Brom und Barium: zwei Elemente, deren Kürzel ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfahren. So wie Heisenberg, Chrystal Meth, Chemie im Speziellen und die Wissenschaft im Allgemeinen. Zumindest bis Sonntag. Dann endet die US-amerikanische Fernsehserie Breaking Bad.Von Thomas SpitzerBreaking Bad handelt – grob – davon wie jemand vom Paulus zum Saulus wird: Ein genialer Chemielehrer bekommt Krebs und fängt an, die Droge Chrystal Meth herzustellen, um die Bildung seiner Kinder zu sichern. (Keine Angst: Die Handlung wird im Folgenden nicht weiter verraten.) Besondere Schauwerte bietet die Serie dabei nicht. Sie spielt in typisch-amerikanischen Vororten, Wohnwägen, Waschsalons, Büroräumen, Lagerhallen und der mexikanischen Wüste. In Breaking Bad werden weder Königreiche verteidigt noch der Planet gerettet. Und Vampire kommen auch nicht vor.
Auch die Erzählweise scheint auf den ersten Blick nichts Besonderes zu sein. Breaking Bad besticht weder durch eine übertrieben hohe Pointendichte noch durch einen besonderen Sexappeal und man kann sich gewiss streiten, ob die Serie genauso viel Tiefgang hat wie – sagen wir – Die Sopranos oder Six Feet Under.
Die kleinen Ideen…
Nein, es sind vor allem die kleinen Ideen, die Breaking Bad zu einer großen Serie machen. Wenn die Hauptdarsteller im Eifer des Gefechts eine Batterie aus Zink herstellen. Oder Sprengstoff aus Aluminium. Wenn Personen mit Pflanzen-Extrakten vergiftet oder Säure in der Badewanne aufgelöst werden. Unvergessen auch eine Szene, in der versucht wird mit einem trampolingroßen Magneten in Verwahrung genommene Festplatten von außen zu löschen, weiß doch jeder, dass man Armbanduhren und PCs fernhalten muss von Kühlschrankmagneten.
Natürlich ist Breaking Bad auch ein grandios inszeniertes Katz-und-Maus-Spiel. Mal zwischen der Hauptperson Walter White und seinem hitzköpfigen Partner Jesse Pinkman. Mal zwischen Walter und dem Drogenboss Gus. Mal zwischen ihm und seiner Frau Skyler oder dem beim Drogendezernat angestellten Schwager Hank Schrader. Natürlich geht es auch um die liebevoll gestaltete Charakterentwicklung vom gebeutelten Nerd zum selbsternannten Imperator, vom Familienvater zum kaltblütigen Killer, vom ehrlichen Ehemann zu einer Figur, die jeden noch so naseweißen Zuschauer regelmäßig hinters Licht führt.
Gelebte Wissenschaft
Walter White entwickelt sich im Verlauf der Serie zu etwas wie dem ultimativen Arschloch. Und einer von Breaking Bads größtem Triumph ist sicherlich, dass sich der Zuschauer immer wieder fragen muss, ob er noch mit dem Protagonisten sympathisiert. Doch was Breaking Bad für mich zu einem herausragenden Stück Fernsehkunst erhebt ist die gelebte Wissenschaft. Noch dazu in einem Land, das – zumindest unter George W. Bush – zutiefst rückwärts gewandt und wissenschaftsfeindlich war. (Um sich das vor Augen zu führen, muss man nur einmal überlegen, wie viele der letzten (Vize)Präsidentschaftskandidaten nicht an Dinosaurier geglaubt haben.) Dabei ist es relativ Wurscht, ob die Hauptperson nun ,gut’ oder ,böse’ ist, ob Chrystal Meth unter bestimmten Bedingungen wirklich blau wird oder ob Personen mit einem zur Hälfte weg gesprengten Gesicht noch in der Lage sind, durch die Gegend zu schlendern.
Wissen ist cool!
