Schikane wegen Warnstreik?

„Osram hat Druck auf Mitarbeiter ausgeübt“

Am Donnerstagvormittag führten Mitarbeiter von Schneider Electric und Osram OS einen Warnstreik vor dem Sachsenwerk durch. Grund sind die brachliegenden Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband. Laut IG Metall-Vertreter Gerhard Pirner wurde bei Osram Druck auf Beschäftigte ausgeübt, um sie vom Streiken abzuhalten.

„Wir für mehr“ – unter diesem Leitspruch führten Beschäftigte von Schneider Electric und Osram OS am Donnerstagvormittag auf dem Parkplatz des Sachsenwerks einen einstündigen Warnstreik durch. Am Verhandlungstisch hatten sich die IG Metall und der zuständige Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zuvor nicht einigen können.

Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Lohn sowie tarifliche Regelungen zur Alters- und Bildungsteilzeit. Der Arbeitgeberverband vbm hält das für überzogen. Sein Angebot lautet: 2,2 Prozent Lohnerhöhung ab März und eine Halbierung der Quote für die Altersteilzeit auf zwei Prozent der Betriebsangehörigen. Zur Bildungsteilzeit will der vbm überhaupt keine tarifliche Neuregelung und stattdessen eine Wiederinkraftsetzung des Tarifvertrags Qualifizierung. „Die Arbeitgeber erklären nun die Qualifizierung zur Privatsache der Beschäftigten. Das werden wir nicht hinnehmen“, schreibt die IG Metall in einer Tarifnachricht.

Druck, um Mitarbeiter vom Streiken abzuhalten?

Auf seiner Website teilte der vbm am Mittwoch mit, Warnstreiks seien „in Zeiten, in denen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Metall+Elektro-Unternehmen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten ohnehin schwindet, ein gefährliches Signal.“

Während Schneider Electric fast die gesamte Frühschicht in den Ausstand brachte, kamen von Osram OS nur etwa 80 Mitarbeiter zum Streikgeschehen. Laut IG-Metall-Vertreter Gerhard Pirner lag das auch an Schikanen des Arbeitgebers. „Nach meinen Informationen wurde ganz klar Druck gemacht“, sagt Pirner. So habe man beispielsweise Listen ausgelegt, in die sich Beschäftigte vor dem Streik eintragen sollten. „Wenn die das machen, dann verstoßen die dort bei OS gegen die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.“

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Kommentare (6)

  • Matz

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    Da wird uns immer wieder in den Medien vorgeheuchelt, wie gut es unserer Wirtschaftgeht. Aber keiner merkt, dass alles nur funktioniert, weil es immer mehr prekär Beschäftigte gibt, die uns „unsere“ Marktlage schöner machen.
    Bevor eine große Gewerkschaft, die sowieso schon im Fahrwasser des Kapialismus mitdümpelt, solch hohe Forderungen ausgibt, sollten die Arbeiter dieses Landes erst einmal wieder mit der Solidarität Ihresgleichen konfrontiert werden.
    Das ganze System muss umgekrempelt werden!

  • Rosi

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    Zum Thema “ Osram übt Druck auf ihre Mitarbeiter aus „. Es wurde in unserer Fertigung nie Druck auf uns Mitarbeiter ausgeübt, zu keiner Zeit und nie, wir wurden nie zurückgehalten, an einem Streik teilzunehmen und ich arbeite schon sehr, sehr lange bei der Firma. Ist es nicht die Pflicht der direkten Vorgesetzten, zu wissen, wo sich die Mitarbeiter während der Arbeitszeit aufhalten? Sollte ein Räumungsalarm sein, muss doch angemessen reagiert werden können, um die Mitarbeiter in Sicherheit zu bringen oder selbst den Rettungsdienst nicht in unnötige Gefahr beim Suchen der Mitarbeiter zu bringen. Das nennt man Sorgfaltspflicht! Als nächstes ist es die Aufgabe der direkten Vorgesetzten die Arbeit auf die Nichtstreikenden Mitarbeiter so umzuverteilen, das zumindest die wichtigsten Anlagen so gut wie möglich bedient werden. Auch das gehört nun mal zu ihren Aufgaben. Die Liste diente nicht um Druck auszuüben, sondern nur um die oben beschriebenen Themen zu sichern. Niemand wurde gezwungen, eine Unterschrift zu leisten und außerdem wissen wir „einfachen “ Fertigungsmitarbeiter sehr wohl, das wir das Recht haben, dem Streikaufruf der Gewerkschaft zu folgen und uns nicht bei den Vorgesetzten abmelden müssen. Also, ich hätte mir schon erhofft, das wir Mitarbeiter dazu befragt worden wären und auch diese Mitarbeiter, die die Liste ausgelegt haben, damit die Berichtserstattung seitens der Gewerkschaft nicht so einseitig rüber gebracht wird. Man kann auch aus einer Mücke einen Elefanten machen!

