Neuer Aufsatz zur Geschichte des Domchores

Die „Domspatzen“ als kulturelles Aufbauwerk des „Führers“?

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Im Auftrag des Vereins „Freunde der Domspatzen“ soll der Historiker Roman Smolorz die Rolle des Domchores in der NS-Zeit beleuchten. Jetzt hat er einen ersten Aufsatz dazu veröffentlicht, der wenig Hoffnung auf eine unvoreingenommene Aufarbeitung macht.

Ständchen für den Führer: Die Domspatzen 1936 auf dem Obersalzberg. Foto: privat

Ständchen für den Führer: Die Domspatzen 1936 auf dem Obersalzberg. Foto: privat

Roman Smolorz macht es nur polnischen Interessierten leicht, seine Arbeit lesen zu können. Sein Aufsatz mit dem Thema „Der Regensburger Domchor im oberschlesischen Grenzgebiet und in Polen 1936 und 1940 – Zum deutschen und polnischen Katholizismus in der NS-Zeit“ ist nämlich in einer kleinen polnischen Zeitschrift namens Zaranie Śląskie erschienen.

Obwohl die vom Autor 2016 vorgelegten Ergebnisse keine grundsätzliche Revision darstellen, sind sie dennoch bemerkenswert. Nicht zuletzt wegen der Hintergründe des Aufsatzes, der nur einen Teil einer größeren noch unveröffentlichten Auftragsarbeit ausmacht. Der Auftraggeber von Smolorz, die Freunde des Regensburger Domchores e.V., prüft derweil eine Veröffentlichung.

Bevor diese Hintergründe erzählt werden zunächst zu den Konzerten des Domchors 1936 und 1940.

Charakter der Domchor-Konzerte in Polen

Dr. Roman Smolorz befasst sich in seiner Arbeit mit dem „Charakter der Konzertreisen der Regensburger Domspatzen“ nach Oberschlesien und Polen. Smolorz, seit 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Regensburg tätig, versucht zu klären, ob diese Reisen „vornehmlich sakral (kirchlich), volkspolitisch oder nationalsozialistisch geprägt“ waren. Dazu wählte er einen „komparativen Ansatz“. Er untersucht hierzu die Auftritte von 1936 im polnischen Krakau und Posen und in den schlesischen Städten Zittau, Breslau, Gleiwitz, Beuthen und Hindenburg. Ebenso die Konzerte im Jahre 1940 in Posen, Łódź (Litzmannstadt), Danzig und Königsberg, die im Anschluss an die sogenannte „Balkanreise“ des Domchors (vom 2. Oktober bis 18. November 1940) stattfanden.

Rudimentäres und Fragwürdiges zur Geschichte des Domchors

In Anlehnung an die Selbstdarstellungen von Domspatzenfunktionären (Paul Winterer, Karl-Heinz Birkenseer, Wolfgang Brandl) skizziert Smolorz die Entstehung der „Domspatzen“ nur rudimentär. Demnach habe „der hl. Wolfgang als Abtbischof von Regenburg“ (Bischof seit 972) eine Domschule gegründet, aus welcher der „Regensburger Domchor“ hervorgegangen sei. Im Laufe des 20. Jahrhunderts habe, so Smolorz im Ultraschnelldurchgang, der Chor dann Weltrang erlangt, weil ihn „moderne Medien wie Radio, Schallplatte und schließlich auch das Fernsehen“ ebenso außerhalb des Doms populär gemacht hätten. Seine „Rolle im ‚Dritten Reich‘, als der Chor im Auftrag des Reichskanzlers Adolf Hitler und mancher Berliner Reichsministerien auf Konzertreisen ging“, sei umstritten.

Dass die „Domspatzen“ ihren angeblichen Weltrang vor allem im NS-Regime erreichten und diesen der vielfältigen Unterstützung des Reichskanzlers Adolf Hitlers zu verdanken haben, kann man bei Smolorz nicht erfahren. Kritische diesbezügliche Literatur wird entweder gar nicht herangezogen, oder wie der Aufsatz des Regensburger Spezialisten Helmut Halter (Die „Regensburger Domspatzen“ 1924 – 1945), zwar im Literaturverzeichnis angeführt (leider falsch!), aber inhaltlich ignoriert.

Oberschlesien eine deutsch-polnische Kampfzone

Smolorz weist auf eine Besonderheit Oberschlesiens hin, das unter anderem nach „dem Diktat des Völkerbundes zu Ungunsten der Weimarer Republik“ zur „deutsch-polnischen Kampfzone geworden“ sei. Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg sah der „Versailler Vertrag“ in der Folge tatsächlich Grenzkorrekturen vor. So auch in Oberschlesien, wo nach Volksabstimmungen 1921 mehrere ehemalige deutsche Landkreise an Polen fielen. Teilweise wurden die Kreise auch geteilt. So etwa Beuthen, in dessen Deutschland zugeschlagener Kreisstadt der Regensburger Domchor 1936 ein Konzert abhielt.

Durch die jeweils unter anderem von katholischen Geistlichen beider Länder patriotisch befeuerten Teilungen entstand eine deutsche Minderheit in der Polnischen Republik. Die damaligen Grenzverschiebungen und der daraus resultierende vorgebliche Schutz der deutschen Minderheit blieben ein Dauerthema deutschnational-völkischer und später nationalsozialistischer Politik, bis das NS-Regime Polen 1939 überfiel und sich neben den 1921 abgetretenen Gebieten auch einen großen Teil der polnischen Republik einverleibte. Nach fast fünf Jahren deutscher Vernichtungskrieg im Osten stellte die Rote Armee die Stadt Beuthen am 27. Januar 1945 unter polnische Verwaltung. Seither wird sie „Bytom“ genannt.

