Demo gegen "massiven Rechtsruck"

„Wir machen uns nicht zu Mittätern“

#ausgehetzt: Unter diesem Motto demonstrierten am Montag etwa 700 Menschen gegen das Polizeiaufgabengesetz, den „massiven Rechtsruck“ in unserer Gesellschaft, für private Seenotrettung und „gegen Abschiebelager“.

„Unglaubliche Missachtung humanistischer Werte.“ Rund 700 Menschen folgten dem Aufruf #ausgehetzt. Foto: Jasmin Lehmer

Der anfänglich nur gegen das – mittlerweile in Kraft getretene – Polizeiaufgabengesetz gerichtete Protest scheint sich zunehmend zu einer kleinen Bewegung zu entwickeln. Bereits in der Vergangenheit waren bei Demonstrationen gegen das PAG mehrfach mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen. Unter dem daraus entsprungen Format „Bass gegen Hass“ hatte sich Anfang Juni eine vierstellige Zahl von Menschen einer Kundgebung gegen die AfD angeschlossen.

Gestern, am 16. Juli, folgten nach Veranstalterangaben rund 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Aufruf #ausgehetzt und demonstrierten „gemeinsam gegen die Politik der Angst“, unter der die Organisatoren unter anderem das PAG, den „massive Rechtsruck“ und – das Schwerpunktthema am Montag – die Kriminalisierung von Seenotrettern wie der Regensburger NGO Sea-Eye zusammenfassen.

„Keine zwei Meinungen darüber, ob man Menschen rettet.“

Im Vorfeld hatten unter anderem die Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD) und Jürgen Mistol (Grüne) sowie Bürgermeister Jürgen Huber ihre Unterstützung bekundet. Am Montag sind es aber nicht prominente Rednerinnen aus der Politik, die das Bild prägen, sondern Menschen, die größtenteils nicht parteipolitisch aktiv sind. Ein Satz, der bei nahezu jeder Rede fällt, während die Demonstration unter Bassgewummer vom Dachauplatz durch die Altstadt nach Stadtamhof zieht: „Wir machen uns nicht zu Mittätern.“

Rednerin Lena Ghio spricht von einer „unglaublichen Missachtung“ humanistischer Werte, die momentan zu beobachten sei. In der Schule seien einem diese Werte noch als Kern der Europäischen Union beigebracht worden. Nun müsse man auf die Straße gehen, um diese zu verteidigen.

Die Reden zum Nachlesen

Lisa Kienle

Georg Scharfenberg

Anna Hopfe

Er wäre eigentlich gerade auf einem Kutter im Mittelmeer unterwegs, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten, erzählt beispielsweise Georg Scharfenberg von Sea-Eye. Doch das besagte Schiff – die Seefuchs – wurde Ende Juni im Hafen von Valetta festgesetzt. Dem Schiff war die niederländische Flagge entzogen worden. Ob es eine weitere Rettungsmission geben wird, ist ungewiss. Ungeachtet dessen wurden am Montag fast 200 Euro für die NGO gesammelt.

Großdemo am Sonntag in München

Es sei unsäglich, dass man überhaupt darüber diskutieren müsse, ob man Menschen aus Seenot retten solle oder nicht, so Rednerin Anna Hopfe. „ Darüber darf es keine zwei Meinungen geben.“ „Es ist aktuell ein Diskurs, der Tag für Tag mehr an Respekt und Achtung vor dem Menschen und Errungenschaften unserer aufgeklärten Welt verliert“, ergänzt Lisa Kienle.

Kurz vor der Schweigeminute in Stadtamhof. Fotos (2): Herbert Baumgärtner

Auf der Steinernen Brücke stoppt der Demozug kurz, die Teilnehmer strecken die erhobene Faust zum Himmel – ein Gruß nach München, wo am Sonntag eine Großdemonstration stattfinden soll. In Stadtamhof schließlich hört auch das Bassgewummer auf. Die Demonstration schließt mit einer Schweigeminute für die Ertrunkenen im Mittelmeer. Die Internationalen Organisation für Migration (IOM) schätzt die Zahl der Toten in diesem Jahr auf etwa 1.500.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (70)

  • Joachim Datko

    |

    Es gibt das folgende Gegenargument!

    Zitat: „Er wäre eigentlich gerade auf einem Kutter im Mittelmeer unterwegs, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten, erzählt beispielsweise Georg Scharfenberg von Sea-Eye.“

    Es kann auch sein, dass Menschen das Risiko auf einem überladenen Schlauchboot in „See“ zu stechen eingehen, weil sie die Hoffnung haben, „gerettet“ zu werden.

  • joey

    |

    „Darüber darf es keine zwei Meinungen geben.“
    Es gibt zu komplexen Themen immer eine Vielzahl von Meinungen. Das wäre ja sonst schlimm, denn wer hat diese einzig richtige Meinung? Ein Papst?

  • Christian Feldmann

    |

    Nein, Herr Datko, auf ein überladenes Schlauchboot wagen sich Menschen nicht, um hilfreichen Gutmenschen eine Freude zu machen, sondern weil sie in ihrer Todesangst alles riskieren, um zu überleben. Vor ein paar Monaten war es hierzulande fast noch Konsens, dass niemand freiwillig aus seiner Heimat flieht. Eine solche Einstellung gehörte zu den Werten, die Europa mittlerweile Stück für Stück verliert – angeführt von Ihren politischen Freunden und von einer Partei, die sich für das „C“ in ihrem Namen nicht einmal mehr schämt. Dem grinsenden Markus Söder, der gönnerhaft anbietet, halt nicht mehr von „Asyltourismus“ zu reden, wenn die zwischen Bombenterror und Ertrinkungstod munter hin und her schaukelnden Bootsflüchtlinge keinen Spaß verstehen, sollte man sämtliche zur heuchlerischen Wahlkampfgaudi aufgehängten Kreuze so lange einzeln aufs Hirn schlagen, bis er kapiert, was er da angerichtet hat.
    Christian Feldmann

  • Markus Frowein

    |

    @ joey (17. Juli 2018 um 14:59)

    Zitat aus dem Artikel: ‚Es sei unsäglich, dass man überhaupt darüber diskutieren müsse, ob man Menschen aus Seenot retten solle oder nicht, so Rednerin Anna Hopfe. „ Darüber darf es keine zwei Meinungen geben.“‘

    Ihr Zitat: „Es gibt zu komplexen Themen immer eine Vielzahl von Meinungen.“

    Glauben Sie mir, seit ich das gelesen habe, bekomme ich meine Hand nicht mehr
    von meiner Stirn ab. Können Sie mir für dieses Problem evtl. einen Arzt empfehlen?

  • Markus Frowein

    |

    Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wie mancher Menschenhasser auf die Idee kommt, nur seine Version sei die allgemeingültige Definition von Seenotrettung …

  • Josef

    |

    € 200,00 von 700 Demonstrationsteilnehmern für eine NGO ?
    Das sind ja nicht einmal 50 Cent / Nase.
    Sehr großzügig.

    Josef

  • Mr. T

    |

    Ich weiß nicht, was die Schlepper den verzweifelten Menschen erzählen. Vielleicht, dass es die Boote bis übers Mittelmeer schaffen oder dass sie sicher von Rettungsschiffen abgeholt werden. Auf jeden Fall muss ihre Lage so aussichtslos sein, dass sie ihr Leben riskieren. Auf eine Urlaubsreise in die soziale Hängematte, wie unser Sinisterpräsident meint, machen sie sich sicher nicht. Und zur Abschreckung ersaufen lassen ist sicher auch keine Alternative. Und wenn der Datko seine Zeitleiste oder seinen Kausaldetektor neu justiert hat (falls das noch möglich ist), wird er auch merken, dass sich die privaten Seenotrettungsorganisationen erst gegründet haben, nachdem schonTausende Menschen abgesoffen sind.

    Danke an alle, die jetzt aufstehen und versuchen, den Anfängen zu wehren!

  • Mathilde Vietze

    |

    Herzlichen Dank, lieber Christian Feldmann, daß Sie einigen Betonköpfen „aufs Dach“
    gestiegen sind.

