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wilhelm_busch

Ach was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!

Neulich war ich mit meinem Kind in einer großen Regensburger Buchhandlung. In der SZ hatte ich davon gelesen, dass in Sulzbach ein bisher unbekanntes Manuskript von Wilhelm Busch aufgetaucht ist. Ich selber bekam als Bub immer wieder die Streiche von Max und Moritz vorgelesen. Für mich selbst ging irgendwann ein gewisser Reiz von dem abgegriffenen gelben Buch mit den vielen bunten Zeichnungen aus.

„Also“, so dachte ich mir, „was für dich gut war, kann für den Nachwuchs nicht schlecht sein!“ Kind und ich gingen also ins Buchgeschäft und fanden nach ein wenig suchen diesen Klassiker der deutschen Kinderliteratur. Weil es mir so gefiel, endlich wieder dieses Buch in den Händen zu halten, begann ich sofort meinem Kind daraus vorzulesen.

Transformers? Alles in Butter! Max und Moritz? Da schimpft die Mutter!

maxmoritzUnd so begann ich meinem Nachwuchs die Streiche von Max und Moritz vorzulesen. Weit kam ich nicht. Schon vor dem ersten Streich wurde meine Wilhelm-Busch-Lesung jäh beendet. Im Satz „Ach das war ein böses Ding, wie es…“ schaltete sich eine besorgte Mutter ein. „Entschuldigen sie bitte. Ich finde es nicht gut, wenn Sie ihrem kleinen Kind Max und Moritz vorlesen“, stellte die Mittdreißigerin kategorisch fest. Ich sah sie verdattert an, wollte argumentieren, aber da begann auch schon der fünfminütige Monolog der Pädagogin. Zusammengefasst hatte sie den Standpunkt, dass a) Max und Moritz brutal sind b) die Frauen nur sehr am Rande vorkommen und keine gute Figur machen c) Wilhelm Busch nicht mehr zeitgemäß ist d), die Sprache von Max und Moritz ebenfalls unzeitgemäß ist, e) Reime schlecht für die kindliche Sprachentwicklung sind, f) die beschriebenen Streiche Kinder zu derartigen animieren, g) kein Respekt vor den Leben der Tiere vermittelt wird h) der Schwarzpulveranschlag auf Lehrer Lämpel Parallelen zu diversen gegenwärtigen Terroranschlägen hat, i) Max und Moritz ihre negativen Verhaltensweisen nicht reflektieren. Zu Punkt j kam sie nicht mehr. Dieser wäre wahrscheinlich gewesen, dass mir das Sorgerecht entzogen gehört, weil ich einem Kleinkind aus Max und Moritz vorlese. Ich hatte mich gefangen und ergriff Partei für dieses alte Kinderbuch! „Sicher“ so begann mein Plädoyer für Max und Moritz „ haben die beiden Lausbuben einiges ausgefressen. Die Untaten beginnen bei dem heimtückischen Meuchelmord an Witwe Boltes Federvieh, hin zur angesägten Brücke des Schneidermeisters Böck oder auch die Maikäferattacke auf Onkel Fritz. Doch schwingt nicht bei jedem von uns eine gewisse Schadenfreude mit, wenn beispielsweise dem frommen Lehrer die mit Schwarzpulver präparierte Pfeife explodiert?“ Leider kam es zu keiner Diskussion mehr. Die Mutter packte ihren Sohn, er trug ein Sweatshirt mit einem Transformer darauf, und warf mir nur verächtlich „Mann!“ entgegen. Als beide gegangen waren, las ich weiter aus Max und Moritz vor. Ein zeitlos geniales Kinderbuch wie ich meine.

Schneider Böck wird zwar knapp ersäuft Doch ist´s brutaler, was in der Flimmerkiste läuft!

max_und_moritz_busch_030Zuhause dachte ich über diese Begegnung im Buchladen nach. Eigentlich wird den Kindern viel brutales von den Erwachsenen zugemutet. In dem selben Buchgeschäft fand ich kürzlich ein Kindersachbuch über Samurai. Dort wird reich bebildert und detailliert den jungen Lesern erklärt, wie sich diese japanischen Krieger selbst entleibten. Da sind die drei toten Hühner und ein verstorbener stolzer Hahn der Witwe Bolte wohl Petitessen dagegen. Oder die Gewalt verherrlichenden Handyfilme welche mittlerweile auch auf Grundschulen kursieren. Was wird da nicht alles gezeigt? Selbst Max und Moritz hätten vor Furcht das Weite gesucht.

Ein Team des Regensburger Professors Helmut Lukesch fand 2005 heraus, dass in Kinderfernsehsendungen in einer Stunde durchschnittlich sechs Minuten mit Gewaltszenen entfallen. Bei Spielfilmen für Erwachsene sind dies nur dreieinhalb Minuten Gewalt pro Stunde. Professor Lukesch attestierte damals, dass diese Kindersendungen eine die Aggression fördernde Wirkung haben können. Dagegen kommen die Maikäfer unter der Bettdecke von Onkel Fritz nicht an. Ein weiteres Medium in dem alles an Brutalität geboten wird, was das Herz begehrt, ist das Internet. Viele Kinder haben unkontrolliert zum world wide web Zugriff. Alleine bei dem Videoportal Youtube wurde die Exekution des irakischen Diktators Saddam Hussein über zwei Millionen mal angesehen. Wer garantiert, dass unter diesen Voyeuren nicht auch Heranwachsende waren?

Vergesst den ganzen Sozpädpfusch Und lest vor den ollen Busch

Gute Kinderbücher sind eher die Seltenheit. Als vorlesender Vater bin ich mittlerweile Experte auf diesem Gebiet. Die Klassiker wie Michel aus Lönneberga (auch verhaltensoriginell), Petzi (dito), Pumuckl (siehe Petzi und Michel aus Lönneberga), Baba oder Bella sind immer noch bei den Kindern beliebt. Leider mangelt es dem größten Teil der Kinderbücher neueren Datums entweder an den Bildern, den Texten oder an beidem.

Weniger als 50 Prozent aller Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern vor. Der Fernseher und der Computer können einem Kind nie das geben, was ein Buch zu geben fähig ist: Fantasie. Geben wir auch den Antiquitäten, wie Max und Moritz, in den Bücherregalen eine Chance. Sie sind besser als wir alle glauben. So sind die einzelnen Reimzeilen in dem Meisterwerk von Wilhelm Busch selten länger als acht Wörter. Ideal für Kinder in der Sprachentwicklung. Außerdem kommt hier noch ein Deutsch zur Sprache, das nicht mit Anglizismen oder Kunstwörtern verwässert ist. Man stelle sich vor es hieße im Max und Moritz statt „Federvieh“ plötzlich „Chicken“! Allen Leuten mit Sendungsbewusstsein zum Trotz: Max und Moritz ist ein sehr gutes Kinderbuch PUNKT

P.S. Mein Kind und ich amüsieren und immer wieder über die Streiche von Max und Moritz!

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„Die Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben. Ihr äußerster Grad ist der Tod.“ Als ein Demonstrant dieses Brecht-Zitat am Samstag auf dem Rathaus-Platz vorliest, schallt aus dem Hofbräuhaus zünftige Blasmusik. Touristen flanieren mit Eis und aufgefaltetem Stadtplan vorbei, manche beäugen die Gruppe von vielleicht 80 – meist jugendlichen – Radfahrern, die vor dem […]

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