Alles grün? – Willkommen in Öko-Regensburg! Teil II

Veganer-Attacke an der Donau

Regensburg gehört zu den „veganfreundlichsten Städten Deutschlands“, noch vor Berlin. Ein Grund zur Freude?

Veganer-Kopf 01 KL

Von Winfried Köppelle

Die einstigen Ökozentren Freiburg, Münster und Essen sind verblüht – die neue Umwelthauptstadt Europas ist: Regensburg! Zwar nicht mit offiziellem Segen der Europäischen Kommission, auch keineswegs akkreditiert oder gar zertifiziert, doch zumindest als heimliche Königin der nachhaltigen Bioherzen darf sich unsere kuschelige Donaumetropole neuerdings fühlen. Und das liegt nicht nur an der niedlichen Umweltzone, mit der uns die Stadtverwaltung letzte Woche beglückt hat.

Die App zu den angesagten veganen Futter-Locations

Knacker- und Schnitzelfans in Wurstkuchel und Grillhouse – ihr müsst jetzt ganz tapfer sein: Regensburg steht auf die Liste der „veganfreundlichsten Städte Deutschlands“. Schon seit 2014! Doch damit nicht genug – unlängst fand ein gebürtiger Passauer gar heraus, dass nirgendwo sonst so viele Qualitätsrestaurants ökosozial korrektes Grillgemüse feilbieten wie in der Oberpfalzmetropole. Fabian Kreipl, so heißt die Gemüse-Koryphäe, ist im Hauptberuf Start-Up-Unternehmer mit IT-Hintergrund. Veganer ist er, eigener Aussage zufolge, seit acht Jahren, und als solcher hat er ein feines Näschen dafür, woher der trendige Wind weht, in dessen Schatten sich Kohle machen lässt.

Gemeinsam mit Freunden hat Kreipl eine Smartphone-App entwickelt, die kategorischen Fleischverweigerern den Pfad zum kartoffelcremigen Steckrüben-Eintopf – kurz: zu den angesagtesten veganen Futter-Locations ebnet. Wen wundert’s, dass die Mittelbayerische in den letzten Monaten gleich dreimal über diesen Bill Gates der nachhaltig-alternativen Donauniederungen berichtete.

3,4 Lokale pro 100.000 Einwohner

Unlängst hat Kreipl die gesammelten Restaurantbewertungen seiner veganen App-Nutzer ausgewertet – und prompt errechnet, dass in Regensburg, auf die Einwohnerzahl bezogen, deutschlandweit die mit großem Abstand meisten mit „gut“ bewerteten Veggie-Lokale beheimatet seien: Auf 100.000 Einwohner kämen zwischen Continental-Arena, Salzstadel und Winzerer Höhen immerhin 3 komma 4 Lokale, die konsequent Kohlrabi-Carpaccio und ähnliches auf der nachhaltig tierproduktfreien Karte führen. Im angeblich so hippen Berlin hingegen betrage der vegane Verköstigungs-Multiplikator lediglich 0,74, weiß Kreipl. Macht nach Adam Riese also kärgliche 26 akzeptable Futterstätten für die 3,4 Millionen Hauptstädter, aber deren stattliche fünf in der viel kleineren Oberpfalzmetropole.

Ja, das sind Zahlen, die zählen – und beunruhigen. Berlin hat ja bekannterweise nicht viel zu lachen in diesen Tagen – ganz im Gegenteil, die ganze Republik lacht über die Hauptstädter, egal ob’s um Flughafen, S-Bahn, marode Schulen oder die seit bald vier Monaten herumeiernde Bundesnotstandsregierung geht. Doch die allerschlimmste Berliner Misere hat nun ausgerechnet der kreuzniederbayerische Oberpfälzer Kreipl aufgedeckt: die an der Spree fehlenden Veggie-Restaurants.