  • Bürni

    |

    Insgesamt möchte ich sagen, dass es aus meiner Sicht sehr abwegig ist, in der Hoffnung gerettet zu werden in solch ein Boot zu steigen. Dieses „Argument“ wird immer wieder angebracht, allerdings ist es aus meiner Sicht nicht haltbar. Ich frage mich, ob Menschen, die derlei behaupten, schon einmal mit Rettern über ihre Erfahrungen gesprochen haben. Die Boote sind gnadenlos überfüllt und absolut seeuntauglich (werden von den Rettern nachher auch zerstört, damit sie nicht mehr zum Einsatz kommen können). Frauen und Kinder sitzen meist in der Mitte, was dazu führt, dass sie oft schwere Verletzungen vom Meerwasser-/Benzingemisch davontragen, das vor allem in der Mitte der Boote auftritt. Kein Mensch setzt sich in solch ein Boot, weil er „weiß“, dass er wahrscheinlich gerettet wird. Die meisten Boote werden nicht gerettet, sondern sie gehen unter und die Menschen ertrinken. Dennoch ist für die meisten Menschen, die eine solche Überfahrt in Kauf nehmen, das Risiko, auf dem Meer zu sterben, weniger grauenerregend, als die Gefahren, die ihnen in ihrem Heimatland drohen (s. zum Beispiel Lager in Lybien). Ich kann nicht glauben, dass das Retten von Menschen vor dem Ertrinken überhaupt in Frage gestellt oder relativiert werden kann. Und ich schäme mich vor allem für die bayerische Politik, wie sie mit diesem Thema auf Stimmenfang geht.

  • Markus Frowein

    |

    @ Mr. T (17. Juli 2018 um 19:35)

    Zitat: „Danke an alle, die jetzt aufstehen und versuchen, den Anfängen zu wehren!“

    Wir sind schon mittendrin, die SPD „dealt“ mit Waffen, die CSU wird immer brauner
    und die Kanzlerin incl. der Bundesregierung haben’s geschafft, trotz Grenzzäunen
    in Afrika und Schüren von niederen Instinkten auszusehen wie Mutter Theresa.
    Das Fatale: Wir haben eigentlich ganz andere Probleme (Insektensterben, Klima etc.).

    So wird das nix mit der Verhinderung des „Untergangs des Abendlandes“ …

  • Markus Frowein

    |

    @ Josef (17. Juli 2018 um 19:31)

    „€ 200,00 von 700 Demonstrationsteilnehmern für eine NGO ?
    Das sind ja nicht einmal 50 Cent / Nase.
    Sehr großzügig.“

    Ich habe dem Sea-Eye e.V. soeben 50,- € überwiesen. Ist das großzügig genug?

  • joey

    |

    @Markus Frowein
    die Komplexität haben wir zwei im anderen Artikel bereits ausführlich diskutiert.

  • Piedro

    |

    @joey
    „Es sei unsäglich, dass man überhaupt darüber diskutieren müsse, ob man Menschen aus Seenot retten solle oder nicht, so Rednerin Anna Hopfe. „ Darüber darf es keine zwei Meinungen geben.““

    „Es gibt zu komplexen Themen immer eine Vielzahl von Meinungen. Das wäre ja sonst schlimm, denn wer hat diese einzig richtige Meinung? Ein Papst?“

    Sie halten die Frage, ob man Menschen aus Seenot rettet oder nicht für ein komplexes Thema? Ersthaft?

  • Edelweiß

    |

    Es wird ja immer gesagt, die Menschen sind verzweifelt und setzen sich daher in Schlauchboote.

    Dazu muss man wissen, dass die Fluchtversuche auf seeuntuechtigen Schiffen nach Australien stark zurückgingen, nachdem dort konsequent keiner reingelassen wurde.

  • Piedro

    |

    @Joachim Datko
    „Es kann auch sein, dass Menschen das Risiko auf einem überladenen Schlauchboot in „See“ zu stechen eingehen, weil sie die Hoffnung haben, „gerettet“ zu werden.“

    Davon können Sie ausgehen. Sie hoffen irgendwo leben zu dürfen. Sie wissen, dass ihr Leben auch auf See enden wird. Bestimmt hoffen sie gerettet zu werden, wenn das Boot untergeht, das Wasser ausgeht, ein als Küstenwache nominierten Sklavenjägerschiff sie aufbringt. Ganz bestimmt hoffen sie nicht gefangen genommen zu werden oder zu ertrinken.

    Ein tiefer Einblick in die menschliche Seele. Es bedarf der Hoffnung in diese Boote zu steigen. Sollten Sie hier einen politischen Ansatz erkennen? Machen wir sie hoffnungslos ehe sie ertrinken? Das wird nicht funktionieren.

  • Elisabeth

    |

    es sind Menschen, die ertrinken
    es sind Menschen, die in größter Not ihre Heimat verlassen
    es sind Menschen, die um Hilfe bitten
    es sind Menschen, die von uns mit Füßen getreten werden

    SAGT NEIN!

  • mkv

    |

    De Filmemacher und Journalist Ulrich Gellermann hat vor einigen Tagen Treffendes geschrieben:

    „Von der AfD und ihrem Gauland, dem Mann mit dem Vogelschiss im Kopf, war nichts anderes zu erwarten gewesen. Aber auch im Mutter-Schoß der AfD, der CDU-CSU, rührten sich die Fremden-Hasser und Wähler-Betrüger: Ihr Slogan „Der Fremde ist an allem Schuld und Merkel irgendwie auch“ soll Wahlen gewinnen und Posten sichern. Das ist der klassische Job bürgerlicher Parteien und so weit üblich und bekannt.

    Aber Horst Seehofer, getrieben von Markus Söder, treibt Angela Merkel in einer Art vor sich her, die den seriösen Anstrich der bürgerlichen Partei abplatzen lässt. Seehofers Wort vom „Asyltourismus“ offenbart den ganzen miesen Zynismus des Politikers, der mit Vorliebe auf anderen rumtrampelt, um sie klein zu machen damit er größer wirkt.

    Als sei die tödliche Flucht über das Meer eine Traumschiff-Reise. Als seien ertrinkende Kinder Teil eines Animateur-Programms im Club Méditerranée.

    Mit dem Wort „Systemversagen“ knüpft der gelernte Beamte und „Erfahrungsjurist“ bewußt an die Formel der Nazis von den „Systemparteien“ an, die mit solchen Begriffen ihren Kampf gegen die Weimarer Republik geführt haben, um den letzten deutschen Krieg anzufangen und ein organisiertes Schlachten für den Profit einer dünnen Schicht von Eigentümern zu beginnen.“

    Quelle:
    Die Heimat hoch, die Grenzen dicht geschlossen
    Der Horst marschiert, mit rechtem Schritt und Tritt
    Autor: U. Gellermann
    Datum: 02. Juli 2018

    http://www.rationalgalerie.de/home/die-heimat-hoch-die-grenzen-dicht-geschlossen.html

  • joey

    |

    Marian Lau von der Zeit darf auch keine (eigene) Meinung mehr haben. Nicht einmal eine Frage stellen.

    So bekennen wir FREI in unsere Kirche des Guten und Besten: das „Gummiboot System“ ist das beste, das der Menschheit jemals eingefallen ist. Die Worte der Wahrheit: „Denn nur so kann die Menschheit gerettet werden“. (5. Buch Pietro 366-868)

  • Barnie Geröllheimer

    |

    „Ich habe dem Sea-Eye e.V. soeben 50,- € überwiesen. Ist das großzügig genug?“
    Großzügig wäre es einen Geflüchteten bei sich aufzunehmen, zu versorgen, in die örtlichen Gepflogenheiten und mit dem hiesigen Wertegerüst vertraut zu machen. Es soll aber auch Leute geben, die meinen großzügig zu handeln, in dem Sie Hilfsorganisationen – je nach politischer Anschauung ist das humanitär oder schlepperisch – unterstützen und den sich daraus ergebenden (Kosten-)Aufwand gerne der (arbeitenden) Bevölkerung überlassen.

  • Hartnäckig

    |

    Seenotrettung habe ich bisher so verstanden, dass man Menschen, die in Seenot geraten sind ( das war meistens Unwetterbedingt ) gerettet hat.
    Nun beim Lesen vieler dieser Kommentare erweitert sich mein Horizont. Seenotrettung der besonders ehrenwerten Art ist, wenn man auf sich in Seenot befindliche Menschen wartet.

