uns die Stadt Regensburg diesbezüglich unterstützen könnte, bin ich ehrlich gesagt noch gar nicht gekommen.“

Die Stadt Regensburg ebenfalls nicht. Sie unterstützt lieber den Ironman und die veranstaltende Xdream GmbH aus Hessen mit jährlich bis zu 300.000 Euro. Seltsam nur, dass mit diesem Geld exakt dieselben Dinge (Genehmigungen, Straßenreinigung, Absperrungen) bezahlt werden, für die der ESV1927 seit 20 Jahren selbst aufkommen muss.

… und auch der Veloclub murrt vernehmlich

Auch Wirths Radsportkollege Karl-Günther Wilfurth vom örtlichen Nachbarverein Veloclub ist verstimmt angesichts des finanzkräftigen Ironman-Engagements der Regensburger Stadtväter: „Unser Arber-Radmarathon, veranstaltet seit immerhin 26 Jahren, lockt alljährlich Anfang Juli fast 7.000 Starter in die Domstadt. Das sind dreimal so viele wie beim Ironman.“ Doch bisher kam im Rathaus anscheinend noch niemand auf die Idee, dass man diese größte deutsche Breitenradsport-Veranstaltung, die ja auch eine Menge kostenlose Werbung für die Weltkulturerbestadt bedeutet, finanziell unterstützen könnte.

Apropos: Übernachtungszahlen und „wirtschaftlicher Wertschöpfungsfaktor“ – die ja mit die Hauptargumente des Stadtrats für den Ironman darstellen – dürften beim „Arber“ pro Starter ähnlich hoch sein wie beim Ironman. Immerhin sind die Arber-Radler am Veranstaltungstag ja auch bis zu zwölf Stunden auf dem Sattel unterwegs. Bringt also der „Arber“, der ja dreimal so viele Starter hat, auch den dreifachen wirtschaftlichen Nutzen? Ja, wieso eigentlich nicht?

Doch Unterstützung von der Stadt? Fehlanzeige! Bisher durfte der Veloclub, genau wie der ESV1927, sogar noch drauflegen. Veloclub-Mann Wilfurth: „Dabei verlangen wir von den Teilnehmern nicht 360 Euro Startgeld, wie der Ironman es macht, sondern gerade mal ein Zehntel davon. Wohlgemerkt: Bei gleicher Leistung!“ Entsprechend weniger Einnahmen hat der Veloclub zu verzeichnen. Wilfurths Verein könne die Mammutveranstaltung Arber-Radmarathon nur stemmen, weil rund 300 ehrenamtliche Helfer des Veloclubs sowie viele Verwandte und Freunde ohne Bezahlung mithelfen würden. Um jeden Cent kämpfen wie manch anderer Regensburger Verein muss der Veloclub zwar nicht – beim Arber-Radmarathon bleibt sogar ein netter Gewinn übrig – doch dürfte der Gewinn bei der reinen Kommerzveranstaltung „Ironman“, dank der exorbitanten Startgelder und nicht zuletzt dank der generösen städtischen Unterstützung weitaus höher ausfallen.

Kleine Überschlagsrechnung: 2.200 Ironman-Teilnehmer mal 360 Euro Startgebühr (Nachmelder: 420 Euro) ergeben rund 800.000 Euro an Einnahmen. Muss die Stadt dem Veranstalter Xdream GmbH da wirklich noch mit weiteren 300.000 Euro unter die Arme greifen, während hiesige Veranstalter leer ausgehen?

„Für jedes Verkehrsschild müssen wir zahlen“

Wilfurth jedenfalls stinkt es angesichts dieser Ungleichbehandlung gewaltig, dass sein Verein „für jedes Verkehrsschild und jede Absperrbake, die wir uns beim Bauhof ausleihen“, zahlen muss. Insgesamt drückt der Veloclub Wilfurths Aussagen zufolge alljährlich rund 7.000 Euro an Gebühren ab – allein der Genehmigungsbescheid für den „Arber“ koste 350 Euro, die Miete für den Dultplatz weitere 1.800 Euro, erläutert Wilfurth. Erst am Vortag habe er wieder eine Rechnung der Stadt Regensburg bezüglich der Endreinigung des Dultplatzes erhalten. Wilfurth: „Da fährt ein städtisches Reinigungsfahrzeug drüber und fertig, aber wir müssen das zahlen, während der Ironman-Veranstalter den Dultplatz, die Donau-Arena und die RT-Halle eine Woche lang umsonst nutzen darf!“

Greift der Ironman einen Teil der knappen Sponsorengelder ab? Foto: Veranstalter

Als bisherigen Ausgleich erhielt der Veloclub von der Stadt, man höre und staune, „900 Euro Zuschuss zur Dultplatzmiete“. Wilfurth ist vor allem enttäuscht, dass man die jahrelange Leistung hiesiger Veranstalter – „egal, ob das jetzt die ADAC-Oldtimer-Rallye oder der LLC-Marathon ist“ – so gering schätze. „Da kommt ein externer Vermarkter, der lediglich Geld verdienen will, und dem wirft man das Geld in den Rachen.“

Wilfurth hätte, sagt er, wesentlich mehr Verständnis gehabt, wenn beispielsweise der etablierte Triathlon des Tristar Regensburg zu einer ähnlichen Großveranstaltung gewachsen wäre und man diese dann gemeinsam unterstützt hätte: „Das wäre dann wenigstens ein örtlicher Verein gewesen, mit dem hätte man auch gut und gerne zusammenarbeiten können – aber doch bitte nicht mit einer externen, rein kommerziell ausgerichteten Firma, die ihren Ironman bei Desinteresse von Seiten Regensburgs eben nach Rosenheim oder Landshut verkauft hätte.“

Macht der Ironman mittelfristig die Sponsoren abspenstig?

Das laute Murren der örtlichen Vereine hörte man im Rathaus wohl – doch zu mehr als einem knappen Almosen konnte und wollte man sich dort nicht aufraffen: Anfang Juli beschloss der Sportausschuss der Stadt, den Triathlon des Tristar Regensburg e.V. (findet heuer eine Woche nach dem „Ironman“ statt) mit sensationellen 1.500 Euro sowie den Regensburg-Marathon und den Arber-Radmarathon gar mit jeweils 3.000 Euro zu fördern.

