Wolbergs warnt CSU

„Provoziert mich nicht, Dinge aus den letzten Jahren zu erzählen“

Provoziert: Dr. Eberhard Dünninger. Foto: Archiv

Belesen, redselig, provozierend: Dr. Eberhard Dünninger. Foto: Archiv

Das schafft nur Dr. Dünninger. Bei der Diskussion um ein neues Gebäude für die Schauspielschule warnt der Oberbürgermeister die CSU.

Vor dem Applaus kam noch die Ansage des Oberbürgermeisters: „Provozieren Sie mich nicht, dass ich Dinge aus den letzten Jahren erzählen muss. Und richten Sie das auch Ihrer Fraktion aus.“ Und was dann noch folgte, war ein kleiner Einblick in die Art, wie früher im Rathaus manche Entscheidungen gefasst wurden. Gerichtet waren die Worte von Joachim Wolbergs an Dr. Eberhard Dünninger.

Dünningers Wortmeldungen: Gefürchtet!

Der ungekrönte Alterspräsident des Regensburger Stadtrats ist von der ÖDP über ein Zwischenspiel bei der CSB zur CSU gelangt. Und insbesondere im Kulturausschuss sind seine Wortmeldungen gefürchtet – nicht immer wegen ihres Inhalts, sondern meist wegen ihrer Länge: historische und persönliche Anekdötchen, die meist in Zusammenhang mit dem jeweiligen Tagesordnungspunkt stehen, oft mit dem Tenor „Ich will ja nicht über meine Verdienste reden, aber ich mach’s mal“ und immer wieder gespickt sind mit Spitzen – meist gegen Kulturreferent Klemens Unger, ab und an gegen den Oberbürgermeister. Den interessierten Zuschauern im Livestream sind diese Referate zwar nicht zugänglich – Herr Dünninger will nicht ins Internet – aber Stadträte und Zuhörer vor Ort kommen regelmäßig in deren Genuss.

Am Donnerstag begab es sich nun, dass just die wohl kürzeste Wortmeldung Dünningers zu jenem – durchaus kontrollierten – Ausbruch des Oberbürgermeisters führte. Dabei ging es um ein Thema, bei dem sich alle einig sind und das von allen Stadträten im Kulturausschuss einhellig begrüßt wurde.

Das Thema: Neue Räume für die Schauspielschule

Die Akademie für darstellende Kunst (ADK), seit 2001 in Regensburg ansässige staatlich geförderte Schauspielschule befindet sich bereits seit Jahren auf der Suche nach neuen Räumen. Aus dem Schenker-Turm an der Kumpfmühler Brücke muss die ADK im Zuge der dortigen „Quartiersentwicklung“ bis spätestens 15. August ausziehen. Seit Jahren liefen dazu schon Verhandlungen mit der Stadt Regensburg, die für die Schule aber kein befriedigendes Ergebnis brachten. Auch die Abwanderung der ADK an einen anderen Ort stand im Raum.

Seit Donnerstag ist nun eine Lösung gefunden: Die Schule kann in das, seit der Fertigstellung des „Hauses der Musik“ leerstehende, Gebäude der ehemaligen Sing- und Musikschule an der Kreuzgasse umziehen. Maximal 1,6 Millionen Euro sollen laut Beschlussvorlage für den Umbau des Gebäudes anfallen. Die Stadt erhofft sich dafür 50 Prozent Zuschüsse vom Freistaat.

Der Hintergrund: Das Haus der Musik

Skepsis gab es im Vorfeld dieser Entscheidung freilich. War den Stadträten in der Vergangenheit doch einerseits erklärt worden, dass jene Immobilie einerseits schon recht marode sei. Andererseits wurde ihnen damit die Sanierung des Bismarckpalais zum Haus der Musik schmackhaft gemacht. Man werde das Gebäude in der Kreuzgasse verkaufen, hieß es in einer der zahlreichen schwammigen Beschlussvorlagen zum Haus der Musik. Damit könne man fünf Millionen Euro erlösen und die damals von der Verwaltung gegenüber den Stadträten kommunizierten Gesamtkosten von zehn Millionen Euro für das Haus der Musik noch viel lockerer aufbringen.

Zwischenzeitlich ist bekannt: Das Haus der Musik kostete fast 18 Millionen Euro und zum Finanzierungskonzept wird die Immobilie in der Kreuzgasse nichts beitragen, weil sie eben für die Schauspielschule benötigt wird.

