Steinerne Brücke: Millionen-Zuschüsse eingefroren!

Das Landesamt für Denkmalpflege und die Stadt Regensburg haben kein gutes Verhältnis zueinander. Diese Tatsache ist nicht nur angesichts der gegensätzlichen Haltungen zu einer Ersatztrasse für die Steinerne Brücke hinlänglich bekannt. Doch nun geht es nicht mehr nur um Befindlichkeiten, sondern um einen Haufen Geld. Und das scheint die Stadt, so sieht es zumindest das Landesamt, durch ihr mangelhaftes Kommunikationsverhalten leichtfertig aufs Spiel zu setzen. In Zusammenhang mit der Sanierung der Steinernen Brücke hat das Landesamt der Stadt einen Brief geschrieben, der am Donnerstagabend für gehörige Verstimmung im Stadtrat sorgte. Oberbürgermeister Hans Schaidinger bestätigte auf Nachfrage von Stadtrat Ludwig Artinger (Freie Wähler), dass es einen solchen Brief gebe.

Schlechte Kommunikation, fehlende Information, Inkompetenz

Unter anderem werde darin mit dem Streichen von Zuschüssen gedroht und die fachliche Kompetenz des Planungsamts bzw. des mit der Koordination der Sanierung betrauten Planungsbüros in Zweifel gezogen. Schaidinger nannte das Schreiben eine „bodenlose Unverschämtheit“. Es fuße auf „unzutreffenden Aussagen“ und „Unterstellungen“. Es sei unerhört, dass eine Behörde mit der Verweigerung von Zuschüssen in Millionenhöhe drohe, „wenn eine Stadt nicht spurt“.

Alle müssen sich an die Regeln halten

Generalkonservator Egon Greipl kann die Aufregung nicht verstehen. „Der Brief ist freundlich im Ton, aber deutlich“, so Greipl. Was daran unverschämt sein solle, könne er nicht nachvollziehen. „Wir können schließlich keine Zuschüsse vergeben, wenn wir nicht einmal alle notwendigen fachlichen Informationen bekommen.“ Es gelte wie überall schlicht die vorgeschriebenen Bedingungen einzuhalten. Nicht nur einmal habe man die Stadt um mehrere Informationen gebeten und diese nicht erhalten. Es geht um die Natursteinarbeiten an den schadhaften Bögen der Steinernen Brücke – der erste von insgesamt drei Bauabschnitten bei dem Millionenprojekt. „Die Auftragsvergabe für diese Natursteinarbeiten halten wir für verfrüht“, sagt Greipl.

75 Prozent sind Zuschüsse

Insgesamt schlägt die Sanierung der Steinernen Brücke mit 20 Millionen Euro zu Buche. Über 15 Millionen davon kommen aus Zuschüssen. Allein für dieses Jahr sind Arbeiten mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro im Investitionsprogramm vorgesehen, die zu 100 Prozent durch Fördergelder – jeweils etwa zur Hälfte von Bund und Land – abgedeckt werden sollen. Die Stellungnahme des Landesdenkmalamts als zuständige Fachbehörde ist dabei maßgeblich dafür, ob dieses Geld auch fließt oder nicht. Insofern war der Oberbürgermeister am Donnerstag zwar schnell mit Begriffen wie „Unverschämtheit“ bei der Hand, kündigte aber gleichzeitig an, dass sich die Stadt mit ihrer Reaktion auf den „unverschämten“ Brief „zurückhalten“ werde. Die angeforderten Informationen und die „dringend angemahnte Verbesserung der Kommunikation“ dürften Teil dieser zurückhaltenden Reaktion sein. Noch in nichtöffentlicher Sitzung wurde am Donnerstag ausführlich über die Sanierung und die bisherigen Pannen diskutiert. Im ursprünglichen Zeitplan befindet man sich ohnehin nicht mehr.

Schilderwald abgesägt

P.S.: Bei all dem Ärger ging fast unter, dass der befürchtete Schilderwald auf der sanierten Steinernen Brücke nun plötzlich vom Tisch ist. Statt vieler Schilder und weißer Linien steht nun eine 41 Zentimeter breite Rinne aus ockerfarbenem Granit, die Bürgersteig und Fahrbahn deutlich voneinander trennt. Das Landesamt für Denkmalpflege war der Stadt in diesem Punkt entgegen gekommen.

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Kommentare (3)

  • Denkmalbesitzer

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    Ich bin ja eigentlich kein Schaidinger-Fan, aber in diesem Punkt kann ich ihn verstehen. Ich kenne aus eigener Erfahrung die Rechthaberei, Impertinenz und auch die schwierigen Persönlichkeiten unter den Denkmalpflegern – allen voran Generalkonservator Greipl. Das alles gepaart mit einer völlig wirklichkeitsfremden Vorstellung von der Nutzbarkeit eines Denkmals. Für die Herren aus dem Landesamt für Denkmalpflege in München zählen die rationalen Gründe, dass ein Denkmal einfach auch für die Menschen da sein sollte überhaupt nicht. Der Verdacht drängt sich leider allzuoft aus, dass sie sich selbst ein Denkmal setzen wollen. Ich habe auch noch nie erlebt, dass die Gelder, die zuerst versprochen wurden, am Schluß auch gezahlt wurden. Daher möge der Autor, bevor er sein Urteil fällt, sich ein bisschen in die Materie einarbeiten. Denn gerade was die Kommunikation betrifft: Dazu gehören immer zwei. Der Weg etwa allein zur Erlaubnis meiner Sanierung hat zwei Jahre gedauert: Man antwortet beim LfD einfach monatelang nicht, ignoriert Anfragen und will am Schluß nichts von dem wissen, was vorher zugesagt wurde.

  • Helmut Matias

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    Das ist zum weltweiten Atomproblem, marginal! Schreibe doch über das Verhalten der C-Parteien, der FDP zur „Endlösung“ der Atomwirtschaft, im Sinne von Hitler.
    Und:
    Ich würde es begrüßen, wenn fette und reiche Kreuzfahrer ihre Kabinen zur Lebensrettung der armen, fleissigen Japaner zur Verfügung stellen würden . Da ist mein Vorschlag. Haben das die Japaner verdient? H. M. hat Thema verfehlt. Das mag ja sein. MfG

  • Robert Kreitmaier

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    Sehr geehrter Leidensgenosse,
    Sie sprechen tausenden von Gleichgesinnten aus der Seele und treffen mit ihren Aussagen den Nagel voll auf den Kopf. Ich persönlich kenne keinen Denkmalbesitzer, der ihre Beschreibungen nicht auch sofort unterschreiben könnte. Daher ist es auch an der Zeit, daß sich alle Geplagten zusammen tun, um mit einer Stimme dem BLfD in Zukunft die Stirn bieten zu können und eine Novellierung des völlig überalteten Denkmalschutzgesetzes anzuschieben. Dabei darf natürlich auch der Umweltschutz in Verbindung mit der Notwendigkeit einer anständigen Ertüchtigung eines Denkmals in Hinsicht der bereits bestehenden und demnächst wieder verschärften Energieeinsparverordnungen nicht Halt machen.

    Hochachtungsvoll

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