Der Autor Roman Smolorz kommt aus Bytom. Auf der Mitarbeiterseite der Universität Regensburg bekennt er sich zu seiner Herkunft in einer etwas unzeitgemäßen Terminologie: „geb. 1967 in Beuthen/ Oberschlesien“.

Erkenntnisleitende Annahmen des Autors

Zur Ausdeutung des Charakters der Konzertreisen der Domspatzen legt Smolorz gewisse Grundannahmen fest. So etwa: „Die Aufgabe, deutsche Kultur den Deutschen und Deutschstämmigen in Grenzregionen und im Ausland zu präsentieren“, wie dies der Domchor getan habe, sei „in den 1930er Jahren nach wie vor als ein politisch opportunes Bestreben“ gesehen worden. „Eine solche Kulturpolitik“ habe dem gesellschaftlichen Konsens entsprochen und sei „gerade 1936 als Patriotismusgebot der gemeinsame Nenner für die katholische Kirche und den politischen Katholizismus in Deutschland sowie für die Partei- und Regierungsprogrammatik“ gewesen.

Die Propaganda des NS-Staates durch den Domchor habe es, so eine weitere Annahme, bestens verstanden, die Domspatzen-Konzerte „außer für die allgemein akzeptierten deutschnationalen Belange in Oberschlesien auch zu seinen eigenen Gunsten einzusetzen“. Andererseits betont Smolorz die Feindschaft von Nazis gegenüber den Auftritten des Domchors, ohne irgendein konkretes Beispiel, etwa für ein Konzertverbot, angeben zu können.

Wie Smolorz für die gesellschaftlichen Verhältnisse von 1936 eine Grenze zwischen „akzeptiert deutschnational“ und nationalsozialistisch ziehen kann, wird von ihm nicht erörtert. Eine solche Grenze wird nur behauptet. Abgesehen von einem ökonomischen Eigeninteresse bleibt die Domspatzenleitung bei Smolorz in politischer, kultureller und kirchlicher Hinsicht eigenartig interessenslos.

Theobald Schrems – Opportunist und Günstling des „Führers“

Theobald Schrems 1937 Foto: privat

Theobald Schrems 1937 Foto: privat

Auffällig ist, dass Smolorz die Regensburger Domspatzen als Opfer einer nationalsozialistischen Vereinnahmung und der Nazis im Vorstand der Freunde des Regensburger Domchores e.V. begreift. Dass sich etwa Domkapellmeister Theobald Schrems (und ebenso ein Großteil der Sängerknaben und Ehemaligen) dem NS-Regime aus Eigeninitiative angebiedert haben und so zu extraordinären Ruhm gelangten, diese These kann der Autor wegen seinen tendenziösen Grundannahmen überhaupt nicht in den Blick nehmen. Dies ist insofern unverständlich, da bereits der Regensburger Historiker Helmut Halter ebendiese Eigeninitiative in seiner Arbeit von 1992 herausarbeitete.

Die Kollaboration des Domkapellmeisters Theobald Schrems mit dem Naziregime wird von Roman Smolorz, versteckt in einer Fußnote, nur angedeutet. Ohne die Zusammenhänge weiter zu verfolgen, bezeichnet er Schrems als „Opportunisten“, der „dem Reichskanzler, also Hitler, für den ihm 1937 verliehenen Professorentitel“ mit den Worten dankte:

„Sowohl ich wie mein Chor betrachten diese hohe Ehre als neue Verpflichtung am kulturellen Aufbauwerk unseres Führers mit aller Kraft mitzuarbeiten und uns in den Dienst von Volk und Vaterland zu stellen.“

Wäre Roman Smolorz dieser und anderen pronationalsozialistischen Positionierungen des Domkapellmeisters Schrems tatsächlich nachgegangen, wären seine interessengeleitenden Grundannahmen wie ein Kartenhaus zusammengefallen.

Konzerte von 1936: Kein kirchlicher Charakter

Als Untersuchungsergebnis formuliert Smolorz, dass die Konzerte in Oberschlesien 1936, „keinen kirchlichen Charakter“ aufgewiesen hätten. Der musikalische Ausdruck der deutschen Kultur, „welche die Bevölkerung des Industriegebietes dank der Domspatzen genießen konnte“, sei im Vordergrund gestanden. Anders in Krakau und Posen, dort könnten die Konzerte „möglicherweise ökonomisch“ motiviert gewesen sein. Jedenfalls seien die Einnahmen aus den oberschlesischen Konzerten mit Dreitausend Reichsmark fast dreimal so hoch gewesen, wie die in den polnischen Städten.

Als Argument für diesen Befund zitiert der Autor ein Schreiben des deutschen Konsuls in Krakau, der 1936 an Domkapellmeister Theobald Schrems meldete, dass „die dortigen Konzertbesucher überwiegend ‚Nichtarier‘ sein würden“ und die Deutschen in der Minderheit seien. Ob nun tatsächlich mehr „Arier“ als „Nichtarier“ die Konzerte besucht haben und warum gerade deshalb „deutsche Kultur“ vermittelt werden sollte, oder andernfalls eben nicht, kann oder mag Smolorz nicht angeben.

Weit hergeholte Spekulationen

Generell seien laut Smolorz die damaligen Bedingungen für Konzerte kirchlicher Musik in Schlesien ungünstig gewesen. Zum einen wegen einer angeblich handlungsleitenden Kirchenfeindlichkeit der Nazis. Zum anderen breitet der Autor eine weit hergeholte Spekulation aus: Da sich zahlreiche Geistliche „in der Heimatdiözese des Domchores, in der Oberpfalz, “ erlaubt hätten, „die NS-Ideologie zu missbilligen“, hätte es in Schlesien Vorbehalte gegen dessen Konzerte gegeben.

Mit der gleichen kruden Logik könnte man behaupten, dass der Oberpfälzer Geistliche Josef Engert, der die nationalsozialistischen Rassengesetze begrüßte und die sogenannten Slawen und Ostjuden als „Gefahr für die nordische Rasse“ ansah, einen Auftritt des Domchors in Schlesien begünstigt hätte. Abstrus.