Eine Message der Serie scheint immer zu sein: Wissen ist cool. Oder: Egal, was passiert, die Vernunft siegt! Und im Gegensatz zu Sherlock Holmes, der seinen Verstand hauptsächlich dazu einsetzt abstrakte Schlüsse zu ziehen oder James Bond, der sich ebenfalls mittels technischer Spielereien aus kniffligen Situationen rettet, diese jedoch nicht selber herstellt, ist Breaking Bads Walter White neben seinen vielen Eigenschaften auch der ultimative Daniel Düsentrieb. Noch dazu, wenn man sich seine Motivation vor Augen führt, die nur all zu leicht als Kritik am Bildungs- und Gesundheitssystem verstanden werden kann, müsste man in den USA tatsächlich perverse Summen in Millionenhöhe aufbringen für eine aufwändige medizinische Behandlung plus die Hochschulabschlüsse von zwei Kindern.
Aber auch der Periodensystem-Look, die verspielte Namensgebung (Schrader heißt der Erfinder der Chemiewaffe Sarin) und die Ordnung der Charaktere nach bedeutsamen Farben (Skyler in blau, Marie in lila, Pinkman in rot, Walter in grün, die Polizisten in orange, sowie der Einsatz von Kolben, Luftfiltern, Öfen und Schutzanzügen geben der Serie eine Wissenschaftlichkeit, die in der Popkultur ihresgleichen sucht. Und sich dabei nicht auf Chemie beschränkt!
Abnorme Intelligenz
Wer hat sonst zuvor von Walt Whitman gehört? Wer ist vertraut mit der heisenbergschen Physik? Und wer wurde erst durch die Serie aufmerksam auf die verheerenden gesundheitlichen Folgen von Chrystal Meth – einer neuen Droge, die längst auch in Regensburg Thema ist? Ja, wem fallen sonst noch große Fernsehcharaktere ein, die ihr Charisma ausschließlich aus einer abnormen Intelligenz beziehen? Das unterscheidet Breaking Bad von anderen Serien. Nicht die viel diskutierte Renaissance des epischen Erzählens. Oder die Suche nach ‚neuen’ Helden. Nicht die messerscharf herausgearbeiteten Cliffhanger, welche den Zuschauer schneller abhängig machen als die oft gezeigten Junkies. Nicht ein überragender Bryan Chranston oder ein schaler Hype im Internet, der sich in den meisten Fällen auf Diskussionen beschränkt darüber wie unter- oder überschätzt irgendetwas ist.
In Breaking Bad werden Wissen und Vernunft zelebriert. Dafür muss man die Serie schauen, lieben, weiter empfehlen – ganz gleich wie sie am 29. September endet. Noch dazu, weil sie den Absprung schafft, tatsächlich dann aufhört, wenn’s am schönsten ist. Das ist schade. Und vielleicht unökonomisch. Aber durch und durch vernünftig.
Jeder, der in der Schule Faust gelesen hat, kennt die Story vom Wüstling: Junger ehrgeiziger Mann fällt dem Teufel in die Hände, der ihn erst verdirbt, mit ihm um seine Seele spielt, um ihn dann mit Wahnsinn zu schlagen. Wenn’s denn mal so einfach wäre. Premiere der Oper „The Rake’s Progress“ am Sonntag am Theater Regensburg.
Seit zwei Tagen steht fest: Ben Affleck spielt den neuen Batman. Ein Dorn im Auge von Fanboys auf der ganzen Welt. Warum eigentlich? Schließlich ist Affleck unauffällig, erfolgreich, der ewige Underdog – und damit eigentlich ideal besetzt.
Mit Bügelbrett und Regenradar startete gestern die 31. Auflage der Regensburger Stummfilmwoche. Gezeigt wurde “Das Cabinet des Dr. Caligari”, begleitet von einer ganz besonderen musikalischen Untermalung.
Obwohl ich Festivals nicht mag, verschlug es mich nach drei Jahren Abstinenz im Juli 2013 auf das Summerjam in Köln und das MELT! in Ferropolis. Dort sah ich MAJOR LAZER und THE KNIFE, zwei Elektro–Acts, die zunächst wenig miteinander zu tun haben, mich jedoch gleichermaßen mit ihren Bühnenshows zum Nachdenken brachten. Über den Live–Charakter elektronischer Musik. Und Konzerte im Allgemeinen.