  • Markus Frowein

    |

    @ Barnie Geröllheimer (18. Juli 2018 um 13:59)

    „Großzügig wäre es einen Geflüchteten bei sich aufzunehmen, zu versorgen …“

    Auch das habe ich schon getan. Auch helfe ich gerne bei kleinen Dingen, z.B.
    wenn eine syrische Familie in München am Hauptbahnhof nicht weiß, mit welchen
    Zug sie fahren soll, dann begleite ich sie ein Stück der Fahrt, um sie zu beruhigen.
    Oder vorgestern, da habe ich eine ängstliche (deutsche) Frau mitten in der Nacht bis
    nach Hause begleitet, damit sie nicht überfallen wird und ganz oft unterstütze ich
    Obdachlose mit etwas Kleingeld oder Tipps, wo man einen Schlafplatz bekommt.
    Sie sehen, ich handele sehr oft uneigennützig und gleiche soziale Defizite aus, indem
    ich Leistungen erbringe, die weder von aFd-Wählern, noch anderen Hetzern erbracht
    werden und verlange nichts dafür. Schneiden Sie sich ruhig eine Scheibe davon ab.

    Ach ja, falls mal ein vom Horst scharfgemachter Bürokrat bei Ihnen klingelt, weil Sie
    vielleicht auch nicht in sein Raster passen, melden Sie sich gerne bei mir. Ich helfe …

  • Ferdi

    |

    „Es gibt das folgende Gegenargument!

    Es kann auch sein, dass Menschen das Risiko auf einem überladenen Schlauchboot in „See“ zu stechen eingehen, weil sie die Hoffnung haben, „gerettet“ zu werden.“

    Der entscheidende Punkt ist m.E., zumindest wenn wir unsere humanistischen Wurzeln ernst nehmen, dass selbst wenn die private Seenotrettung ein Dilemma mitverursacht (WENN deswegen mehr Menschen in See stechen sollten, was ja lediglich eine Vermutung ist), dann ist das Leben der Menschen in unmittelbarer Lebensgefahr immer und zweifellos höher zu gewichten als die abstrakte Gefahr, dass sich dadurch mehr Menschen in Gefahr begeben.

    Oder umgekehrt: unser moralischer Kompass sollte uns klar verbieten Menschen ertrinken zu lassen, um langfristig ein strukturelles Problem zu lösen.

    Und ja: ich finde auch da gibt es keine zwei Meinungen, weil die definitive individuelle Ebene (Mensch unmittelbar vor ertrinken retten) die lediglich potentiell und unbewiesene strukturelle (Gefahr für weitere evtl. vorbeugen) immer aussticht.

    Die beiden Ebenen lassen sich nicht gegeneinander Aufrechnen, dass war m.E. auch das fatale am Artikel von Frau Lau in der Zeit.

  • wahon

    |

    @joey

    Es gibt für Aktivisten zurecht kein „moralisches Zwischenreich“. Wer als Retter aktiv wird, hat sich dafür entschieden, dass sein Handeln moralisch einwandfrei ist. Die Meinung der Mariam Lau, es sei besser, das „moralische Zwischenreich zu kennen“ als aktiv zu werden, ist natürlich Wasser auf die Mühlen derer, die bei allen Problemen, die sie nicht selbst betreffen, passiv bleiben wollen. Frau Lau sollte mal in der Bibel nachlesen, was der HErr ihr über das von ihr propagierte „moralische Zwischenreich“ direkt (!) mitteilt: „Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“

  • Joachim Datko

    |

    Zu Markus Frowein 15:04: Warum diskreditieren Sie andere Menschen?

    Zitat: „Sie sehen, ich handele sehr oft uneigennützig und gleiche soziale Defizite aus, indem ich Leistungen erbringe, die weder von aFd-Wählern, noch anderen Hetzern erbracht werden und verlange nichts dafür.“

    Es ist lobenswert, dass sie hilfsbereit sind. Viele Menschen sind hilfsbereit, unabhängig von ihrer politischen Präferenz. Warum versuchen Sie andere Menschen zu diskreditieren?

  • joey

    |

    @wahon
    so einfach ist die Welt leider nicht.
    Auch die Rettungsschiffe arbeiten konkludent oder direkt mit einer Mafia zusammen. Die Retter retten nicht die Ärmsten, sondern die, die das bezahlen können. Brutalkapitalismus: Abfahrt nur für Reiche oder Verbrecher, die das nötige Geld vorher bei anderen irgendwie „eingesammelt“ haben.

    Ich habe da „Einwände“.

  • Mr. T

    |

    Ja, mkv, ich wundere mich auch grad immer wieder, wie ich auf einmal mit führenden Klerikern und altgedienten CSUlern sympathisiere :-)

  • omeiomei

    |

    1. Es scheint hier und auf der Demo Konsens zu herrschen, dass die Schiffbrüchigen „aus Angst um ihr Leben“ die gefahrvolle Fahrt auf sich nehmen.Diese Behauptung ist nicht belegt. Ob sie dann und wenn ja aus welchem Grund Asyl oder anderen Schutzstatus bekommen, ist völlig offen. Viele werden aus Versorgungsgründen (Arbeit in Europa nebst Geldtransfer in die Heimat) losgeschickt. Siehe zB den Bericht „Fluchtursachen in Gambia bekämpfen“ auf zdf im heute-journal.

    2.Absurd wird es aber, wenn hier behauptet wird,die Angst um ihr Leben bekämen sie in den Lagern in Libyen (@Bürni). Das heisst aber, dass die Ursache für den Trek zB von Nigeria nach Libyen erst einmal nicht die Todesangst war?

    3. Das Wort Asyltourismus ist in dem Kontext, in dem Söder es verwendet, nicht auf die gefahrvolle Reise nach Europa gemünzt, sondern auf den dann innerhalb der EU eintretenden Tourismus, etwa sich von Italien aus nach Frankreich, Schweden, Deutschland aufzumachen und sich nicht im zuständigen Ersteinreiseland ins Asylverfahren zu begeben oder nach Zurückweisung wieder einzureisen. Das hat sogar die SZ erkannt, die vor kurzem lang und breit Söder wegen des Wortes kritisierte („Framing-check: Asyltourismus Als wäre Flucht eine Kreuzfahrt mit Piña colada),aber in einem kleinen Absätzchen in dem Artikel
    dann doch recht versteckt einräumt:“Wobei man fair bleiben muss: Strenggenommen will zumindest Söder Asyltourismus aktuell eher verstanden wissen als die (verbotene) Weiterreise in ein zweites oder drittes Land, nachdem ein Asylbewerber bereits in einem anderen Land registriert wurde.“
    Diese „Fairness“ geht in den übrigen ausführlichen etymologischen und semantischen Analysen einschließlich der reisserischen Überschrift allerdings etwas unter…

  • Ex Regensburger

    |

    Ich bin der Meinung, man müsste den ADAC und die Bergwacht abschaffen, da deren Existenz dazu führt, dass zu viele sich auf der Strasse bzw. in den Bergen riskant verhalten u. das Ganze dann auch noch der Gemeinschaft Geld kostet. Wenn diese Organisationen abgeschafft ist, dann bleiben die Leute zuhause vor dem Fernseher u. leben weniger riskant.
    (Achtung: Satire)

  • Lothgaßler

    |

    Die Diskussion dreht sich um Seenotrettung? Wirklich? Nein, nicht wirklich, denn die Seenotrettung könnte auch die Geretteten an der afrikanischen Küste anlanden, die Rettung aus Seenot wäre damit auch erfolgt.
    Das Problem ist nur, dass a) die afrikanischen Küstenstaaten das so nicht wollen und b) die Geretteten ebenfalls nicht und c) die Verhältnisse in einigen afrikanischen Küstenstaaten (insbesondere Libyen) teils menschenverachtend sind.
    Die NGOs können dieses Problem nicht lösen, deshalb kann ihnen kein Vorwurf gemacht werden.
    Selbstverständlich riskieren die Migrationswilligen ihr Leben, und das ist denen auch vollkommen klar. Sterben will natürlich keiner. NGOs können nur Nothilfe leisten, für wenige Glückliche. Für die Migration als solche können nur die Staaten als Verbund eine Lösung schaffen. Völlig klar ist dabei, dass es keine freie Migration aus Afrika nach Europa geben kann. So grausam es für Betroffene sein mag, es gibt keine Verpflichtung allen zu helfen. Ein Helfer muss meiner Überzeugung nach egoistisch genug sein, um Grenzen zu setzen, damit er sich selbst nicht gefährdet, überfordert oder schädigt. Das gilt übertragen auch für eine Gesellschaft. Eine für alle schwierige Standortsuche und Debatte. Und diese Debatte muss auch in und mit afrikanischen Staaten und deren Bürgern geführt werden.

