Regensburg: Lebensraum oder Spekulationsobjekt?

Die Kritik lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Von steigenden Immobilienpreisen befeuert findet ein Ausverkauf Regensburgs statt. Gentrifizierung heißt das Schreckgespenst, das durch die Regensburger Gassen schleicht!“ Es ist die Altstadt-SPD, die mit einer Diskussionsveranstaltung am kommenden Montag einen Trend thematisiert, der erheblich an Dynamik gewonnen hat, seit die Stadt Weltkulturerbe geworden ist – Gentrifizierung. Die Immobilien- und Mietpreise steigen. Viele alteingesessenen Bewohner können sich das nicht mehr leisten, ziehen weg und werden durch zahlungskräftigere Klientel gleichsam „ausgetauscht“. Kritik darn hört man selten, stattdessen werden die steigenden Preise als Ausdruck des Erfolgs und der Prosperität der „Regensburg AG“ bejubelt.

Ganghofersiedlung: Doppelverdiener statt kleine Leute. Foto: Archiv

„Stadt befeuert Preisspirale“

Die Altstadt-Genossen wollen das nun ändern und ziielen mit ihrer Kritik insbesondere auf die Stadt. Diese „könnte dem mit einer nachhaltigen Stadtentwicklungspolitik entgegenwirken. Stattdessen befeuert sie die Preisspirale durch den Verkauf von Filetgrundstücken an den Meistbietenden.“ Tatsächlich verkauft die Stadtbau GmbH, städtische Tochter für sozialen Wohnungsbau, zunehmend ihre Grundstücke und Immobilien im Innenstadtbereich. Der Donaumarkt ist dafür nur herausragendes, aber keineswegs das einzige Beispiel. Immobilienspekulanten nehmen dieses Angebot dankend an, um hochpreisigen Wohnraum zu entwickeln. Im kürzlich verkauften Trunzerblock am Donaumarkt etwa geht die Trepnau Immobiliengruppe mit Quadratmeterpreisen von um die 4.000 Euro auf den Markt.

Meistbietend verkauft: Das Gebäude an der Wittelsbacherstraße 8. Foto: Archiv

„Was bleibt da noch für eine familienfreundliche Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik? Wo sollen die lebendigen Quartiere entstehen, in den Kunst, Kultur und Miteinander eine Heimstatt finden?“, kritisiert der Altstadt-Vorsitzende Thomas Kube.

Lebensraum oder Spekulationsobjekt?

„Regensburg – Lebensraum oder Spekulationsobjekt?“, lautet das Motto der Podiumsdiskussion, zu der die Genossen für den kommenden Montag (19 Uhr, Gaststätte Goldenes Fass) einladen. Auf dem Podium sitzen der Architekt Matthias Schuster, Vater des „Tübinger Modells“, der Vorsitzende des Regensburger Architekturkreises Bernd Roloff, der Geschäftsführer der NaBau eG Michael Kroll und die SPD-Landtagsabgeordnete Margit Wild.

Privatisiert unter dubiosen Umständen: Unterer Wöhrd. Foto: Stadt Regensburg

In einer flankierenden Erklärung sprechen die Altstadt-Genossen von einer „massiven gesellschaftlichen Umstrukturierung“, vor allem in der Altstadt und Stadtamhof. „Ganze Straßenzüge verlieren ihre angestammten Bewohner“, kritisiert Kube. „Angestammte Bewohner und Geschäfte verschwinden, neue potente Klientel zieht ein.“ Dabei, so Kube, läge es in der Verantwortung der politischen Entscheidungsträger sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung stark zu machen.

Kritik auch an der Fraktion

Beispiele für den Ausverkauf gibt es einige. Da ist die Ganghofersiedlung, deren Umbau von der „Kleine-Leute-Siedlung“ in ein Wohnviertel für Besserverdiener nach wie vor im vollen Gang ist. Da ist das Anwesen Wittelsbacherstraße, eine Immobilie in Top-Lage mit erschwinglichen Mietpreisen, die von der städtischen Tochter Stadtbau GmbH sang- und klanglos verkauft wurde. Da ist der Unter Wöhrd, dessen Uferzone die Stadt unter dubiosen Umständen an das Immobilienzentrum Regensburg verkauft und damit kurzerhand privatisiert hat.

