SOZIALES SCHAUFENSTER

"Keinen genauen Zeitplan"

Mobilitätsdrehscheibe verzögert sich weiter

Die Planungen für eine „Mobilitätsdrehscheibe Unterer Wöhrd“ liegen fürs erste auf Eis. Grund sind Abstimmungsprobleme mit dem Welterbekomitee und deutlich überteuerte Angebote für die geplanten Schiffsanleger am Alten Eisstadion.

Die hier eingezeichneten Pläne für Schiffsanleger am Alten Eisstadion liegen auf Eis – ebenso die Mobilitätsdrehscheibe. Foto: Stadt Regensburg

Als der Stadtrat im April 2017 den Planungsauftrag für die „Parkbauten Mobilitätsdrehscheibe Unterer Wöhrd und Gräßlschleife“ erteilte, klang die Perspektive noch recht optimistisch. Für die sogenannte Mobilitätsdrehscheibe – konkret geht es dabei um ein Parkhaus mit 1.500 PKW-Stellplätzen, Stellplätzen für Fahrräder, Car-Sharing, Busse und Taxen, flankiert von etwas Infrastruktur – sollte zunächst eine Baumassenstudie in Auftrag gegeben werden. „Auf dieser Grundlage könnte dann in 2018/19 ein städtebaulicher Wettbewerb für das gesamte Areal vorbereitet bzw. durchgeführt werden.“

Angebote um 50 Prozent zu teuer

Folgt man aber einer aktuellen Stadtratsvorlage, wird bis 2023 zunächst nicht mehr viel passieren. Es geht um zusätzliche Schiffsanlegestellen am Alten Eisstadion, für die der Stadtrat bereits 2011 einen Grundsatzbeschluss gefasst hat. 2014 wurde der Bau auch genehmigt. Allerdings gingen bei einer ersten Ausschreibung nur Angebote ein, die deutlich über den veranschlagten Kosten lagen. Während die Verwaltung mit 2,7 Millionen Euro gerechnet hatte, lag das günstigste Angebot laut der aktuellen Vorlage bei rund vier Millionen Euro – also fast 50 Prozent darüber.

Nun soll das Projekt bis 2023 auf Eis gelegt werden, erst dann sind im städtischen Investitionsprogramm, dessen Fortschreibung derzeit in den Ausschüssen diskutiert wird, wieder Planungsmittel dafür vorgesehen – in Höhe von 250.000 Euro. Einher geht mit dieser Verschiebung der Anlegestellen auch eine der Mobilitätsdrehscheibe. So heißt es in der Beschlussvorlage, der die Mitglieder des Verwaltungs- und Finanzausschusses am Donnerstag mehrheitlich zugestimmt haben:

„Bauliche Maßnahmen im Bereich ‚Altes Eisstadion / Winterhafen‘, wie der Neubau der Jugendherberge und die Realisierung des ‚Mobilitätstreffs Unterer Wöhrd‘ sollen mit der Planung der Anlegestelle zeitlich und inhaltlich abgestimmt werden. So können u. U. Synergieeffekte für die Planungsmöglichkeiten des Areals entstehen.“

Auf Nachfrage von CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl bestätigte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer denn auch, dass sich die Planungen für die Mobilitätsdrehscheibe/den Mobilitätstreff ebenfalls nach hinten verschieben werden.

Auch die Jugendherberge hat Probleme

Neben den Problemen bei den Planungen für die Anlegestellen gebe es auch noch weiteren Abstimmungsbedarf mit dem Welterbesteuerungskomitee, so Maltz-Schwarzfischer. Diese betreffen zum einen Bauhöhe und Baumasse des geplanten Parkhauses. Zum anderen die Pläne des Deutschen Jugendherbergswerks zum Neubau der Jugendherberge. Bei deren Planungen hätten sich „extreme Verzögerungen ergeben“, so die Bürgermeisterin. Die neuen Pläne müssten nun erst dem Welterbesteuerungskomitee vorgelegt werden. Allerdings wolle das Jugendherbergswerk im kommenden Jahr mit dem Neubau beginnen.