Wer diese „zahlreichen Geistlichen“ gewesen sein könnten, bleibt ein Geheimnis von Roman Smolorz. Auch eine angebrachte Fußnote gibt keinerlei Hinweise auf sie und verweist stattdessen auf ganz andere Zusammenhänge.

Domspatzen-Auftritt in Veit Harlans antikatholischem Propagandafilm „Das unsterbliche Herz“ 1939.

Domspatzen-Auftritt in Veit Harlans antikatholischem Propagandafilm „Das unsterbliche Herz“ 1939.

Insgesamt hinkt der von Smolorz gewählte „komparative Ansatz“ beträchtlich, weil er nur die besagten Domspatzen-Konzerte untereinander vergleicht und diese nicht etwa mit denen anderer Chöre. Hätte der Autor den famosen Auftritt der „Domspatzen“ zu Ehren des „Führers“ auf dem Nazi-Parteitag des Großdeutschen Reichs 1938 in Nürnberg in seinen komparative Ansatz einbezogen (oder wenigstens erwähnt), hätte er seine Herangehensweise nicht aufrecht erhalten können.

Konzerte in Oberschlesien 1940

Anders als 1936 habe sich, so Smolorz, das „Dritte Reich“ 1940 im Krieg befunden und die römisch-katholischen Chöre und die Kirche „als Feind beargwöhnt“. Auch wenn der Domchor „im Ausland für das nationalsozialistische Deutschland aufgetreten“ sei, habe er „für zahlreiche Nationalsozialisten von vornherein einer gegnerischen Welt“ angehört. Die Situation sei insofern widersprüchlich gewesen, als „man von lokalen Nationalsozialisten angegriffen“ worden, von Berlin aus aber geschützt gewesen“ sei. Die Konzerte in Schlesien und Polen 1940 sind laut Smolorz von der Reichskanzlei mit fast 17.000 Reichsmark finanziert worden. Ihr Ziel: „wie gewohnt, die deutsche Kultur im Ausland repräsentieren“.

Die Konzerte der wenige Tage vorher beendeten „Balkanreise“ hätten sowohl in Kirchen als auch, organisiert von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“, vor deutschen Soldaten stattgefunden, so der Autor. Smolorz meint daher „von einer Indienstnahme vonseiten der nationalsozialistischen Kriegsmaschinerie sprechen“ zu können.

Andererseits spekuliert der Autor und hebt hervor, „dass zahlreiche ehemalige Domspatzen, Geistliche und sicherlich auch Familienangehörige sowohl der geistlichen Kirchenchorleitung als auch der Singknaben Soldaten“ gewesen wären. Offenbar soll damit eine Teilentlastung des Domchors vom Vorwurf der Nazi-Propaganda erreicht werden. Oder wie Smolorz meint: „Die Beweggründe, singen zu wollen, können daher mannigfaltig gewesen sein.“

Dass sich Domkapellmeister Schrems zu der von Smolorz mehrfach erwähnten „Balkanreise“ frohlockend geäußert hat, erfährt man durch den Aufsatz nicht. Zum „gemeinsamen Einzug des Chores und der deutschen Truppen“ in die rumänischen Hauptstadt Bukarest von 1940 schreibt Theobald Schrems: Der Einzug sowie der darauf folgende Festabend mit den „faschistischen Abordnungen und Falangevertreter(n)“ sei für jeden Teilnehmer „ein unvergeßliches Erlebnis“ gewesen. Der „Dank des Führers“ sei ihm „die größte Freude“ gewesen, so Schrems 1941 in einer Kirchenmusikzeitschrift.

„In manchen NS-Kreisen als unerwünscht“?

In einer sehr kurzen Schlussbetrachtung und mit Blick auf die zeitgenössische Berichterstattung in Zeitungen geht Smolorz bezüglich der Konzerte in Krakau von 1936 von „Propagandaveranstaltungen zugunsten der dortigen Deutschen“ aus und verweist auf ein gewisses finanzielles Interesse des Chors. Die von der Chorleitung ausgehenden eigenen Berichte seien 1940 „linientreu“ gewesen. Andererseits hätten die Auslandskonzerte des Chors „in manchen NS-Kreisen als unerwünscht“ gegolten, was nicht weiter belegt wird.

Smolorz spricht im Schlussteil von einem „komplexen Beziehungsgeflecht“, wenn „man nationale, kirchenpolitische und ideologische Gegebenheiten zu berücksichtigen“ habe. Seine Arbeit könne „bestenfalls als ein erster Schritt gelten, das Gesamtbild des musikalischen Lebens, der ehemaligen deutschen Ostprovinz Oberschlesien zwischen 1933 und 1945 zu zeichnen.“ Hinsichtlich der Geschichte der Domspatzen und ihrer Rolle im NS-Regime hat er allerdings, neben vielen interessanten Details und Hinweisen, nur den Bruchteil eines ersten Schrittes abgeliefert, der für historisch Interessierte ohne detaillierte Vorkenntnisse unverständlich bleiben dürfte.

Größeres Forschungsprojekt bleibt unerwähnt

Die Domspatzen 1936 vor dem Hermann-Denkmal im Teutoburger Wald. Foto: privat

Die Domspatzen 1936 vor dem Hermann-Denkmal im Teutoburger Wald. Foto: privat

Warum der hier besprochene Aufsatz in einer polnischen Zeitschrift in deutscher und polnischer Fassung abgedruckt wurde, ist undurchschaubar. Mit seinen acht dichtgedruckten DINA5-Seiten und mit fünf Seiten voller Fußnoten kann er Zusammenhänge nur anreißen und vieles Grundlegendes gar nicht darstellen. Eine Erklärung dürfte in einem Forschungsauftrag liegen, den Smolorz jedoch nicht erwähnt.

