SOZIALES SCHAUFENSTER

Kommentar zum Kulturreferenten

Narrenfreiheit, (hoffentlich) ein letztes Mal

Zum Ende seiner Amtszeit liefert Kulturreferent Klemens Unger ein weiteres Exempel seines selbstherrlichen Amtsverständnisses. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer setzt dabei eine Tradition fort: Der Mann hat Narrenfreiheit. 

Eingriffe ohne Absprache, keine Reaktion auf Anfragen der Betroffenen und am Ende der Bruch von schriftlichen Vereinbarungen und Zensur – das Verhalten von Klemens Unger gegenüber Eva Haverkamp-Rott ist feige und schäbig. Leider passt es ins Bild, dass die Bürgermeisterin nicht interveniert und ihn gewähren lässt. Sie setzt damit die Tradition ihrer Amtsvorgänger fort, die den regelmäßigen Fehlleistungen Ungers keine Konsequenzen folgen ließen.

Fehlleistungen am laufenden Band

Sei es die Posse um eine Gedenktafel für das frühere KZ-Außenlager Colosseum, bei der Unger den Stadtrat zunächst über die Eigentumsverhältnisse des Gebäudes mit der Unwahrheit bediente und wo später unter seiner Verantwortung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine (nun wieder entfernte) verharmlosende Bodenplatte verlegt wurde.

Sei es die geschichtsverfälschende Napoleon-Inschrift, die Unger ohne Abstimmung mit Denkmalschutzbehörden ins Pylonentor in Stadtamhof meißeln ließ.

Sei es die Verquickung von Privat- und Dienstinteressen bei der Versetzung des König-Ludwig-Denkmals.

Sei es seine Würdigung des NS-Musterbetriebs Messerschmitt in der Bewerbungsschrift für das „Museum für Bayerische Geschichte“ als Dreiklang aus „wirtschaftlichem Fortschritt, politisch demokratischer Stabilität und kultureller Identität“.

Sei es sein, vorsichtig formuliert, generelles Desinteresse an einer Gedenkpolitik, die diesen Namen auch verdient. Die Reihe ließe sich weiter fortsetzen.

Stadtspitze blieb tatenlos

Nie gab es eine Rüge, nie eine Intervention von oben oder gar eine Entschuldigung für Ungers selbstherrliches Amtsverständnis. Eine bereits 2010 eingereichte Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Kulturreferenten beantwortete die Stadtspitze nur unzureichend, sie blieb ohne Konsequenzen für Unger und der Verfasser der Beschwerde wurde vom Kulturreferenten (am Ende erfolglos) vor Gericht gezerrt.

Ein Gros der Stadträte wollte Unger schon lange los werden. Bei der vorletzten Wahl musste Joachim Wolbergs den frisch operierten Stadtrat Thomas Burger aus dem Krankenhaus ankarren, um seine nochmalige Wiederwahl als Kulturreferent zu sichern. Dann gab es noch zwei weitere Gnadenjahre. Diese Amtszeit beendet Unger nun mit einer erneuten Fehlleistung. Zumindest ist diese – die Amtszeit, nicht die Fehlleistung, da wäre theoretisch noch was drin – seine letzte. Zumindest ein Lichtblick.

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Kommentare (11)

  • joey

    |

    ist es vielleicht ein Trost, daß die Broschüre ohnehin kaum wer liest und die Judensau so oder so von jedem nach Belieben beachtet oder ignoriert wird?

    Daß die Regensburger judenfeindlich mit steigender Militanz waren, ist ja durch die Vertreibung und Abbruch der Synagoge eindeutig nachgewiesen.

  • Ernst Burger

    |

    Wen wundert der Herr Unger denn überhaupt noch ? Das ist doch keineswegs untypisch für das generelle Niveau der Regensburger Lokalpolitik:
    Ein früherer Tourismusverkäufer darf „Kultur“referent spielen, wovon er eh nichts versteht, in Besoldungsgruppe B3 – und wird von den Stadtratsfraktionen immer wieder neu ausgemauschelt … Peinlich – aber: eh wurscht …

  • Giesinger

    |

    Servus Herr Aigner!

    Sie begrüßen uns in Ihren rosa unterfärbten Kommentaren immer mit „Morgen, Regensburg!“

    Könnte man demnächst oder mittlerweile nicht mal zwischendurch sagen „Nacht, Regensburg!“

    ?