Es muss befürchtet werden, dass die reale Unterversorgung mit veganen Suppenküchen in der Bundeshauptstadt sogar noch viel bedrohlicher ist als die Kreipl-App vermuten lässt – schockierte doch bereits 2016 das Investigativmagazin Focus mit Enthüllungen, dass man in Kreuzberg an „Mustafa’s Gemüsekebap“ (gibt’s wirklich!) regelmäßig eine (!) Stunde (!!) anstehen müsse. Ob ähnliche Torturen künftig auch den Besuchern der hiesigen Hirsekugel-Schlemmertempel drohen könnten, falls die Zahl der in Regensburg registrierten Veggie-Jünger weiter lawinös wächst? – Liebe Kollegen vom Focus: bitte recherchieren!

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Kommentare (9)

  • dugout

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    Das ist ja ein erschreckender Abwärtstrend in Regensburg!!!
    Letztes Jahr lag der Schnitt ja noch bei 4,1/ 100.000

  • Bernd

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    Die App ist nett. Aber neben 3x in der MZ landet die Werbung, äh, der Artikel über die Statistik (zu der niemand die absoluten Zahlen kennt) nun auch auf R-Digital. Chapeau an die App-Entwickler!
    @Roubal-Ranger Ach, der Udo, der versprüht doch nur noch schlechte Laune und bedient die Hater. Jedenfalls kann er das super.
    @Autor …worin liegt die „Veganer-Attacke?“. Ist das jetzt ein Meinungsartikel oder was?

  • Stefan Aigner

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    Das ist ein Meinungsartikel. Das steht in der Kategoriebezeichnung oben drüber, und weil das oft übersehen wurde, setzen wir seit längerem den Hintergrund farblich von anderen Artikeln ab.

  • Bernd

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    Hallo Stefan, ich weiß.
    Mein flappsiges „ist das jetzt ein Meinungsartikel oder was“ bezieht sich darauf, dass mir die Meinung des Autors nicht ersichtlich wird. Ich muss sie mühsam aus den Formulierungen destillieren. Soll sich die Frotzelei über Kreipl auf Veganer/innen insgesamt beziehen? Soll „Veganer-Attacke“ etwas positives suggerieren?
    Wenn’s nur darum geht, ein nettes Gschreibsl zu präsentieren, dann gilt eben, dass diese famose Idee mit der Statistik es nun auch bis zum besten Blog Regensburg geschafft hat.
    Die Strategie ist nachzulesen, z.B. hier
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/pornhub-und-seine-pr-und-nun-die-masturbations-charts-a-1071402.html

  • Rosalia Genoveva

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    Wie der Aigner über lauter Unwichtigs wie dreibeinige Leichen und fehlende Sozialwohnungen berichtet hat, hab ich schon bet für seine Bekehrung.

    „Herrgott lass ihn endlich über was Gscheits schreiben, über fleischlose Rindswürscht, über Gedächtnistraining für Museumspräparate, über sexfreie Pornos und sinnliche Enthaltsamkeit, und zu Ehren Gottes freiwillig lohnlose Klofrauen oder so echt ethisches Zeug.“

    Gott könnt seine Feder gführt haben.
    Zu die Veggie-Ecks, was irngdwer in einer Qualitätszeitung empfohln hat.
    Endlich was, was das nächste Kreuzerlmachen erleicht.
    Bei einer Oberappelmeisterwahl.

  • Mr. T

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    Die Meinung ist in diesem Artikel wirklich gut versteckt. Kritik an der Statistik, Kritik am Veganismus, Lustigmachen über Berlin, was auch immer?
    Noch komischer der DFL-Beitrag. Da wird die Methode, die Zahl der Veganer über Google-Suchen abzuschätzen, kritisiert, um sofort mit derselben Methode die Zahl der Veganer ins Unerhebliche zu reduzieren.
    Klingt mehr nach dem üblichen Veganer-Bashing, wenn irgendwo das Wort „vegan“ auftaucht, sich sofort angegriffen zu fühlen und zurückzuschlagen – ohne dass auch nur irgendein Veganer irgendwen angegriffen hätte. Da ist das Angebot Angriff genug.

  • Michael Schwarz

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    Naja Stefan, das DNA fehlt uns nach wie vor und vor allem im Sommer einen anständigen Biergarten, in den man auch als Veganer gehen kann.

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