  • Christa

    |

    @Ferdi: Großen Dank für Deinen Kommentar! Sachlich, schnörkellos und auf den Punkt. Eine Wohltat sowas hier zu lesen.

  • Piedro

    |

    Edelweiß
    18. Juli 2018 um 07:53 | #

    Es wird ja immer gesagt, die Menschen sind verzweifelt und setzen sich daher in Schlauchboote.

    Dazu muss man wissen, dass die Fluchtversuche auf seeuntuechtigen Schiffen nach Australien stark zurückgingen, nachdem dort konsequent keiner reingelassen wurde.

    ***

    Es wurde nicht nur konsequent keiner mehr reingelassen. Es wurde auch dafür bezahlt, dass die Flüchtlinge in Lagern anderer Nationen eingeschlossen und entsetzlichen Zuständen ausgesetzt wurden. Was dort noch immer geschieht ist für uns hoffentlich unvorstellbar. Es steht Ihnen frei sich diesbezüglich zu informieren. Wenn Sie sich das nächste mal befleißigt fühlen auf die australische Flüchtlingspolitik zu verweisen wissen sie wenigstens worum es geht. Informationen gibt es in Wort und Bild, aus verschiedensten Quellen. Abgesehen davon hält sich Australien nicht mal an die getroffenen Vereinbarung, die ganze Nummer ist eine einzige Blamage für Australien, und auf dem Kontinent gibt es genug Menschen, die sich für all das in Grund und Boden schämen.

    https://www.welt.de/politik/ausland/article157851796/Einmal-australische-Hoelle-und-kein-Zurueck.html
    https://www.welt.de/politik/ausland/article170867626/Australier-haben-Steuern-bezahlt-und-jetzt-sollen-die-Fluechtlinge-umziehen.html

    Hier finden Sie noch mehr dazu.
    https://www.google.de/search?client=opera&q=australien+flüchtlingslager&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-

  • Piedro

    |

    @Barnie Geröllheimer, 18. Juli 2018 um 13:59
    Würden Sie sich den gleichen Betrag aus den Rippen leiern, damit biodeutschen Bürgern in einer weniger bedrohlichen Situation geholfen würde wäre das nicht großzügig, weil sie ja auch einen aufnehmen können und sich verpflichten, den Rest ihres Leben oder des anderen für den Unterhalt aufzukommen. Das wäre nämlich verpflichtend, Herr Geröllheimer. Ebeso verpflichtend ist es einen Menschen zu retten, wenn er in Seenot ist, ganz gleich wieso er in Seenot geraten ist. Es handelt sich um eine Rechtsgrundlage. Es mag Ihnen nicht gefallen, aber es ist rechtmäßig in internationalen Gewässern zu kreuzen, mit der Absicht Menschen an Bord zu nehmen, die sonst Gefahr laufen zu ertrinken. Das ist eine zivilisatorische Basis, da gibt es kein Geschwafel über politische Ausrichtung oder sonstwas. Jeder Mensch, der vor unseren Küsten ertrinkt ist einer zu viel. Deshalb sollen Menschen, die aktuell dort ertrinken gerettet werden. Vor der Nordseeküste ist das super organisiert, da warten rund um die Uhr Leute, die Seenotrettung voll drauf haben. Im Mittelmeer soll es ein Problem sein, wenn Menschen es privat organisieren, dass wenigstens weniger ertrinken – weil? Die Kosten für diese Menschen, so sie gerettet werden, der „arbeitenden Bevölkerung“ überlassen werden?

    Ich nehme das zur Kenntnis. Auf das moralische Zwischenreich wurde bereits verwiesen, danke dafür. Bei Ihnen handelt es sich um ein ganz anderes Zwischenreich, und aus meiner Perspektive ist da nicht mehr viel mit zwischen. Ich wurde mit einer Moral sozialisiert, in es nicht zur Disposition steht warum Menschen ertrunken sind, die nicht gerettet wurden, oder warum Menschen nicht gerettet werden sollen, die „uns“ hinterher Geld kosten könnten.

    Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Leben in Ihrem moralischen Zwischenreich.

  • Piedro

    |

    @hartnäckig
    „Seenotrettung der besonders ehrenwerten Art ist, wenn man auf sich in Seenot befindliche Menschen wartet.“

    Selbstverständlich.

    „Zusätzlich zu den 54 Stationen unterhält die Gesellschaft eine SAR-Schule in Bremen mit einer Außenstelle in Neustadt in Holstein. Die Gesellschaft kann auf 279 festangestellte Beschäftigte zurückgreifen, darunter 180 Seenotretter. Über 850 freiwillige Besatzungsmitglieder sind ehrenamtlich im Einsatz. Weitere fast 600 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die Gesellschaft an Land bei ihren Spendensammlungen, Vorträgen oder Messen.[1] Sitz der Gesellschaft ist Bremen.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Gesellschaft_zur_Rettung_Schiffbrüchiger

    Gibt es daran etwas auszusetzen? Ist es nicht ehrenhaft, was da unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten mit gespendeten Geldern getrieben wird?

    Das wenigste was Sie tun sollten ist Menschen, die sich für die Rettung anderer engagieren oder „nur“ dafür bezahlen zu diskreditieren. So lange es um Menschenleben geht sollten wir uns einig sein. Alles anderes ist bestenfalls Zynismus.

  • Piedro

    |

    @Ferdi
    „Oder umgekehrt: unser moralischer Kompass sollte uns klar verbieten Menschen ertrinken zu lassen, um langfristig ein strukturelles Problem zu lösen.“

    Man sollte es meinen, es ist immer wieder erschreckend. Die zivilisatorische Decke ist wirklich ziemlich dünn. Wenn der Nick dann noch passt… Alle Achtung! Willkommen bei der Verhaltensforschung, sie haben Meinungsfreiheit.

    Ich hoffe sehr, dass rd Historikern noch zur Verfügung steht. Wenn das dann jemand liest, der vielleicht besser weiß als wir wie viele menschliche Ablagerungen in den Sedimenten unserer Epoche gefunden wurden und seinen Beitrag zu der Frage Warum leisten möchte, vielleicht um seine Dissertation zu schreiben… Diese Quelle sei ihm gegönnt. Sie ist recht vielseitig.

  • Ferdi

    |

    „2.Absurd wird es aber, wenn hier behauptet wird,die Angst um ihr Leben bekämen sie in den Lagern in Libyen (@Bürni). Das heisst aber, dass die Ursache für den Trek zB von Nigeria nach Libyen erst einmal nicht die Todesangst war?“

    Es ist m.E. absurd Menschen erst ein Recht auf Migration zuzugestehen, wenn sie mittel- oder unmittelbar in Todesangst sind. Besonders wenn dies von Menschen aus Europa zugestanden wird, die jederzeit und ohne bürokratische Herausforderungen o.ä. in fast 30 Länder auswandern könnten und derzeit, im Falle Deutschlands, 176 Länder ohne Visum bereisen können. Am anderen Ende der Skala stehen Länder wie Syrien, die in genau 2 Länder ohne Visum reisen können. Im angesprochenen Nigeria sind es immerhin 10, freilich ist keines dabei, dass wirklich ein besseres Leben verspricht. Und über die Genfer Konvention hinaus, finde ich ganz persönlich, sollte jedem Menschen freistehen, nach einem besseren Leben streben zu dürfen. Und ob der massiven Ausbeutung und Übernutzung des Planeten durch die westlichen Wohlstandsgesellschaften sehe ich uns auch ganz klar in der Verantwortung.