  • Dieter

    |

    Das einzig Gute an Unger ist, dass er diesen Job nicht mehr lange macht. Er hat kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen – in der freien Wirtschaft hätte er höchstens zum Hofkehren oder im Vorstand getaugt. Aus dem Peter-Prinzip wird hier regional das Klemens-Prinzip.

    Eine Frage hätte ich:
    Kann sich jemand an das Skandälchen erinnern, als er zum Bürgerfest (zeitnah zu seinem Amtsantritt?) 2000 „Unger“ Shirts auf Stadtskosten machen ließ, die dann – surprise, surprise, niemand haben wollte?
    Vielleicht sind die Details auch nicht ganz korrekt, googlen hat mir leider nicht weitergeholfen…

  • Günther Herzig

    |

    @Giesinger, geht nicht, abends bin ich müde und nicht mehr aufnahmefähig. Mein Tag beginnt früh, gestern um 04.00 Uhr. Und dann hat mich doch tatsächlich jemand gestern Abend angerufen, als ich schon geschlafen habe (19.30 Uhr).
    Andererseits, er konnte das ja nicht wissen. Nix für unguat!

  • Lutherer

    |

    Ich muss hier mal eine Lanze für Herrn Unger brechen: Man muss den Kulturreferent als Gesamtkunstwerk verstehen. Kunst und Kultur in personifizierter Entscheidungsgewalt, ein Kulturschmelztigel gefüttert mit Glut und Schlacke, im Willen für die Kunst zu brennen. Keiner in der Stadt schafft es so wie Unger, durch gezielte Provokationen kulturell progressive Diskussionen anhand von profansten und (ausdrücklich) nur scheinbar provinziellen Aktionen herbeizuführen. Die satirisch subversiven Kunstaktionen wie bei der Geschichtsklitterung ist ja nur ein Beispiel von vielen. Es ist erstaunlich wie es Unger geschafft hat, einer gesamten Stadt im Rahmen seines Gesamtkunstwerkes „SchildaRegensburg“ den Spiegel vorzuhalten und dabei in bester Manier eines Hofnarren den Herrscher, nämlich das Volk (Demokratie), an der Nase herumzuführen. Das wahrscheinlich größte und langandauerndste satirisch-tragische Kunstwerk Regensburger Kulturgeschichte geht bedauerlicher Weise bald mit seiner Amtszeit zu Ende. Die Kulutrgemeinde darf in Regensburg auf einen Paukenschlag gefasst sein. Vielleicht ist Regensburg ja in „Wirklichkeit“ die Heimatstadt Frida Kahlos? Oder: Die sixtinische Kapelle wurde von den Asam-Brüdern bemalt? Wir werden sehen und dürfen gespannt sein. Zum Schluss möchte ich das Werk Ungers unter der Überschrift „Transzendenz der Satire“ einordnen!

  • Schwarzmeertanker

    |

    Ein Beamter (auch kommunaler Wahlbeamter, oder Beamter auf Zeit) wird in den letzten Monaten vor seinem Ruhestand immer in Ruhe gelassen, wenn er kein schweres Dienstvergehen i. S. d. Strafgesetzbuches begangen hat. Frau Bürgermeisterin wird sagen, auf die letzten paar Monate oder Wochen, belaste ich die Personalverwaltung und meine Nerven nicht disziplinarisch mit einem sehr baldigen Ruhestandsbeamten, der die letzten zehn Jahre unbehelligt war. Und dies ist umso häufiger je höher die Besoldungsgruppe ist. Und wer die Strukturen im öffentlichen Dienst kennt, weiß diese Aussage aus Erfahrung zu bestätigen.
    Ganz nebenbei ist damit auch Ruhe vor und im Kommunalwahlk(r)ampf.

  • Tom O'Burger

    |

    Vorschlag zur Abschreckung und/oder Erinnerung:
    Eine Inschrift an den westlichen Pylon des Stadamhofer Tores „1999 – 2019 SCHRECKENSJAHRE UNTER UNGER“.
    Dann überlegt es sich das nächste Mal vielleicht der ein oder andere „totkranke“ Stadtrat doch, ob er sich zur Kariererettung eines solchen Wahlbeamten ins Plenum schleppt.

  • JR

    |

    Aus der Provinz, für die Provinz. Das war beim Unger so und hat sich beim Nachfolger nicht geändert. Nach Regensburg kommt nur, bei denen es für einen Platz an den großen Tischen nicht reicht. Solange von den Entscheidern niemand über den Tellerrand hinaus schaut, wird sich das für Regensburg nicht ändern.

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