Es ist mal wieder soweit: Die Fürstin und ihr Schloss putzen sich für die Schlossfestspiele heraus. Eröffnet wurde das zehntägige musikalische Spektakel am Freitag mit der Verdi-Oper „La Traviata“ – und zwischen viel Plüsch, Kitsch, Schischi und einer geifernden Gloria schaute auch Klaus Wowereit vorbei.
Ein Jäger, der nur Aas schießt, ein Paar, das im Bett Schweinemasken trägt und ein durchgedrehter Ex-Offizier der Wehrmacht. Sie alle sind eingeladen, wenn Herr Behemoth zum Bankett lädt. Am Dienstag, 11. Juni, feiert der – über Crowdfunding finanzierte – Film unseres Redaktionsmitarbeiters David Liese im Garbo-Kino Premiere. Der Filmemacher und Autor über seinen „Behemoth“, Kunst, Kino und den ganzen Rest.
Passend zum Wahljahr bringt das Stadttheater Regensburg Henrik Ibsens „Volksfeind“ auf die Bühne. Am Samstag feierte die Inszenierung von Charlotte Koppenhöfer Premiere.
Sexueller Missbrauch von Kindern ist nicht nur im Kontext der Diskussion um kirchliche Würdenträger ein brisantes Thema, bei dem vielen Erwachsenen sprichwörtlich alle Sicherungen durchbrennen. Thomas Vinterbergs neuer Film „Die Jagd“ setzt sich eindrucksvoll mit derartigen Vorwürfen auseinander, die sich schnell als falsch erweisen – und trotzdem für immer haften bleiben.
Am Donnerstag startete das Regensburger Festival für aktuellen Tanz in Bayern, SCHLEUDERTRAUM, in seiner neunten Auflage. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Hans Schaidinger übernommen. Ein wichtiges Signal für Festivalleiterin Alexandra Karabelas: In der Regensburger Kulturpolitik muss sich strukturell etwas ändern.
Viel wurde geredet, von Laudatoren, Jurymitgliedern und einem wahlkämpfenden Bürgermeister Wolbergs. Doch am Ende gehörte der Abend der Preisverleihung, der den formalen Abschluss der 19. Regensburger Kurzfilmwoche bildete, doch ganz den Filmschaffenden. Am Ende ließ Festivalleiterin Insa Wiese die Katze aus dem Sack.
Ein Blick ins Sonderprogramm der diesjährigen Kurzfilmwoche: Mariam Mana hat für die 19. Auflage des Regensburger Festivals einige afghanische Filme unter dem Leitmotiv „Cinema Mi Amor“ zusammengefasst. Persönlich kann die Kulturmanagerin ihre Auswahl nicht erläutern.
Sympathisch, nah an Regensburg, ein bisschen chaotisch: Am Mittwoch fiel mit Friede, Freude, Eierkuchen der Startschuss für die 19. Regensburger Kurzfilmwoche.
Elly Maldaque war das erste Nazi-Opfer in Regensburg? Ein kürzlich erschienenes Buch räumt mit dieser Legende auf und zeichnet ein vergessenes Stück Regensburger Stadtgeschichte nach.
Paul Thomas Anderson zeichnet in „The Master“ das verstörende Bild einer in den 50ern aufkommenden amerikanischen Sekte. Parallelen zu L. Ron Hubbard und Scientology sind möglich, aber nicht zwingend.
Sie ist nicht rothaarig und sie rennt auch nicht. Bei der Uraufführung der Oper „Lola rennt“ dreht sich die Welt um Lola, während sie in drei Runden versucht, ihrem Freund Manni das Leben zu retten.
Das W1 steht seit vier Jahren für junge Kulturarbeit und -förderung in Regensburg. Obwohl sich das Zielpublikum hauptsächlich aus Jugendlichen und junge Erwachsenen zusammensetzt, möchte man sich hier dennoch nicht als Jugendzentrum verstanden wissen.
Schweinebacken unter sich: Auch im fünften Teil der „Stirb langsam”-Reihe gibt sich Bruce Willis in seiner Paraderolle als John McClane die Ehre; diesmal Hand in Hand mit seinem Film-Sohn Jack. „A Good Day To Die Hard“ ist ein Film, der vorgestriger nicht sein könnte – und trotzdem zu unterhalten weiß.