Ein solcher wurde bereits Ende 2013 vorbereitet, wie der Bayerische Rundfunk seinerzeit kurz berichtete. Im Auftrag des Vereins Freunde des Regensburger Domchores e.V. erforschte Smolorz daraufhin von April 2014 bis Mai 2016 das Thema „Die Regensburger Domspatzen und ihr Leiter Theobald Schrems im Spannungsfeld zwischen Katholischer Kirche und NS-Staat“. Das daraus entstandene Manuskript befindet sich seitdem im Lektorat.

Laut Auskunft des Vereinsvorstands der Domchor-Freunde, Marcus Weigl, von Dezember 2016 werde die Vorstandschaft voraussichtlich in der ersten Klausur 2017 erörtern, „in welcher Form und wann wir die Arbeitsergebnisse veröffentlichen“ werden. Die Entscheidung werde in Absprache mit den Verantwortlichen des Bistums geschehen, „die diese wissenschaftliche Aufarbeitung von Anfang an begrüßt und unterstützt haben“.

Solange wollte Smolorz offenbar nicht warten, zumal der Ausgang der diözesanen Überprüfung ungewiss scheint.

Auftragsarbeiten für gefällige Ergebnisse?

Obwohl der Osteuropa-Historiker Smolorz, der von 1983 bis 1997 Geschichte, Rechtsgeschichte und Westslawische Sprachwissenschaft studierte und sich 2001 in Regensburg promovierte, ausweislich seiner Publikationsliste weder als Experte für Kriegsende 1945 noch für NS-Geschichte oder gar als Fachmann für die Verwicklungen der katholischen Kirche im NS-Regime gelten kann, kommt er in Regensburg bei Forschungsaufträgen zu diesem Bereich auffällig häufig zum Zuge.

Als Mitarbeiter des ehemaligen Regensburger Stadtarchivars Heinrich Wanderwitz hat er über Jahre stadtgeschichtlich relevante und gesellschaftspolitisch aufgeladene Themen im Sinne seines Auftragsgebers und fleißig abgearbeitet, bei auswärtigen Experten aber zum Teil Ärger und Verwunderung hervorgerufen. So etwa bei der Veröffentlichung mit dem unsäglichen Titel „Juden auf der Durchreise“ (2010), die offenbar vorwiegend aus Prestigegründen und unter enormen Zeitdruck hergestellt wurde (eine Rezension).

Forschungen für Drittmittel-Geber

Die abgeschlossene Forschung zu der NS-Propaganda der Domspatzen wurde als sogenanntes Drittmittelprojekt abgewickelt, sprich der Verein der Domchor-Freunde hat dafür bezahlt. Da Roman Smolorz als wissenschaftlicher Mitarbeiter selber keine Drittmittel annehmen darf, wechselte er dafür 2015 vom Institut für Ost- und Südosteuropaforschung an den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Regensburg von Dr. Mark Spoerer. Zeitgleich arbeitet er an seiner Habilitation zum Thema „Immigranten aus dem östlichen Europa in der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1989 zwischen Integrationskonzepten und sozialer Realität“.

Zuletzt bekam er im Oktober 2014 den 250.000 Euro schweren Auftrag, „Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Regensburg“ in einem zweijährigen Forschungsprojekt zu untersuchen.  Dieses wird unter anderem vom Lehrstuhlinhaber für Bayerische Geschichte, Prof. Bernhard Löffler, abgewickelt und voraussichtlich erst 2018 abgeschlossen sein.

Nebenbei: Löffler lieferte in der Auseinandersetzung um den NS-Bürgermeister Hans Herrmann eine äußerst fragwürdige Stellungnahme ab und wurde vor kurzem vom Regensburger Bischof mit der Erforschung der Amtszeit von Domkapellmeister Georg Ratzinger und der Zeitumstände der Übergriffe in den Einrichtungen der Domspatzen beauftragt

Noch einmal zurück zum Auftrag der Domchor-Freunde an Roman Smolorz, den Domchor in der Nazizeit unter Theobald Schrems zu erforschen.

Die Geretteten und der Professor von Hitlers Gnaden

In der Ankündigung dieses Projekts verweist Smolorz auf die defizitäre Forschungslage zum Thema und kündigt unter anderem an, „das Verhalten des Domkapellmeisters während des ‚Dritten Reiches‘ … historiographisch neu zu verorten.“ Sinnvoll erscheine ihm, „den Blickwinkel auf die ‚Grauzonen’ zu richten, denen man methodisch bereits 1986 als Ergebnis der Studie des Holocaust-Überlebenden Primo Levi begegnet“ sei. Was ist mit „Grauzonen“ gemeint?

Mit ein

Seine Vorgehensweise wirkt tendenziös: Dr. Roman Smolorz.

Primo Levi, der die Vernichtungsmaschinerie der Deutschen gegen ihn als Juden im KZ Auschwitz-Monowitz durch kriegswichtige Zwangsarbeit als Chemiker überlebte, quälte sich bis zu seinem Freitod 1987 mit den schambesetzten Fragen der Zufälligkeit und der Schuld seines Überlebens. In seiner Abhandlung „Die Untergegangenen und die Geretteten“, die übrigens erst 1990 als deutsche Übersetzung erschienen ist, erörterte er kurz vor seinem Tod nochmals all seine Fragen eines „Privilegierten“ und Überlebenden der Konzentrationslager. Er spürt darin auch den beschämenden „Grauzonen“ nach, die seiner Analyse nach in der Häftlingshierarchie der Konzentrationslager und aus der Beteiligung der sogenannten Funktionshäftlinge am Vernichtungsprozess entstanden sind.

