Jobcenter zieht Bilanz

Trotz Arbeit: 1.800 Regensburger brauchen Hartz IV

Bei über zwei Prozent der Regensburger reicht der Verdienst nicht zum Leben. Sie machen ein Drittel der erwerbsfähigen Hartz IV-Empfänger aus.

"Ein erfolgreiches Jahr". Bei der Pressekonferenz des Jobcenters Regensburg standen die Positivnachrichten im Vordergrund. Im Bild (v.l.): Joachim Wolbergs, Gabriele Anderlik (Agentur für Arbeit), Hans Schaidinger und Birgitt Ehrl. Foto: as

„Ein erfolgreiches Jahr“. Bei der Pressekonferenz des Jobcenters Regensburg standen die Positivnachrichten im Vordergrund. Im Bild (v.l.): Joachim Wolbergs, Gabriele Anderlik (Agentur für Arbeit), Hans Schaidinger und Birgitt Ehrl. Foto: as

Es sind Erfolgsmeldungen, die bei der Pressekonferenz des Jobcenters Regensburg das Bild bestimmen: Die Zahl der „Bedarfsgemeinschaften“ ist mit 4.570 auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung von Hart IV angelangt, die Zahl der „Langzeitleistungsbezieher“ habe „spürbar abgenommen“, sagt Oberbürgermeister Hans Schaidinger und ausweislich eines Papiers, das an die Medienvertreter verteilt wird, konnten im vergangenen Jahr 1.846 Personen „in den Arbeitsmarkt integriert“ werden. „Mit diesem Ergebnis liegt Regensburg im Vergleich der fünf größten bayerischen Städte an der Spitze“, lautet das Fazit.

5.533 erwerbsfähige Menschen, also solche die in den Arbeitsmarkt vermittelt werden können, waren Ende 2013 auf Hartz IV angewiesen. Ebenfalls ein Rekordtief. Bei den nicht erwerbsfähigen Sozialgeldempfängern sieht es mit 1.900 Personen ähnlich positiv aus.

Seit Jahren: 1.800 sind arm trotz Arbeit

Andere Zahlen, solche, die dieses positive Bild trüben könnten, erfährt man zum Großteil erst auf Nachfrage.

Zum Beispiel, dass im vergangenen Jahr 1.800 Sanktionen – Leistungskürzungen – gegen Hartz IV-Empfänger ausgesprochen wurden.

Zum Beispiel, dass rund ein Drittel aller erwerbsfähigen Hartz IV-Empfänger, 1.800 Menschen, Aufstocker sind. Anders ausgedrückt können über zwei Prozent der erwerbsfähigen Regensburger von ihrem Verdienst nicht leben. Eine Zahl, die laut Birgitt Ehrl, Leiterin des Jobcenters, seit einigen Jahren stabil geblieben ist.

 

Rumänen und Bulgaren sind kein Thema

Sowohl Hans Schaidinger wie auch Sozialbürgermeister Joachim Wolbergs dämpften am Montag alle Erwartungen, dass die Zahl an Hartz IV-Empfängern auch in Zukunft weiter sinken werde. Zunehmend blieben beim Jobcenter Personen „mit multiplen Problemlagen“, die nur sehr schwer in den Arbeitsmarkt zu vermitteln seien. „Es gibt einfach Fälle, die fallen durch den Rost“, so Schaidinger.

Wie schon andernorts bestätigt sich übrigens auch in Regensburg, dass die „Wer betrügt fliegt“-Kampagne der CSU gegen Bulgaren und Rumänen keine Grundlage hat. Es gebe „keinen signifikanten Anteil“ an Leistungsbeziehern aus dieser Bevölkerungsgruppe, so Ehrl. Alle Beteiligten waren sich am Montag einig: „Das ist kein Schwerpunktthema und wir sollten es bitte auch zu keinem machen.“

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Kommentare (14)