Wird gerade meistbietend verkauft: Das Ostermeier-Areal am Donaumarkt.

Und da ist der Donaumarkt, wo derzeit die internationale Vermarktung von Ostermeier- und Brüchner-Areal läuft. Die Altstadt-SPD spricht von einer „Versteigerung an den Meistbietenden“. und stellt sich damit auch gegen die Genossen in der Stadtratsfraktion, die dieses Procedere mit beschlossen haben. Viel Stoff für Diskussion also. Es bleibt abzuwarten, ob sich von den Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Stadtrat jemand am Montag blicken lässt.

Steht zum Verkauf: Die Klosteranlage St. Klara in der Ostengasse Foto: Stadt Regensburg

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Kommentare (12)

  • Jürgen Huber

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    Es ist schon toll, wie die (Altstadt-) SPD gerne linke und radikale Positionen diskutiert und dann unter den Fussabstreifer von Norbert Hart verschwindet.
    jürgen huber

  • Radlertölpel

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    Wenn ich in der Nähe wäre würde ich kommen obwohl ich weder im Stadtrat noch auf dem Podium sitze und womöglich auch nichts weiter anzumerken habe. Schön das öffentlich nachgedacht und miteinander geredet wird. Das kann doch sehr aufschlußreich und interessant sein.
    @Jürgen: Also 27. Mai um ca 17.15 Uhr bist du mit deiner Stadtführung bei mir am Brunnendeckelsarg wo ich euch einen Initialvortrag (max 5min) über den noch nicht existenten Europabrunnendeckeldachverband halte.

  • Veits M.

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    In der Tat: Auch die SPD – Fraktion – ist Teil des Problems. Ich erinnere an den Donau-Markl-Deal 2005. Die Preise waren über das BauGB (Sanierungsgebiet Ostengasse Nord) gedeckelt; der staatliche Grundstücksausschuss sprach von maximal 900,– /qm. Unter der Verantwortung des Aufsichtsrats der Stadtbau GmbH Regensburg, des gesamten Stadtrats etc. wurden aber 1879,–/qm bezahlt. Die zur Sicherung des Geschäfts gegebene öffentliche Millionenbürgschaft (Geld der Bürger) wurde von der Regierung der Oberpf. mehrmals als unzulässig gerügt. Den Medien, denen ich dieses Schreiben übermittelt habe, unterdrücken diese Information. Wer wundert sich noch über die demokratischen Verhältnisse in dieser Stadt, wenn der „Qualitätsjournalismus“ so ist wie er ist?

    Eine solches Kaufgeschäft ist sittenwidrig, verstößt gegen Recht und Gesetz und ist damit nichtig. Es gehört rückabgewickelt. Das wissen zumindest alle Juristen im Rat der Stadt. Wer trägt sie zum „Jagen“? Wie lautete noch mal der Eid, den alle geschworen haben auf die Verfassung?

    Auf! Ihr letzten Aufrechten von der SPD – einer Partei, die einmal für Gerechtigkeit stand!
    mkv

    P.S.
    Das Bild vom „Fußabstreifer“, das Jürgen Huber zeichnet, eignet sich ganz schön für eine neue Weller-Karikatur.

  • ganghofersiedler

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    ich persönlich habe den glauben an den ganzen größeren parteien verloren hier in regensburg. was hat uns der hartl versprochen, was hat die csu das blaue vom himmel runtergelogen in bezug auf die ganghofersieldung. alles lügner und betrüger.
    jetzt stehen porsches in der tiefgarage von den gekauften häusern und den mietern hier, die noch übrig sind wird das leben zur hölle gemacht wegen baulärm und der grünen mitte, die immer mehr psychologischen druck auf die armen leute ausübt.
    das sind geschäftgebahren die asozial sind und jeglicher menschlichkeit widersprechen
    und weil das nicht reicht, werden alte nasse gebäude mit viel isolierung versehen, was perfekt für schimmel ist und so die käufer, die mittlerweile eine halbe millionen euro für sowas ausgeben, auch abgezockt weil einige der „neubauten“ sicherlich mit der zeit unbewohnbar werden.
    es wäre ehrlich gewesen von der grünen mitte, wenn sie ein gutachten vorgestellt hätte, wo die ausläufer vom vitusbach laufen, welche häuser nass sind und sich mit einer kompletten wanne von unten versehen gehören. das interessiert die GM aber nicht: das ist der beweis für die heuschreckenmentalität und dass es nur um das schnelle geld geht.
    gentrifizierung in reinform. und man vergesse nicht überhaupt den zweck der ganghofersiedlung:
    eine arbeitersiedlung

  • Pragmatiker

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    Als ehemaliger Ganghoferer (für 4 Jahre) kann ich mich dem anschließen.