Doch was verbindet einen Primo Levi mit einem Theobald Schrems? Gelten seine „Grauzonen“ auch für einen Domkapellmeister, der nie einer antisemitischen oder rassistischen Vernichtungspolitik oder sonstigen Verfolgungen ausgesetzt war, sondern als NS-Karrierist aufstieg, und der sich nach 1945 als Opfer des Systems darstellen und seinen von Hitlers gewährten Professorentitel partout nicht mehr abgeben wollte?

Obwohl die Studie zu Domkapellmeister Theobald Schrems noch nicht vorliegt: Dass Smolorz in seiner Ankündigung meint, das Werk eines Primo Levis für seine Arbeit instrumentalisieren zu können, ist allein schon an Impertinenz und Unverständnis gegenüber dem Werk des Überlebenden und der Person Primo Levi kaum zu überbieten. Wer denkt, sich einer Figur wie Theobald Schrems auf diese Weise nähern zu können, offenbart grundlegende Defizite oder hat ganz anderes im Sinn.

Es ist zu befürchten, dass sich die tendenziöse Vorgehensweise, die Roman Smolorz im hier besprochenen Aufsatz zu „Der Regensburger Domchor im oberschlesischen Grenzgebiet und in Polen 1936 und 1940“ an den Tag legt, auch in den noch ausstehenden Ergebnissen der Auftragsarbeit zu Theobald Schrems niederschlägt.

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Kommentare (22)

  • hutzelwutzel

    |

    @Robert Wern“er:

    Vielen Dank wieder mal auch für diese Ausführungen!
    Besonders diese Aussage ist hier voll zu unterschreiben:

    „Dass Smolorz in seiner Ankündigung meint, das Werk eines Primo Levis für seine Arbeit instrumentalisieren zu können, ist allein schon an Impertinenz und Unverständnis gegenüber dem Werk des Überlebenden und der Person Primo Levi kaum zu überbieten. Wer denkt, sich einer Figur wie Theobald Schrems auf diese Weise nähern zu können, offenbart grundlegende Defizite oder hat ganz anderes im Sinn.“
    ————————–
    Schreckt man zu Regensburg mittlerweile immer noch vor nichts zurück?
    Die „Schönfärbereien“ bzgl. oberpfälzer Geschehnisse in der Nazi-Zeit bringen doch nichts, vor allem wenn man damit (auch noch) die Diözese Regensburg selbst „reinwaschen“ will.

  • bayernsbestfriend

    |

    Clickt man den ersten Link im obigen Aufsatz unseres geschätzten Autors Robert Werner an, so landet man beim „Schlesischen Verlag für wissenschaftliche Literatur“ und einer Kurzfassung des Heftinhalts des bezeichneten Periodikums.
    Es geht da um die Zeit und das Wirken des international äußerst umstrittenen, polnischen Kardinals August Hlond.

    Es schadet nicht, sich mal den Wikiartikel zu ihm https://de.wikipedia.org/wiki/August_Hlond
    einmal durchzulesen und sich dann das Pendant dazu von en.wiki vorzunehmen: https://en.wikipedia.org/wiki/August_Hlond

    Man wird rasch feststellen, dass der englischsprachige Eintrag über den Antijudaismus des hohen polnischen Geistlichen, der übrigens auch ein Deutschenhasser war, wesentlich ausführlicher ausfällt, als der bei de.wiki.

    Noch interessanter wird es, wenn man bei de.wiki die Diskussionsseite aufruft:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:August_Hlond

    Dort liest man:

    „Ich hab‘ gerade den Absatz über Antisemitismus (eigentlich sollte man sagen: Antijudaismus) von Kardinal Hlond weggeschmiesen. Obwohl ist das eigentlich richtige Bemerkung, finde ich, daß es kein Sinn macht, diese im Text zu erwähnen, weil
    1) es gab noch radikalere antijudaische Priester als Hlond (nicht nur) in Polen 1920/1939; Hlond hat mehrmals die Juden von der absurden Anschuldigungen der Nationalisten verteidigt 2) Antisemitismus ist nicht der entscheidendste Faktor in Bewertung Lebens von Hlond 3) Antujudaismus war damals Problem auch der anderen Kirchen, nicht nur in Polen, sondern auch in Ungarn, Frankreich, Spanien usw. Wir werden doch nicht bei der allen wichtigen Gestalte der KK über ihre Anti- bzw. Filosemitismus sprechen.
    Ich bin froh auf Bemerkungen anderer Wikipedisten.
    Gruß. Warschauer.“

    So einfach ist es bei Wiki eine ungenehme (kirchenkritische) Info zu kippen.
    Der Wortstellung im Satz dieses Kommentars nach, hat sich jemand aus Polen, der über mittelgute Deutschkenntnisse verfügt, daran begeben den deutschen Wikilesern sein geschöntes Bild zum Kardinal Hlond zu präsentieren. Ganz im Sinne der gegenwärtigen nationalistischen, polnischen Regierung und der sehr einflussreichen polnisch-katholischen Kirche.

    Herr Smolorz ist also nicht der einzige Gesandte „unter dem Kreuze“ aus unserem Nachbarland, der uns Deutsche im klerikal-revisionistischen Sinne belehren oder aufklären möchte bzw. soll.

    Interessant, was noch alles aus dieser Richtung zu erwarten ist.

  • Michael Schmitt

    |

    Was der Rezensent (und vermutlich auch Dr. Smolorz) nicht erwähnt, ist das Ghetto von Litzmannstadt, das auf Anordnung der SS im Frühjahr 1940 installiert wurde. Alle Juden der Stadt, etwa 160000 – also mehr Menschen als die gesamte heutige Einwohnerschaft von Regensburg – mussten dort wohnen. Es war mit Stacheldraht und Wachtürmen gesichert und hatte eine Fläche von 4 Quadratkilometer, was etwa 5 % des Stadtgebiets von Regensburg ausmacht.
    Wie kann man bei der Einschätzung des Charakters der Domchor-Konzerte die laufende Vernichtungspolitik des NS-Regimes weglassen, wo doch die „Domspatzen“ im Herbst direkt neben dem Ghetto in Litzmannstadt gesungen haben??