  • erik

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    Kürzlich war in den Medien zu lesen „Von Armut bedroht sind unverändert zwischen 14 und 16 Prozent der Bundesbürger.“ – Die sind nicht bedroht sondern tatsächlich arm. Dass die Regierung da aber eiskalt lügt und sich alles hinbiegt wie sie es braucht, ist ja nichts neues. Hier findet die grösste Volksverarschung aller Zeiten statt. Abwrackprämie, Herdpämie, Hartz IV etc. Alles nur Augenwischerei von Politikern die nichts besseres zu tun haben als sich mit Hilfe der Industrie die Taschen vollzustopfen. Die etablierten Parteien und ihre Lakaien sind weder christlich, sozial, liberal sondern nur darauf bedacht ihre eigenen Pfründe zu sichern und auszubauen. Das einzigste was den Politikern zur Lösung dieses Problems einfällt ist das fälschen von Statistiken durch aus herausrechnen und verschwindenlassen von hundertausenden Arbeitslosen.
    Folgende Menschen (!) gelten nicht als „arbeitslos“ und werden daher nicht in der Statistik als solche erfasst:
    -wer über 50 ist,
    -wer Altersteilzeit, Vorruhestand, hat, BfA Grundsicherung, Zwangsverentet etc,
    -wer sich in einer Quali oder ABM befindet,
    -sehr z.Zt krank ist,
    -wer sich in einer „Massnahme“ befindet,
    -wem die Leistungen ganz / teilweise gestrichen wurden, wer Sanktionen hat,
    -wer Reha, Kur macht, schwanger ist, Kind bis 4 J hat,
    -wer einen Termin beim Fallmanager hat,
    -wer sich Bewerbungsprozess befindet,
    -wer als „integrationsfern“ bei H4 bzw als „nicht vermittlungsfähig“ klassifizert wurde.
    Hinzu kommen noch Arbeitslose die von der Arbeitsagentur in die „stille Reserve“gedrängt wurden. Wirtschaftswissenschaftler schätzen, das sich inzwischen 1 bis 2 Millionen Menschen in der „stillen Reserve“ befinden, also eine Stadt wie München, Hambung oder Köln, deren Existenz aus politischen Gründen geleugnet wird.
    Die Zahl der Sanktionen stieg 2011 auf 912.377, d.h. 912.377 Einzelschicksaale. Im Jahr 2012 wurden erstmals über 1 Millionen Sanktionen verhängt.

  • Veronika

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    Nur froh sein, dass man die JobCenter und Arbeitsagenturen braucht. Stellt Euch nur mal vor, alle die dort Beschäftigten hätten mangels Arbeitslosen keine Stelle mehr. Dann sähe es auch nicht besser aus. So gibt es Leute die mit dem „Sich kümmern um Arbeitslose“ Geld verdienen können, und auch die Arbeitslosen haben eine Beschäftigung, sich immer wieder bei Personen melden zu können, die – wie man immer wieder lesen kann – gar keine Leute vermitteln können, weil die von den verschiedenen Berufsbildern keine Ahnung haben.
    —–
    Wichtig scheint aber nur zu sein, die Leute von der Strasse und von einem gezielten Zusammentreffen untereinander fernzuhalten, sonst wäre der Frieden in Gefahr.
    Ich wundere mich immer wieder, wie sich die Leute die diversen Saktionen immer wieder gefallen, vor allem Eltern in Hartz IV damit zugleich deren Kinder als künftige sozial Ausgegrenzte staatlich einbuchen lassen.

  • Mathilde Vietze

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    Diesen Bericht sollten all jene lesen, die der Meinung
    sind, daß alle Hartz IV-Empfänger zu faul zum Arbeiten sind.
    Natürlich gibt es einen winzigen Prozentsatz, auf den dies
    zutrifft, aber da müssen die Verantwortlichen halt
    handeln.