    Bisher (bis in die 2000er Jahre hinein) wohnte in der Ganghofersiedlung eine recht interessante und bunte Mischung aus Studenten, 70-80 Jahre alten Omas, anderen Wenigverdienenden (Taxifahrern, Müllkutschern, Freien Journalisten, Arbeitern, etc.), die wenig Geld für wenig Komfort bezahlten, ihre Wohnungen/Häuslein in Eigenleistung reparierten und in Schuss hielten und ansonsten in Ruhe gelassen wurden. Soziales Wohnen im Grünen.

    Als Student habe ich dort rund 350 Euro Miete monatlich bezahlt, für eine schnuckelige 3-Zimmer-Wohnung (80 qm; Böden selbst gefliest) mit heruntergekommenem aber brauchbarem Kellerabteil und Garten (selbst zu mähen).

    Glaube kaum, dass sich eine durchschnittliche Rentnerin derzeit das Wohnen dort noch leisten kann. Weiß jemand von den Mitlesern, wieviel Miete man inzwischen verlangt in der Ganghofersiedlung? Ich schätze, mindestens das Doppelte.

    Dass inzwischen Porsches dort parken, kann ich bestätigen (beispielsweise in der Wilhelm-Busch-Straße steht einer). Die neureiche Bewohnerschaft besteht inzwischen aus Ärzten etc. (kenne mindestens zwei, die jetzt dort wohnen und ne knappe halbe Million für ihr schmuckes Eigenheim ausgegeben haben; die Ex-Mieter, die seit Jahrzehnten drin wohnten, hätten Vorkaufsrecht gehabt – ätsch, selber schuld, hatten halt gerade keine halbe Million flüssig).

    Nein, mir geht es nicht um Sozialneid. Mir geht es darum, was CSU-Schaidinger wie SPD-Hartl Mitter der 2000er Jahre jahrelang behauptet haben: um den angeblichen Mieterschutz, um den Schutz sozial Schwacher.

    Mieterschutz?? Mag sein, aber nicht für die ehemaligen Mieter. Die hat man erfolgreich heraussaniert. Geschützt werden jetzt eher die neuen Mieter, äh, Besitzer. Und die müssen eigentlich nicht beschützt werden, die haben genug Geld, um sich erfolgreich selbst zu schützen.

    Herr Schaidinger, Herr Hartl: Ihr habt gelogen damals bei den Mieterversammlungen. Und Ihr wisst das, wusstet es damals schon.

  • Norbert Hartl

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    Zur Ganghofersiedlung

    Die anonymen Herren “ Pragmatiker und Ganghofersiedler“ wissen entweder gar nicht, wie der Bebauungsplan und städtebaulicher Vertrag für die Ganghofersiedlung in den Jahren 2003 – 2007 ablief, oder waren wahrscheinlich auf keiner einzigen Informationsveranstaltung in diesem Zeitraum, haben niemals eine Zeitung gelesen, oder können sich Vorgänge, die Jahre zurückliegen nicht merken. Ansonsten könnten sie was meine Person betrifft, sich nicht so beleidigend äußern.

    Wahr ist, dass ich es war, der auf mehreren Veranstaltungen darauf hinwies, dass es der IGEWO nur darum
    geht, die Siedlung für einen lukrativen Verkauf zu präparieren. Ich war es der die Aussage der IGEWO anzweifelte, die Häuser mit den vorhandenen Mietern Zug um Zug zu sanieren. Für diese Aussagen mußte ich mich vom Oberbürgermeister im Stadtrat als der „größte Hetzer aller Zeiten“ beschimpfen lassen.
    Es ist mir dann in einem jahrelangen Kampf für die Mieter wenigstens gelungen einen verbesserten Mieterschutz zu erreichen, immer unter der Annahme dass die IGEWO nicht verkauft.
    Dann trat das ein, was ich vorhersagte, die IGEWO verkaufte an einem Immobilienhai in Stuttgart.