Selbst Skeptiker Meierhofer spricht von einem "sehr vernünftigen Vorschlag". Foto: Archiv

Selbst Skeptiker Meierhofer spricht von einem „sehr vernünftigen Vorschlag“. Foto: Archiv

Doch das ist nur ein weiterer Baustein in der Art und Weise wie das – zwischenzeitlich von den meisten Stadträten begrüßte – Haus der Musik von Hans Schaidinger und Kulturreferent Klemens Unger im Stadtrat durchgepeitscht wurde. Und darunter solle nun nicht die Schauspielschule leiden, befand selbst FDP-Fraktionschef Horst Meierhofer, der in der Vergangenheit mit zu den größten Kritikern des Prestigeprojekts am Bismarckplatz gehört hatte. „Das ist ein ganz anderes Thema“, so Meierhofer. Und für die Rettung der ADK in Regensburg sei die nun präsentierte Vorlage „ein sehr vernünftiger Vorschlag“.

Der Auslöser: Ein frecher Spruch

Eine Meinung, die auch Eberhard Dünninger teilt. Allerdings konnte Dünninger es sich nicht verkneifen, zu behaupten, dass dies doch haargenau der Vorschlag der CSU gewesen sei und dass man das auch im Wahlprogramm des damaligen Oberbürgermeister-Kandidaten Christian Schlegl ausdrücklich nachlesen könne. „Das war so und das hätte man auch in die Beschlussvorlage schreiben können.“ Ein Anlass für Joachim Wolbergs, um aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Erste Bitte von Wolbergs an die CSU: "Provoziert mich nicht." Foto: Archiv

Ernste Bitte von Wolbergs an die CSU: „Provoziert mich nicht.“ Foto: Archiv

Die Frage der Unterbringung der ADK sei schon seit langem innerhalb der Verwaltung diskutiert worden, so Wolbergs. In seiner Zeit als Koalitionspartner der CSU und Sozialbürgermeister habe er sich drei Jahre aus der Debatte rausgenommen. „Ich wollte vermeiden, dass etwas nicht gemacht wird, weil ich mich politisch dafür engagiere.“ Das habe er unter OB Hans Schaidinger nämlich nicht nur einmal erlebt.

Ein Schaidinger-Vorschlag: „Der Todesstoß“

Tatsächlich sei unter Schaidinger ein Vorschlag ausgearbeitet worden, der vorsah, dass die Schauspielschule selbst das Gebäude in der Kreuzgasse hätte kaufen sollen. Dafür habe der damalige Oberbürgermeister schon Bankverträge ausgehandelt, „die die ADK nicht einmal kannte“. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt habe die Bank selbst bei ihm angerufen und gebeten, diese Verträge zurückzunehmen, weil eine solche Lösung nicht seriös gewesen wäre. „Das wäre der Todesstoß für die Schauspielschule gewesen.“

Am Ende: Noch eine Ansage

Auf diesen Hinweis ging Dünninger anschließend ebensowenig ein, wie auf die bereits erwähnte Aufforderung Wolbergs‘, ihn nicht erneut zu solchen Erzählungen zu provozieren. Es wurde einstimmig zugestimmt. Anschließend folgte Applaus. Gut 20 Schüler der ADK hatten die Debatte mit Spannung verfolgt.

„Das müsste ich Ihnen jetzt eigentlich verbieten“, gab da der Oberbürgermeister milde lächelnd zurück. Das war dann eine etwas nettere Ansage.

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Kommentare (4)

  • Rita Karlus

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    Die zwei Seiten beim Politikspielen.
    OB Wolbergs warnt CSU.
    -„Provozieren Sie mich nicht, dass ich Dinge aus den letzten Jahren erzählen muss. Und richten Sie das auch Ihrer Fraktion aus“- (RD)

    OB Wolbergs empört über Amterverlagerung.
    -Was sind für eine erfolgreiche Stadt wie Regensburg schon 75 Stellen?, könnte man sagen. Nicht so Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD). Er zeigte sich empört, dass die Außenstelle der Autobahndirektion Süd nach Deggendorf wandern soll – „eine völlig sinnfreie Entscheidung, die nur ein politisches Kompensationsgeschäft darstellt“.-
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/behoerdenverlagerung-in-bayern-die-wundersame-welt-der-aemter-1.2379085

    Die Empörung ist nicht nachvollziehbar war doch Wolbergs doch noch vor kurzem mit Sozialministerin Emilia Müller über 100 neue Verwaltungsmitarbeiter für das neue Erstaufnahmelager Regensburg glücklich?
    http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/erstaufnahmelager-regensburg-asylbewerber-100.html

  • erik

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    „Provoziert mich nicht, Dinge aus den letzten Jahren zu erzählen“ – Willi jetzt hast du uns neugierig gemacht, erleichtere dein Gewissen und Beichte uns, vielleicht wird dir vergeben und Absolution erteilt.
    Wenn du weist was ihr die letzten Jahre getan habt, behalte es nicht für dich! Es könnte sein, das es dich belastet und du Nachts schweißgebadet aufwachst und eines Tages mit zitternder Stimme vor dem Spiegel zu dir sagst: Oh Herrgott vergib mir was haben wir getan. Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, was es Wert ist verschwiegen zu werden und als Drohung benützt zu werden!

  • Tom

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    Nennt man das nicht Monika-Hohlmeier-Style?

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