Ein subjektiver Überblick

Kleine Wochenschau

Die Stadt arbeitet an neuen PR-Strategien, der Wahlkampf von #DerHammerl läuft auf vollen Touren und Regensburg wird immer urbaner. Das und mehr in einer kleinen Wochenschau.

Whisky in the Jar

Da bleibt kein Auge trocken: "Dem Hammerl sein Videoblog".

Da bleibt kein Auge trocken: „Dem Hammerl sein Videoblog“.

Während der CSU noch eine Kampfabstimmung darüber bevorsteht, wer nun für den Bundestag kandidieren wird – Astrid Freudenstein, Peter Aumer oder Philipp Graf Lerchenfeld – läuft der Wahlkampf des SPD-Kandidaten bereits auf vollen Touren. In einem eigenen Videoblog präsentiert der #DerHammerl, wie sich Tobias Hammerl in den sozialen Medien nennt, jeden Sonntag nicht nur erlesene Whisky-Sorten aus seinem Fundus, sondern auch politische Botschaften. Ideen. Visionen.

In der neunten Folge von „Dem Hammerl sein Videoblog“ beschäftigt sich Dr. Hammerl bei einem Gläschen Auchentoshan (Warum #DerHammerl Whisky und nicht Bier trinkt, erklärt er übrigens in der ersten Folge seines Videoblogs.) mit dem Thema Verkehr und präsentiert – Trommelwirbel – einen Tunnel – von der Clermont-Ferrand-Allee Richtung Kneiting. Als Alternative zur Kneitinger Brücke, die – getreu dem Motto „Stadt und Land – Hand in Hand“ – im Landkreis immer wieder gefordert und von der Stadt im ebenselben Rhythmus abgelehnt wird. Eine Lösung also, so ein Tunnel?

Wir erinnern uns: Der Freie Wähler Günther Riepl schlägt seit über 20 Jahren einen Tunnel als Alternative zur Steinernen Brücke für den ÖPNV vor. Von der CSU brachte ihm das das Attribut „nicht nur irr, sondern wirr“ ein und seit die Freien Wähler mit vom Koalitionstischchen naschen dürfen, hat man von der sogenannten „Riepl-Röhre“ nie wieder etwas oder allenfalls etwas verschämt-nostalgische Bemerkungen gehört.

Der CSU-Oberbürgermeister-Kandidat Christian Schlegl hat mit seinem Vorschlag, die Altstadt zu untertunneln – die Kopie einer Friedrich Viehbacher-Idee aus den 80ern – sein anschließendes, desaströses Wahlergebnis noch um ein paar Punkte gedrückt – vom Spott seinerzeit ganz zu schweigen.

Und so verwundert es weder, dass Schlegl die Hammerl-Vision nun etwas beleidigt also „unseriös“ abkanzelt, noch, dass Oberbürgermeister Joachim Wolbergs selbige auf Nachfrage lediglich wortkarg mit einem „Wir beschäftigen uns grundsätzlich mit allen Vorschlägen“ kommentiert. Den genervten Gesichtsausdruck dazu kann man sich fast schon bildlich vorstellen kann. Man will ja nicht in einen neuerlichen Tunnel-Strudel gezogen werden.

Vielleicht könnte #DerHammerl sich ja zunächst etwas konkreter mit seiner Kritik am Regensburger ÖPNV beschäftigen, der, so sagt er in seinem Videoblog, wenig benutzerfreundlich sei und „seine Fahrgäste allein“ lasse, obwohl es doch „ganz einfach“ sei und „gar nicht so viel kostet“, um derlei Probleme zu lösen. Also: Auf geht’s, Herr Hammerl. Dafür müssen Sie nicht nicht einmal in den Bundestag. Es reicht ein Antrag im Stadtrat. Und da sitzen Sie ja schon. Sogar in der Regierung.

Frauengeschichten

Christian-Janele3Er hat mal wieder eine Pressemitteilung verschickt: Christian Janele. Der CSB-Stadtrat für alle Fälle. Bekannt durch Vorschläge für Frauentaxis und Papstplätze, beliebt wegen seiner über die Medien verbreiteten Urlaubsfotos und Tipps fürs richtige Wassertreten. Nun hat der Mann für die Wurstkorbisierung der politischen Kommunikation sich erneut in Szene gesetzt und wieder setzt er sich für Frauen ein. Unter dem Motto „Der Brandlberg soll weiblicher werden“ teilt Janele mit, dass sein Vorschlag, im neuen Baugebiet die Straßen vor allem nach starken und tatkräftigen Frauen zu benennen „großen Anklang“ gefunden habe. Wo es diesen großen Anklang gegeben hat, erwähnt Janele nicht, als sicher darf aber gelten, dass dieser Anklang nicht von der SPD-Fraktion kam.