  • blauäugig

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    @Erik: ‚Folgende Menschen (!) gelten nicht als “arbeitslos” und werden daher nicht in der Statistik als solche erfasst:
    -wer über 50 ist,‘
    Ich bin mir sicher, dass das nicht auf die deutsche Arbeitslosenstatistik zutrifft.
    Hier gilt im Prinzip das Renteneintrittsalter, und 58 Jahre (nicht: 50 Jahre) unter bestimmten anderen Voraussetzungen.

  • erik

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    Mein Fazit ist eindeutig. Hatte die Wohlstandsverteilung in
    Deutschland noch vor ein Paar Jahren die Form einer Zwiebel mit
    einer breiten Mittelschicht, hat sie heute die Form einer Pyramide
    mit einer Spitze von Personen die mehrere Hundertausend oder
    Millionen im Jahr verdienen und einem breiten Sockel der Menschen
    die von Ihrer Arbeit nicht mehr Leben können. Der Sockel am Boden
    wird wohl nocht breiter werden, d.h. mehr Menschen werden noch
    weniger verdienen, während der Winkel steiler wird und die Spitze
    in Zukunft noch mehr verdienen wird. Millionen Menschen werden dann
    nicht mehr am gesellschaftlichem Leben teilhaben können, was von
    den Herrschenden meiner Meinung auch gewollt ist, denn wer ums
    tägliche Fressen kämpfen muss, stumpft ab, zieht sich zurück und
    interessiert sich nicht mehr für Politik und gleitet in eine
    apathische Gleichgültigkeit ab und Nicht-Wähler sind den
    etablierten Parteien fast genauso lieb und nützlich wie ihre
    eigenen Wähler! Es geht nicht mehr um Menschen, es geht um
    williges, billiges Arbeitsfleisch! Der Mensch ist zur Ware geworden
    ohne nennenswerte Arbeitsrechte. Ist das Fleisch zäh, gefällt es
    nicht oder schon abgelaufen schmeisst man es in den Müll, tritt man
    es in die Tonne, schickt man es nach Hause und holt sich neues, das
    ist für mich das Wesen der Hartz-Gesetze bzw. Agenda 2010 Politik,
    die Arbeitnehmer auf dem freien Markt sind meiner Meinung
    erpressbar geworden! Die Folge für die Zukunft ist ein Zunami an
    Altersarmut dieser Beschäftigten und von längerer Zeit von
    Arbeitslosigkeit betroffener Menschen, was die Politiker die dafür
    verantwortlich sind aber nicht mehr interessieren wird, weil sie
    dann selbst schon selbst mit feudalen Altersbezügen im Ruhestand
    sind. Geschönte bzw. gefakte Arbeitslosenzahlen haben meiner
    Meinung nur ein Ziel, einer unfähigen Politik und einer nur am
    return of investment und shareholder value interessierten
    Wirtschaft und Industrie ein gutes Zeugnis auszustellen um somit
    den Status Quo bzw. den Ist-Zustand der Privilegierten aufrecht zu
    erhalten. Die durch die Agenda 2010 bzw. Hartz-Reformen
    freigewordenen finanziellen Mittel können sich die Politiker und
    ihre Lakaien bzw. Handlanger dann selber einstreichen bzw. durch
    Umverteilung den Vermögenden 10 Prozent, die jetzt schon über 60
    Prozent des Vermögens auf sich vereinen können, zukommen
    lassen!

  • erika

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    @erik: Du bist nicht besser als Herr Götz von der
    Putzfirma! Du schreibst ab! Dein Kommentar ist nicht von dir, den
    hast du wortwörtlich abgeschrieben. Du Pfeife!

  • erik

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    das Erste was die Große Koalition „GroKo“ als Amtshandlung
    gemacht hat war sich die eigenen Bezüge deftig und saftig zu
    erhöhen und was wird als Rechtfertigungsgrund angeführt? Die
    eigenen gefakten bzw. schöngerechneten Statistiken!

