Gedenken an Terroropfer

„Nous sommes Charlie“

Gut 200 Menschen gedachten in Regensburg der Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo. Kaum einen Tag nach den Morden spucken Populisten auf die Gräber der Toten.

charlie

Immer wieder zünden die jungen Leute die Teelichter am Boden an, immer wieder bläst der Wind sie aus, aber irgendwann rücken die Menschen immer enger zusammen und dann kann man den Schriftzug kurz lesen: „Nous sommes Charlie“ – „Wir sind Charlie“ steht da auf dem Boden vor der Neupfarrkirche. Gut 200 Menschen sind am Donnerstag in Regensburg dem kurzfristigen Aufruf zu einer Gedenkveranstaltung für die zwölf Opfer des mutmaßlich islamistischen Mordanschlags auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo gefolgt – unter ihnen einige Stadträte, viel Journalisten und vor allem junge Leute. Und wie fragil die Freiheit ist, der dieser Anschlag gegolten hat, dass man dafür immer kämpfen und sie nicht als selbstverständlich hinnehmen darf, dafür stehen die Leute, die mit ihren Feuerzeugen über den Teelichtern knien und sie immer wieder von neuem anzünden.

Der Anschlag sei „Wasser auf die Mühlen derjenigen, die derzeit verschärft durch die Lande ziehen und Ängste schüren“, warnt Oberbürgermeister Joachim Wolbergs von den Treppen der Neupfarrkirche aus. Und wie recht er hat.

Faschisten, Populisten und BILD

Keinen Tag nach den Morden haben sich einige zu Wort gemeldet, um auf die Gräber der Toten zu spucken. Feinde der Freiheit – wenn auch nicht in derselben Dimension wie die Mörder von Paris. Die Faschistin Marine Le Pen hat in Frankreich ein Referendum über die Einführung der Todesstrafe gefordert. Von PEGIDA und AfD kamen kaum als Betroffenheit verbrämte Aussagen a la „Wir haben’s schon immer gewusst“.

Auch die CSU konnte das Wasser nicht halten und forderte von Wildbad Kreuth aus Gesetzesverschärfungen und die Einführung der Vorratsdatenspeicherung (die es in Frankreich übrigens gibt), um solche Anschläge zu verhindern. Am Freitag schließlich stimmte ein Kommentator der BILD-Zeitung in den Reigen ein und schob recht unverhohlen Edward Snowden die Verantwortung für die Terroranschläge zu. Was für ein gefundenes Fressen das wohl für die Toten von Charlie Hebdo gewesen wäre, die mit keinem Feind der Freiheit, mit keiner Religion zimperlich umgegangen sind und nun von manchen auf das Format einer „islamkritischen Zeitschrift“ reduziert werden.

„Gut aufeinander aufpassen“

Wolbergs plädiert am Donnerstag, frei nach dem norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg, für mehr Toleranz und Offenheit. „In Regensburg leben wir seit Jahren gut mit den Muslimen zusammen. Sie sind unsere Mitbürger“, ruft er unter Applaus. „Wir müssen noch mehr miteinander reden und gut aufeinander aufpassen.“

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (19)

  • Silvia Gross

    |

    Ich glaube an die Friedfertigkeit und Integration unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Pegida: NICHT in meinem Namen! Denn: Nous sommes Charlie…

  • Mr. T

    |

    Warum wird hier eigentlich so viel auf der Religion der Täter herumgeritten um dann gleichzeitig reflexartig zu betonen, dass nicht alle Muslime so gewalttätig sind? Das suggeriert immer wieder einen Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt, dem man widersprechen muss. So ein Zusammenhang existiert aber nicht.
    Bei Breivik, den Hutaree oder dem KKK wird doch auch nicht regelmäßig der christliche Hintergrund in den Vordergrund gestellt, um einen Zusammenhang mit der Religion gleich wieder zu verneinen.

  • Jochen Schweizer

    |

    Übliche Retorik der CSU Größen, nach jeder Straftat, sei diese politisch oder kriminell motiviert, die Forderung nach schärfen Gestzen erheben. Die Gesetze sind ausreichend nur an der Umsetzung und Durchsetzung happert es in Deutschland, sei es mangelnde Polizeipräsenz, z.B.bei der Zunahme der Wohnungseinbrüche, überlastete Justizbehörden, z.B. lange Zeiträume bis zur Anklageerhebung, Vefahrensdauern von Jahren etc.
    All denen, vorallem Politiker und Kichenvertretern, die das Problem nun wieder weisswaschen wollen, empfehle ich, für einige Jahre in einem Staat zu leben, z. B. Saudi Arabien, Oman, Jemen oder Iran, indem der muslimische Glauben Staatsregligion ist, und dort zu versuchen ihren christlichen Glauben öffentlich zuleben.
    Mit den, dann gemachten Erfahrungen, wird sich deren Einstellung zu dem Problem, der Integration von Mitbürgern muslimischen Glaubens in einer Gesellschaft, welche geprägt ist von einem christlichen Glauben und die das Recht und Freiheit des Einzelnen in den Vordergrund sellt, schnell ändern!