    Es ist ein globales Regime zuungunsten der Menschen des globalen Südens, natürlich gestützt durch die Weltwirtschaft und protegiert durch Zölle. Wenn man im Höckeschen Sinne die Welt als Kampfzone sieht („wir müssen Wölfe sein“), dann kann man das wohl legitim finden, wenn man sich eher als humanistisch geprägt sieht, dann muss man es ablehnen.

    @Christa: Danke :)

  • mkv

    |

    „Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer“ – Nord-Süd-Bericht (auch Brandt-Report) vom 12. 2. 1980

    Im MARE NOSTRUM: Gesinnungs- und/oder Verantwortungsethik?

    Abwägung – Dilemma – komplexe Fluchtursachen – das langjährige Wegschauen der Politik in der EU – Not, wo beginnt sie, erst auf den Booten? – Nothilfe: wo beginnt der Verantwortungsbereich der EU – Frage zu den Grenzen der Solidarität: Wo enden zumutbare Rettungs-, Hilfs- und Integrationsleistungen? – Welche Rolle spielt dabei die Tatsache, dass der Norden Afrikas Länder und Menschen seit unvordenklichen Zeiten ausgebeutet hat und sich auch nicht scheute, mit dortigen Diktatoren zu paktieren? – Welche Rolle spielen dabei heute und künftig Klima/Hitze/Dürre mit Vernichtung der Lebensgrundlagen in vielen Teilen Afrikas? – Warum wehrt sich die Union seit über 25 Jahren gegen ein Einwanderungsgesetz? (Bericht der Süssmuth-Kommission im Netz)

    ——

    Input, TV-Sendung
    https://www.freitag.de/autoren/augstein-und-blome/was-hilft-im-mittelmeer

    Willy Brandt Report
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nord-S%C3%BCd-Bericht

    —-

    https://www.rita-suessmuth.de/arbeitsschwerpunkte/migration-integration/
    Kurzfassung der Studie
    http://www.fluechtlingsrat.org/download/berkommzusfas.pdf

  • omeiomei

    |

    @Ferdi:
    „sollte jedem Menschen freistehen, nach einem besseren Leben streben zu dürfen“

    Na schön: aber wer bezahlt „jedem Menschen“, der ankommt, dann seinen Lebensunterhalt, wer beschafft ihm Job, Wohnung, Sprachkurs, Kita, Schule, Infrastruktur, wenn er das erst einmal nicht selbst stemmen kann (Gemüseplantagensklaverei in Andalusien oder Sizilien zählt ja nicht zwingend als „besseres Leben“, also menschenwürdige Aufnahme wird ja auchg gefordert) ?

    Und wenn die anderen Menschen, die schon länger in einem Land leben (vulgo: einheimische Bevölkerung), nicht bereit sind, eine Regierung zu wählen, die „jedem Menschen“, der neu ankommt, das alles erst einmal ein paar Jahre lang finanziert? Weil sie das nicht leisten können oder wollen und meinen, ihr Leben werde dann irgendwie schlechter? Wenn sie ein Grundgesetz haben, in dem zB drinsteht, wer politisches Asyl bekommt und wer nicht? Und in sogar dem die Rede von Landesgrenzen ist?

  • Lothgaßler

    |

    @Piedro u.a.:
    Die Seenotrettung steht nicht in der Kritik, sondern das „Danach“. Und für ein Danach in Europa existiert heute und in absehbarer Zukunft keine gemeinschaftliche Lösung.
    Ein brüderlich/schwesterliches Teilen der Ressourcen zwischen Afrika und Europa ist Illusion.
    Und nein, es gibt nirgends ein Anrecht auf freie Migration. Das zu wollen erscheint mir geschichtsvergessen. Große Wanderungsbewegungen waren Zeiten des Umbruchs, in der Vergangenheit auch des Zusammenbruchs. Ein „besseres Leben“ haben zu wollen schafft eben kein Anrecht auf „Einlass“. Fast jeder möchte ein besseres Leben, aber nicht jeder bekommt den Traumjob, den Traumpartner, die Traumwohnung…Träume platzen, dann muss ein Leben in der Realität reichen. Love it, leave it or change it: Diese Leute haben sich fürs „leave it“ entschieden.
    Sie fokussieren sich für meinen Geschmack zu sehr auf die Rolle Europas und zu wenig auf die Afrikas. Afrikanische Staaten sind nicht nur Opfer, sie versagen auch in der Entwicklung ihrer Gesellschaften. Ich hege Zweifel daran, dass der Großteil Afrikas Bürger überhaupt in Kategorien wie Staaten denkt. Funktionierende Staaten sind zivilisatorische Großtaten, dieser Schritt muss erst mal gemacht werden, von der dortigen Zivilgesellschaft.

  • mkv

    |

    Durch verstärkte (Aus)Bildung der Neubürger, nicht durch CSU- und AfD-Hetze, wird sich á la longue die Zuwanderung (nicht nur in D.), eine Folge der Globalisierung und des Klimawandels, insgesamt positiv auswirken. Der Begriff der Nachhaltigkeit bekommt auch insoweit eine zeitgemäße Bedeutung.

    Auch erscheint es an der Zeit, das Grundgesetz in Artikel 3 zu ändern, das Worte „Rasse“ zu streichen und das Verbot am Ende des ersten Satzes durch Einfügung von „oder rassistisch diskriminiert werden“ zu ergänzen.

    Dann wäre auch für die ewig Gestrigen Klarheit geschaffen darüber, dass es keine (Menschen) Rassen gibt, was wissenschaftlich längst feststeht. Auch würde man so den Denkansätzen der AfD das Wasser abgraben.

    Zitat aus ´Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft`:

    Laut IW-Schätzung gibt der Staat aufgrund der Flüchtlinge in den kommenden Jahren mehr Geld aus, als er durch sie einnimmt. Langfristig allerdings besteht durchaus die Chance, dass sich die deutsche Wirtschaft besser entwickeln könnte, als dies ohne die Zuwanderung der Flüchtlinge der Fall wäre. Dies ist umso wahrscheinlicher, je besser die Qualifizierung und Integration der Flüchtlinge gelingt – denn nur so werden sie eine adäquate Arbeit finden und damit zu einer dauerhaften Steigerung der Wirtschaftsleistung beitragen.
    https://www.iwd.de/artikel/wachstumsfaktor-migration-320630/

    —-

    Überwindung rassistischen Denkens und Handelns
    http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/213673/rassen-gibt-s-doch-gar-nicht

  • Markus Frowein

    |

    @ Joachim Datko (18. Juli 2018 um 16:47)

    „Warum diskreditieren Sie andere Menschen? “

    Ich schrieb nicht von Menschen, erst recht nicht von vielen Menschen, sondern von
    „aFd-Wählern und anderen Hetzern“, welche in meinen Augen Menschenfeinde sind.
    Durch ihre Hetze, Pauschalisierungen und Diskreditierungen von Minderheiten hat
    sich diese Gruppe von Personen schon ohne mein Zutun aus der Gemeinschaft der
    Menschen ausgeklinkt und lebt scheinbar auf irgendeiner überhöhten Wolke Nr. 7.
    Wenn Sie schon Behauptungen aufstellen, dann nennen Sie mir einige Beispiele,
    wo aFd-Wähler und andere Hetzer sich für Randgruppen und Minderheiten stark
    machen, mir persönlich sind ausgehend von dieser Personengruppe ausschließlich
    Aufmärsche mit schwarzen Kutten bekannt, bei denen Angst verbreitet werden soll.

  • joey

    |

    @Ferdi
    bei der Bevölkerungsentwicklung Afrikas ist eine Übernutzung schon ganz allein selbstgemacht. Die Bevölkerungsexplosion haben die „westlichen Wohlstandsgesellschaften“ nur insoweit verursacht, daß einfach weniger Kinder in Afrika sterben müssen und daher mehr übrig bleiben. Und trotzdem ultrakonservative patriarchale Gesellschaftsnormen aufrecht erhalten werden.

  • Mr. T.

    |

    Markus Frowein, ich habe heute früh gelesen, dass diese „Menschen“ für Wohlleben und seine Familie gesammelt haben. Und die kann man durchaus als Minderheit betrachten …

  • Ferdi

    |

    @joey: das ist nicht richtig, zwar übernutzen die Menschen in Afrika die Ressourcen tendentiell auch, aber in einem viel geringeren Ausmaß als wir. D.h. der pro Kopf-Verbrauch an Ressourcen ist in Afrika um ein vielfaches geringer und selbst bei der viel höheren Bevölkerung verbleibt so unter dem Strich lediglich eine knappe Übernutzung.