Wilfurth erkennt diese Geste guten Willens sogar an. Doch ein vermeintliches Hauptproblem der Ironman-Veranstaltung sei bisher noch gar nicht öffentlich thematisiert worden: „Eine solche Mammutveranstaltung macht den Regensburger Sportveranstaltern mittelfristig die Sponsoren abspenstig“, befürchtet er. „BMW zum Beispiel hat in Regensburg bisher eine ganz erhebliche Summe für Kulturprojekte wie den Jazz Club und die Kurzfilmwoche, aber eben auch für Sportsponsoring ausgegeben. Drängt sich da künftig ein externer Veranstalter wie der Ironman rein und zweigt für sich einen Teil dieser Sponsorengelder ab, so bleibt für die Regensburger Kultur und den hiesigen Sport nur mehr wenig übrig. Der Topf wird ja nicht größer.“

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Kommentare (30)

  • Ironmaus

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    Ganz schlimm finde ich, dass hinter dem Ironman ein privat equity Unternehmen (Providence New York) steht und Steuergelder direkt an diese Heuschrecken gehen. Scheidinger sollte sich schaemen!

  • Michael

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    Guter Bericht – aber wird hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen?
    Sicherlich von der Starterzahl ist der „Kommerz-Arber“ schwer zu schlagen nur welches Preis/Leistungsverhältnis besteht hier ? Die Organisation für die Radler lässt sehr zu Wünschen übrig – war 1995 besser.

  • Altstadtfreund

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    Reiseziele wähle ich durchaus aus aufgrund von Freundesberichten. Wenn da von Hawai erzählt wird, ist der Bericht eines „Normaltouristen“ für meine Zielauswahl natürlich relevanter als der eines „Sporttouristen“.

    ALLE US-Touristen, die Regensburg schon besuchen, sollten wir Steuerzahler darum als mögliche Werbeträger so subventionieren wie die 65 US-Teilnehmer am Ironman (Sporttouristen). 250.000 EURO geteilt durch 65 ergibt fast 4.000 EURO pro US-Tourist.

    Im Ernst: Brauchen Stadträte diverse und genauere Nachbefragungen von Hotelgästen, wie sie auf Regensburg aufmerksam wurden?

    Was tragen die Hotels bei zu den Events, die ihnen Umsatz bringen sollen?

    Können Vereinsveranstaltungen lernen hinsichtlich Vermarktungsideen wie dem witzigen Teufel-Radler-Bild oder überregionaler Kooperation (Prämien für Mehrfachsieger aus Wettbewerbsreihe, Gütesiegel von Sportverbänden für Veranstalter, … ?)

    Vermarkten wir in den Medien unsere „Welterbe-Streitereien“ (um Schloßhotel, Ersatztrasse) offensiv genug und so, dass die Schönheit Regensburgs gezeigt wird?

  • Sebastian Wild

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    Ich möchte mal meinen Eindruck von der Veranstaltung wiedergeben:

    Sehr negativ aufgefallen sind mir die zum Teil viel zu engen Absperrungen vor allem in der Innenstadt. Offenbar hat den Veranstalter nicht sehr interessiert das vielleicht auch Publikum kommt und das sich selbiges auch mal entlang der Strecke bewegt. Dementsprechend eng waren teilweise die Wege. Etwa in teilen der Ludwigstrasse, am Haidplatz – den man lieber mit einer „Bike-messe“ (Sponsoring) blockiert hat wodurch da fast überhaupt kein Durchkommen mehr war – oder auch zwischen Kohlenmarkt und Haidplatz. Teilweise waren hier die Durchgänge keine 1,5m mehr breit was zu erheblichem Gedränge führte. In Stadtamhof herrschten ähnliche Zustände. Dafür macht man die Thundorferstraße zur Fressmeile (Bratwürste und Energydrinks) was der Wurstkuchl garnicht gefallen haben dürfte.
    In Stadtamhof wird die gesamte Protzenweiherstraße belegt und die Massen die vom Dultplatz zum Zieleinlauf bzw umgekehrt wollen dürften sich auf den schmalen Wegen an der Schleuse entlang oder dem ebenso schmalen Gehweg gegenüber zusammenpferchen…

    Ebenso war von der eigens angeheuerten Security nicht sonderlich viel zu sehen…entlang der Strecke verdienten sich hauptsächlich eherenamtliche Kräfte der freiwilligen Feuerwehren und Kräfte der Polizei, die dazu Verstärkung aus Bamberg geholt hat und sogar von oben per Hubschrauber beobachtete (wer bezahlt diesen Einsatz eigentlich?). So kann man auch noch Kosten sparen (auch wenn man damit gefährliche Situationen wie an der Eisernen Brücke wo die Zuschauer auf der Straße standen weil der Gehweg Laufstrecke war und in Scharen auch ständig über die Straße liefen obwohl direse nicht gesperrt war und an der Stelle genau 1 (!) Security Mann stand…). Wenn man dann noch bedenkt was der Veranstalter von der Stadt kasst, nicht zahlen muss (siehe Artikel) und an Starter- und Sponsorengeldern einnimmt…

  • Dx

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    Eins vorweg: (Breiten-) Sport ist m.E. immer förderungswürdig und obwohl ich als Stadtamhofer – nicht nur aber gerade auch – von den Sperrungen anlässlich des Ironman besonders betroffen bin, bin ich nicht per se gegen ein solches Sportevent in Regensburg. Dass mich schon am Freitag, als ich es wagen wollte, mit meinem Fahrzeug in die Stadtamhofer Hauptstraße einzufahren, ein glatzköpfiger Security-Mitarbeiter, den man sich spontan auch in ganz anderer Kluft vorstellen konnte, angeblökt hat und meine Kinder heute, als sie mit dem Fahrrad schiebend die Laufstrecke queren mussten, von einem Security-Mitarbeiter, der allein schon wegen seiner Leibesfülle noch nie an einem Triathlon teilgenommen haben dürfte, lautstark und streng zurecht gewiesen wurden, und von sog. Fans auch noch unverschämt hinterher gebrüllt wurde, von wegen Rücksicht auf die tollen Sportler etc., übersehe ich dabei jetzt einmal geflissentlich.