    Auf seiner Homepage stellt Smolorz sein Projekt so vor:
    http://www.smolorzr.de/RomanSmolorzdeutsch.html
    (siehe unter „offene Projekte“):

    „Der Chor des Domes zu Regensburg, die sog.“Regensburger Domspatzen“, konzertierten in Oberschlesien und in Polen im Jahre 1936 und 1940. Diese Konzerte standen im Zeichen, zum einen der deutschnationalen Volkstumspolitik während der Weimarer Republik, zum anderen eventuell im Sinne der nationalsozialistischen Propaganda. Da die Domspatzen aber ein römisch-katholischer Kirchenchor war (und ist) lohnt es zu prüfen, ob sich dieser der NS-Ideologie zur Vefügung stellte oder nicht?“

    Mal außer Acht gelassen, dass „deutschnationale Volkstumspolitik“ der Weimarer Republik 1936 schon drei Jahre nicht mehr existierte, scheint der Oberschlesier Smolorz tatsächlich davon auszugehen, dass ein „römisch-katholischer Kirchenchor“ an sich für die NS-Ideologie nicht zur Verfügung stehen konnte. Wissenschaftliche historische Forschung geht anders Hr. Dr. Smolorz.

  • Haimo

    |

    An Dr. Theobald Schrems Wob 04/2016

    Ach, Theobald, mir wird so kalt,
    sobald ich an Dich denke.
    Du warst ja damals schon so alt
    wie Deine Notenschränke.

    Doch wurd’st Du wieder jung, sobald
    Dich’s juckte im Gelenke:
    Du praktiziertest Allgewalt
    uns Jungen zum Geschenke.

    Es klatscht; ich hör‘ wie’s widerhallt.
    Wir drückten still die Bänke.
    Kein einzig’s Klagelied erschallt,
    kein Maulen, kein Gezänke.

    Wer weinte, hat’s mit Hohn bezahlt.
    Den Groll ich stumm versenke:
    Wir standen reglos wie im Wald
    als Spatzen an der Tränke.

    Noch heutzutags mein Kreislauf wallt,
    kaum dass den Sinn ich lenke
    auf Dich, brutaler Theobald.
    Verzeih‘, wenn ich Dich kränke!

    Du bliebst bis heut‘ mein Albtraum halt,
    in dem ich Dich erhenke.
    Erst wenn kein Loblied Dir mehr schwallt,
    verschwind’st Du in der Senke.

    Dann wär‘ Dein Nimbus abgeprallt
    an Fakten. – Keine Schwänke
    mit frommen Lügen übermalt,
    dass niemand falsch gedenke!

  • hutzelwutzel

    |

    @Haimo: Gut gedichtet!

    Ich empfehle auch einmal von den Schubladen um diese Täter wegzukommen, und das Ganze flächenmässig zu sehen. So sollen scheinbar um den Heimatort von Schrems sehr oft Veranstaltungen mit Jugendlichen stattgefunden haben, die Fragen aufwerfen könnten.
    Viele der klerikalen Täter sollen sich nicht nur vor Ort sondern auch in deren Heimat munter bedient und andere dazu eingeladen haben.
    Gerade deshalb scheinen die Verantwortlichen den Brennpunkt bei den Domspatzen setzen zu wollen, und Mißbrauchte außerhalb der kirchlichen Einrichtungen sollen geflissentlich als nicht existent dargestellt werden. Für solche Opfer ist es aber ungleich schwerer ohne Hilfe an die Öffentlichkeit zu gehen, da hier meist das gesamte gesellschaftliche Umfeld so massiv von der Diözese abhängig ist, dass dies einem finanziellen Ruin gleichkommen würde.

  • hutzelwutzel

    |

    Man sollte durch eine solche Aufklärung auch einem Betrug an der Solidargemeinschaft entgegen treten. Schliesslich fallen sehr viele der Mißbrauchten notgedrungen in die „soziale Hängematte“, d. h. die Täter schieben die Opfer nach Gebrauch an die Solidargemeinschaft ab, welche diesen dann helfen soll und muß.
    Diese Kosten soll gefälligst die sog. „Täterorganisation“ bezahlen!

  • Ehemaliger1

    |

    @ Herr Haimo,
    Sie waren doch auch was man so hört in diesem Kirchenkuratorium mit dem Bistum Regensburg und Bischof Voderholzer involviert.
    Zum Thema Aufarbeitung haben Sie ja doch auch angeblich ausführlich mitgearbeitet.
    Was denken Sie denn, dass gerade der Herr RA Weber aus Regensburg auch in diese
    Korruptionsaffäre vielleicht mit verwickelt sei ? (‚ siehe auch JAHN REGENSBURG )
    Solche Leute gehören sich alle eingesperrt! Der kleine Mann geht arbeiten, ( die Rente reicht heute eh nicht ) und andere KEUTE halten vielleicht noch die Hand auf und kassieren anständig ab.
    NO NO NO
    https://beauftragter-missbrauch.de/der-beauftragte/das-amt/

    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.bayern-festnahme-mann-soll-maedchen-sexuell-missbraucht-haben.84e43115-07bd-4ade-be62-9cfdf6543ae8.html

  • Michael Schmitt

    |

    Für den Fall, dass wer meinen Hinweis vom 24.1.17 zum besagten Forschungsprojekt „Die Regensburger Domspatzen und ihr Leiter Theobald Schrems im Spannungsfeld zwischen Katholischer Kirche und NS-Staatnachgehen“ will:
    Die Seite von Dr. Smolorz wurde zwischenzeitlich „bereinigt“, das o.g. Zitat ist nicht mehr auffindbar. Ausweislich einer kleinen Notiz am Seitenende geschah die letzte Änderung durch die Sekretärin des Lehrstuhls, Roswitha Geiger, am 25.01.2017 17:28 – also einen Tag nach meinem Post.

