Generalsanierung notwendig

Krematorium: Sanierungskosten verdoppeln sich

Im November war noch von 1,1 Millionen Euro die Rede, die der Stadtrat für die Instandsetzung des Regensburger Krematoriums bewilligen sollte. Nun sind daraus 2,2 Millionen geworden. Eine weitere Million kommt in einer zweiten Phase noch dazu. Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen zahlreicher Vorwürfe im Krematoriumsskandal.

Experten plädieren schon seit Jahren für einen kompletten Neubau des maroden Krematoriums Regensburg. Foto: rw

Es hatte natürlich nichts mit den Vorwürfen eines Mitarbeiters zu tun, oder mit dessen Strafanzeige wegen Körperverletzung, dass dem Stadtrat im vergangenen November empfohlen wurde, die „abgewirtschaftete Filteranlage“ des Krematoriums zu erneuern und diese Sanierungsmaßnahme um ein Jahr vorzuziehen. Das hatte Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig in der damaligen Sitzung mehrfach betont, als er für die Bewilligung der notwendigen 1,1 Millionen Euro warb.

Störfälle anders nicht zu verringern

Dass nun am kommenden Donnerstag beschlossen werden soll, nicht nur die Filteranlagen, sondern zusätzlich den kompletten Abgasweg zu erneuern, einen neuen Raum für Abgaskühler zu schaffen, die Staubsauganlage auszuwechseln sowie die Elektroleitungen und -technik der Rauchgasreinigung zu ersetzen und die Steuerung zu modernisieren, so dass sich die Kosten der Sanierung nun von 1,1 auf 2,2 Millionen Euro verdoppeln, steht – laut Beschlussvorlage – ebenfalls in keinerlei Zusammenhang mit irgendwelchen Mängeln, irgendwelcher Kritik oder Gefahren für Umwelt und Mitarbeiter. Nein, diese „Modernisierung des Krematoriums“ sei, das habe die Prüfung durch das im November beauftragte Münchner Ingenieurbüro ergeben, nun mal einfach nötig.

„Ansonsten könnte die Anzahl der durch die beschränkte Leistung der Abgaswärmetauscher beeinflussten Bypass-Fälle nicht signifikant verringert werden“, heißt es dazu in der Vorlage. Bypass-Fälle – das sind jene Fälle, in denen die Filteranlage zu heiß wird, die hochgiftigen Rauchgase deshalb umgeleitet und ungefiltert an die Umwelt abgegeben werden.

Darüber, wie viele solcher Fälle es alljährlich im Krematorium gab, gehen die Schilderungen zwischen dem früheren Krematoriumsmitarbeiter Georg B., der auch die Strafanzeige erstattet hat, und den Verantwortlichen bei der Regensburger Stadtverwaltung deutlich auseinander. Doch zumindest aus dem Jahr 2017 weiß man, dass es fast jede Woche einen solchen „Störfall“ gab. Ein eigentlich obligatorisches Betriebsbuch, in dem solche Fälle für die Vergangenheit dokumentiert wurden, habe es nicht gegeben, hieß es in der Vergangenheit vom zuständigen Amtsleiter Peter Müller (Die Ungereimtheiten und Widersprüche in Zusammenhang mit dem städtischen Krematorium können Sie hier in unserer ausführlichen und nach wie vor gültigen Recherche vom vergangen Dezember nachlesen.).

Von „Alles in Ordnung“ zur Generalsanierung

Fest steht mit der aktuellen Beschlussvorlage aber zumindest, dass sich die Argumentation von Rechtsreferent Schörnig und Amtsleiter Müller weg von einem „Alles in Ordnung“ hin zu eine Komplettsanierung des Krematoriums gewandelt hat, die nach Abschluss mindestens drei Millionen Euro kosten wird. In der Beschlussvorlage wird nämlich nun auch die im November noch wenig konkrete „Phase II“ der Sanierung weitgehend konkretisiert. Innerhalb von „ca. 3 bis 6 Jahren“ werden dann auch die beiden Öfen des Krematoriums „erneuert oder neu ausgemauert“ werden. Ersetzt werden müssen dann auch die Einfahrmaschinen und die Steuerungstechnik. Hier rechnet die Verwaltung mit Kosten von rund 850.000 Euro.

Am kommenden Donnerstag soll der Inhaber des beauftragten Münchner Ingenieurbüros die notwendigen Arbeiten und deren Kosten in der öffentlichen Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses näher erläutern.

Hintergrund

Bereits seit über einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft im Regensburger Krematoriums-Skandal. Es geht um gestohlene Kollektegelder, die Verbrennung von Körperteilen und Pathologieabfällen zusammen mit den Särgen Verstorbener, um Knebelverträge mit Bestattern und Betrug bei Abrechnungen. Der frühere Mitarbeiter Georg B. war einerseits an diesen Taten beteiligt, andererseits der erste, der gegenüber den Ermittlungsbehörden umfassend ausgesagt hatte.

Darüber hinaus hatte er seine Vorgesetzten wegen Körperverletzung angezeigt und den Zustand des Krematoriums kritisiert. Vor allem deshalb wurde er zunächst fristlos entlassen. Vor dem Arbeitsgericht einigte man sich dann auf eine ordentliche Kündigung mit Abfindung. Vorwürfe aus der Stadtverwaltung, denen zufolge B. selbst mehrfach die Warnanlage für Kohlenmonoxid im Krematorium abgestellt haben soll, bestreitet er. Das sei lediglich einmal auf Anweisung eines Vorgesetzten geschehen.

Auch in Zusammenhang mit den Körperverletzungsvorwürfen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Kommentare (1)

  • Emilia

    |

    sterbenslangweilig, ich lass mich sowieso plastinieren

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