    Dass dann die Grüne Mitte, ein Regensburger Unternehmen, die meisten Häuser von den Stuttgartern übernahm, ist angesichts der Sachlage noch ein Glücksfall.

    Die Frage ist nach wie vor, wie darf es sein, dass die IGEWO, die die Siedlung nach dem Krieg vom Staat kostenlos bekam, so handeln darf.

    Meinen anonymen Kritikern möchte ich sagen: vergaloppiert oder bewußt die Unwahrheit verbreitet.

    Norbert Hartl

  • Pragmatiker

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    Lieber Herr Hartl,
    sollten die Fakten tatsächlich so liegen, wie Sie in Ihrer Entgegnung darstellen, so entschuldige ich mich bei Ihnen.

    Allerdings war ich bei diversen Mieterversammlungen – anders als Sie mutmaßen – in der Tat anwesend und erinnere mich auch an Ihre Ausführungen, Herr Hartl. Soweit haben Sie schon recht. Allerdings erinnere ich mich nicht daran, dass diesen auch Taten gefolgt wären – was ab 2008 doch sehr gut möglich gewesen wäre.

    Denn, lieber Herr Hartl, seit 2008 sitzt die SPD gemeinsam mit der CSU am Regensburger Regierungstisch. Es läge somit auch in der Hand Ihrer Partei, der SPD, die schlimmsten Versäumnisse in punkto Ganghofersiedlung rückgängig zu machen bzw. zumindest abzumildern. Derlei hätte man bereits in den Koalitionsvertrag aufnehmen können – immer vorausgesetzt, die Angelegenheit wäre Ihnen wirklich so wichtig wie Sie sagen.

    Wie wäre es z.B. damit gewesen, einen Teil der Ganghofersiedlung ins soziale Wohnungsbauprogramm aufzunehmen, damit ehemalige Bewohner wieder, öffentlich mietgefördert, in ihre langjährige Heimat zurückziehen können? Ich denke da vor allem an all die alten Leute, die teils Jahrzehnte dort wohnten und die man in den letzten Jahren brutal entwurzelt und faktisch ins Altenheim zum schnellen Sterben abgeschoben hat.

    Lieber Herr Hartl, ich frage Sie: Was ist seitdem passiert? Hat sich die SPD, haben Sie sich seit der „Machtübernahme“ 2008 um diese Angelegenheit, sprich: um die ehemaligen, sozial schwachen Ex-Mieter der Ganghofersiedlung gekümmert? Herr Schaidinger hat das natürlich nicht, klar – aber wie sieht’s mit Ihnen aus?

    MfG

    P.S.: Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich will nicht dorthin zurück. Ich wohne längst ganz anderswo im Eigenheim. Aber mir tut es jedesmal im Herzen weh, wenn ich mal wieder vorbeifahre und sehen muss, wie sehr sich diese einst heimelig-idyllische Siedlung ins Schickimicki-Neureiche gewandelt hat… und wenn ich an den Türschildern keinen einzigen Nachbarn von damals mehr entdecke.

  • Thomas Dietlmeier

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    Sehr geehrter Herr Pragmatiker,

    ich bin Geschäftsführer der Grünen Mitte GmbH und habe mir lange überlegt, ob ich zu Ihren Ausführungen Stellung nehmen soll: Der Grund, weshalb ich Stellung beziehen möchte ist, dass Ihre Darstellung nicht richtig ist.

    1.Die Grüne Mitte GmbH hat freiwillig öffentlich geförderte Wohnungen errichtet. Diese wurden als Seniorenwohnungen konzipiert, die baulichen Aufwendungen lagen damit weit über dem für öffentliche Wohnungen üblichen Maß. Die altersgerechten Wohnungen wurden insbesondere für die in Bewohner der Ganghofersiedlung konzipiert und befinden sich im Quartierszentrum in der Boelkestrasse.
    2. Es werden grundsätzlich nur bereits mietfreie Einfamilienhäuser veräußert. Verwertungsbedingte Kündigungen, Sanierungsankündigungen u.ä, wurden grundsätzlich bis dato bei Einfamilienhäuser nicht ausgesprochen.

    Der vorliegenden städtebaulichen Vertrag schließt im Übrigen eine Eigenbedarfskündigung nicht aus, wir haben aber auf ebenfalls freiwillig bis dato darauf verzichtet.

