Ermittlungen eingestellt

Vorwürfe gegen Kindergarten sind vom Tisch

Massive Vorwürfe wegen eines angeblichen Übergriffs in einem Regensburger Kindergarten gab es Ende Mai. Die Ermittlungen wurden bereits vor geraumer Zeit eingestellt – eine Beschwerde dagegen gab es nicht.

Die massiven Vorwürfe gegen drei Jungen im Kindergarten der Swiss International School (SIS) Regensburg bzw. gegen das dortige Personal haben sich in Luft aufgelöst. Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher unserer Redaktion auf Nachfrage bestätigt, wurden die Ermittlungen bereits im August 2022 „mangels Tatnachweis“ eingestellt.

„Keinerlei Hinweise auf ein Fehlverhalten“

„Es gibt keinerlei Hinweise auf ein Fehlverhalten oder eine Verletzung von Sorgfaltspflichten“, so Rauscher gegenüber der Mittelbayerische Zeitung, die zunächst über die Einstellung der Ermittlungen berichtet hat.

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Die Vorwürfe waren Ende Mai in einer Eltern-Chatgruppe des SIS-Kindergartens laut geworden. Die Mutter eines Mädchens hatte dort mit drastischen Worten von einem angeblichen brutalen Übergriff auf ihre Tochter durch drei etwa gleichaltrige Jungen berichtet. Auch von Verletzungen war die Rede, die ärztlich dokumentiert worden seien.

Auch Aufsichtsbehörde sah keine Verfehelungen

Die Leitung des Kindergartens hatte die Vorwürfe in einer Stellungnahme gegenüber mehreren Medien zurückgewiesen. Auch die zuständige Aufsichtsbehörde, das Amt für Tagesbetreuung bei der Stadt Regensburg, bescheinigte dem Kindergarten „nach eingehender Prüfung“, dass die Schilderung der Vorkommnisse durch die Einrichtungsleitung „umfassend, stichhaltig und vollumfänglich nachvollziehbar“ waren. „Ein Fehlverhalten der Betreuungskräfte ist nicht nachweisbar.“

Später meldeten sich schließlich die Eltern der betroffenen Jungen über ihre Rechtsanwälte zu Wort und wiesen die Darstellung der Mutter zurück. Diese habe dem tatsächlichen Geschehen einfach weitere „kompromittierende Sachverhalte“ hinzugefügt und die Jungen dadurch kriminalisiert, so die Anwälte Urs Erös und Sven Nesbit damals. Doch tatsächlich sei es um „kindgerechtes Verhalten in der Körperfindungsphase“ gegangen.

Keinerlei Hinweise auf körperliche Verletzungen

Dies bestätigen nun offenbar auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Entgegen der Darstellung der Mutter, die unter anderem behauptet hatte, dass der Körper ihrer Tochter „von Wunden übersät“ gewesen sei, haben sich laut Oberstaatsanwalt Rauscher keinerlei Hinweise „auf tatsächliche körperliche Verletzungen“ ergeben. Weder gibt es entsprechende Befunde noch einen Arztbericht.

Eine zunächst angekündigte Beschwerde der Mutter gegen die Einstellungen der Ermittlungen gab es laut Rauscher nicht. Damit ist das Verfahren abgeschlossen. Allerdings läuft gegen die Mutter noch ein Ermittlungsverfahren wegen Verleumdung. Die Eltern der betroffenen Jungen hatten Strafanzeige erstattet.


regensburg-digital hatte im Sommer zunächst ohne, nach einer ersten Stellungnahme des Trägers dann mit Nennung des Kindergartens über die Vorwürfe und Ermittlungen berichtet. Auch wenn wir uns dabei keine inhaltlichen Fehler geleistet und versucht haben, alle Beteiligten zu Wort kommen zu lassen, bedauern wir es rückblickend, bei diesem sensiblen Thema nicht länger mit der Berichterstattung abgewartet zu haben.

Den Vorwürfen journalistisch nachzugehen, war richtig. Sie in dieser Form zu veröffentlichen, nicht.