    Aber „Gewinnmaximierung auf Kosten der Steuerzahler“, dass geht m.E. einfach zu weit. Sieht man sich einmal die für jedermann zugängliche, letztveröffentlichte Bilanz 2008 der Xdream Sports & Events GmbH mit einer Bilanzsumme von gut 1,8 Mio. € an, dann findet sich auf der Passivseite eine Position „Gewinnvortrag € 77.433,06“ und eine weitere Position „davon Verlustvortrag € 362.520“. Nun kann ich Bilanzen nicht wirklich lesen und es möge mich jemand berichtigen, wenn ich falsch liege, aber meinem Verständnis nach muss der Verlustvortrag auf die Aktiv-Seite oder mit einem Minusvorzeichen auf die Passiv-Seite. Hier steht er aber mit positivem Vorzeichen und in Bezug auf den Gewinnvortrag mit dem Wörtchen „davon“ auf der Passivseite, was m.E. heißt, dass der Vorjahresverlust von € 362.520 vollständig ausgeglichen werden konnte und trotzdem noch ein noch nicht verteilter Gewinn von € 77,433 verblieb.

    Darauf kommt es aber gar nicht an: Wenn ich hier lese, dass die örtlichen eingetragenen Vereine, die satzungsgemäß nur steuerbegünstigte Zwecke verfolgen, also nicht gewinnorientiert sind, für ihre Sportevents von der Stadt praktisch keine nennenswerte Unterstützung erhalten und mit Ausnahme eines kleinen Nachlasses auch die Dultplatzmiete löhnen müssen, dann müssen sich die Stadtoberen fragen lassen, wie sie einem kommerziellen, allein auf Gewinnerzielung ausgerichteten Unternehmen Sachleistungen bzw. Leistungen der Stadtreinigung im Wert von € 250.000 für 5 Jahre (also 1,25 Mio. € !) zusagen können und dann auch noch die Frechheit besitzen, dass Verlustrisiko, das jeder Unternehmer sonst selbst tragen muss, im Fall der Fälle mit 50.000 € jährlich zu minimieren, dann hört mein Verständnis auf und ich muss unwillkürlich an Untreue denken, wenn auch die Voraussetzungen im strafrechtlichen Sinne hier selbstverständlich nicht vorliegen. Im moralischen Sinne hier von Untreue zu reden, ist meiner Meinung nach aber legitim, zumal dann, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Stadt 270 Mio. € Schulden hat und jetzt auch noch die Kindergartengebühren um 15% erhöhen will.

    Entweder der Ironman-Veranstalter stemmt das kommerzielle Event aus eigener Kraft ohne Steuergelder oder lieber: No, thanks, Ironman run home!“

  • Fvfu-uüiUF.e.V.

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    …die Stadt unterstützt wirklich jährlich mit bis zu 300 000 € den Ironman???
    Ist das war?
    Das stinkt doch arg nach Korruption!
    Hat die Stadt keine Haushaltssperre (fragt mal nach nem Fuffi!)?
    In der Verwaltung werden ja auch 5% eingespart an Büromaterial….

    Also 300 Tage im Jahr 1000 € pro Kunst- und Kultur- oder Sportveranstaltung bei freiem Eintritt…. wär ja auch nicht schlecht, man könnte das Geld aber sicherlich auch sinnvoller ausgeben….z.B jeden Tag römische Orgie für alle Interessierten….

    Am besten scheint aber für die Politiker zu sein, die Kohle möglichst sinnlos (hirnlos?) zu verpulvern, damit ist sichergestellt, das Engagement sich nicht lohnt (denn das stört nur beim Weitermachen wie bisher).

    Nicht zu fassen!

  • Jakob

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    …es handelt sich natürlich um Sachleistungen….
    Wie wird damit sonst umgegangen?
    Hier ein paar Erfahrungen, die ich in Zusammenhang mit meiner künstlerischen Tätigkeit sammeln durfte:

    Als meine Figur KULTURWAERTER, die vor Jahren gegen den Obelisken am Milchschwammerl sprang in der Nacht der Dulteröffnung von einer unbekannten Gruppe umgeworfen wurde, durfte ich sie „wegen Vandalismus“ nicht mehr aufstellen. Der 250 cm große KULTURWAERTER -Sprungfrosch wurde ohne mich zu informieren gleich am nächsten Tag zum Gartenamt transportiert, von wo aus ich ihn monatelang selbst abholen sollte. Es war wegen angeblicher Überkorrektheit heraus nicht möglich, dass der nächste Transporter mit Kranaufsatz der eh nach Burgweinting muß ihn mal eben irgenwann dort ablegt.
    (Was hab ich bloß getan???)

    (Für die Kransteiger zur Montage meiner Figuren im Bahnhofspark gab es jeweils ein Zeitfenster von einer Stunde (=250€)…. dann mußte alles passen und es hat ja dann auch so geklappt.)

    Ich will damit sagen: Es herrscht anscheinend schon ein großer Ermessenspielraum bei den Behörden, was, wie durch Sachleistungen gefördert wird.
    …..und abgerechnet wird natürlich immer.

    Wollte ich am Europabrunnendeckel alkoholfreie Getränke („Brunnenwasser“) gegen Spende abgeben, so müsste ich in Ermangelung einer eigenen Toilette eigentlich einen Kiosk für 280€ anmelden. Klos sind dann überflüssig…. Müsste der Europa-Brunnen Kasten (sofern da ein Trinkwasserspender mit dabei wäre) auch eine Kioskgebühr zahlen? —-Gut manches läßt sich dann doch klären!

  • H. Müller

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    Sogar jetzt , Montag Mittag dröhnen noch der aufpeitschende Sprecher und basslastiger Musikkrach vom Dultplatz.

    Seit Freitag überall Sperren und Arbeitslärm. Gestern, am Sonntag, den ganzen Tag die Hubschrauber über Stadtamhof.

    Die bestimmt auch nicht wenigen Fleisch- und Blut- Menschen, die sich nicht dem Schneller-Lauter-Höher Diktat unterwerfen, sondern sich einfach nur so körperlich betätigen wollen, werden massiv ausgebremst, da (nicht nur) an der Donau alles gesperrt ist.

    Ach ja, es gab ja einen Wisch im Briefkasten, „wir bitten eventuell auftretende Beeinträchtigungen zu entschuldigen“. Und noch, ganz wichtig, die Bankverbindung des Veranstalters. Kein Wort über Sperrungen, Uhrzeiten,…

    Auch ich habe nichts gegen Triathlon und die Teilnehmer, aber Regensburg ist wie jemand hier schon gesagt hat, wirklich eh schon übervoll mit Besuchern und Events.

    Es soll ja noch Leute geben, die hier einfach nur leben und wohnen.

    Und wenn man heute mal die überregionale Presse sichtet (nicht die örtliche Jubelpresse), dann sieht man, dass das ganze so gut wie niemanden juckt.