    3. Kein Mieter hat ein Angebot über den Erwerb seiner Liegenschaft erhalten zu einem Wert von 500.000 Euro. Mieter erhielten – ebenfalls freiwillig – einen deutlichen Preisabschlag zum Marktpreis. Einige Mieter haben davon Gebrauch gemacht, manche Mieter haben sogar Ihre Haus erworben und dann zu Marktpreisen mit sehr, sehr deutlichem Gewinn weiterveräußert.

    4. Hinsichtlich der genannten Mietpreise möchte ich ausführen, dass die Altmieter einen Mietpreis eingeräumt bekommen, welcher weit unter dem gesetzlichen möglichen Niveau liegt. Dieser Mietpreis liegt auch deutlich unter dem Niveau der derzeitigen Marktmiete (ca. 3 Euro/pro qm unter dem Marktniveau). Und dies bei einer Nebenkostensituation, die alleine bei den Heizkosten Einsparungen von bis zu 50% ermöglicht hat.(in einzelnen Häusern beträgt die Einsparung bis zu 70%). Die von Ihnen ausgeführte „Heraussanierung“ der Mieterschaft hat nicht stattgefunden.

    5. Unsere Erfahrung war, dass in der Siedlung sehr viele (auch finanziell) privilegierte Personen gelebt haben, die durchaus sich marktfähige Mieten leisten konnten, die jedoch die „armen alten Mieter“ für Ihre Interessen (langfristig sehr günstig wohnen,) vorgeschoben haben. (Ich meine auch, dass ein Student nicht unbedingt den Anspruch haben muss, eine 80 qm Wohnung zu 350 Euro in Uninähe mieten zu können) Sichergestellt wurde aber durch unser Sanierungskonzept, dass diese Personengruppe gefördert wurde, meine Mitarbeiter haben sich hier durch ein enormes Engagement und durch Einfühlungsvermögen ausgezeichnet. Im Übrigen wurden und werden über 1.500 Wohneinheiten saniert und neu errichtet. Dabei werden die Mehrfamilienhäuser zum großen Teil nicht als Eigentumswohnungen saniert sondern als Mietwohnungsbau langfristig dem Mietmarkt erhalten bleiben: Auch hier gingen und gehen die vom Vorfeld erhobenen Vorwürfe und Befürchtungen ins Leere.

    6. Die Grüne Mitte GmbH hat in den letzten Jahren nachhaltig bewiesen, dass sie der Verantwortung gerecht wird. Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, zu denen wir laut Gesetzeslage und Vertragslage nicht verpflichtet gewesen wären, und die teilweise mit hohem finanziellen Aufwand durchzuführen waren. Wir haben ein Quartierszentrum errichtet, wir errichten eine Lärmschutzwand an der Augsburger Straße (die alle Voreigentümer aus Kostengründen bis dato abgeblockt haben), wir errichten Mietwohnungsbauten, wir haben öffentlich geförderte Wohnungen errichte,t wir haben das ganze Gebiet energetisch saniert in einer Weise, mit der die gesamte Grüne Mitte als CO2-neutral in Zukunft gelten kann (wohl in Deutschland einmalig).

    7. Zu den Ausführungen, dass sich Verwaltung und Politik nicht um die Siedlung kümmern: Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Wir erstatten in wöchtlichen Terminen der Verwaltung Bericht über den Fortgang der Mietergespräche. Die Politik nimmt sehr genau die Interessen der Mieter und Bewohner wahr und macht Ihren Einfluss hier sowohl auf der Verwaltungsebene wie auch gegenüber uns geltend.

    8.Die Grüne Mitte GmbH ist ein regionales Unternehmen, welches sich mit der Region und der Stadt identifiziert. Systembedingt können wir keine Heuschrecke sein (die fliegt nämlich dann wieder weg). Meine Mitarbeiter und unser Unternehmen hat bis Dato insgesamt einen sehr guten „Job“ gemacht. Ich glaube nicht, dass dies ein Unternehmen aus München, Frankfurt oder London besser hinbekommen hätte.

    9. Zu guter Letzt möchte ich auch noch hervorheben, dass die Wohnungen teilweise auch nicht mehr bewohnbar waren, es MUSSTE etwas geschehen.