Die hat nun ihrerseits eine Pressemitteilung verschickt, um zu erklären, dass sie schon viel früher dran war mit der weiblichen Benamung von Regensburgs Straßen. „Trittbrettfahrer“ und „Copy&Paste-Mentalität“, zetert also Norbert Hartl „schmunzelnd“, wie es in der Mitteilung heißt. Schließlich seien unter SPD-Regie bereits über 30 Straßen nach Frauen benannt worden, so der SPD-Fraktionschef, der in seiner Erklärung auch noch erstaunliches Insider-Wissen zu Straßennamen an den Tag legt. Oder hätten sie gewusst, dass die Gerhardingerstraße ihren Namen einer Frau verdankt? Da geht der Wurstkorb wohl dieses mal an Herrn Hartl.

Die neue Urbanität

img_8827Urbanität. Seit Joachim Wolbergs zum Oberbürgermeister gewählt wurde, ist dieses Wort in aller, vor allem in seinem Munde. Es löst damit die Popularität des Wortes „nachhaltig“ ab, welches Wolbergs‘ Vorgänger Hans Schaidinger so gern im Mund führte, dass er irgendwann sogar irgendeinen alten Schrank im Rathaus damit attributiert haben soll.

Was es genau mit dieser Urbanität auf sich hat, wird nicht wirklich konkretisiert. Joachim Wolbergs hat es bereits in Zusammenhang mit seiner Wahl (echt urbanes Wählerverhalten), dem Degginger (voll urbanes Kreaivdingens) und dem Radeln in der Altstadt (urbane Lockerheit) verwendet.

autonomWeniger nutzt das Stadtoberhaupt das Wort in Zusammenhang damit, dass es – mehr Discos, mehr Kneipen, mehr strömendes Landvolk – des nächtens auch mal lauter werden kann, dass sich immer mehr Touristen durchs Welterbe drängeln und dass jene, die günstigen Wohnraum bräuchten immer mehr an den Rand gentrifiziert werden. Auch das ist urban, aber eben nicht so schön.

Urban im Sinne von kosmopolitisch wird nun auch zunehmend die Beschilderung – Verbote gibt es auch für unsere Gäste aus Fernost und städtische Werbekampagnen zur Müllvermeidung, bei denen ein Autonomer – vermutlich aus der Feder von Banksy – vom Steineschmeißer zum Müllvermeider geadelt wird. Voll urban, ey!

Hauptsache in der Zeitung!

wolbergs1Es sieht nach einem Lernprozess aus. Nachdem die Spendenaffäre rund um die Baubranche und Oberbürgermeister Joachim Wolbergs Regensburg zu weit mehr überregionaler Aufmerksamkeit verholfen hat, als es das Triathlon-Event Challenge je vermocht hätte, scheint man im Rathaus verstärkt auf das Pferd Skandälchen und Peinlichkeiten zu setzen. Der neuste Coup ist die Präsentation eines angeblich zufällig entdeckten Werks von Albrecht Dürer im Depot des Historischen Museums.

Der Hobbyforscher Rudolf Reiser, der gerne mit eigenwilligen Ansichten glänzt und beispielsweise die Judensau am Regensburger Dom als die Romulus und Remus säugende Wölfin interpretiert wissen will, hat diesen verborgenen Schatz entdeckt. Und bei der Stadtführung brach ob dieser Nachricht offenbar so helle Freude aus, dass man schnurstracks zur Pressekonferenz lud, um diesen unverhofften Fund zu feiern. Doch zwischenzeitlich ist die Feierlaune dem Katzenjammer gewichen.

Mehrere Experten bezweifelten zunächst die Reisersche Theorie. Und zwischenzeitlich ist klar: Bei dem Kunstwerk handelt es sich um eine Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, wo man sich schon länger sicher ist: Ein Dürer ist das nicht. Das sei auch dem Regensburger Museum bekannt und das vom Oberbürgermeister protegierte Gerede Reisers ein „Hirngespinst“. Und so gab es nach der Sensationsberichterstattung gleich noch kostenlose Blamage-Meldungen obendrauf. Zum Wohle Regensburgs, denn: There ist no bad PR!

