Zensur für den Öl-Prinzen

Der saudische König Abdullah: Am Freitag kommt sein „Lieblingsenkel“ nach Regensburg.
Er ist jung, reich und schön. Er mag „alle Modelle“ von Mercedes, jagt gern – vorzugsweise mit Falken – und gehört, wie verschiedentlich zu lesen ist, zu den Lieblingsenkeln von Abdullah bin Abdulaziz al-Saud, dem Oberhaupt des absolutistisch-islamischen Königshauses von Saudi-Arabien: Prinz Badr Bin Saud bin Saad Al Saud. Normalerweise studiert der 21jährige „International Affairs“ und „Organizational Behaviour“ an einer New Yorker Privatuniversität. Doch am kommenden Freitag gibt er Regensburg die Ehre. Das ist kein Aprilscherz, wie uns die städtische Pressestelle auf Nachfrage versichert, sondern royale Realität.

Hofberichte aus Blaubeuern

Der Prinz bereist gerade Süddeutschland, um sich weiterzubilden, wie seine Privatprofessorin Linda Stillmann erklärt. Manager (von Mercedes), Adlige und ausgewählte Politiker stehen auf dem Besuchsprogramm von Badr Bin Saud bin Saad Al Saud. Besuche in Stuttgart und Blaubeuern standen schon auf dem Programm. Die Südwest Presse lieferte eherbietige Hofberichterstattung, die dem „Märchenprinzen“ ein Wohlgefallen sein dürfte.

„Fragen zur politischen Lage nicht erwünscht!“

Am Freitag ist die Reihe nun an Regensburg. Um 17 Uhr wird der blaublütige Politikwissenschaftsstudent von Oberbürgermeister Hans Schaidinger im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses empfangen. Auch die Presse ist geladen und den Medienvertretern wird schon vorab erklärt, was die heimelige Stimmung beim Staatsbesuch stören könnte. „Fragen zum saudischen Königshaus und zur politischen Lage sind nicht erwünscht!“, heißt es klar und deutlich im städtischen Terminkalender. Wär ja noch schöner, wenn man mit den Demokratie-Bestrebungen im eigenen Land konfrontiert würde… Auch das ist kein Aprilscherz.

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Kommentare (9)

  • Matthias Beth

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    „Fragen zum saudischen Königshaus und zur politischen Lage sind nicht erwünscht!“, heißt es klar und deutlich im städtischen Terminkalender.
    Welche Fragne sind dass erwünscht, eventuell, dass auf homosexualität in Saudi Arabien die Todesstrafe steht? Oder dass nach dem Freitagsgebet in Riyad vor der großen Moschee, bei Bedarf verhängte Todestrafen ,durch eine öffentliche Enthauptung des Delequenten vollstreckt werden?

  • Roland Hornung

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    @ Matthias:

    Oh, solche Fragen sind doch politisch “ nicht korrekt “ :-)

    Ausserdem fehlt hier offensichtlich jedes Verständnis für andere Mentalitäten :-)

  • Unwichtig

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    Wie wärs wenn man ihn mal ihn mal nach den Rechten der Frauen in Saudi-Arabien frägt?

    „Das Königreich Saudi-Arabien sicherte der UN-Menschenrechtsrat im Juni 2009 zu, die männliche Vormundschaft und staatlich legitimierten Sexismus zu beenden. Doch bisher blieben diese Versprechen unerfüllt.“

    http://maedchenmannschaft.net/revolutionserklaerung-der-frauen-saudi-arabiens/

  • Dodi

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    Schnurrbartmäßig passen Schaidinger und der Schah schon mal gut zusammen. Würde mich nicht wundern wenn sich Schaidinger vor lauter Demut einen Vorhang umschmeist.

    . Die Südwest Presse lieferte eherbietige Hofberichterstattung, die dem „Märchenprinzen“ ein Wohlgefallen sein dürfte.

    Wenn ich so was schon lese, kommt mir das kotzen. Arschlecker nennt man sowas.

  • wurzellicht

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    Demonstration gegen Monarchie und Diktatur – Kein Maulkorb für die Medien:
    Freitag, 1.April, Rathausplatz, 16.15.

    Der Enkel des saudi-arabischen Königs, Prinz Badr Bin Saud ist zu Beusch in
    Regensburg. Die Stadtspitze verhängte für die Pressekonferenz einen medialen Maulkorb. Fragen, die die innenpolitische Situation in Saudi-Arabien betreffen, wurden bereits untersagt. Gerade in Anbetracht der Proteste in der arabischen Welt, die sich vor allem gegen repressive Regime richten, ist dieser mediale Maulkorb ein Skandal. Während auch in Saudi-Arabien Menschen täglich unterdrückt werden und dort, sowie in den Nachbarländern, Menschen im Kampf für die Freiheit sterben, sollen die Medienvertreter in Regensburg zu einer heuchlerischen Schönwetter-Berichterstattung gezwungen werden.

    Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, ruft der SprecherInnenrat der Universität Regensburg zu einer Demonstration am Freitag um 16:15 Uhr auf dem Rathausplatz auf. Für freie Medien – gegen Hofberichterstattung! Solidarität mit den Unterdrückten – gegen Monarchie und Diktatur!

  • peter sturm

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    „Demonstration am Freitag um 16:15 Uhr auf dem Rathausplatz“
    da wird er schau’n der scheich.

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