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Kommentare (5)

  • Die Mutter

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    es ist schon merkwürdig, dass ich mich bei diesem Sturm im Wasserglase sofort an meinen Altgriechisch-Unterricht an einem hiesigen Gymnasium erinnert fühle:
    ὑστέρα hystéra, deutsch ‚Gebärmutter‘

  • Spartacus

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    Die Einsicht dass hier journalistische Fehler im Bezug auf die Art und Weise der Veröffentlichung gemacht wurden ist wichtig.
    Bei der, zugegebenermaßen immer hysterisch wirkenden Elternschaft, die häufig versucht jedes herausfordernde Verhalten ihrer Kinder auf externe Ursachen, häufig den Kitas, in die Schuhe zu schieben um selbst keine Verantwortung übernehmen zu müssen, werden sich derartige Anschuldigungen in Zukunft massiv häufen.
    Das ist äußerst problematisch da es so immer schwieriger werden wird, tatsächlich stattfindendes Fehlverhalten von Päadagog*innen und Fehlanschuldigungen zu unterscheiden.
    Hier ist eine äußerst sensible journalistische Arbeit gefragt weil der Ruf der betroffenen Kitas und auch deren Personals auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zerstört ist.

  • R.G.

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    Da mir Herr Michael Bothners Gerichtsberichtsberichte wie als bewusste Ochsentour durch die Stationen einer soliden journalistischen Ausbildung vorkamen, sah ich die Themenwahl als für ihn und seinen Lebenslauf wichtig an.
    Wir sind, wenn wir uns hineinnehmen lassen, selbst aufgefordert zu lernen, wie der Rechtsstaat mit Verbrechermenschen umzugehen versucht und ob wir ihm vertrauen (können), dass er für uns Gerechtigkeit herstelle.
    Herr Aigner, ich sehe Ihr Verhalten als ganz normal an, im ersten Schritt zu versagen und doch als anständiger Mensch bereit zum Lernen zu bleiben.

    Zwischen den Zeilen der Zeitungen schien es mir, die als Täter hingestellten Kleinen könnten muslimischer oder mindestens ausländischer Herkunft sein. Dass nun die betroffenen Familien beider Seiten keine versöhnende Verständigung finden können, ist traurig. Es wäre nur mit der Hilfe Dritter möglich.

    Zu hören, dass die zu Unrecht Beschuldigten nun nicht Rache suchen, sondern sich an das Gericht wenden, damit er das Offengebliebene klärt , ist von ihnen ein starkes Bekenntnis zum Deutschen Rechtsstaat. Dafür danke ich ihnen.

  • Gscheidhaferl

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    @regensburg-digital
    Ich hoffe, es hört sich nicht herablassend oder gönnerhaft an (weil meine Meinung dazu letztlich entbehrlich ist), aber ich finde Ihre Einlassungen am Ende des Artikels wirklich sehr ehren- und annerkennenswert. Großes Kompliment!

  • R.G.

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    Bitte, wer auf die Anschuldigerin einwirken kann, möge es tun.
    Sie könnte jemanden zur Beratung aufgesucht haben, der oder die ihr falsche Erinnerungen einprägte, weshalb sie alles dramatisch sah, oder selbst Schlimmes erlebt haben, über das sie nie sprechen konnte.
    Ich meine, eine öffentliche Entschuldigung wäre für sie und ihr Kind gut.
    Helfen ihr möglichst viele Eltern dabei, wäre ein Weg möglich, bei dem niemand das Gesicht verliert, dann nämlich, wenn man mehr als nur eine Verzeihensbitte spricht, sondern auch Experten einlädt, die über den Umgang mit falschen oder richtigen Anschuldigungen sprechen, plus Einladung an Regensburg digital.
    Ihr könnt den heilenden Weg zu fördern versuchen.
    Ein Lob, dass die Angeschuldigten zwecks Wiederherstellung der Ehre auf den Rechtsstaat vertrauen, solange es keine andere öffentliche Wiederherstellung ihrer Ehre gibt.
    Man sollte darauf schauen, dass die Verdachtsäußerungen in Fürsorgeakten restlos getilgt werden müssen.

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drin