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Kommentare (14)

  • Matthias B.

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    Ui, ui, ui. ui, ui! Die Welle der Horror-Clowns hat Regensburg erreicht, war mein erster Gedanke, als ich dem Hammerl seine Videobotschaft geklickt habe.
    Die Schocker-Clowns sind aber längst unter uns. Wer einen Dr. Rudolf Reiser im Museums-Depot wühlen lässt, kann nur ein Witzbold sein. Einer mit einem unbarmherzig grausamen Humor. Kann aber auch sein, dass es intellektuell nicht ganz langt. Jeder blamiert sich halt so gut er kann!

  • Totenhosen

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    Die Bürger der Stadt Regensburg werden es nicht einfach haben bei der nächsten OB Wahl.Ob CSU oder SPD ,FDP auch Grüne die werden es bestimmt auch schwierig haben im Wahlkampf für die Zukunft.Die Regensburger Parteien müssen das Vertrauen der Bürger wieder zurückzugewinnen.

    Was mir aber sehr große sorgen macht in Regensburg,was hat die AFD Partei vor??Da ja die AFD Chefin Frauke Petry nach Regensburg kam und sich im Geheimen mit Bora Ataman sich getroffen hat.Was kann das bedeuten für die Stadt Regensburg????Was haben die beiden wirklich vor,oder war das alles nur ein Schauspiel wie Dr. Franz Rieger in der Mittelbayerische Zeitung Stellung bezogen hat für das vorgehen von ihrem ehemaligen CSU Integrationsbeauftragen Bora Ataman.

  • Raab

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    Sollte Bora Ataman tatsächlich gegen Wolbergs antreten bei der nächsten Wahl für die AFD als OB Kandidat für die Stadt Regensburg,dann haben alle Parteien wirklich ein sehr großes Problem.

  • blauäugig

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    @Raab Bora als OB-Kandidat ist keine Drohkulisse, sondern allenfalls ein running gag, keine Partei wird ihn aufstellen, wenn er schon nicht mal seine Mitgliedsbeiträge bezahlt.

  • tom

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    Und ich war immer der Meinung, dass es zu Donald Trump als US-Präsident keine Steigerung mehr gäbe. Doch Bora Ataman als OB in Regensburg wäre noch eine Schippe draufgelegt…..

  • Bruder Berthold

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    Rudolf Reiser studierte Geschichte sowie Südost- und Osteuropakunde, mit dem Begriff „Hobbyforscher“ scheint mir das nicht so recht zusammen zu passen. Und immerhin bringt er in die Regensburger Geschichtsschreibung ein wenig Bewegung, und das tut ihr sehr gut, denn es steckt doch alles in erhabener Wissensüberheblichkeit fest.
    Seine Thesen zu der als „Judensau“ benannten Figur finde ich jedenfalls interessant und durchaus nachvollziehbar.
    Und wenn er jetzt mit 75 Jahren noch den Wunsch hat, ein verschollenes Gemälde zu entdecken – wer will’s ihm übel nehmen? Doch gewiss nicht RD, oder?
    Die Pressekonferenz hat dann ja wohl auch die Stadt einberufen, wenn ich es richtig lese. Also lasst die Häme dort, wo sie hin gehört.

    Grüß Gott!

  • Peter Lang

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    Sehr geehrter Bruder Berthold,
    richtig: zur Pressekonferenz hat die Stadt einberufen. Das ist schlimm, das ist in diesem Falle sogar skandalös!
    Aber, wenn ein 75-Jähriger den Wunsch verspürt, ein verschollenes Gemälde zu entdecken, dann ist das sein Problem und kein Thema, das in städtischen Räumen verhandelt werden sollte. Wer in der Stadtverwaltung ist auf Herrn Dr. Reiser hereingefallen? Wer hat sich von seinem Geschwätz einlullen lassen? War es der heimliche Wunsch, tatsächlich mit einem Sensationsfund überregional in die Presse zu kommen? Das ist gründlich gelungen.
    Reisers Thesen zur „Judensau“ sind himmelschreiender Unsinn. Ich erinnere mich an seine mit großer Presse-Entourage abgehaltene Domführung von vor zwei Jahren, wo er sich verstieg, der Dom sei in Wirklichkeit viel eher eine Mosche als eine Kirche, Figuren an der Westfassade identifizierte er als Zarathustra, Homer und Mohamed (auf Geheiß Ratzingers aber abgenommen und seither in den Garten der Dombauhütte verbannt, so Reiser). Reisers Geschwätz von einem abgeschlagenen „Phallus-Stab“ des Verkündigungsengels in der Vierung, setzte allem die Krönung auf.
    Er mag ein Fachmann auf dem Gebiet Südost- und Osteuropakunde sein, seine eitlen und unqualifizierten Thesen zur Kunstgeschichte sind blanker Unsinn!