Die Jugendherberge am Alten Eisstadion soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Doch auch hier gibt es Verzögerungen. Foto: Stadt Regensburg

Die geplante Zufahrt zum Mobilitätstreff liegt genau dort, wo die alte Jugendherberge derzeit steht. Insofern hängt der Fortgang der städtischen Pläne davon ab, wann deren Abriss erfolgt. „Einen genauen Zeitplan kann ich Ihnen jetzt nicht nennen.“

Die Debatte dürfte Wasser auf die Mühlen von Joachim Wolbergs sein. Dieser hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung nicht nur ein weitaus größeres Parkhaus – mit 3.500 Stellplätzen – gefordert, sondern gleichzeitig zu verstehen gegeben, dass er den Welterbetitel für Regensburg in diesem Zusammenhang nicht um jeden Preis behalten wolle. Insofern folgerichtig stimmte die frischgebackene Brücke-Fraktion diesem Punkt im Investitionsprogramm nicht zu. Man hege angesichts der Verschiebung „große Sorge“, so Thomas Thurow.

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Kommentare (10)

  • XYZ

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    Die absichten für eine neue anlegestelle und grossparkplatz am unteren wöhrd in der nähe der altstadt erscheinen mir stadtplanerisch ziemlich absurd: hat da mal ein vorausdenkender vorausgeblickt oder wurde ein weiträumiger planerischer wettbewerb statt ausgetretenen pfaden ausgeschrieben?
    So macht man aus R eine art Venezia, einheimische wird man dann kaum noch finden.

  • Dugout

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    „Dieser hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung nicht nur ein weitaus größeres Parkhaus – mit 3.500 Stellplätzen – gefordert, sondern gleichzeitig zu verstehen gegeben, dass er den Welterbetitel für Regensburg in diesem Zusammenhang nicht um jeden Preis behalten wolle.“

    Wer noch einen Beweis für den völligen Realitätsverlust Wolbergs sucht, hier hat er ihn.
    Wer ernsthaft einen UNESCO Welterbestatus für ein Parkhaus wegwerfen will ist eine Gefahr für die Stadt. Selbst wenn er nur in seiner Fantasiewelt die Möglichkeit dazu hätte.

  • XYZ

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    Den wünschen der touristen kann ja auch durch anlegestellen und parkräume an anderer stelle rechnung getragen werden, mit einer direkten verbindung zum altstadtzentrum: gibt es da überhaupt überlegungen oder untersuchungen oder wirft man nur den blick auf ein freigewordenes grundstück ohne weiträumigere gedanken? Dem welterbekomittee traue ich da profundere erfahrungen zu.

  • XYZ

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    Zum ausschuss 03.05.2017:
    ‚Mobilitätsdrehscheibe‘ ( da dreht sich also alles im kreise): keine anderen ideen? Es gibt längstens andere verkehrskonzepte und entwicklungen des nahverkehrs. Das welterbekomitee könnte da sicher behilflich sein.

  • Billyboy

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    was mich als Laie da mal interessieren würde, wäre, wieviel Geld an die Unesco fliesst. Hat die Stadt da bsw. auch so absurde Unsummen an Beraterhonoraren zu zahlen ? Denn an sich fände ich die Idee gut, fachlich fundierte Meinungen von Externen einzuholen, bzw. gerade von Externen, da sie eine andere Sicht der Dinge haben, Stichwort Betriebsblindheit und dazu noch aus der laufenden Praxis. Aus dem eigenen Berufsleben weiß ich allerdings nur zu gut, dass es haufenweise Zertifizierungsanstalten gibt, die glauben, ihren einmal erworbenen Ruf als Gelddruckmaschine mißbrauchen zu können. Zum Thema an sich kann ich den Stadtoberen nur raten, dass sie, so verlockend das auch sein mag, noch mehr Touristen in die Stadt zu bringen, sich die Situation in anderen Welterbestätten wie bsw. Dubrovnik und Venedig anzugucken und tendiere daher zu der Taktik: willste was gelten, mach dich selten. zumindest was die Anlegestelle für die Kreuzfahrtschiffe betrifft. Das Parkhaus in der Gräßlschleife empfinde ich, wie jedes andere/weitere geplante Parkhaus im Altstadtbereich eher als Kapitulationserklärung, bzw. sogar als Zeichen der Ignoranz gegenüber dem derzeitigen Zeitgeist. ein „weiter so“, ein bloßes Herumgedoktere an den Symptomen, ohne die wahren Probleme, einen sträflich vernachlässigten ÖPNV, anzugehen. Klar, bei der Haushaltslage kann man keine Karnickel aus dem Hut zaubern, schon klar. vielleicht wäre es dann aber einfach besser, das gesamte Thema mit dem Fokus auf eine Umstruktierung des ÖPNVs vorerst auf die uns so bekannte lange Bank zu schieben, in der Zwischenzeit sich überregional mit anderen Kommunen/Städten mit ähnlichen Problemen zu vernetzen und auf die Bundesebene zu heben ? Die Forcierung auf den individualisierten Verkehr war ja, wie man an der heutigen Verkehrssituation an sich, aber auch an der Situation bei der DB, sowie am Bsp. der USA Mitte des 19.ten Jahrhunderts sehen kann, auch kein rein Kommunales.