    War wohl doch zu peinlich…

  • Herbert Turetschek

    |

    „Zum Thema Aufarbeitung haben Sie ja doch auch angeblich ausführlich mitgearbeitet.“ Na und? Haimo hat mehr getan, als wir alle zusammen. Wir müssen auf die hören, die schon seit 1995 und früher auf den Missstand hinwiesen – ich bin ja auch erst seit 2013 dabei und vorher habe ich geschwiegen und wenn ich mir die Gewalt anschaue, die mir heute begegnet, dann weiß ich wirklich nicht, habe ich mich dazu durchgerungen, mein Schweigen zu brechen, damit ich heute mit Gewalt überzogen werde?!

  • Michael Schmitt

    |

    Ich muss mich verbessern: die von mir am 26. Januar 2017 um 18:59 zitierte Passage zu dem Forschungsprojekt „Domchor“ steht immer noch auf der smolorz.de-homepage.

    Sie steht unter „Aufsätze“: Wenn mann links auf das kleine Bild klickt, kommt die von mir zitierte Kurzdarstellung. Es ist ein bisschen versteckt, all das.
    Sie wurde also nicht entfernt wie am 28. Januar 2017 um 17:02 von mir gepostet. I´m so sorry.

  • Ehemaliger1

    |

  • Coffin Corner

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    Es ist schon interessant, was in der Oberpfalz so alles möglich (und anscheinend auch üblich) ist.
    Da sind dann Geistliche im Vergleich mit Normalbürgern auch keine Exoten mehr.
    Franz Josef Strauss hatte dazu ein passendes .Wort: Ein Saustall.
    Was die Domspatzen angeht, so liegen doch nun genug Argumente auf dem Tisch, um den Laden dicht zu machen.

  • hutzelwutzel

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    @Coffin Corner:

    Davon ausgehend, dass – wie ich erst vor wenigen Wochen über Bekannte erfahren habe – in diversen Regionen der Oberpfalz noch Massengräber aus dem WW2 vorhanden sein sollen, kaum verwunderlich.
    Man hatte also über Jahrzehnte den Mund zu halten, weil katholische Geistliche wußten was getrieben wurde.

    Info: Franz Joseph Strauss, hier dessen Frau hatte in der Nordoberpfalz Verwandte. Soweit ich bisher weiß genau in dem Ort, in dem einer der geistlichen Haupttäter GFZ eine Musikkapelle gründete, und bis 2010 noch mit einem jährlichen Konzert geehrt wurde. Der dortige Bürgermeister soll sich – selbst an den Unterweisungen dieses pädokriminellen Geistlichen teilgenommen – davon distanziert haben, dass GF. Zimmermann (+ 1984) auch gegenüber ihm übergriffig geworden war.

  • O. Steuropa

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    Die Arbeiten von Dr. Roman Smolorz zu Displaced Persons, die er im Auftrag des Stadtarchivs 2001 -2009 erstellte, zeigen dieselben überaus problematischen Tendenzen, wie sie oben ausgeführt wurden („die Regensburger Domspatzen als Opfer einer nationalsozialistischen Vereinnahmung und der Nazis“; oder: zahlreiche namenlose Geistliche, die die „die NS-Ideologie“ missbilligt haben sollen).

    In der zweiten Auflage seiner Untersuchung der DP von 2009 schreibt er:
    „Damals [nach Kriegsende] bezweifelte niemand, dass die Kirche zu den Opfern des Nationalsozialismus zählte und sie nach dem Kapitulation aufgrund ihres Ansehens und ihrer Autorität beim Aufbau eines neuen, anderen Deutschlands mithelfen würde. Insbesondere die letzten Kriegstage hatten noch vielen Priestern das Leben gekostet, wenn sie sich öffentlich für eine Kapitulation statt eines sinnlosen Endkampfes aussprachen.“

    Wo die vielen um Leben gekommenen Priester zu finden wären, verrät Smolorz auch diesmal nicht. Er kann nur exemplarisch auf Domprediger J. Maier verweisen, der sich allerdings nicht explizit für „eine Kapitulation“ aussprach, sondern eine Bitte um Gehör an die örtliche Naziführung richten wollte.

    Außerhalb von Regenburg betrachtet ist es rätselhaft, warum Dr. Smolorz im Auftrag des Regensburger Archivs über viele Jahre seine Osteuropa-Studien anstellen durfte, die stadtgeschichtlich m.E. drittrangig sind.

  • hutzelwutzel

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    @O. Steuropa:

    Dr. S. durfte diese Studien machen, weil man die benötigte, um Augenwischerei betreiben zu können.

    Eine gewisse Analogie zum viel später erschienenen Buch von Dr. W. Scharnagl „Bayern kann es auch alleine!“ ist langsam nicht mehr von der Hand zu weisen.

    Lesen Sie mal unter http://www.hagalil.de was da in Bezug auf Bayern und die Oberpfalz geschichtlich so alles umgedreht wurde, und auch heute noch umgedreht wird.
    Mich wundert nur , dass nicht das bayerische Volk an sich – natürlich nur die oberen Zehntausend aktueller Zeit – als Verfolgte des damaligen Regimes dargestellt wird/ werden.

  • R.G.

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    @hutzelwutzel

    Zumal Sie sich sprachlich recht präzise wie Frau Oetken ausdrücken, und wie sie Massengräber der Nachkriegszeit und weitere Details teilen, möchte ich freundlich fragen, ob Sie etwa einem Verein angehören, der ein klares Konzept mit diesen Inhalten vertritt.

    Können Sie mir erklären, was Sie beide veranlasst, das Missbrauchsthema durch das Thema, Massengräber der Nachkriegszeit, etwas in den Hintergrund zu drängen?