    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/255298/oekologischer-fussabdruck-und-biokapazitaet

    Und dann kommt ja hinzu, dass wir systematisch Bodenschätze, insbesondere seltene Erden, aus Afrika importieren. Gleichzeitig aber lediglich Schrott und Überschüsse, die dortige Industrie- und Landwirtschaftszweige runinieren (Textilindustrie, Fleisch, Milch).

    Und wenn wir jetzt noch dezidiert den CO2-Fußabdruck in Betracht ziehen, den wir mit unserem Lebensstil vs. dem durchschnittlichen Afrikanischen in Betracht ziehen, dann sieht es erst recht bitter aus: in D verbrauchen wir momentan 11,5 t pro Jahr und Kopf, in vielen afrikanischen Staaten liegt er unter 1 t! Nur zur Einordnung: zur Einhaltung des Klimaziels von 2 Grad steht jedem Menschen ein Abdruck von etwa 2 t jährlich zur Verfügung.

    Da können die Menschen in Afrika noch viele Kinder bekommen.

    Und dann ist noch nicht darüber diskutiert, wie postkoloniale Strukturen zu mangelnder Bildung und sicherlich auch zu einer demografisch schlechten Entwicklung geführt haben…

  • Ferdi

    |

    @omeiomei:
    wir müssen uns schlicht von unserem Lebenstandard verabschieden, wenn wir ernsthaft an so etwas wie globaler Gerechtigkeit interessiert sind.

    An der Stelle verweise ich auf meinen obigen Kommentar bzgl. Übernutzung der Erde durch die Menschen des globalen Nordens.

    Das sollte zu zweierlei Vorgängen führen: a) tatsächlich gerechte Chancen lokale Märkte im globalen Süden zu etablieren, die einen fairen Zugang zu Märkten des globalen Nordens erhalten und b) flankiert von einem Abbau der sozialen Ungleichheit innerhalb der westlichen Gesellschaften zu mehr Geld für Menschen die es brauchen.

    Wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir auch, dass das Geld da wäre, man vergleiche nur die Ausgaben der Bankenrettung mit denen der sogenannten ‚Flüchtlingskrise‘. Es ist eine Frage der Prioritäten und unsere heißt nun mal Wirtschaftswachstum first.

    https://www.shz.de/deutschland-welt/wirtschaft/kosten-fuer-fluechtlinge-wofuer-die-politik-noch-mehr-geld-ausgibt-id11102761.html

  • joey

    |

    @Ferdi
    nun, die präkolonialen Strukturen waren ja frühe Metallzeit, da sind die kolonialen ein Quantensprung.
    Selbstverständlich sind viele Themen „in Ordnung zu bringen“, um stabilere Verhältnisse zu schaffen. Bisher ist in Afrika aber leider gar nichts gelungen, was sich irgendein Europäer ausgedacht hat: wegen Korruption auf allen Ebenen, Rivalitäten, interafrikanischer Rassismus und und und… Man muß aber wohl oder übel so realistisch sein, daß die meisten Menschen (incl. die systematisch benachteiligten Frauen) dort diesen grobpatriarchalen Stammesfeudalismus für „gute Sitten“ bzw eine gerechte Weltordnung halten, so wie auch Sie Ihre davon wohl weit abweichende Vorstellung davon haben.

    Junge erwachsene Geflüchtete werden hier nie einen Bildungsgrad erreichen, der ihnen irgendwelche gleichwertigen Chancen eröffnet (vergleichen Sie mal die Krippendiskussion). Diese Leute (im Heimatland quasi Adelige) werden hier gefrustete Geringverdiener oder „Empfänger“. Es wird nur viel Kapital an die Mafia abgetreten, welche die Bereitstellung von Rettungsschiffen erpreßt, indem sie mal ein paar Boote ins Verderben schickt und uns dann humanitäre Nöte schafft.

    Der Versuch, weniger CO2 zu emittieren, wird den run auf die Rohstoffe Afrikas noch verstärken.
    Bootsfahrten im Stil russ. Roulette sind keine Entlastung für die eigentlichen riesigen Probleme, sondern nur selber eines, das man umgehend beenden sollte.

  • Markus Frowein

    |

    @ joey (19. Juli 2018 um 16:51)

    „Bisher ist in Afrika aber leider gar nichts gelungen, was sich irgendein Europäer ausgedacht hat …“

    Doch, Shell greift in Nigeria die Gewinne ab, während diejenigen, denen Sie nichts
    gönnen, wegen der Verseuchung nicht einmal ihren eigenen Boden nutzen können.
    Das war jetzt nur ein schnell aus dem Ärmel geschütteltes Beispiel. Reicht das?

  • Markus Frowein

    |

    @ Mr. T (19. Juli 2018 um 14:19)

    „Und die kann man durchaus als Minderheit betrachten …“

    Von mir aus können die alle nach McPomm ziehen und dort ihre völkische Siedlung
    aufbauen, aber bitteschön mit fünf Meter hohem Zaun inclusive Stacheldraht drum.
    Da können sie dann den lieben langen Tag ihre germanisch-arischen Riten abhalten.
    Und wenn’s mit der Ernte mal nicht läuft, müssen eben ein paar an Hunger sterben.
    Nicht, dass sie dann nur aus rein wirtschaftlichen Gründen über den Zaun klettern …

  • joey

    |

    @Markus Frowein
    soweit ich von Öl in Nigeria gehört habe, existieren jede Menge illegale Ölquellen und Raffinerien. Pipelines werden angezapft… .
    Korruption verhindert jeden ökologischen oder sozialen Mindeststandard. Da können sie auch T-Shirts in mörderischer Art produzieren. Sklavenarbeit in Kobaltgruben… Afrika ist das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ für jede Sauerei.

    Stellen wir uns mal vor, daß Markus Frowein zum Gesetzgeber in Nigeria wird. Sie könnten Shell enteignen bzw untersagen, aber das Öl würde weiter von irgendwem verkauft, der die jeweiligen Ordnungskräfte geschmiert hat.

  • Lothgaßler

    |

    @Markus Frohwein:
    Das Shell-Beispiel belegt insbesondere die Korruption in Afrika und das staatliche Versagen sich so zu organisieren, dass Korruption und Ausbeutung durch Dritte nicht stattfinden kann.
    Ich sags nochmal: die Zivilgesellschaften in Afrika müssen sich weiter entwickeln, sonst bleibts beim Elend.

  • Lothgaßler

    |

    @Ferdi:
    Das ist doch der Witz an der Sache: Unser nicht nachhaltiger Lebensstil zieht die Menschen an wie ein Magnet, denn er verheißt Überfluss. Ob unsere Form der Demokratie die Menschen genauso zum Kommen motiviert? Manche gewiss, vielen dürfte das aber gleichgültig sein!

  • Ferdi

    |

    „Diese Leute (im Heimatland quasi Adelige) werden hier gefrustete Geringverdiener oder „Empfänger“.“

    Es wäre unsere Aufgabe das zu verhindern. Freilich – und wie bereits gesagt, bei gleichzeitiger Umsteuerung auch bzgl. nationaler Gerechtigkeit.

    Und ich war in diversen Entwicklungsländern, die fliehenden Menschen gehören dort nicht zu Adeligen, wer dort zur Elite gehört, der geht höchstens bequem zum Studieren ins Ausland. In allen Großstädten der Erde gibt es gut gesicherte Bezirke, wo sich die tatsächliche Elite abschottet. Die setzen sich doch nicht auf ein Schlauchboot, das ist totaler Humbug.

    Es sind zumeist ganze Familien, die Geld zusammenkratzen. Im Falle einer von mir unterstützten geflüchteten Frau wurde bspw. sogar Haus und Grund verkauft. Jetzt unterstützt die Frau ihre Familie zu Hause mit. Aber Sie ist nicht gegangen, weil ihr das Wetter in D besser gefällt…

    Zum Thema Seenotrettung beenden habe ich alles gesagt, das halte ich für barbarisch, selbst wenn es zu mehr Flucht führen sollte.