    Aus diesem Grunde bitte ich um eine objektive Wahrnehmung.

    Beste Grüße,

    Thomas Dietlmeier

  • Pragmatiker

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    Sehr geehrter Herr Dietlmeier,
    danke für Ihre Stellungnahme. Ich hätte mir zwar gewünscht, Herr Hartl würde mir antworten – aber gut. Zu Ihren Ausführungen habe ich allerdings eine Reihe von Fragen und Anmerkungen:

    Zu 1.: Sie schreiben: „Die altersgerechten Wohnungen wurden insbesondere für die in Bewohner der Ganghofersiedlung konzipiert und befinden sich im Quartierszentrum in der Boelkestrasse.“

    — Bitte konkrete Zahlen: Wie hoch ist die Miete bei welchen Wohnungsgrößen?

    Zu 2.: Sie schreiben „Verwertungsbedingte Kündigungen, Sanierungsankündigungen u.ä, wurden grundsätzlich bis dato bei Einfamilienhäuser nicht ausgesprochen.“

    — Meine Fragen dazu: a. Bleibt das auch so? Bis wann? – und b. Wie sieht’s bei den Mietwohnungen in den Mehrfamilienhäusern aus? Genauso?

    Sie schreiben: „Der vorliegenden städtebaulichen Vertrag schließt im Übrigen eine Eigenbedarfskündigung nicht aus.“

    — Lieber Herr Hartl, lieber Herr Schaidinger: Wie das? Ihr Kommentar dazu?

    Zu 3.: Sie schreiben: „Mieter erhielten – ebenfalls freiwillig – einen deutlichen Preisabschlag zum Marktpreis.“

    — Konkrete Zahlen bitte! Wie hoch war der offizielle, wie hoch der Preis für bisherige Mieter? Ansonsten ist Ihre Aussage, lieber Herr Dietlmeier, lediglich heiße Luft.

    Zu 4.: Sie schreiben: „Hinsichtlich der genannten Mietpreise möchte ich ausführen, dass die Altmieter einen Mietpreis eingeräumt bekommen, welcher weit unter dem gesetzlichen möglichen Niveau liegt.“

    — Konkrete Zahlen bitte, Herr Dietlmeier! Wie hoch ist die aktuelle Miete, zum Beispiel, für eine sanierte Dreizimmerwohnung in einem der Wohnblocks (ca. 65 qm)?

    Sie schreiben: „Die von Ihnen ausgeführte “Heraussanierung” der Mieterschaft hat nicht stattgefunden.“

    — Das ist definitiv unrichtig – aber egal. Aussage gegen Aussage (allerdings kenne ich persönlich konkrete Einzelfälle, die Ihrer Aussage widersprechen). Zur Klärung beantworten Sie aber doch bitte am besten Frage 4 (konkrete Zahlen, bitte)!

    Zu 5.: Sie schreiben: „Dabei werden die Mehrfamilienhäuser zum großen Teil nicht als Eigentumswohnungen saniert sondern als Mietwohnungsbau langfristig dem Mietmarkt erhalten bleiben: Auch hier gingen und gehen die vom Vorfeld erhobenen Vorwürfe und Befürchtungen ins Leere.“

    — Lieber Herr Dietlmeier, sie entkräften hier ein Argument, das ich gar nicht gebracht habe. Sie müssen schon ein wenig genauer lesen! – Es ist vielmehr so, dass sich die meisten der bisher in der Ganghofersiedlung wohnenden Personen ihre früheren und jetzt „sanierten“ Wohnungen nicht mehr leisten können. Ob Miet- oder Eigentumswohnung, ist nicht von Belang (und ob auch bisher schon ein paar wenige „Wohlhabende“ dort gewohnt haben, ist ebenfalls irrelevant – seit der Sanierung wohnen jedenfalls fast ausschließlich Wohlhabende in der Ganghofersiedlung!).

    Zu 6.: Sie schreiben: „Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, zu denen wir laut Gesetzeslage und Vertragslage nicht verpflichtet gewesen wären.“

    — Ob das so war oder nicht, sei dahingestellt, aber genau das war ja meine Kritik an die Stadtführung (CSU, SPD): Wieso, Herr Hartl, Herr Schaidinger, konnte es überhaupt dazu kommen? Wo war beim Vertragsabschluss Ihre soziale Verantwortung?

