Regensburg bitterböse

„Die geheime Liebe des Boris B.“ ist eine größtenteils sehr gelungene, wenn auch bitterböse Satire auf Personen und Ereignisse in Regensburg. Mit spitzer Feder und teilweise nur leicht verfremdet nimmt der Autor Regensburger Persönlichkeiten wie den Bürgermeister, die Fürstin oder den Bischof aufs Korn. Die Rahmenhandlung – der einer Regensburger Patrizierfamilie entstammende Boris Beluga ist heimlich in die Fürstin Cosima verliebt und möchte sie unbedingt kennenlernen – endet in einem furiosen, aberwitzigen Showdown bei den Schlossfestspielen. Zwischendurch werden grotesk überzeichnete Szenen aus dem Stadtrat geschildert, wo dunkle Machenschaften um den geplanten Abriss eines mittelalterlichen Palais sowie den gewinnbringenden Neubau eines Einkaufszentrums im Gange sind. Selbst wenn die Identifizierung aller Nebenfiguren und Örtlichkeiten nur Regensburger Insidern möglich sein dürfte, so sind diese Passagen dennoch ein witziges Lesevergnügen und für alle zu empfehlen, die Interesse an Regensburg haben. Längen bekommt das Buch allerdings in der zweiten Hälfte, und zwar dort, wo Beluga und seine beiden Freunde auf vielen Seiten in ein allzu plattes Lamentieren über den Zustand der Welt und vor allem über die Dummheit ihrer Mitmenschen verfallen. Es ist nicht ganz einzusehen, warum ein Müßiggänger mit ererbtem Reichtum, verwöhntem Gaumen und klassischer Bildung wie Beluga sich über alle anderen erhaben fühlen sollte. Insbesondere Frauen kommen bei Beluga und seinen Freunden sehr schlecht weg, bis auf die Sekretärin/ Köchin/ Putzfrau Adyga, die aber vor allem mit ihrer Schönheit und mit ihren Kochkünsten punktet. Insgesamt eine schöne, beißende Satire auf Regensburg und etliche Regensburger, der es nur geringen Abbruch tut, dass das Verlagshaus Schlosser auf Schriftbild und Textkorrektur nur wenig Sorgfalt verwendet hat. Peter Maier: Die geheime Liebe des Boris B. Verlagshaus Schlosser, Friedberg, 2010.

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Kommentare (1)

  • Veits M.

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    Eine Steilvorlage für den Karikaturisten Jo Weller?

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