Jahrelanges Trauerspiel

Unter keinem guten Stern steht der Gedenkstein für die Opfer des KZ-Außenlagers Colosseum in Regensburg Stadtamhof. Nach fast eineinhalbjähriger Diskussion hatte der Kulturausschuss im September 2009 immerhin beschlossen, den bis dahin versteckt stehenden Stein um 90 Grad zu versetzen und so besser sichtbar zu machen. Es dauerte erneut ein dreiviertel Jahr, bis dieser Beschluss Mitte Juni umgesetzt und die Versetzung in Angriff genommen wurde. Nicht einmal ein Wochenende hielt dagegen die flankierende Bepflanzung des Stadtgartenamts. Sie wurde über Nacht zertrampelt. Das teilte ein sichtlich verärgerter Kulturreferent vergangene Woche den Mitgliedern des Kulturausschusses mit. Der Gedenkstein sieht denn auch wieder recht kärglich aus und dient weiter vielen als Fahrradständer. Margot Neuner (SPD) bezeichnete den Umgang mit dem Stein als „jahrelanges Trauerspiel“. Nun hoffen die Stadträte auf die angekündigte Bodenplatte – direkt vor dem Gebäude. Wann diese kommen wird, wusste Unger vergangene Woche nicht zu sagen. Eine Gedenktafel am Colosseum war am Widerstand des Gebäudeeigentümers gescheitert. Weiter auf sich warten lässt auch ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Gedenkkultur in Regensburg. Nach einer peinlichen Diskussion um eine Gedenktafel für die Neupfarrplatzgruppe – einer breit gefächerten Gruppe von NS-Gegnern – hatte der Kulturausschuss Unger vergangenen Dezember mit einem solchen Konzept beauftragt. Es scheint weiter in Arbeit zu sein. Vergangene Woche erstattete der Kulturreferent lediglich Bericht zu einem geplanten Flyer, auf dem vorhandene Gedenkstätten verzeichnet werden sollen. Ein Umstand, den mehrere Stadträte als „nicht ausreichend“ bezeichneten. „Das Konzept ist eine völlig andere Baustelle“, so Unger. Daran werde noch gearbeitet. Der Flyer sei sei dagegen zur pädagogischen Vermittlung gedacht. Er wolle den Kulturausschuss lediglich auf dem neuesten Stand halten. So wurde also der Zwischenbericht es Kulturreferenten zur Kenntnis genommen. „Derzeit wird noch abgeklärt, wie die Massengräber auf den Friedhöfen für die Bombenopfer, Zwangsarbeiter etc. integriert werden können“, heißt es in der fünf Sätze langen Beschlussvorlage. „Für die Krieger- und Soldatengedenkstätten sollte über einen eigenen Flyer nachgedacht werden.“

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Kommentare (1)

  • Erich Tolli

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    C. Unger soll ein schlüssiges Gesamtkonzept für Gedenkstätten erarbeiten? Wer bitte glaubt denn an so etwas? Wahrscheinlich nicht einmal der Ideengeber Bgm. Wolbergs!
    Was der Herr Kulturreferent in der Sache bislang getan bzw. angeordnet hat, ist die überaus komplexe Materie – ohne inhaltliche Auseinandersetzung! – auf das Niveau von Tabellen und Faltblättern zu reduzieren, die dann in der Tourist-Information ausgelegt werden sollen.
    Auf den Text der angekündigten Bodenplatte darf man gespannt sein, zumal Unger angeblich das Amt für Archiv u. Denkmalpflege beauftragt hat, einen solchen zu entwerfen. Anders als bei der sog. Napoleon-Inschrift im Pylonentor soll der Textentwurf dann dem Kulturausschuss zur Genehmigung vorgelegt werden. In Sachen Napoleon hatte sich Unger, wahrscheinlich zusammen mit Archivchef Wanderwitz, nicht in die Karten schauen lassen und die Inschrift an den Damen und Herren vom Kulturausschuss vorbei geschaukelt. Wurden letztere dabei verschaukelt?
    Bis heute hat Unger nicht öffentlich erklärt ob, bzw. wie und mit welcher Begründung die Inschrift eigentlich denkmalrechtlich genehmigt wurde. Selbst eine konkrete Anfrage des Stadtrats Dünninger blieb damals ohne konkrete Antwort.

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