  • Regensburger

    |

    Nur schwache Menschen lassen sich durch die Religion manipulieren.
    Jemanden zu umbringen ist kein Tat der Stärke, sondern eine Schwäche.
    Ein starker und intelligente Mensch braucht keine Religion. Die Politik tut
    das Gleiche. Die Menschen asnützen und für ihre eigene Ziele zu manipulieren.

  • erik

    |

    Für mich gibt es keine Wertigkeiten bei Religionen. Religion, zumindest für mich, ist nichts anderes als eine durch Sozialisierung bedingte Form einer Gehirnwäsche, die nicht selten zur Geisteskrankheit führt und die im Morgenland und im Abendland gerne dazu benutzt wurde und benutzt wird dem herrschaftlichen oder politischen Wasserkopf dienlich zu sein. Es ist immer mit Konflikten verbunden, wenn zwei oder mehr Religionen aufeinandertreffen die für sich den Anspruch erheben die einzig wahre Religion, die zur Erfüllung und Erleuchtung führt, zu sein. Denn würde eine Religion die Vormachtstellung der anderen Religion anerkennen, dann würde sie automatisch anerkennen, dass sie selbst falsch liegt mit ihren Thesen. Das war auch der Grund wieso sich manche Relgionen bis aufs Blut bekämpften und wenn sie die Rahmenbedingungen ändern, siehe Balken, vielleicht wieder bekämpfen, denn Religion ist eine Form der Gruppenbildung nach dem Motto, die Guten und die Schlechten, die Gläubigen und die Ungläubigen, die Würdigen und die Unwürdigen. In Wirklichkei ist Religion, zumindest nach meiner lesenart, nichts anderes als die Angst der mutierten Affen vor ihrem unweigerlichen Ende und ihrer Angst vor dem ungewissen was sie erwartet, dem nichts.

  • joey

    |

    zur Erinnerung: die Aufklärung mußte in Europa mit sanfter Gewalt durchgesetzt werden – gegen die Kirchen. Es begann mit Josefinismus in Österreich, aber die größere Wirkung hatten die Truppen Napoleons. Einigen renitenten Klöstern wurden auch mal die Türen eingetreten. Bismarck hat endgültig die Hoheit über das Bildungswesen eingefordert.

    Universale Menschenrechte, säkularen Rechtsstaat und Demokratie sind immer wieder neu durchzusetzen, unabhängig von Zuwanderern. Aber auch bei diesen. Terror im Namen irgendwelcher Religion ist nur die Spitze eines größeren Problems. Bei den Christen gibt’s noch was zu tun, beim Islam aber leider noch viel mehr.

    Fehlende oder unzulässige Religionskritik kann von Rechtsextremisten mißbraucht werden – wie jedes Versäumnis der Politik. Deswegen muß es ein breites Spektrum geben – ja, mit Rändern links und rechts. Die müssen wir aushalten. Denn gerade die Meinung, die mir nicht gefällt, ist ein Zeichen unserer aller Freiheit.

  • Gondrino

    |

    Extremismus und Terrorismus entsteht durch soziale und wirtschaftliche Probleme und ist keine Auseinandersetzung zwischen den Religionen. Wenn das so wäre, würden die Terroristen vorwiegend Kirchen oder den Vatikan angreifen, tun sie aber nicht. Sie greifen die westlichen Staaten und Regierungen an, weil sie diese für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in ihren Ländern oder sozilem Umfeld verantwortlich machen. Es kann sich jeder selbst überlegen, in wie weit die Ursachen dieses Terrorismus in der westlichen Welt zu suchen sind.

  • Marion Puhle

    |

    Debatte „Je suis Charlie“
    Nein, wir sind nicht „Charlie Hebdo“…
    … und genau das ist das Problem. Ein Vorschlag zur tatsächlichen Meinungsfreiheit, während die Selbstzensur um sich greift.
    http://www.taz.de/Debatte-Je-suis-Charlie/!152567/

    Es muss eine kritische Auseinandersetzung mit dem tragischen Terroranschlag in Frankreich geführt werden.

