SOZIALES SCHAUFENSTER

Die einen wollen nicht, der andere darf nicht

Regensburg Haber: „Schlichtungsgespräch“ ohne Teilnehmer

In der Affäre um die deutsch-türkische Zeitschrift Regensburg Haber wollte der Oberbürgermeister zu einem „gemeinsamen Gespräch“ laden. Stattgefunden hat es noch nicht. Es käme aber ohnehin nur eine Person. Die anderen wollen nicht oder wurden nicht vom OB eingeladen.

Februar: Salih Altuner wurde als "Experte" in den Integrationsbeirat der Stadt berufen. Nach seinn Veröffentlichungen gibt es Rücktrittsforderungen. Foto: Stadt Regensburg

Februar: Salih Altuner (vorne, 2. v. li.) wurde als „Experte“ in den Integrationsbeirat der Stadt berufen. Nach seinn Veröffentlichungen gibt es Rücktrittsforderungen. Foto: Stadt Regensburg

Über einen Monat ist es her, seit der Internationale Kultur- und Soldaritätsverein (IKS) heftige Vorwürfe gegen die deutsch-türkische Zeitschrift Regensburg Haber (RH) öffentlich machte: Leugnung des Völkermords an den Armeniern, Attacken gegen Kurden und Aleviten, ein scharfer Angriff gegen den früheren CSU-Stadtrat und Regensburger Geschäftsmann Haritun Sarik, der sich öffentlich zu seinen armenischen Wurzeln bekannt hatte. Ebenfalls bekannt wurde, dass RH-Chefredakteur Salih Altuner Begründer des Regensburg-Ablegers der Erdogan-Lobbyorganisation UETD ist. Pikant: Altuner wurde als „Experte“ in den Integrationsbeirat der Stadt Regensburg berufen.

Die Klärung dauert bereits über einen Monat

Ebenso wie mehrere Politiker, die zuvor in Regensburg Haber veröffentlicht und es öffentlich gelobt hatten, ging die Stadt Regensburg in Person von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs rasch auf Distanz zu dem vorgeblichen Integrationsmagazin. Redaktionelle Beiträge und Werbeanzeigen wurden zurückgezogen – „bis zu einer Klärung des Sachverhalts“, wie Wolbergs am 10. August hatte verlauten lassen.

Er wolle Salih Altuner und Vertreter des Internationalen Kultur- und Solidaritätsvereins zu einem gemeinsamen Gespräch einladen, um „eine Einigung zu erzielen“, so der Oberbürgermeister weiter. Doch wie die städtische Pressestelle unserer Redaktion nun mitgeteilt hat, bekam Wolbergs vom IKS eine Absage. Das bestätigt uns auf Nachfrage auch IKS-Sprecher Necati Güler.

„Mit Herrn Altuner setzen wir uns nicht an einen Tisch.“

Und er wird deutlich: „Wir treffen uns gerne mit dem Oberbürgermeister zu einem Gespräch, aber wir lehnen es ab, uns mit Herrn Altuner nah seinen rassistischen Veröffentlichungen an einen Tisch zu setzen.“ Ein Schlichtungsversuch sei ohnehin nicht angebracht, so Güler weiter. „Es geht nicht um einen Konflikt zwischen zwei ‚ausländischen‘ Gruppen, sondern um die Veröffentlichungen von Regensburg Haber. Und hier braucht es eine klare Positionierung.“ Man habe dem Oberbürgermeister das alles bereits schriftlich mitgeteilt und warten nun auf seine Reaktion.

Haritun Sarik wurde nicht eingeladen

Wie aus der städtischen Pressestelle verlautet, will der OB sich auf jeden Fall mit Salih Altuner zum Gespräch treffen. Haritun Sarik, Hauptziel der Attacken von Regensburg Haber, hatte ebenfalls gebeten, an einem solchen Gespräch teilnehmen zu dürfen. „Ich würde dann gerne von Herrn Altuner erfahren, warum er solche Texte und Behauptungen veröffentlicht. Für ein friedliches Zusammenleben bringt das nämlich nichts“, hatte Sarik dazu gegenüber unserer Redaktion erklärt. Von der Pressestelle heißt es dazu, eine Einladung von Herrn Sarik sei nicht vorgesehen. 

„Größtmögliche Ausnutzung von Gefühlen“: Regensburg Haber über Haritun Sarik. Screenshot: Facebook

„Größtmögliche Ausnutzung von Gefühlen“: Regensburg Haber über Haritun Sarik. Die Folge: Boykottaufrufe gegen sein Geschäft. Erst nachdem der IKS den Text übersetzt und öffentlich gemacht hatte, würde das Posting – Monate zu spät – gelöscht. Screenshot: Facebook

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