Schweigen und streiten

Diskussion im Stadtnorden: „Warum sind Sie für den Bau der Sallerner Brücke?“ „Geh ausm Weg, sonst lass ma di von der Polizei weg bringen.“Auf die Bürgerinitiative LOS (Leben ohne Stadtautobahn) waren die etwa 70 Teilnehmer des von der CSU initiierten Schweigemarsches am Freitag durch die Sandgasse beileibe nicht gut zu sprechen. „Für den Bau der Osttangente“ und „Für den Bau der Sallerner Regenbrücke“ gingen sie mit Schildern und Transparenten auf die Straße. Den Bau der Sallerner Regenbrücke lehnt hingegen die BI LOS bekanntermaßen ab. Nun wartet alles gespannt auf den Gerichtsentscheid über die Zulässigkeit eines entsprechenden Bürgerbegehrens. Der fällt am 18. Juni. Empfindlich reagierten die Brückenbefürworter am Freitag auf die Frage eines Passanten, der sich dem Schweigemarsch kurz in den Weg stellte und mehrfach die Frage stellte: „Warum sind Sie für den Bau der Sallerner Regenbrücke?“ Der ältere Herr erntete barsche Worte und von Hans Otter (Bürgerforum Sallern; Brückenbefürworter) die Drohung, ihn von der Polizei entfernen zu lassen. Symptomatisch für die Situation im Stadtnorden: Brückengegner und -befürworter stehen sich unversöhnlich gegenüber. Von Diskussionsbereitschaft ganz zu schweigen. Den Einwand der BI LOS, dass der Bau der Sallerner Regenbrücke keinerlei Entlastung bringt, konterten die Marschierer prompt mit einem eigenen Transparent: „Herr Mayer und die BI LOS blockiert die Behörden. Außerdem verbreitet er falsche Verkehrszahlen.“

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Kommentare (6)

  • Werner Mayer, BI LOS

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    Diese Demonstration war ein Zeichen offensichtlicher Ignoranz. Die Aussage auf einem mitgeführten Transparent „Herr Mayer und die BI LOS blockiert die Behörden. Außerdem verbreitet er falsche Verkehrszahlen“ ist nicht nur grammatikalisch, sondern auch inhaltlich grottenfalsch. Falls die Demonstranten wirklich glauben, dass die von uns nur weitergegebenen Zahlen nicht stimmen, können wir das gerne dem Herrn Professor Kurczak mitteilen, der das hier zitierte Verkehrsgutachten verfasst hat. Allerdings haben sie dies anscheinend noch immer nicht gelesen und/oder nicht verstanden. Denn es geht daraus klar hervor, dass durch den Bau der Sallerner Regenbrücke der Bereich der Sandgasse um keinen Deut entlastet würde, im Gegenteil, in einigen Bereichen nähme der Verkehr sogar noch zu. Welche Interessen vertreten diese Demonstranten denn eigentlich? Bestimmt nicht die der Anwohner!

  • Reinhold Breuer

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    Wer menschlichen Brückenbau forderte, sollte Streit nicht da aufbauschen, wo er weiß, dass er bloß um des Kaisers Bart geht. Oft mag auch nicht jeder Demonstrant jedes Plakat.

    Der 1.Vorwurf an Herrn Mayer passte besser in eine vordemokratische Zeit. Haarspalterisch ist der Streit, ob die Verkehrszahlen des städtischen Plans (im Verkehrsgutachten P7) zu vergleichen sind mit Plan P0 des Verkehrsgutachtens (ohne Baumaßnahmen im Stadtnorden/Verkehrsentlastung) oder mit Plan P4 (nur Osttangente bis B16/obige minimale Verkehrszunahmen). Die Kampfhähne wussten auch vor meinem letzten Diskussionsbeitrag, dass minimale Unterschiede zwischen Verkehrsmengen belanglos sind für die Wahrnehmung von Verkehrslärm durch die Anwohner. Gegen Lärm wichtig sind Lkw-Verlagerungen auf die Osttangente möglichst bis zur B15. Dafür müssten beide Seiten am Plan P6 des Gutachtens arbeiten und Lkw-Verkehrsprognosen besorgen.

    Laut Verkehrsuntersuchung reicht allerdings Plan P6 bei weitem nicht aus. Diese vorgebliche Alternative der BI LOS belastet die Pfaffensteiner Brücke immer noch um 9% mehr als in der Analyse 2003/2004 der Verkehrsuntersuchung. Hat sie gegen die prognostizierten Rückstaus in den Pfaffensteiner Tunnel keine berechenbar ausreichenden Verkehrskonzepte? Hier lohnt ernsthafter Streit um Verkehrszahlen.

  • Hirtreiter Gerlinde

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    Herr Aigner hat Fehler beim Ablesen des Plakates gemacht! Originaltext hieß: „Herr Mayer von der BI-LOS blockiert die Behörden, außerdem verbreitet er falsche Verkehrszahlen“.
    Laut Mayer, Verkehrsexperte von „Gottes Gnaden“, berichtet er in der MZ vom 05.06.2008, dass in der Sandgasse 1000 Fahrzeuge täglich fahren -schön wärs- davon können wir leider nur träumen. Tatsächlich sind es weit mehr als das 10-fache.
    Übrigens waren es laut Polizeimitteilung über 100 Demonstranten und keine 70.