    Marion Puhle

  • wahon

    |

    „Ich bin Charlie“ kann eigentlich nur der behaupten, der Funktion und Wirkung jeder Religion so kritisiert wie die Satiriker von Hebdo. Diese Satiriker arbeiteten für die „Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) und wurden dafür von denen, die sie befreien wollten, getötet.
    Die Mörder beriefen sich auf ihre Religion, und für sie gilt das, was Karl Marx schon vor 150 Jahren geäußert hat:
    „Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
    Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.“

  • kein Charlie!

    |

    Nein, ich bin kein Charlie! Ich verunglimpfe und beleidige nicht das, was vielen meiner Mitbürger heilig ist. Dafür habe ich zu viel Respekt und Achtung vor ihnen, seien es Christen oder Muslime! Ich halte es aus, wenn manche die Pressefreiheit dafür missbrauchen und bin tief traurig über diese Morde. Aber deswegen bin ich kein Charlie!

  • bürgerblick

    |

    Gondrino-
    beschreibt das Problem des Terrors absolut richtig,
    denn der Terror im Irak, in Syrien, in Palestina ist wohl dem geschuldet der die Macht(Politik?) bzw. eher den Wirtschaftseinfluss an sich reissen will. Die Religion
    wird als das trojanische Pferd dieses organisierten Terrors von der Medienwelt und der Politik täglich für unsere Erkenntnisförderung eingespeist. Inwieweit der „demokratische Westen“ in den Ostkonflikten im Pferd sitzt kann jeder für sich selbst bewerten. Der Terror im Westen hat seine Ursächlichkeit aus diesem Grund. Ein Terrorangriff auf die westliche Demokratie oder die Pressefreiheit ? Ich werte das anders- so wie Gondrino.

  • steuerzahler

    |

    Endlich weiß ich wofür ich jahrelang den Soli bezahlt habe, damit die ostdeutschen Jammerbürger mir die Ohren mit ihrem Rassistenmüll vollplärren.

  • wewigor

    |

    wewigor = westdeutscher widerstand gegen ostdeutschen rassismus

  • Johannes Erbrecher

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte bleiben Sie bei einem Pseudonym.

  • peter

    |

    fuer mich ist die beste reaktion auf den ganzen solidaritaetsschwachsinn, der um die ekelhaften morde in frankreich gerade an allen ecken und enden hochploppt vom deutschen titanic-magazin:
    http://www.titanic-magazin.de/postkarten/karte/bitte-teilen-22767/

    auch der kommentar oben von-
    Nicht nur Charlie
    9. Januar 2015 um 23:50

    und die geschichte dahinter zeigt, man sollte sich lieber um verschiedene dinge kuemmern, als ein schild hochzuhalten und zu behaupten man sei irgendein charlie. (in diesem speziellen fall sagt uns ja unsere bundesmutti, das saudi-arabien ein wichtiger stabilitaetsanker im kampf gegen den islamistischen terror ist.

    jeden tag wird auf der welt gemordet und massakriert, aber wenn in unsere heile welt dann ein (im internationalen vergleich) eher harmloser anschlag passiert, muss natuerlich sofort voratsdatengespeichert werden, (was in frankreich ja eben gang und gaebe ist, und den anschlag eben prima verhindert hat) und der fuer komplette sinnbefreitheit bekannte herr bosbach entbloedet sich haertere strafen fuer blasphemie zu fordern.
    es ist generell hofpen und malz verloren!

  • Ziander

    |

    Und wer bedauert die Opfer derDrohnenmorde? Heuchlerbande

  • wahon

    |

    @Ziander

    Sehr richtig bemerkt. Die Bundesregierung verdeckt mit der „Nous sommes Charlie“-Attitüde ihre Beteiligung an den Drohnenmorden der US-Regierung. Der Strafanzeige, die ich deshalb im April 2014 beim Generalbundesanwalt gestellt habe, wurde bis heute – abgesehen vom Hinweis, dass „der Vorwurf bereits bekannt sei“ – nicht nachgegangen. Die deutsche Regierung unterstützt heimlich Verbrechen gegen das Völkerrecht und fordert öffentlich das „Zusammenstehen“ gegen den Terrorismus, als wäre der Staatsterrorismus dem Individualterrorismus vorzuziehen. Was für eine Heuchelei, was für eine abgrundtiefe Feigheit, die Morde von Paris zur Rechtfertigung des Staatsterrorismus zu instrumentalisieren!

Kommentare sind deaktiviert