    Und wir zahlen auch noch dafür, während Kinderbetreuung und Schulwesen scheinbar nicht zu finanzieren sind…

  • Besserwisser

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    @Dx in einer nach HGB-Richtlinien korrekt erstellten Bilanz finden sich KEINE +/- Zeichen. Das erstmal dazu.
    Mit Ihren anderen Ausführungen bzgl. Gewinn- und Verlustvortrag liegen sie wohl richtig. Die XDream GmbH hat wohl 77k Euro mit ins Jahr 2009 genommen und den gesamten Verlustvortrag ausgleichen können.

  • Dx

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    @ Besserwisser: Danke für den Hinweis und die Bestätigung, dass ich vor einer Bilanz nun doch nicht dastehe, wie der Ochs vorm Berg.

    Apropos Berg: Laut Haushaltsplan 2010 (http://www.regensburg.de/sixcms/media.php/121/regensburger_haushalt_2010_in_zahlen.pdf) nimmt die Stadt in diesem Jahr nur schlappe 33.230.000 € neue Schulden auf. Irre ich mich oder könnten das ohne Ironman glatt nur 32.980.000 € sein? Die sog. Sachleistungen in Form von Materialeinsatz, wohlverdienten Wochenendzuschlägen für die städtischen Mitarbeiter (umsonst machen die das ja wohl nicht), etc. etc., wollen ja schließlich auch bezahlt werden. Aber das sind ja dann für unsere Stadtoberen wohl nur die sprichwörtlichen Peanuts, oder ? An die Mär von den über Tage ausgebuchten Hotels glaube ich jedenfalls nicht. Alle Hobbyrennradler, die ich kenne – soviel Profisportler waren beim Ironman ja nicht am Start -, reisen zu den diversen Radmarathons maximal am Vorabend an und übernachten dann wo ? Natürlich im Zelt oder im Wohnmobil! Aber selbst wenn dem nicht so wäre: Wieso soll die örtliche Hotellerie/Gastronomie/Einzelhandel mal ebenso mit einer Viertelmillion indirekt unterstützt werden? Die Stadtamhofer Geschäfte hatten jedenfalls nichts davon: Ohnehin wegen der immer noch nicht erneuerten Kanalbrücke nur über weite Umwege erreichbar, luden die Behinderungen seit Donnerstag und die lautstarken Auf- und Abbauarbeiten kaum zum Einkaufen ein und am Sonntag selbst hatten ja mit Ausnahme der Gastronomie alle zu.

    Aber wir, die Regensburger Bürger, haben es ja im Überfluss, das Geld, das die Stadtoberen so mir nichts dir nichts ausgeben, deshalb ist Regensburg ja auch schuldenfrei, hat einen ausgeglichenen Haushalt und kann die Viertelmillion für eine Kommerzveranstaltung aus der Portokasse zahlen …

  • Py

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    Der Ironman – Sommermärchen oder „Hexenkessel“?
    Die MZ hat es heute genau auf den Punkt gebracht: Die Hauptstraße in Stadtamhof glich am Sonntag einem „Hexenkessel“ im positiven (!) Sinn – damit rundete sie ihre völlig einseitige Berichterstattung über den Ironman ab. Ja – ein Hexenkessel war‘ s , gar so schlimm, dass man nicht einmal mehr schiebend mit dem Fahrrad über den Behelfssteg auf der Steinernen Brücke gelassen wurde! War da in letzter Minute jemandem aufgefallen, dass Stadtamhofs Hauptstraße für die Menschenmassen vielleicht doch ein bisschen eng ist ? Dass es am Ende noch zu einer Massenpanik wie in Duisburg kommen könnte? Egal, ich war jedenfalls froh, dass mich ein freundlicher Polizeibeamter davon abhielt, mein Haus zu erreichen und nicht ein ungehobelter Security Mann. Ein solcher hatte meine Kinder und mich ein paar Minuten vorher am Wehr brüllend dazu angetrieben, die Lauftrecke schnellstens zu überqueren. Als ich mich über dessen Tonfall beschwerte, wurde ich prompt von einer aggressiven Zuschauerin angepöbelt, ich könnte doch gefälligst Rücksicht nehmen auf die Ironmen!! Was passiert eigentlich mit selbigen, sollte zufällig eine Person oder gar ein Kind im Weg stehen? Kippt er aus den durchtrainierten Latschen, weil er völlig aus dem Tritt gerät? Aber ich war ja auch selbst schuld: Was habe ich an einem Sonntag bei schönstem Wetter auf der Straße zu suchen? Wir waren jedenfalls froh, doch noch zu Hause anzukommen und ich wendete mich wieder meiner Tätigkeit als Ironwoman am heimischen Bügeleisen zu – was freilich weniger Bewunderung einbringt, aber mindestens genauso wichtig ist…

  • gifthaferl

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    „Was passiert eigentlich mit selbigen, sollte zufällig eine Person oder gar ein Kind im Weg stehen? Kippt er aus den durchtrainierten Latschen, weil er völlig aus dem Tritt gerät? “
    Py

    Nee, glaub ich nicht, dass die mental zu einem plötzlichen Stopp fähig sind, die rennen drüber.

    „Als ich mich über dessen Tonfall beschwerte, wurde ich prompt von einer aggressiven Zuschauerin angepöbelt, ich könnte doch gefälligst Rücksicht nehmen auf die Ironmen“

    Ja wenn schon mit deiner Kohle das rein kommerzielle Event gesponsert wird, dass es nur so kracht, dann wirst du ja wohl nicht meinen, da auch noch sinnlos in der Gegend rumrennen zu können.

    Beim Geldverdienen stört man nicht, das sollte doch nach Steuermittelsponsoring im Gigantomanstil für Banken und Konzerne und anschließendem Sparen bei Kiddies, Alten, Kranken und Behinderten allmählich klar sein.

    Beim nächsten Ironman werden Störer rechtzeitig in Lager ausquartiert.

  • Pierrus

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    Vielleicht sammelt mal jemand den Dreck und Müll (hunderte Schwämme und Plastikbecher) auf, der entlang der Donau im Bereich Herzogpark heute noch rumliegt ! ?

    Vielleicht informiert das nächste Mal die Stadt / der Veranstalter die Menschen die im Eizugsbereich des Megaevents wohnen rechtzeitig und vielleicht dann mit einem Stadtplan darüber wann und wie lange die Straße vor ihrem Haus gesperrt ist ! ?

    Und ich würde erwarten daß ich wenigstens ein Wort der Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten nebst dem Plan in meinem Briefkasten fände und nicht nur eine Aufzählung der Sperrungen in der Mittelmäßigen.