  • Franz

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    @Rosi [7. Februar 2015 um 10:23]
    Werte Rosi,

    Ihre Argumentation klingt rhetorisch extrem geschliffen, etwas zu fein geschliffen. Da wird man den Verdacht nicht los, dieser geradezu rührseelige Kommentar kommt gar nicht von einem „einfachen“ Fertigungsarbeiter, sondern von einem mehr oder weniger gut bezahlten Schreiberling aus der PR-Abteilung der Konzernleitung oder einem neobliberalen Wirtschaftsverband.

    Natürlich üben die meisten Arbeitgeber, Unternehmer und Vorgesetzten hierzulande keinen physischen Druck oder unmittelbaren Zwang auf die Arbeitnehmer und Mitarbeiter aus. Wir leben schließlich in einem „demokratischen“ und „freien“ Land und nicht in der DDR. In vielen Firmen und Unternehmen müssen sie das auch gar nicht. Da kriechen viele Mitarbeiter inzwischen ganz von alleine am Boden, weil sie Angst haben, dass ihnen ein noch billigerer Zeitarbeiter den Arbeitsplatz wegnimmt, sie bei der nächsten Krise wegrationalisiert werden oder ganz einfach deswegen, weil der Chef keine Gewerkschaften mag.

    Manche Arbeitnehmer glauben sogar, dass sie den Wirtschaftsstandort Deutschland gefähren, wenn sie streiken. Die merken nicht einmal mehr, worum es tatsächlich geht, nämlich um die Interessen der Kapitalgeber und Fondsmanager und die Milliardengewinne und Dividendenzahlungen der Konzerne. Die Satirezeitung Der Postillion formulierte das zugespitzt so: „Studie des Instituts für Wirtschaftsökonomie bestätigt: Lohnzahlungen an Arbeitnehmer fügen deutschen Unternehmen jährlich Schäden in Milliardenhöhe zu“. (Der Postillion vom August 2014.)

  • Emma

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    Werter Franz, was sie schreiben sind Unterstellungen, die jeglicher Grundlage entbehren. Auch ein „einfacher Operator“ hat eine abgeschlossene Berufsausbildung und ist möglicherweise in der Lage, geschliffen formulierte, wohlüberlegte Texte zu schreiben, welche zu dem auch noch der absoluten Wahrheit entsprechen.
    Mit freundlichen Grüßen
    ein einfacher Fertigungsmitarbeiter

  • Rosi

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    Danke Emma!
    Ich hätte es nicht treffender formulieren können.

  • Franz

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    Werte Damen,

    ich bitte vielmals um Entschuldigung. Nichts lag mir ferner als Ihre Qualifikation und rhetorischen Fähigkeiten in Frage zu stellen.

    Es freut mich natürlich ganz außerordentlich, dass es in Deutschland nicht immer nur nur um ökonomische Interessen und die Gewinne der Wirtschaft (oder treffender formuliert: der Arbeitgeber bzw. der Aktionäre) geht, sonderen auch einfache Fertigungsmitarbeiter in der allgemeinbildenden Schule und/oder der Berufsausbildung gelernt haben, „geschliffen formulierte, wohlüberlegte Texte“ zu personalwirtschaftlichen Themen zu schreiben.

    Sehr schön ist auch Ihre Formulierung: „… außerdem wissen wir ‚einfachen ‚ Fertigungsmitarbeiter sehr wohl, das wir das Recht haben, dem Streikaufruf der Gewerkschaft zu folgen …“. Mit Verlaub, viele Mitarbeiter in anderen Unternehmen wissen das nämlich nicht oder nicht mehr. Einige Arbeitnehmer in unserem Lande glauben inzwischen sogar tatsächlich, dass es schlecht für die Arbeitnehmer ist, wenn Arbeitnehmervertretungen für die Rechte der Arbeitnehmer eintreten. Über das negative Echo unserer sogenannten Mainstream-Medien, wenn zum Beispiel Lokführer und ihre Gewerkschaft in diesem demokratischen Lande die Freiheit und das Recht in Anspruch nehmen, zu streiken, müssen wir doch nicht wirklich reden oder etwa doch?

    Nein, ich bin nicht bei der Gewerkschaft. Auch bei manchen Gewerkschaften geht es bei Lichte betrachtet nicht immer ganz so arbeitnehmerfreundlich und fürsorglich zu wie in Ihrem Unternehmen.

    Da kann schon fast ein bisserl Neid aufkommen, dass Sie in einem solchen tollen Unternehmen arbeiten können und dürfen.

    Sicherlich kann man aus einer Mücke einen Elefanten machen. Man kann aber auch aus einem Elefanten eine Mücke machen!

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