SOZIALES SCHAUFENSTER

Theaterstück zum Tod von Tennessee Eisenberg

„zwölf zu null“

Lustig, unterhaltsam, grotesk – das sind nicht unbedingt die Attribute, die man erwarten würde, um ein Theaterstück über den Tod von Tennessee Eisenberg zu beschreiben. Am Regensburger Universitätstheater wird aber genau ein solches Stück demnächst uraufgeführt.
Nachgestellt: Die Aufnahme des über die Presse bekannten Fotos von Tennessee Eisenberg. Foto: Spitzer

Nachgestellt: Die Aufnahme des über die Presse bekannten Fotos von Tennessee Eisenberg. Foto: Spitzer

Am 30. April 2009 wurde der Musikstudent bei einem Polizeieinsatz im Regensburger Stadtteil Steinweg erschossen. Zwölf Kugeln trafen den 24jährigen. „zwölf zu null“ heißt nun das Stück, das fast auf den Tag genau (29. April) drei Jahre später am Studententheater der Uni Regensburg Premiere feiern wird. Ein Kammerspiel, das kurz nach dem Polizeieinsatz einsetzt. In den Hauptrollen: ein Graffiti-Sprayer, ein Polizist und mehrere Studenten. Dass aber auch Sokrates („populärer Philosoph“) oder Peter Fox auf der Bühne erscheinen werden, lässt schon erahnen, dass es hier nicht um eine dokumentarische und kritische Aufarbeitung des Falls gehen wird. Der getötete Tennessee Eisenberg selbst kommt in dem Stück nicht vor.

Ein Thema für die Kunst

Die Regensburger Staatsanwaltschaft befand seinerzeit auf Notwehr und stellte das Verfahren gegen die beiden Schützen ein, sämtliche Beschwerden der Familie dagegen blieben erfolglos. Ob die Verfassungsbeschwerde der Familie angenommen werden wird, ist noch nicht entschieden. Aus der öffentlichen Diskussion ist der „Fall Eisenberg“ weitgehend verschwunden. Viele offene Fragen, eine ehemals breite Diskussion, Graffiti mit dem Konterfei von Tennessee Eisenberg, die an vielen Stellen in Regensburg zu sehen sind – dass der Fall künstlerisch bearbeitet werden würde, war eigentlich zu erwarten. Bereits im Rahmen des Tanzfestivals „Schleudertraum“ choreographierte Alexandra Karabelas mit „Zoes Bios Box“ ein berührendes Stück über den Tod von Tennessee Eisenberg.

Sprach- und Situationskomik?

Nun greift mit „zwölf zu null“ das Regensburger Studententheater den Fall auf. Dass dieses Stück, wie die Macher ankündigen, auch unterhaltsam sein und mit Sprach- und Situationskomik glänzen soll, macht einerseits neugierig, weckt aber auch Befürchtungen… Diese Gratwanderung zwischen Humor und Unterhaltung auf der einen und Respekt auf der anderen Seite hat auch bei den Diskussionen zur Entstehung des Theaterstücks eine große Rolle gespielt und es ist ein recht interessantes Tandem, das sich an das Thema herangewagt hat.

Der Autor und der Regisseur

Regisseur Dr. Roland Weisser, 33 Jahre alt, hat sich intensiv mit dem Fall beschäftigt. Der promovierte Chemiker hat bei Demonstrationen mehrfach die fehlende juristische Aufarbeitung kritisiert und war Initiator einer Podiumsdiskussion an Uni Regensburg, bei der sich Polizeipräsident Rudolf Kraus den kritischen Fragen der Öffentlichkeit stellen musste. Wenn man mit Weisser spricht, merkt man ihm immer noch an, dass er empört ist darüber, dass der Polizeieinsatz nie gerichtlich aufgearbeitet wurde und dass es ihn trifft, dass „viele Studierende mit dem Namen Tennessee Eisenberg bereits drei Jahre danach nichts mehr anfangen können“.

„Durch Unterhaltung zum Nachdenken anzuregen“. Roland Weisser und Thomas Spitzer. Foto: Alexander Urban

Autor Thomas Spitzer ist zehn Jahre jünger, Mathematikstudent und betätigt sich seit einigen Jahren als Poetry Slammer. Er kennt den Fall, wie er selbst einräumt, eher oberflächlich, war einmal bei einer Demonstration dabei. „Ich habe versucht, so viele Meinungen zu dem, was da passiert ist zu verstehen. Das Stück soll aber eher Fragen aufwerfen.“ Die realen Vorkommnisse sind für den Text des abendfüllenden Stücks, das Spitzer innerhalb von zwei Wochen verfasst hat, Motiv, Aufhänger. Fakten werden vermischt mit Fiktion und Falschinformationen, die so auch in den Medien verbreitet wurden. „Hier wird niemand etwas zu sehen bekommen, was er erwartet.“ Bereits im Vorfeld habe Spitzers Stück polarisiert, erzählen er und Weisser. Einige, die sonst beim Regensburger Studententheater mitgespielt haben, wollten dieses Mal angesichts des Themas nicht mitmachen. „Andere wollten unbedingt dabei sein.“ Insgesamt haben sich 18 Personen gefunden, die auf und hinter der Bühne stehen.

Eine Gratwanderung…

Was Weisser und Spitzer eint: „Die Aufmerksamkeit für diesen Fall kann man nicht genug fördern.“ Diese Aufmerksamkeit, Aufregung, Diskussion scheint sich mittlerweile komplett gelegt zu haben. Ob das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde der Familie zur Klärung annehmen wird, ist nach wie vor offen. Offiziell ist der Fall zu den Akten gelegt, geklärt. Ob nun das erklärte Ziel von Spitzer und Weisser, „durch Unterhaltung zum Nachdenken anzuregen“ mit „zwölf zu null“ tatsächlich gelingt oder eher zu einer Aufregung ganz anderer Art führen wird, das muss die Uraufführung zeigen. 29. April, Regensburger Unitheater.
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