    „Der Versuch, weniger CO2 zu emittieren, wird den run auf die Rohstoffe Afrikas noch verstärken.“
    Das ist wohl leider richtig, so lange wir glauben, wir könnten einfach auf dem Niveau weiter wirtschaften und konsumieren. Was natürlich totaler Irrsinn ist.

  • highwayfloh

    |

    Ich möchte mal meine Gedanken zu dieser Thematik äussern und evtl. denken ein paar darüber mal ernsthaft nach und kommen dadurch wiederum zu einer anderen Sichtweise:

    Das, was man der Politik (global) und den entsprechenden Protagonisten wirklich vorwerfen kann, ist, dass sie (beide) nicht den Mut haben, ehrlich mit der Problematik umzugehen. Einerseits mag der Zwang dahinterstehen, dass man die Kontrolle behalten muss, da ansonsten die reine Anarchie droht, dies weltweit, andererseits ist es aber im gleichen Atemzug nichts anderes als die berühmte „Vogel Strauß-Taktik“.

    Meiner Meinung ist es zwingend notwendig, dass seitens der Politik offen gesagt wird, dass global Veränderungen anstehen, welche eben nicht unbedingt allumfassend kontrolliert werden können, unabhängig, ob sie jemanden ins Konzept passen oder nicht.

    Ebenso muss offen gesagt werden, dass es kein Patentrezept, für die anstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen gibt, sondern wir alle als „Menschen“ dazu beitragen müssen, dass die Probleme bewältigt werden können. Denn nur durch diese Bereitschaft werden wir des Menschen (Homosapiens / Krönung der Schöpfung) wirklich gerecht. Verweigern wir uns, führen wir uns als Menschen selbst ad absurdum.

    Was bisher seitens der (globalisierten) Politik verbockt wurde ist, dass Sie dies bis heute schön redet und ein „weiter wie bisher“ offeriert, was – wenn man es mit gesundem Menschenverstand betrachtet – nicht funktionieren kann und auch nicht funktionieren wird und es versäumt hat, entsprechende Grundstrategien zu entwickeln, um den anstehenden Aufgaben gerecht zu werden.

    Es geht nämlich nicht mehr um wirtschaftliche, sondern um existentielle Interessen:

    – Wer verfügt über entsprechende Recourcen, wie :

    – sauberes Trinkwasser
    – gesunde Nahrung
    – Land (Unterbringung der Bevölkerung)
    – Energie (Strom, Öl, etc.)
    – medizinische Versorgung

    Hier spreche ich nur die wesentlichen Dinge an.

    Eines müssen wir uns bewusst sein und auch werden:

    Derjenige, dessen Existenz wirklich bedroht ist, sei es durch politische, wirtschaftliche, religiöse oder ökonomische Umstände, wird alles versuchen, sich seine Existenz weiter zu sichern. Dies lässt sich gar nicht verhindern und ist ein Urinstinkt. Jeder will „leben“.

    Wer gibt uns das Recht zu bestimmen, wer leben darf und wer nicht?

    Hier schliesst sich auch der Kreis dieser Problematik:

    Jeder, sowohl jeder einzelne Mensch, als auch diejenigen, die in der Politik und in der Wirtschaft tätig sind, müssen begreifen, dass die Zeit, wo man persönliche Profite erzielen konnte, vorbei ist und wenn man ernsthaft die Zukunft angehen will, dass NICHTS daran vorbeiführt, dass wir auf allen Ebenen aufeinander zugehen und zusammenwirken, ansonsten schaufeln wir uns langfristig unser eigenes Grab!

    Die Spezies Mensch wird nur überleben können, wenn Sie fähig ist, die derzeit vorherrschenden Denk- und Handlungsmuster und die damit einhergehenden Beschränkungen zu überwinden. Gelingt dies nicht, landen wir zwangsläufig in einem globalen Überlebenskrieg von unvorstellbarem Ausmaß.

    Ob dies Zielführend ist? Ich bezweifle es. Aber mit Extremisten wie Trump, Putin, Erdogan, Orban, Assad, Yung etc. ist dies leider eher wahrscheinlich, als dass die Menschheit dazulernt und ihr Handeln überdenkt.

    Und wie man sehen kann, lassen wir uns für dieses perverse und perfide Spiel auch noch aus- und benutzen, anstatt dass wir unser Hirn einschalten und uns verweigern, diesen vermeintlichen Zwängen zu folgen. Bestes Beispiel sind ja die ganzen Diskussionen zu dem Thema, welche mit Vehemenz wegen eigentlich nebensächlichen Details äusserst radikal geführt werden, anstatt dass man das große Ganze im Auge behält. Dies macht mir wirklich Angst!

    Was nützt einem das Eck Torte mit der Piemont-Kirsche drauf, dass man sich genüßlich einverleibt, wenn man nicht mitbekommt, dass hinter einem bereits der Wolf mit aufgerissenem Maul sitzt um einen selbst auf zu fressen?

  • highwayfloh

    |

    Noch ein Nachtrag zum Begriff „Heimat“:

    Die drei falschen Töne und das „Rengschbuarg-Liad“:

    https://www.youtube.com/watch?v=d_kjLoLIqAg

    Adaptiert man dies auf die Flüchtlinge:

    Ich denke, dass die genauso empfinden. Wer gibt schon freiwillig seine angestammte Heimat freiwillig auf, wenn es nicht zwangsläufig Gründe dafür gibt?

  • highwayfloh

    |

    Nachtrag – 2 verzeiht mir:

    Ringelstetter bringts auch rüber:

  • eiskaltes Händchen

    |

    ich bin für retten ja, aber umdrehen und auf afrikanischen Boden wieder absetzen.
    klar, ist dort derzeit ziemlich scheisse und Ausführungen und Belehrungen darüber WIE Scheiße das dort alles ist, können sich die Klugscheisser der Kommentarlesergilde auch sparen – kann ich mir alles bunt ausmalen, the walking dead wird eh langsam öde..

    Aber ich finde es leider Gottes definitiv wichtig – so bescheiden es ist – dieses Zeichen zu setzen und damit einhergehend auch den Nachzug möglicher Nachahmer zu reduzieren.

    Das Ganze würde meiner Meinung nach vor allem dann erst wirklich inhuman, wenn man nicht gleichzeitig Alternativen vor Ort schafft. Nicht zur Migration ( das wäre nur ein Braindrain ), sondern vor Ort – sprich Fluchtursachen beseitigen. Diese sind sehr unterschiedlich, lassen sich aber in einem Wort zusammenfassen: Armut.

    klar, wir können Afrika weiter mit Geld aus der Entwicklungshilfe beschmeißen.. was das die letzten Jahre gebracht hat, sehen wir ja. Es bräuchte vereinte Anstrengungen der Staatengemeinschaft, sowie auch der Industrie, um Afrika und damit auch langfristig uns selbst, eine Zukunft zu geben. Was mir im Kopf rumgeistert ist bsw. folgendes : kennt wer Gaby Weber´s neuen Film Lumpensammler ? das Konzept dahinter auf bsw. afrikanische Fischer ummünzen. da unten is von internationalen Fangflotten alles leergefischt, aber es gibt haufenweise Plastikmüll, der sich nicht von selbst wegräumt. wenn man den Fischern für gefischten Plastikmüll Prämien bezahlen würde, und vor Ort die Recyclingindustrie ansiedeln würde, könnte daraus ein Standbein entstehen, dass nicht nur Afrika, sondern auch der Natur helfen würde..klar, alles sehr vage und auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – und wer die Mentalität kennt, wird ab hier nur noch facepalmen…

    Aber solange alle aufnehmen, bis es in Festland-Europa so abgeht wie auf Mayotte, is auch nicht die Lösung.. ( dort läuft das, was sich gerade im Mittelmeer abspielt, schon seit 1995.. ) die Folgen könnt ihr auf Wikipedia nachlesen.

    Wenn also Augstein polarisiert, in dem er Sozialstaat vs Migration setzt, ist das in meinen Augen – insbesondere bezogen auf die Situation auf Mayotte, was btw. übrigens seit 2014 ein Teil der EU ist – leider realistisch.