    Und das rechtzeitig!

    Und – Danke an Regensburg Digital für die nicht ganz so linientreue Berichterstattung!

  • Sebastian Wild

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    „Egal, ich war jedenfalls froh, dass mich ein freundlicher Polizeibeamter davon abhielt, mein Haus zu erreichen und nicht ein ungehobelter Security Mann. Ein solcher hatte meine Kinder und mich ein paar Minuten vorher am Wehr brüllend dazu angetrieben, die Lauftrecke schnellstens zu überqueren. Als ich mich über dessen Tonfall beschwerte, wurde ich prompt von einer aggressiven Zuschauerin angepöbelt, ich könnte doch gefälligst Rücksicht nehmen auf die Ironmen!! Was passiert eigentlich mit selbigen, sollte zufällig eine Person oder gar ein Kind im Weg stehen?“ (Zitat aus einem der Kommentare unten)

    Das habe ich mir auch gedacht…teilweise war die Security übereifrig und dann aber auch wieder an anderen Stellen nicht vorhanden bzw inkonsequent. So herrschten etwa an der Ecke Eiserne Brücke / Thundorferstraße teilweise chaotische Zustände weil weder eine vernünftige Absperrung der Laufstrecke oder der Fahrbahn für die Zuschauer vorhanden war noch der 1 (sic) Securitymensch dort dem vernünftig Herr wurde.

    Ebenso war zwar im Bereich Keplerstraeße/Hundsumkehr alles abgesperrt für die Läufer, danach weiter in Richtung Grieser Spitz gab es praktisch garkeine Absperrungen der Laufstrecke mehr, da waren dann LäuferInnen und Passanten und Radfahrer durcheinander. Lediglich die abzweigenden Gässchen zur Lederergasse hatte man alle gesperrt. Security gab es erst wieder an der Absperrung am Hunnenplatz zu sehen…

    Nicht nur in Stadtamhof drüben herrschte dichtestes Gedränge sondern auch in der Altstadt. Vorschriften bezüglich Fluchtwegen oder eine Kennzeichnung solcher schien es für den Veranstalter nicht zu geben.
    In der Altstadt waren die Wege entlang der Laufstrecke teilweise so eng das man nichteinmal mehr zu Fuss vernünftig hindurchkam.
    Ich musste da auch an Duisburg denken…sowas hätte hier – wenn auch vielleicht nicht in der Grösse wie in Duisburg – auch passieren können…
    Ausserdem fragte ich mich wie da Rettungsdienst oder Feuerwehr im Einsatzfall hätten durchkommen sollen?
    Als Rettungsgasse war die Laufstrecke meiner Meinung nach in grossen Teilen zu schmal….

  • wahon

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    Der Ironman ist keine Breitensportveranstaltung, sondern ein Wettkampf für Extremsportler. Die Stadtverwaltung hat den gesetzlichen Auftrag, „Daseinsvorsorge“ für die Bürger zu betreiben, d.h. dafür zu sorgen, dass den Bürgern alles Notwendige zum Leben (Wohnung, Nahrung, Wasser, Mobilität, Sicherheit, Kinder-, Alten- und Krankenfürsorge, Bildung) zur Verfügung steht. Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge zählt auch der Breitensport zur „Daseinsvorsorge“. Nicht zur „Daseinsvorsorge“ gehören jedoch der Extremsport und die Unterhaltungswünsche der Bevölkerung. Im Gegenteil, mit der Unterstützung des Ironman fördert die Stadt nicht nur einen Doping-verseuchten Sport, sondern untergräbt auch die Bemühungen der Gesundheitspolitik, den Bürgern eine natürliche, gesunde Lebensweise nahe zu bringen. Der Ironman besteht bekanntlich aus 3 Disziplinen, die jede für sich schon Extremsport sind: 3,8 km Schwimmen + 180 km Radfahren + 42,3 km Laufen sind nur von Menschen zu absolvieren, die von krankhaftem Ehrgeiz getrieben, Raubbau am eigenen Körper betreiben. Einen solchen gesundheitsgefährdenden Extremsport darf die Stadt nicht fördern und/oder zur Nachahmung empfehlen.
    Insofern ist die finanzielle Unterstützung des Ironman Regensburg durch die Stadt eine klare Zweckentfremdung von Steuergeldern. Der 5-Jahresvertrag der Stadt mit dem IM-Veranstalter hat keine gesetzliche Grundlage. Der Ironman im kommenden Jahr wird aufgrund einer einstweiligen Verfügung abgesagt werden müssen.

  • gifthaferl

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    Der Ironman Breitensport – wirklich lustig, stimmt, und sowas von gesund!
    Ich hab auch schon überlegt, ob das mit dem Geldverdienen darauf bezogen ist, dass möglicherweise der Umsatz von Dopingmitteln im hiesigen Raum zu wünschen übrig lässt und ein wenig angekurbelt werden soll……………..

    Krankhafter Ehrgeiz, kann sein, aber wie bei jeder Sucht, man macht was, und dann verselbständigt sich das, und man kann gar nicht mehr anders.

    Da gibt es viele Zugangswege, mit „gesund“ hat allerdings keiner was zu tun.

    Extremsport von Leuten, die extrem drauf sind, wie auch manche Beiträge zeigen.

    „Und bitte liebe Regensburger bepöbelt nicht die Triathleten wenn sie in den Tagen vor dem Wettkampf bei der letzten Trainingsrunde mal nicht den Radweg benutzen – ist nun mal so.“
    Frank Heyer, 4. August 2010 um 13:36 Uhr

    Tja, wer darf es wagen, sich solchen Übermenschen in den Weg zu stellen?

    Ein extrem sympathisches Völkchen mit allerlei intus, so darf man annehmen, das nicht aus Omas Kräutergarten stammt, aber u.a. das Selbstbewusstsein ungemein stärkt.

    So etwas fördert also die Stadt Regensburg, wundern muss es einen nicht wirklich.

  • Schoe

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    Auch wenn es sich der durchschnittliche Deutsche bei seinem extremsportlichen Gang von Couch zu Kühlschrank nicht vorstellen kann – der Ironman hat auch eine breitensportliche Komponente. Nicht umsonst wurde in einem früheren Posting bemängelt, dass es sich bei 14-15 Stunden Wettkampfdauer nicht um Spitzen- sondern „nur“ um Breitensportler handelt.
    Tauschen Sie einfach mal 3 Jahre das Auto mit dem Fahrrad und gehen Sie ein wenig Laufen und schwimmen – es soll tatsächlich Menschen geben, die haben Spaß daran.