  • XYZ

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    Billyboy gestern 14.39:
    Sehr trefflich! Es ist da im stadtrat die rede von einem ’strategie’konzept zum parken in der innenstadt (strategie bedeutet aber länger- und nicht nur kurzfristige planung). Vorschlag: das betonmonstrum am dachauplatz wird abgerissen – wie das keplerhochhaus – und an anderer stelle ausserhalb der historischen silhouette ein parkhaus mit anbindung an den ÖPNV errrichtet, das kann dann auch im hochwasserschutzgebiet liegen, autos können ja fahren.

  • XYZ

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    Zu guter letzt ein konkreter gedanke von meinen einstigen stadtwanderungen:
    Südlich der Walhalla-Allee, wo mal das donaustaufer bockerl dampfte (könnte man das wiederbeleben?) befinden sich in Weichs-Ost grössere kaum noch genutzte flächen, wenn auch weitgehend im HW-Schutzgebiet, der damm von weichs-west endet da und dann kommt erst der eisenbahndamm. Ein parkhaus könnte auf stelzen errichtet werden, die untere ebene nur kurzparker, schnell zu räumen, weiter oben vl. wohnungen mit ausblick. Optische gestaltung wettbewerb mit einbindung der welterbekommission und von venezia. Die verkehrsanbindung wäre über die nordgaustrasse ( kann man diesen nazi-ausdruck nicht mal revidieren samt brückenadler? ) optimal . . .

  • XYZ

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    Um den trefflichen kommentar von billiboy nochmals aufzugreifen:
    Empfehle den damen/herren stadträt/innen einen weitläufigern augenschein in der eigenen stadt zu fuss, so machen es auch die bausenate des bayvgh bevor sie entscheiden. Und eine orientierungsfahrt nach venezia mit einem vertreter des welterbekomittees: die verkehrswege, zu wasser oder zu lande, sind auch dort in der altstadt sehr beschränkt. Danach kann man ja sich einen krimi-film von donna leon zu gemüte führen . . .

  • Lothgaßler

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    Warum das Parkhaus: Weil einerseits der (Individual-) Verkehr in der Altstadt (und nur dort) reduziert werden soll, und andererseits der Wirtschaftsraum Altstadt/ Weltkulturerbe teuer vermarktet werden soll, also viele Touristen bzw. Kunden in die Altstadt einpendeln sollen.
    Das Konzept „Mobilitätsdrehscheibe“ überzeugt mich nur bedingt, denn der Verkehr wird sehr nah an die Altstadt rangeführt, ohne den An-/Abfahrtsverkehr zu beachten, der die Anlieger nicht unerheblich belasten wird. Auch werden nicht alle potenziellen Kunden das Parkhaus aufsuchen, sondern versuchen drumherum günstig zu parken. Weiter raus damit, hin zu den Autobahnabfahrten und ansonsten Mut zu: es gibt nich Stellplätze für alle, mehr Geld fürs Parken, überbreite Fahrzeuge kosten doppelt usw. Die versteckten Kosten des Verkehrs und des ruhenden Verkehrs müssen bepreist werden.
    Einzig der Idee Parkraum für Altstadtbewohner außerhalb der Altstadt zu schaffen, damit diese auch ihren Fußbeitrag zur innerstädtischen Verkehrsberuhigung beitragen, könnte ich etwas abgewinnen. Das hätte etwas bayrisch Hinterfotziges.

  • XYZ

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    Die Inselstadt Lindau im/am schwäbischen Meer steht vor ähnlichen Problemen:
    Altstadt beengt, zu wenig Parkplätze. Jetzt wird ein neuer Parkplatz am Festland mit Anbindung an den ÖPNV geplant und ohne Zerstörung der Silhouette: Die Damen/Herren Stadträt/innen von R könnten sich auch da informieren, dieselben Probleme.

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