    Zu 7.: Sie schreiben: „Zu den Ausführungen, dass sich Verwaltung und Politik nicht um die Siedlung kümmern: Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Wir erstatten in wöchtlichen Terminen der Verwaltung Bericht über den Fortgang der Mietergespräche. Die Politik nimmt sehr genau die Interessen der Mieter und Bewohner wahr…“

    — Siehe dazu meine o.g. (und anderen) Fragen an die Herren Sch. und H.

    Aber überhaupt: Wie bitte können denn „Verwaltung und Politik“ Einfluss nehmen, wenn Sie doch selbst, Herr Dietlmeier, behaupten, Sie würden den bestehenden Vertrag sogar „übererfüllen“? Wie soll das gehen?
    Soll das etwa heißen, der extrem um die Mieter besorgte Herr Schaidinger lässt zuerst zu (O-Ton Hartl!), „dass die IGEWO an einem Immobilienhai in Stuttgart verkauft“, anschließend geht das Stadtviertel an (O-Ton Hartl), „die Grüne Mitte, [was] angesichts der Sachlage noch ein Glücksfall“ sei; anschließend wird mit diesem Immobilienunternehmen „Grüne Mitte“ ein Vertrag geschlossen, der de facto eine Raussanierung der Mehrheit der früheren Bewohner bedeutet – und jetzt (Ihren Worten nach zu schließen) umgehen/brechen Hartl und Schaidinger diesen bestehenden Vertrag mit der „Grünen Mitte“, um die Interessen der Mieter zu wahren?

    – Lieber Herr Dietlmeier: Das glauben Sie doch selbst nicht. Mag sein, dass Sie regelmäßig “ in wöchtlichen Terminen der Verwaltung Bericht über den Fortgang der Mietergespräche“ erstatten. Ja und? Nette Geste, aber was bringt’s?

    Zu 8.: Sie schreiben: „Die Grüne Mitte GmbH ist ein regionales Unternehmen, welches sich mit der Region und der Stadt identifiziert.“

    — Soso. Genau aus diesem Grund haben Sie wohl in der Boelkestraße auch die bisher Ensemble-geschützten Giebeldachhäuschen abgerissen und stattdessen wunderhübsche, einheitsweiße Flachdachbauten hingesetzt, die in ihrer Art ja so typisch für Regensburg und die Ganghofersiedlung sind (Vorsicht: Ironie!).
    — Lieber Herr Dietlmeier: Sie und Ihre Firma müssen Geld verdienen, so schaut’s aus. Das werfe ich Ihnen auch nicht vor. Aber bitte, lassen Sie die Tränendrüse ruhen. Glaubt Ihnen eh kein Mensch.

    „Ich glaube nicht, dass dies ein Unternehmen aus München, Frankfurt oder London besser hinbekommen hätte.“

    — Natürlich nicht. Firmen müssen nicht schön bauen und sich erst recht nicht um die Bewohner kümmern. Bei den hiesigen Politikern hingegen sollte das anders sein, so meine zugegebenermaßen naive Weltsicht.

    Sehr geehrter Herr Dietlmeier: Dass Sie als Unternehmer die hiesigen Politiker in Schutz nehmen, lässt tief blicken. Mir fallen da spontan gleich mehrere Gründe ein, wieso das so sein könnte.

    MfG

  • Pragmatiker

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    Sehr geehrter Herr Dietlmeier,
    es wäre nett, wenn Sie, wie von mir am 30. Mai erbeten, die konkreten Zahlen
    (Wie hoch ist die Miete bei welchen Wohnungsgrößen?; Wie hoch war der offizielle, wie hoch der Haus-Kaufpreis für bisherige Mieter?; Wie hoch ist die aktuelle Miete, zum Beispiel, für eine sanierte Dreizimmerwohnung in einem der Wohnblocks (ca. 65 qm)?)
    nachliefern könnten.

    Schon deshalb, weil diese Zahlen Ihre Argumentation u.U. stützen könnten …
    Danke & MfG

  • Pragmatiker

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    Sehr geehrter Herr Dietlmeier,
    soll ich jetzt froh sein darüber, dass Sie sich keine konkreten Zahlen zu nennen wagen?
    Ihre Argumentation stützt dieses Verhalten jedenfalls nicht.
    Schade.
    MfG

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