    Das Regensburg dem Veranstalter 250.000 Euro pro Jahr hinterherwirft, finde ich ebenfalls dämlich – bei den Startgeldern (>380 Euro pro Starter) wäre es kein Problem, ohne diesen Betrag auszukommen (zumal die XTerra kräftig Gewinn dabei macht). Da aus irgendeinem unerfindlichen Grund Regensburg (also dessen OB) den Ironman haben wollte, konkurrierte er allerdings mit anderen Anbietern, und in der Regel bekommt bei solchen Entscheidungen der beste Partner den Zuschlag.
    Ob Regensburg für den Ironman wirklich eine gute Wahl war, bezweifle ich – die Stadt ist für eine Veranstaltung dieser Größe aus meiner Sicht 2 Nummern zu klein. Allerdings finde ich die Reaktionen einiger Anwohner auch wieder typisch deutsch – in Berlin ist für den Berlin-Marathon auch die ganze Stadt 2 Tage lang im Ausnahmezustand, aber irgendwie wird das eher als Riesenhappening, und nicht als Belästigung begriffen. Ist wohl schon ein ziemlicher Unterschied zwischen Weltstadt und Provinz :o)

  • H. Müller

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    @Schoe

    Provinziell und „typisch deutsch“ ist hier bestimmt so manches, aber Ihr Kommentar („ein wenig laufen und schwimmen“) ist auch nicht gerade die große weite Welt.

    Im übrigen glaube ich nicht, dass sich gerade die Berliner ein solches kommerzielles Spektakel kritiklos vor die Nase setzen lassen würden, und das noch finanziert von Steuergeldern.

    Danke auch, dass Sie uns hier erklären, wie das ganze zustande gekommen ist mit der Konkurrenz mit den anderen „Anbietern“ und so, das war natürlich hier niemandem klar.

    Und dass jeder, der keinen Triathlon macht, einfach nur ein fauler Sack ist, der sich nur von Couch zu Kühlschrank bewegt, ist natürlich auch eine Erkenntnis, die wir provinziellen bayerischen Kleinstadttrottel intellektuell einfach nie zu erfassen in der Lage sein werden.

  • schoe

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    Stimmt – Bayrisch hatte ich in der Aufzählung noch vergessen, allerdings ist das in diesem Zusammenhang irrelevant. Was kommerzielle Veranstaltungen in Berlin angeht, erinnere ich nur mal an die Loveparade oder den Berlin-Marathon – klar gibt es da auch kritische Stimmen, aber im großen und ganzen hat man erkannt, dass es eine sowohl kulturelle als auch kommerzielle Bereicherung für die Stadt war. Allerdings ist die Stadt auch ein wenig größer und kann mit solchen Menschenmengen umgehen – was ich in Regensburg eher als problematisch sehen würde.

    Das mit den faulen Säcken war nicht ausschließlich auf den Triathlon bezogen – das fängt schon bei kleinen 5km-Läufen an, für die mal für 10 Minuten eine Straße gesperrt werden muß oder einem Fußballturnier für Kinder, durch das sich ein paar Anwohner gestört fühlen. Dass dieser Personenkreis sich bei einer Quasi-Vollsperrung der Stadt mal so richtig produzieren kann (und das dann auch ausgiebig tut), wundert mich nicht. Allerdings handelt es sich in der Regel um die gleichen Personen, die Sport nur vom Fernseher kennen. Solche Sprüche von „dopingverseuchtem Extremsport, krankhaftem Ehrgeiz, Raubbau am eigenen Körper“ und ähnlichem kommen ebenfalls aus dieser Gegend.

    Sprüche wie von Gifthaferl, ob den Läufer „mental zu einem Stop fähig sind“, wenn ein Kind im Weg steht, würde ich einfach mal mit einer Gegenfrage beantworten: Sind Sie als Autofahrer mental zu einem Stop fähig, wenn Ihnen eine Person oder gar ein Kind unvermittelt vors Auto läuft? Die Reaktionszeit ist in etwa die gleiche – auch das Resultat. Das könnte auch der Grund sein, wieso man Streckenposten einsetzt *g*

  • gifthaferl

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    „Sprüche wie von Gifthaferl, ob den Läufer “mental zu einem Stop fähig sind”, wenn ein Kind im Weg steht, würde ich einfach mal mit einer Gegenfrage beantworten: Sind Sie als Autofahrer mental zu einem Stop fähig, wenn Ihnen eine Person oder gar ein Kind unvermittelt vors Auto läuft? Die Reaktionszeit ist in etwa die gleiche – auch das Resultat. Das könnte auch der Grund sein, wieso man Streckenposten einsetzt *g*“
    schoe

    Ach so, Sie fahren also auch mit dem Auto wie beim Ironman: Kopf runter und in die Pedale getreten was geht?
    Nicht dass mich das wundert – das eben ist die mentale Unfähigkeit, davon auszugehen, dass in geschlossenen Ortschaften IMMER Menschen, insbesondere Kinder, unvermittelt auf die Fahrbahnen laufen können. Man MUSS nicht 50 KMH (haha – oder?) fahren, man darf durchaus weniger, wenn Menschen/ Kinder in Sichtweite sind, dann reicht auch in der Regel die Reaktionszeit……………..

    Aber man muss natürlich mental von dem starken Wunsch getrieben sein, NIEMAND je umfahren zu wollen, auch wenn jemand unvermittelt auf die Fahrbahn springt, und die Fahrweise entsprechend halten – defensiv nennt man das, und vorausschauend, nicht auf das eigene Recht pochend, es hat keiner im Weg zu sein, schon gar nicht unvermittelt.

    Mir nämlich würde es nicht helfen, wenn ich nicht schuld bin.
    Aber das Problem haben Sie sicherlich nicht.

  • Winfried Köppelle

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    Liebe Diskutanten,
    bitte wieder sachlicher werden. Ich persönlich glaube nicht, dass die Mehrzahl der Sportler (die ja selbst auch Familienväter oder -mütter sind) mutwillig ihre Mitmenschen über den Haufen radeln oder rennen. Und dass es arrogante/ignorante Ausnahmen überall gibt – geschenkt!