  • joey

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    Hat jemand (Archivpersonal) Dr. Reiser ins Messer laufen lassen? Oder gibt es in Regensburg Flutwellen der politischen Durchsetzung eigener Wahrheiten?

    Reisers konkreter Irrtum geht ja um die Eigentumsverhältnisse. Das Gemälde ist nicht zugeordnet, es wäre also auch nicht völlig auszuschließen, daß es ein Dürer ist. Aber auch nicht mehr, das sollte Reiser klar sein.
    Tröstet Euch: in Straubing wird auch (von einem durchsetzungsstarken SPD Stadtrat) fest behauptet, man hätte ein Dürer Fenster. Ganz ohne Beleg, reine Zuschreibung. Sicher ist, daß es ein sehr hochwertiges Fenster ist, aber ein Dürer klingt tourismuswerbetechnisch viel besser, weil einen Altdorfer ja „keiner“ kennt. Schon allein deswegen kann in Regensburg auch nur ein Dürer sein, oder wäre es gar ein Mona Lisa Zeug, wollen wir nicht gleich Paris…?

    Zum Schluß kann man noch fragen, warum so schöne Gemälde in Regensburger Magazinen aufbewahrt werden. Vermutlich, weil sie sonst in Münchner Magazinen bleiben, die aber schon viel zu voll sind. Gab mal eine (recht fränkische) Idee, die Kunstwerke dorthin zurückzubringen, wo König Max sie gestohlen ähm eingezogen hat. Ist bald auch kein Problem mehr, denn die meisten Klöster und Großkirchen gehören ohnehin bald dem Freistaat (Nachwuchsproblem der Kirche), da ergeben sich viele Zweigmuseen.

    So eine umfangreiche Possenschachtelung, was macht sich der Münchner FAZ Journalist lustig um Wolbergs Spenden, die haben jetzt mit dieser Dummheit sachlich nichts zu tun. Na, wenn man schon mal in der Provinzstadt ist und sich dort als Groß Münchner so langweilt…

  • Lutz

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    Es mag ja fortschrittlich sein, mal nicht nur die männlichen Genossen mit Straßennamen zu ehren, selbst wenn das von einer eher selbstgefälligen Seite kommt, von der ich sicher bin, dass dessen sonstige Vorschläge bei den zu ehrenden Frauen keinen Anklang gefunden hätten.
    Allerdings wundere ich mich in dem Kontext immer wieder, wieso der Agnes-Miegel-Weg (noch) existiert, trotz Maßnahmen der Entnazifizierung von Straßen- und Institutionsnamen … Also hat da die SPD „schlecht recherchiert“? Interessant.

  • altstadtkid

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    Urban vs. Nachhaltig ist super :o)

  • Rentnerin

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    Dr. Hammerl kann man guten Gewissens wählen – unverdorben und integer.
    Hoffentlich klappt es, ich wünsche Ihm viel Glück.

  • hutzelwutzel

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    @Bruder Berthold:

    Bitte mal! (Aber wirklich). Reisers Absicht die römische Gründungslegende mit der „Judensau“ in Verbindung zu bringen ist doch abstrus. So abstrus wie Herrn Ungers Anti-Napoleon-Propaganda, die jetzt – wie die „Judensau“ – nicht mehr entfernt werden darf.

  • Kleine Wochenschau » Regensburg Digital

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    […] Museumsfundus entdeckt haben. Recht rasch zeichnete sich ab: Diese Behauptung ist Quatsch. Schon unmittelbar nach der vermeintlichen Sensationsmeldung bezeichneten Experten Reisers Theorie al… Und nun ist dieses Hirngespinst auch gutachterlich belegt. In einer städtischen Pressemitteilung […]

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