  • Werner Mayer, BI LOS

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    Die von uns genannten Zahlen sind nach wie vor genau dem Verkehrsgutachten entsprechend, bloß hat der Reporter der MZ bei der Zahl „1000 Autos für die Sandgasse“ nicht dazu berichtet, dass es sich dabei um die Prognose für das allerletzte Ende der Sandgasse/Kreuzung Frauenzellstraße handelt. Da Frau Hirtreiter leider nicht in der Lage ist, das Verkehrsgutachten zu lesen und/oder zu verstehen, sind ihre Wünsche nicht klar. Will sie die Sallerner Regenbrücke oder will sie weniger Verkehr in der Sandgasse. Beides gleichzeitig geht (laut Verkehrsprognose, die sie s. o. immer noch nicht gelesen und/oder verstanden hat) nicht. Denn mit einer Sallerner Regenbrücke nimmt der Verkehr in einigen Teilen der Sandgasse sogar zu trotz des Baus der zu befürwortenden Osttangente. Aber Zahlen, die nicht gefallen, werden einfach ignoriert!

  • Hirtreiter Gerlinde

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    Was ich will, kann ich Ihnen gerne aufzählen:
    1. Daß die beiden BI`s mit ihrer Klage vor dem Verwaltungsgericht am 18.Juni scheitern und zwar endgültig.
    2. Daß 26 Jahre Warten auf die Ostumgehung endlich ein Ende haben, deswegen zweispuriger Ausbau ohne Deckel mit zusätzlichem Lärmschutz an der Bahn, um den nordöstlichen Landkreis und das Industriegbiet Haslbach an den Südosten der Stadt anzubinden, damit die Chamer-Straße, Straße Wutzlhofen, Sandgasse usw. vom Durchgangsverkehr entlastet werden.
    Nebenbei sei noch erwähnt, daß der von Ihnen gemeinte nördlichste Teil der Sandgasse zur Frauenzellstraße in eine Sackgasse mündet und nur Anliegerverkehr hat.
    Warum sie ausgerechnet nur dieses Teilstück aus der Sandgasse mit nur 1000 Fzg. aus dem Verkehrsgutachten herausgepickt haben und nicht die belasteten andere Teile dieses Straßenzuges ist schon sehr merkwürdig!
    3. Daß nach 45 Jahren Verzögerungen die Sallerner Regenbrücke gebaut wird, um die Lappersdorfer- und Amberger-Straße vom nordwestlichen Umlandverkehr zu entlasten.
    „Beide Projekte, Sallerner Regenbrücke und Ostumgehung haben deutlich unterschiedliche Aufgaben und können sich nicht gegenseitig ersetzen“(Stellungnahme der Verwaltung zur Bürgerinformation am 16.03.1994).

  • Werner Mayer, BI LOS

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    Zu Punkt 1 von Frau Hirtreiter: Ihr Wunsch wird sich sehr wahrscheinlich nicht erfüllen, denn falls unsere Klage abgewiesen werden sollte, werden wir (ich verrate hoffentlich keine Geheimnisse!) selbstverständlich in die Revision gehen. Aber abgesehen davon, dass die Stadt mit ihrem eigenen Planfeststellungsverfahren hinten und vorne nicht zurecht kommt: Können Sie sich vorstellen, wie lange Enteignungsverfahren, die ganz sicher nötig sein werden, dauern können? Und was haben Sie übrigens für ein Problem mit demokratischen Errungenschaften wie einem Bürgerbegehren? Wenn Ihnen die Fragestellung nicht gefällt, können Sie ja nein sagen, Ihr gutes Recht, aber auch das Recht aller anderen, ihre andere Meinung dazu zu äußern.
    Zu Punkt 2: Mit der Befürwortung einer Ostumgehung sind wir uns ja einig, aber warum denn ohne Deckel? Was haben Sie eigentlich gegen die Bewohner des Brandlbergs? Und für den Lärmschutz an der Bahn ist diese selbst zuständig, nicht die Stadt Regensburg.
    Nebenbei sei noch erwähnt, dass sich der Journalist der MZ genau diese Zahl des Verkehrsaufkommens Sandgasse/Frauenzellstraße ganz selbständig herausgepickt hat, wirklich ohne uns vorher um Erlaubnis zu fragen, das können Sie mir also nicht vorwerfen.
    Zu Punkt 3: Durch eine Sallerner Regenbrücke werden keine Probleme gelöst, sondern nur verlagert. Die Verkehrsbelastung für die Anwohner der Amberger Straße würde zwar von vorne deutlich reduziert (das wäre gut!), dafür nähme der Lärm von der Brückenseite her massiv zu (wäre das auch gut???). Das wird sehr gerne ignoriert von den dortigen Brückenbefürwortern. Dass Ihnen unser Naherholungsgebiet am Regen egal ist, glaube ich sofort, aber haben Sie schon mal einen Gedanken an die Anwohner in Reinhausen , Steinweg und auch am Sallerner Berg verschwendet, die dann genau den Lärm hätten, über den sich die Aktivisten der Amberger Straße beschweren? Das nennt man das St. Florians-Prinzip! Was die Lappersdorfer Straße angeht, können sie eine merkliche Entlastung getrost vergessen. Sie sollten so langsam doch einmal das Verkehrgutachten des Professors Kurczak lesen. So schwierig ist das nun auch wieder nicht, auch wenn darin Zahlen stehen, die Ihnen nicht gefallen werden, z.B. dass mit dem Bau einer Sallerner Brücke der Verkehr in der Sandgasse zunimmt. Sagt der Professor!!!

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