    Wenn wir schon über das Thema „Gefahr ’schneller‘ Sportarten in der Innenstadt“ diskutieren, sollten wir uns vielleicht eher auf folgende Themen konzentrieren (ist nur ein Vorschlag):

    – War die Streckenabsperrung beim Ironman ungenügend / ausreichend / übertrieben?
    (auch bezüglich der Gesamtdauer dieser Sperrung)
    – Kann man eine derartige Rennveranstaltung im Stadtbereich überhaupt „sicher“ machen / durchführen?
    – Wo waren die Schwachpunkte?
    – Agierten die Ordner mit Augenmaß (nett / arrogant / übertrieben / …)?
    – Kamen die Bewohner an den Veranstaltungstagen aus ihrer Wohnung raus und wieder zurück?
    – Wurden die Bewohner im Vorfeld ausreichend informiert?
    – Wollen die Bewohner den Ironman überhaupt? Hat sie jemand gefragt? Werden sie künftig gefragt werden? (Stichwort Akzeptanz)
    – Wieviel Geld kostet es, die Innenstadt derart zu sperren wie für einen Ironman nötig (und wieviel Geld kosten vergleichbare Veranstaltungen, die nicht gleich die ganze Innenstadt blockieren)?
    – etc

    Beste Grüße
    Winfried Köppelle

  • grace

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    Schade, dass keiner der glühenden Verehrer sich zum Thema Doping äussern möchte.
    Die Stadt sollte nur Sportveranstaltungen unterstützen, bei denen zuverlässig gesichert ist, dass nicht gedopt wird -egal ob Schmerzmittel oder ausdauer-/leistungssteigernde Präparate- und sich überlegen, ob sie nicht im nächsten Jahr auf unabhängigen systematischen Dopingkontrollen bestehen oder solche durchführen wird.
    Mit der gleichen Konsequenz, wie sie z.B. gegen Alkohol bei Jugendlichen im öffentlichen Raum vorzugehen gedenkt.
    Wenn schon „Leuchtturm“-Veranstaltungen, dann aber richtig.

  • Py

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    Auch ich meine, die Diskussion sollte wieder sachlicher werden. Und das Herumgehacke auf den Sportlern vermag ich auch nicht nachzuvollziehen: Viele Freunde und Bekannte fahren z.B. alljährlich die 250 km mit 3300 Höhenmetern beim Arberradmarathon mit, und dies in einer Zeit, über die so mancher Tour-de-France-Teilnehmer neidisch werden könnte. Und das garantiert ohne Doping. Ich begnüge mich meist mit den 125 km beim Arberradmarathon, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass man ohne Extremsportler zu sein, ohne zu dopen, dafür aber mit 35-h-Woche und/oder Vernachlässigung der Familie, um auch ein wenig polemisch zu sein, durchaus in der Lage ist, einen Triathlon zu meistern, die entsprechende Fitness und Gesundheit vorausgesetzt, mag sich dies der absolute Couchpotatoe auch nicht vorstellen können. Auch ein Triathlon gehört für mich noch zum Breitensport, wenn auch nicht mit Zeiten so um die gut 8 h, so wie es der Sieger des Ironman in Regensburg geschafft hat, der sich hier auch schon zu Wort gemeldet hat.

    Was mich eklatant stört, ist lediglich die letzlich finanzielle Unterstützung des kommerziellen Veranstalters mit schlappen 1,25 Mio. Euro auf 5 Jahre. Sachleistungen hin oder her. Eine Stadt mit 270 Mio. Euro Schulden und einer Kreditaufnahme von mehr als 33 Mio. Euro allein in 2010, kann sich das nicht leisten – oder werden jetzt wegen des unerwarteten BMW-Gewerbesteueraufkommens keine Schulden mehr gemacht? Weiter stört mich, dass man die örtlichen, gemeinnützigen Vereine mit Almosen abspeist, aber einem kommerziellen Veranstalter Gewinnmaximierung auf Kosten der Regensburger Steuerzahler ermöglicht, so meine Meinung.

    Die Stimmung entlang der Strecke in Regensburg war meiner Beobachtung nach gut und ich hoffe, den Sportlern hat es Spass gemacht…

    Die Absperrungen in der Altstadt waren m.E. viel zu eng. Die Laustrecke war wesentlich breiter als der Raum Links und rechts für die Zuschauer. Ich musste jedenfalls unwillkürlich an Duisburg denken. Keine Ahnung, was passiert wäre, hätte es eine Massenpanik gegeben. Es wohl die vielen Eltern mit Kinderwägen erwischt, die kaum durchgekommen sind, wobei ich mich schon Frage, ob man mit Kleinkindern auf so eine Veranstaltung in diese Enge muss, aber das muss jeder verantwortungsbewusste Elter selbst entscheiden…

    Die Sperrung am Sonntag selbst war rechtzeitig angekündigt und hat mich selbst nicht gestört. Die Security-Heinies waren unfreundlich, wie ich bereits geschildert habe. Die Polizeibeamten, wie man hier lesen kann, wohl freundlich, wirkten aber meiner Einschätzung nach überfordert, was aber auch an der Ortsunkenntnis der Bamberger Polizeischüler gelegen haben mag.

    Recht unverschämt und für alle Stadtamhofer eine Zumutung empfand ich die Behinderungen schon ab Donnerstag, aber das ist den Stadtoberen ja egal, um wieder polemisch zu werden, weil den Stadtamhofern kann man ja eh nichts recht machen, so wohl die Ansicht von unsrem 2ten Bm Weber. Apropos: Warum laufen die Teilnehmer des Ironman nicht mal über den Sallener Berg, damit unser OB auch etwas davon hat, aber jetzt wrde ich auch schon wieder unsachlich…

  • grace

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    Die Welt vom 14.12.09/Sportmedizin titelt
    unter „Viele Hobbyläufer nehmen Schmerzmittel wie Drops“:
    „…So hatten fast zwei Drittel der Läufer beim diesjährigen Bonn-Marathon bereits vor dem Start Schmerzmittel eingenommen…“
    und so weiter und so fort.

  • Winfried Köppelle

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    @Grace:
    Naja, die Eisenmänner sind auch nicht braver als die Tour-Recken (eine kleine Auswahl):

    2004: Ironman Germany – Heidelbergerin Katja Schumacher positiv auf Testosteron getestet

    2004: Ironman-Hawaii-Siegerin Nina Kraft wurde EPO-Doping nachgewiesen

    2006: Ehemaliger Ironman-Sieger Jürgen Zäck positiv getestet

    2007/2008: Ironman-Sieger Lothar Leder werden abnorme Blutwerte nachgewiesen (u.a. Dopingexperte Wilhelm Schänzer sagt, dass Leders Hämoglobin zu Retikulozyten-Score nur durch Manipulation zu erklären sei) – Leder wird jedoch vom Verband freigesprochen

    2009: Kurz vor dem Ironman auf Hawaii ist die Triathletin Mariana Ohata bei einer Trainingskontrolle des Dopings überführt worden. Die Brasilianerin gilt als Wiederholungstäterin.