  • erik

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    Weise seit zehn Jahren Chef der Bundesagentur für Arbeit
    war kürzlich in den Medien zu lesen. Welche perfiden Machenschaften
    sich dort eingeschlichen haben lesen sie hier und bewerten sie
    selbst: Als Beispiel sei, wie vor kurzem zu lesen war, die vom
    Rechnungshof beanstandete Mauschelei bei der Arbeitsagentur selbst
    zu nennen, bei der nach Gutdünken des Vorstandes Gehälter bis zu
    200.000 Euro im Jahr für Behördenmitarbeiter festgelegt wurden und
    weder habe die BA das zuständige Arbeitsministerium über die
    Gehälter informiert noch die Stellen ausgeschrieben. Die
    Bewerberauswahl habe sich nach „Einzelfallentscheidungen des
    Vorstandes“ gerichtet. Auch vor skurrilen Konstruktionen schreckte
    die BA nicht zurück, was in einem Brief monierte wurde. Demnach
    versetzte die Behörde einen außertariflich Beschäftigten für eine
    „logische Sekunde“ in ein Beamtenverhältnis, um ihm eine Pension zu
    sichern. Anschließend wurde er beurlaubt und mit einem
    übertariflichen Privatgehalt ausgestattet und das alles trotz
    Milliarden-Defizite bei der Arbeitsagentur. Die Tatsache, dass
    diese Umtriebe unkommentiert und ohne Konsequenzen bleiben zeigt
    zumindest mir das sich dieses Land im Würgegriff einer Mafia bzw.
    Sekte befindet und die Politik, Medien und Justiz ein Teil davon
    sind!

  • erik

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    Durchschnittshöhen der Altersbezüge
    Altersversorgung in Deutschland (brutto)
    Euro/Monat

    Rente
    West
    Männer 985
    Frauen 484
    Witwer 223
    Witwen 579
    Ost
    Männer 1079
    Frauen 715
    Witwer 268
    Witwen 616

    Beamten-Pensionen
    Bund
    Ruhegehalt 2750
    Witwengehalt 1580
    Länder
    Ruhegehalt 2940
    Witwengehalt 1690
    Gemeinden
    Ruhegehalt 2840
    Witwengehalt 1060
    Bahn
    Ruhegehalt 1930
    Witwengehalt 1060
    Post
    Ruhegehalt 1900
    Witwengehalt 1050

    Abgeordneten-Pensionen
    Bundestag
    Pensionäre 3011
    Witwen 1996

    Minister-Pensionen
    Bund
    Pensionäre 5673
    Witwen 3369
    Quelle: Alterssicherungsbericht des Bundessozialministeriums

  • Veronika

    |

    @erik:

    Eben „Beamtenstaat“, und deshalb wird sich auch nichts zum Besseren ändern! „Revolutionen“ sind eben gerade mal nicht in Mode in der westlichen Hemisphäre ;-), weshalb man zurecht Angst hat, dass die Gesellschaft sich durch Zuzüge von Migranten verändert, und diese solche Zustände aus dem Herkunftsland in D nicht mehr dulden würden.

  • erik

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    wie sehr sich die zurückliegende und aktuelle Politikszene den Staat zur Beute gemacht hat, hier 3 Beispiel:
    -Nordrhein-Westfalen:die 12 früheren Minister erhalten 8012 Euro im Monat – 8 Mal so viel wie ein Durchschnittsrentner.
    -In Sachsen und Berlin gelten nach 7,75 bzw. 10 Jahren Dienstzeit überhaupt keine Altersgrenzen. Dort könnte ein Politiker, der mit 30 Minister wurde schon mit 40 Jahren seine Pension genießen – lebenslang!
    -Selbst die Hinterbliebenen der NRW-Minister bekommen noch im Schnitt jeder 5106 Euro im Monat. Üppig kassiert wird auch in Hamburg (6612 Euro), Baden-Württemberg (6215 Euro) und Rheinland-Pfalz (5914 Euro).
    Quelle:
    http://www.bild.de/politik/inland/rente/die-wahrheit-ueber-renten-und-pensionen-bericht-aus-sozialministerium-26857898.bild.html

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