  • hutzelwutzel

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    @R.G.:
    Schön, dass mal jemand auf meine Kommentare antwortet. ;-)

    Wie kommen Sie darauf, dass durch das Thema „Massengräber“ – oder sagen wir eher „nicht aufgearbeitete Geschichte der Nazi-Zeit in der Oberpfalz“ die Mißbrauchsfälle in den Hintergrund gedrängt werden sollen/ können?
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    Ich würde sagen, dass diese Dinge zusammen gehören, da:

    1. Nicht aufgearbeitete Straftaten Mitwisser*innen die nach 1949 noch lebten und zum Teil heute noch leben in gewisse Abhängigkeiten für Erpressung usf. bringen.

    2. Kath. Geistliche während der Nazi-Zeit flächendeckend vorhanden waren und Seelsorge betrieben, damit auch hörten was da geschah. Mir kann niemand glaubhaft machen, dass diese Dinge nicht gerade unter Bischöfen wie Graber, Buchberger etc. in Unterlagen verschriftlicht wurden. Das sog. „Beichtgeheimnis“ können Sie „knicken“, es ist eine Mär über die man den Hl. Johannes Nepomuk zur Ehre der Altäre erheben konnte, mehr nicht. Ich sehe da immer reale Geistliche vor mir, die – ohne pädokriminell zu sein – trotzdem deren Mund nicht halten konnten und können.

    3. Wer zufälliger Weise pädokriminell (veranlagt) ist, und Dinge weiß welche die Bevölkerung ganzer Landstriche für Jahre hinter Gittern bringen könnten, der kann selbst ungestraft Dinge tun, die man anderen Leuten nicht durchgehen lassen würde.

    Fazit: Daher das übergroße Schweigen in der gesamten Region, ob es nun Dinge aus der Nazi-Zeit oder Mißbrauchsfälle betrifft. Nur sehr sehr wenige Leute wie Robert Werner sind hier Manns genug diese Dinge zu recherchieren und über RegDigi ans Tageslicht zu bringen.

  • R.G.

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    @hutzelwutzel

    Sie antworteten stereotyp mit dem üblichen Verschwörungsganzen, mit Massengräbern und Erpressbarkeit der – ihr Lieblingswort:- Pädokriminellen wegen der ungesühnten Taten aus der Nachkriegszeit etc.

    In vielen Beiträgen in unterschiedlichen Portalen treten paarweise Poster dieser Einheitsaussagen, transportierend einen Grundhass gegen die katholische Kirche, auf.

    Hier aber geht es um einen angeblich wissenschaftlich fundierten Artikel über die Rolle Domspatzen in der Nazizeit, der sich eventuell eher Kriterien gesetzt haben könnte, wie sie einer Festschrift zu Ehren gereichen würden.

    Das verdient die Aufmerksamkeit von differenzierfähigen Menschen: Ist *während der Nazizeit* gleich mit *Massengräbern aus der Nachkriegszeit*? Klingen die Worte gleich oder verschieden, usw.?

    Wäre es möglich, dass unterschiedliche Worte tatsächlich unterschiedliche Inhalte darstellten ?

    Mir ist schon klar, aus welchem Eck ihr Wind pfeift.

  • bayernsbestfriend

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    @O. Steuropa
    @hutzelwutzel

    Volle Zustimmung, danke!

    Schweigen ist in der Tat die Kardinaltugend der Katholischen. Selbst ein Papst erlangte einst Berüchtigtkeit dafür, dass er schwieg, nämlich des Regensburger Bischofs Buchberger Oberchef Pius XII.

  • hutzelwutzel

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    @R.G.: Danke für die Zurechtweisung! ;-)

    Wir gehen aber schon mit Herrn Werners Artikeln über die Nazizeit in und um Regensburg von einer durchaus „grundrechten Haltung“ des Führungspersonals der Diözese Regensburg aus.
    Für meinen Teil sehe ich die gesamte RKK während der Nazizeit als „verkommen“ an. Auf ein Konkordat hätte man sich da nicht einlassen dürfen.

    Un im Verschweigen hat die RKK echte Erfahrung, denn immer wenn es dieser nutzt wird geschwiegen. Andererseits wollte und will man über die Beichte gerne alles wissen.

    Wurde in Etterzhausen, Pielenhofen und in der Reichsstraße auch gebeichtet?

    Vor während oder nach der Nazizeit/ dem WW2: Faktum ist, dass gerade in dieser, sich mit der Diözese R. geografisch nahezu deckenen Region noch jede Menge Dinge aufzuklären sind, und diese Dinge im Dunstkreis der hier – so jedenfalls kommt es mir vor – allein- und überaus autokratisch herrschenden RKK geschehen waren.

  • R.G.

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    Zitat hutzelwutzel:

    „Faktum ist, dass gerade in dieser, sich mit der Diözese R. geografisch nahezu deckenen Region noch jede Menge Dinge aufzuklären sind, und diese Dinge im Dunstkreis der hier – so jedenfalls kommt es mir vor – allein- und überaus autokratisch herrschenden RKK geschehen waren.“

    Da Sie NUR und ausschließlich die Römisch Katholische Kirche und niemals nicht eine andere auch als Sündenpfuhl sehen:

    Mir kommt vor, dass es zu einer
    „allein- und überaus autokratisch herrschenden RKK “ nur kommen kann, wo die Politik ihre Arbeit nicht machte.
    Eigentlich wäre der Staat der Souverän.

    Dennoch, hier geht es eben nicht um ein undurchdringliches und für immer viel zu großes Ganzes, sondern um Konkretes, um einen Professor, der womöglich Aufarbeitung in dem einen Artikel nicht als Aufdeckung unbequemer Wahrheiten gehandhabt haben könnte, sondern mehr als Aufarbeitung im Sinne von Aufmöbelung.

    Upcyclng: Man nehme das Braune von damals und färbe es hübsch Shabbyweiß. Was immer noch bräunlich durchguckt, ist eben Patina.

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