    PS: ach ja, vor 2 Wochen, hab ich den Bericht “ Narrative of a Voyage to Senegal in 1816
    by J. B. Henry Savigny and Alexander Correard“ gelesen. wer also glaubt, ich wär ein ganz durch und durch herzloses Arschloch möchte es gerne weiterglauben. ich kenne mich.

  • mkv

    |

    Und was hat unser Verfassungs-Minister Seehofer, der sich gestern in den Nachrichten hinstellte und sich selbst lobte dafür, dass „Gefährder und Straftäter“ abgeschoben werden, als Chef des Bamf zu verantworten?

    1.

    Cham
    Abschiebe-Drama in Chamer Schule
    Erschütterung am Robert-Schuman-Gymnasium in Cham: Eine voll-integrierte 12-jährige Ukrainerin wird über Nacht abgeschoben.
    MZ

    2.
    Bad Abbach
    Bamf will Dreijährige abschieben – alleine

    Ein neuer, irrer Bescheid aus der Behörde von Innenminister Seehofer: Ein Kleinkind soll Deutschland binnen 30 Tagen verlassen, sonst wird es nach Nigeria abgeschoben. Die Mutter und die große Schwester des Mädchens dürfen dagegen bleiben. Von Dietrich Mittler
    SZ

    Ich meine: Es war ein grundstürzender Fehler, einen Nicht-Juristen in das Amt des Innen- und Verfassungsminister zu berufen; Seehofer ist insoweit ein Fehlgriff.

  • Markus Frowein

    |

    @ Lothgaßler (19. Juli 2018 um 19:32)

    „… Die Zivilgesellschaften in Afrika müssen sich weiter entwickeln, sonst bleibts beim Elend.“

    Umgemünzt auf den Regensburger Korruptionsskandal würde das bedeuten:

    Erst wenn Herr Wolbergs im Gefängnis sitzt, dann ist alles wieder in Ordnung …

    Glauben Sie wirklich, dass irgendeiner der dort involvierten Konzerne sowie in deren Schlepptau befindlichen europäischen Politiker auch nur im Geringsten ein Interesse
    daran hätten, dass sich in Afrika der Ansatz einer Zivilgesellschaft entwickeln kann?

    Wie viel Verantwortung tragen jeweils der Geldkoffergeber / der Geldkoffernehmer?

  • joey

    |

    @ferdi
    das Beispiel der Frau zeigt es: örtliche Wirtschaftsgrundlage wird verkauft, um in eine Empfängerkette zu investieren. Dabei sollte die Frau das Geld, das bei anderen hier im Land angeblich nicht ausreicht, für sich selbst verwenden: für soziale Teilhabe, Bildung, eine Waschmaschine… Nein sie lebt (bewundernswert) überaus bescheiden und sparsam, die Familie zuhause hat vom Überschuß mehr netto als von eigener Wirtschaft.

    Ich bin dafür, daß man humanitär ein Sonderrecht für die hier befindlichen Menschen schafft. Aber das geht so nicht generell weiter.

    Vermutlich kommen wir bald ans Ende der heißen Diskussionen. Ich stelle fest, daß meine anfängliche Aussage richtig war: es viele Meinungen mit guten Gründen zur Sache.

  • Ex Regensburger

    |

    „Herkunftsländer unterstützen“. Jaja, klingt immer gut – aaaaaaaaaber: Wird das funktionieren? Wer macht schon nen Marshallplan für Afrika, das ja doch etwas größer ist als Germany. Und die Voraussetzungen sind denkbar schlecht. Insofern sollte das nicht als pseudohumanes Argument dafür dienen, Rettungskapitäne etc. zu kriminalisieren.

  • mkv

    |

    Die unten von der Generalversammlung der UNO angesprochene „sichere, geordnete und reguläre Migration“ verlangt endlich nach 25 Jahren der (Ver)Weigerung von CSU/CDU ein Einwanderungsgesetz (Bericht der Süssmuth-Kommission).

    Was sagen die Vertreter der Weltgemeinschaft – UNO – Generalversammlung – Stoff zum Lesen an einem verregneten Sonntag.

    New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migranten
    http://www.un.org/depts/german/gv-71/band1/ar71001.pdf

    Zitat:

    4.
    Als wir vor einem Jahr die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (1 ) verabschiedeten, anerkannten wir ausdrücklich den positiven Beitrag, den Migranten zu inklusivem Wachstum und nachhaltiger Entwicklung leisten. Dieser Beitrag verändert die Welt zum Besseren. Aus sicherer, geordneter und regulärer Migration erwachsen erhebliche Vorteile und Chancen, die oft unterschätzt werden. Auf der anderen Seite stellen große Vertreibungs- und irreguläre Migrationsbewegungen oft komplexe Herausforderungen dar.

    (1)
    Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
    http://www.un.org/depts/german/gv-70/band1/ar70001.pdf

  • mkv

    |

    Migrationspakt der UN

    „Was eigentlich geschehen müsste, ist von dieser Regierung nicht zu erwarten: dass der Migrationspakt der UN umgesetzt wird.“
    schreibt Michael Jäger im FREITAG (1)

    Und:

    „Aber das Doppelspiel des Horst Seehofer, der sich weniger als Bundesinnenminister denn als fünfte Kolonne des europäischen Rechtspopulismus verhält, macht es möglich. Müsste ein solcher Mann nicht schnellstens aus dem Amt geworfen werden?“

    (1)

    https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/seehofer-handelt-europaeisch

  • highwayfloh

    |

    @ll und wieder wird bezüglich „Details“ diskutiert, was mir unverständlich ist. Wie sieht Ihr denn die Generalperspektive bezüglich der Menschlichkeit und Menschheit insgesamt, wie ich sie angesprochen habe? Darüber lese ich hier leider nichts.

  • Joachim Datko

    |

    Seehofer (CSU) ist ein sehr guter Innenminister!

    Zu mkv 07:26: „[…] Michael Jäger im FREITAG (1)
    Und:

    „Aber das Doppelspiel des Horst Seehofer, der sich weniger als Bundesinnenminister denn als fünfte Kolonne des europäischen Rechtspopulismus verhält, macht es möglich. Müsste ein solcher Mann nicht schnellstens aus dem Amt geworfen werden?““

    Seehofer versucht die Probleme, die die CSU als Koalitionspartner im Bund mit verursacht hat, zu bekämpfen.

  • auch_ein_regensburger

    |

    „Seehofer (CSU) ist ein sehr guter Innenminister!“

    Finde ich auch. Immerhin sprechen alle Anzeichen dafür, dass er im Zusammenspiel mit Dobrindt und Söder schafft, was vor ihm noch keiner geschafft hat, nämlich die CSU weit weg zu bringen von der absoluten Mehrheit. Mit anderen Worten: Die CSU wird eine Koalition eingehen müssen. Weil sie das nicht mit der AfD machen wird, wird endlich eine Portion Vernunft in die Staatskanzlei einziehen, jenseits der gewohnten krachledernen Großkotzigkeit, an die man sich in den letzten Jahrzehnten gewöhnen musste.

    Insofern: Weiter so!

  • Coffin Corner

    |

    Sowohl die CSU als auch die AFD dürften sich am Wahlabend wundern. Ganz zweifellos sind viele ungute Dinge passiert seit 2015, die man künftig verhindern muss. Aber für Umtriebe der AFD und der CSU dürften sie keine Mehrheiten bekommen. Dann wäre das Projekt EU auch beendet.

  • mkv

    |

    Der Chef-Redakteur der NN hat in einem Kommentar kein Blatt vdM genommen. Gut so.
    http://www.nordbayern.de/politik/asyl-wenn-politik-die-menschenwurde-antastet-1.7885079

    Am Ende heißt es:

    Verbal abrüsten, bitte! Anstandsregeln einhalten. Streiten, heftig debattieren: Ja, bitte, gern! Aber doch nicht mit Beschimpfungen weit unter der Gürtellinie. Da wird sonst etwas zerstört: die gegenseitige Achtung. Und vor allem: die Achtung vor Menschen. Ja, auch vor Flüchtlingen, über die bei uns zu oft geredet wird wie über Sondermüll.

    Der erste Satz des Grundgesetzes reicht als Anstandsregel völlig aus: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Jedes Menschen.

Kommentare sind deaktiviert