    2010: Nationale Anti-Doping-Agentur NADA leitet gegen Österreichs bisher einzigen Sieger eines Ironman-Rennens (Michael Weiss) ein Verfahren ein

    usw

    Dazu kommt, dass im Triathlon erst seit kurzer Zeit ernsthaft getestet wird, und dass die Kontrolldichte im Vergleich z.B. zum Radsport (bei dem ja regelmäßig Doper entlarvt werden) noch immer lächerlich gering ist.

  • Dx

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    Ich kann Py nur zustimmen.: Wo hört Breitensport auf und wo beginnt Leistungs- oder gar Extremsport? Und was ist Doping? Gesunde Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel oder Schmerzmittel und sonstige illegale Substanzen? Wohl doch nur die letzteren beiden Mittel! Beim Doping sind die Grenzen wohl klar, beim Breitensport ja wohl nicht, weil dies von der persönlichen Fitness und der Zeit, die man auf seinen Spoert verwenden kann und will, abhängt. Also, auf die Teilnehmer zu schimpfen, finde ich falsch. Die sind mir auch egal, dennoch hoffe ich, es hat ihnen Spass gemacht. Wie Py richtig heraus gestellt hat, geht es alleine darum, dass wir Regensburger Steuerzahler so eine kommerzielle Veranstaltung nicht mit Steuermitten unterstützen müssen! Die örtlichen Sponsoren zahlen sicherlich genug, dann sollen die Veranstalter sich halt noch weitere, überregionale Firmen suchen, die bereit sind, zu löhnen.

    Die Absperrungen der Laufstrecke fand ich auch zu eng. Die tröpfchenweise durchgehenden Läufergruppen hätte die Hälfte der Breite wohl genügt. Den Fußgängern war die vorhandene Breite zu eng, man kam kaum aneinander vorbei, ohne dass einer an den ausholenden Stützen der Absperrgeländer hängen geblieben wäre.

  • gifthaferl

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    „Wo hört Breitensport auf und wo beginnt Leistungs- oder gar Extremsport?“
    Dx

    Diese Frage ist nun wirklich einfach zu beantworten:
    Zu fördernder Breitensport ist die Art und Menge von Bewegung, die der Gesundheit dienlich ist.

    „Beim Bonner Marathon wurden im vergangenen Jahr 1024 Teilnehmer befragt, mit erschreckendem Ergebnis. Mehr als 60 Prozent hatten schon vor dem Start zu Schmerzmitteln gegriffen.“

    „Kay Brune, Professor am Institut für Klinische und Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie in Erlangen, hat gemeinsam mit einigen Kollegen eine Studie veröffentlicht, die auf
    f l ä c h e n d e c k e n d e n Medikamentenmissbrauch unter Marathonläufern schließen lässt.“

    „Überraschen können die Ergebnisse der Befragung, die der Bonner Schmerzmediziner Michael Küster vor Ort durchführte, allenfalls in ihrer Extremität. Untersuchungen vor dem Jungfrau-Marathon 1998 und dem Boston-Marathon (2002) hatten ähnliche Erkenntnisse erbracht.“

    „Kaum überraschen kann die Neigung zu Medikamenten bei den Radfahrern. Auf einem Symposium an der Kölner Sporthochschule erfuhr Brune im Februar, dass über 90 Prozent der Pedaleure ihre Schmerzen per Pille bekämpfen. Das hatten die Kölner Dopingforscher anhand der Dopingproben belegt.“

    „Ibuprofen, Diclofenac, ASS, Paracetamol – das ganze Arsenal. „Man fragt sich, was das soll“, sagt Brune und verweist auf die Legende: „Schon der erste Marathonläufer in der Antike ist ja umgekippt.“ Laut Studie neigen Männer viel eher als Frauen dazu, ihre Schmerzen zu betäuben. Auch prophylaktisch.

    Rund vier Mal mehr Männer als Frauen greifen zur Pille“

    „Vereinfacht gesagt, erhöhen die Schmerzmittel die Durchlässigkeit der Magen-Darm-Schleimhaut, wodurch vermehrt Schadstoffe in die Blutbahn gelangen, die wiederum die Nieren belasten.
    Mögliche Folgen sind Blut in Stuhl und Urin, Dickdarminfarkt, Nierenversagen oder Elektrolytstörungen, die im Extremfall zu Kreislaufversagen und Herzinfarkt führen können. Immer wieder wird über Todesfälle beim Marathon berichtet. Auch in Bonn brach 2005 ein Mann auf der Halbmarathonstrecke mit Herzstillstand zusammen“
    http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=spor&itemid=10066&detailid=728207

    DA hört der Breitensport doch wohl eindeutig auf!
    Wenn die Mehrheit, über 60% bei einem Marathon zugeben bereits vor dem Lauf Schmerzmittel einzuwerfen, dann sind die offenbar keineswegs fit, und was da eigentlich genau Spass macht wäre zudem die Frage.
    Problembewusstsein und Wissen wie gefährlich Schmerzmittelmissbrauch ist, existiert offenbar keines, denn sonst würden sie das ja nicht zugeben.
    Bringen tut es übrigens nichts außer potentiellen schweren gesundheitlichen Schaden

    Die meisten kaputten Nieren sind übrigens Schmerzmittelmissbrauch zu verdanken, natürlich nicht nur des ach so gesunden Extremsports wegen, sollte dann eine Transplantation erfolgen, kommt dies dazu:

    „… zeigte sich, dass das Gesamt-Krebsrisiko nach einer Nieren-Übertragung etwa 3,3-mal höher ist als vor dem Eingriff. “
    http://www.dialyse.de/news/200706-Krebsrisiko-steigt-nach-Nierentransplantation.htm

    Leistung um jeden Preis – auch den des eigenen Lebens – wird man den Studien zufolge als Devise der Mehrheit in Extremsportarten ausmachen können, völlig unabhängig noch von illegalem Doping.
    Profis wissen dann wenigstens wofür sie das tun, sofern sie nicht wissen sollten was sie tun, bei Amateuren wofür tun die es, macht Leiden einfach Spass?

    Da schienen mir Besuche bei einer Domina jedenfalls gesünder, aber dann zählt man freilich nicht zu den Leistungsträgern…………..

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